WEIMAR C.2.
I.
Vvigmara (899), Wimeri (984), Wimari (1002), Wimar (1173/74), Wimaria (1244), Wimare (1268), Wimara (1278), Winmar (1285), Wymar (1307), Weymar (1511). - Der Name (vih, heilig, mare, Wasser) deutet auf ein vorchristl. Heiligtum hin, vermutet wird ein Herrschaftszentrum des Kgr.s derThüringer. Die von Wassergräben umgebene Burg in östl. Stadtrandlage, wird im 10. Jh. als Sitz der Gf.en von W. erwähnt und ist seit Ende des 12./Anfang 13. Jh.s als Herrschaftsmittelpunkt der Gf.en von (W.)-Orlamünde nachzuweisen. Nach deren Aussterben fällt W. 1372 an die → Wettiner, die bereits seit 1342 die Lehnshoheit besaßen, 1485 an die Ernestiner. Von den → Wettinern wird sie zu einer ihrer Res.en ausgebaut, 1531 neben → Torgau und → Coburg zu einer Hauptres. bestimmt. - D, Thüringen, Kr. W. (Stadt).
II.
W. liegt im Thüringer Becken in der sog. Weimarer Mulde im Gau Husitin (Ostgau) abseits der Fernhandelsstraßen. Ausgangspunkt für die Stadtgründung war das der Burg nordwestl. vorgelagerte suburbium. Als Stadtgründer wird Hermann III. von Orlamünde angesehen. - 1254 civitas. Neben dem suburbium existiert ein zweiter Siedlungskern, die sog. Jakobsvorstadt, die zunächst nicht in die Befestigung der Stadt einbezogen wird, im 14. Jh. jedoch als Stadtteil nachweisbar ist. Einsetzung einesSchultheißen durch die Gf.en von Orlamünde, namentl. seit 1289 nachweisbar, der auch noch 1348 sein Amt versieht. Rat mit vier Ratsmeistern und acht Ratmannen 1348 erwähnt, aber bereits 1262 siegeln die Bürger eine Urk. des Gf.en mit, und seit 1326 ist ein Stadtschreiber bezeugt. Daneben sind seit 1367 ein gfl. Hauptmann und seit 1368 ein gfl. Richter gen. Für die Gf.en von (W.)-Orlamünde hatte die Stadt mit ihrer Burg eine gewisse Geltung als territorialer Mittelpunkt und Res. Nach der wettin. Landesteilung von 1382 erhält W. rasch wachsende Bedeutung als Aufenthaltsort der Fs.en undAusstellungsort von Urk.en. Nach der Teilung von 1445 wird W. die bevorzugte Res. unter Hzg. Wilhelm III., 1485 zu einer Nebenres. der Ernestiner, die sie 1531 neben → Coburg und → Torgau zur Hauptres. bestimmen. 1547, nach der Schlacht bei Mühlberg, wird W. Herrschaftsmittelpunkt des ernestin. Hzm.s, seit 1572 des Hzm.s Sachsen-W. Die Stadtherrschaft der → Wettiner wirkt sich zunächst förderl. auf die Stadtentwicklung aus. 1407 werden die Bürger der Stadt von der Leistung von Frondiensten befreit, 1410 wird W. das Recht der Stadt Weißensee verliehen. 1431erhält W. die niedere Gerichtsbarkeit. Landesherrl. Beamte, die in der Stadt wohnten, werden in die Leitung städt. Angelegenheiten einbezogen und halten ab 17. Jh. Einzug in den Stadtrat, wo sie in zunehmendem Maße landesherrl. Politik vertreten. Ab der zweiten Hälfte des 16. Jh.s finden die Bestimmungen der Landes- und Polizeiordnungen zunehmend Eingang in die städt. Gesetzgebung. Ausprägung des Charakters als Residenzstadt im 15./16. Jh., Sozialstruktur, Wirtschaft, Bauwesen und Kultur werden durch die Bedürfnisse des Hofes bestimmt. Aus der im 15./Anfang des 16. Jh.s nochüberwiegend vom Ackerbau geprägten Stadt wird Ende 16./Anfang 17. Jh. eine typ. Hof- und Beamtenstadt.
III.
