SCHWERIN C.7.
I.
Evtl. bereits 965 als Burg erwähnt, 1018 Zuarinae civitatis municionem (Jesse 1920, Bd. 1, S. 2) für eine befestigte Anlage auf der heutigen Schloßinsel im S.er See, 1160 Zerstörung der slaw. Burg durch Hzg. Heinrich den Löwen, Verlegung des Bm.s Mecklenburg nach S., Verleihung des Lübecker Rechtes, Einsetzung eines sächs. Gf.en, 1171 erste Weihe des Domes, 1228 Erwähnung als civitas (MUB I, 1863, Nr. 359), 1284 Erwähnung des Marktes (forum, MUB III, 1865, 1766),1351 Rathaus (consistorium, MUB XIII, 1884, Nr. 7508) belegt. - Durch die Gründung einer sächs. Gft. wurde S. der Herrschaft des slaw. Fürstenhauses entzogen. Mit der Verlegung des Bm.s Mecklenburg, der Stiftung des Domes und der Verleihung des Stadtrechtes an die Vorburgsiedlung erhielt der Ort neue Bedeutung. 1358 kam S. durch Verkauf von den Gf.en von S. an die Hzg.e von Mecklenburg, die hier bis 1918 eine ihrer Res.en hatten. Magnus II. verlegte 1493 die landesfsl. Kanzlei nach S. In den Erbverträgen 1503, 1518 und 1520 sowie 1555 wurden Haus und Amt S. alsgemeinsamer Besitz der regierenden Hzg.e betrachtet. Ab 1553 wurde die Burg nach Ansätzen in der ersten Jahrhunderthälfte durch Johann Albrecht I. zu einem Residenzschloß umgestaltet. 