Als Vorläufer der Res. wurde vermutl. im 9. Jh. eine von Wassergräben umzogene Burg am westl. Ilmufer auf einer kleinen Anhöhe errichtet. Als Burgherr wird Gf. Wilhelm II. von Weimar (963-1003) gen. Die damalige Gestalt der Burg ist weitgehend unbekannt. Sie wird 1173/74 durch die Lgf.en von Thüringen zerstört, danach aber wohl bald wieder aufgebaut. Die Reste des damals vorhandenen Bergfrieds sind noch heute im Schloßturm erhalten. Die ovale Grundform der Kernanlage, von einer Ringmauer umgeben, wird im 12./13. Jh. vorhanden gewesen sein. Eine Burgkapelle(Martinspatrozinium) befand sich vermutl. im östl. Teil der Ringmauer, nördl. daneben wohl der Palas. Der Hauptzugang verlief wahrscheinl. über eine Zugbrücke in der Nähe des Bergfrieds, ein weiterer Zugang könnte sich im N der Anlage befunden haben. Unter den → Wettinern setzten zahlr. Um- und Neubaumaßnahmen ein, nachdem 1424 die Stadt und Teile der Burg einem Brand zum Opfer fielen. 1439 wurde der Bergfried erneuert und der Neubau des Torgebäudes vollendet. 1464 wird die Martinskapelle zur Stiftskirche erhoben und 1468 an ihrer Stelle ein got. Neubau geweiht. Ihr Turm überragtdie Mauer, der Choranbau befindet sich außerhalb der Mauerflucht, was für ein langsames Schwinden der fortifikator. Funktion der Burganlage spricht. Mit Beginn der 16. Jh.s wird das Bestehende weiter ausgestaltet. 1520 werden Verschönerungsarbeiten an der Kapelle vorgenommen, 1522/23 erhält die Hofseite des Ostflügels einen Wendelstein. 1531 wird das Torgebäude durch Nicol Gromann überbaut, ders. gestaltet 1543 ein Teil der Kapelle um. 1562-65 wird südl. vom Residenzschloß in der Nähe eines Stadtturms ein Lustschloß (»Grünes Schloß«) gebaut, um die gewachsenenRepräsentationsbedürfnisse des Hofes zu befriedigen. Das für die Wwe. des Hzg.s Johann Wilhelm von Sachsen-Weimar, Dorothea Susanna, 1574-76 errichtete »Rote Schloß« war mit einem überdecktem Gang mit der Hauptres. verbunden. Diese bildete um 1618 ein überwiegend aus einzelnen miteinander verbundenen Gebäuden bestehendes Oval. Sie beherbergten im W neben dem nun als »Hausmannsturm« bezeichneten Bergfried Küche, Archiv und Zeughaus, im O den »Großen Saal«, das »Tafelgemach«, das »Kurfürstliche Gemach«, die Kapelle und den Glokkenturm, im S Ställe und im N weitereArchivräume, das Arsenal und die »Hofstube«. Der Gebäudekomplex besaß nunmehr vier Zugänge. Ein Feuer vernichtete ihn am 2. Aug. 1618 bis auf wenige Reste. Darauf begann 1619 die Errichtung eines barocken Schloßkomplexes. Am 6. Mai 1774 vernichtete ein Feuer die unfertige Anlage fast völlig. Die heutige Gestalt des Residenzschlosses, das v. a. die Kunstsammlungen beherbergt, stammt aus dem 19. Jh. und geht v. a. auf Pläne von Coudray zurück.
Sources
Rechnungen des Amtes Weimar sowie fürstliche Reise- und Kammerrechnungen, Küchen- und Lagerbücher: ThStAW, Ernestinisches Gesamtarchiv, Reg. Bd. - Thietmari Merseburgensis Episcopi Chronicon, 1935.
Literature
Blaha, Dagmar: »... in civitate nostra Wimare ...«. Die Entwicklung Weimars zum Residenzort, in: Residenzkultur in Thüringen vom 16. bis 19. Jahrhundert, hg. von Roswitha Jacobsen, Bucha bei Jena 1999, S. 43-59. - Eberhardt, Hans: Zur Frühgeschichte von Weimar, in: Zeitschrift des Vereins für Thüringische Geschichte 53 (1999) S. 9-23. - Geschichte der Stadt Weimar, hg. von Gitta Günther und Lothar Wallraf, 2. Aufl.,Weimar 1976. - Weimar. Lexikon zur Stadtgeschichte, hg. von Gitta Günther, Wolfram Huschke, Walter Steiner, Weimar 1998. - Wirth, Hermann: Von der Wasserburg an der Ilm zum Weimarer Residenzschloß, in: Burgen und Schlösser. Zeitschrift der Deutschen Burgenvereinigung e. V. für Burgenkunde und Denkmalpflege 1 (1992) S. 26-34.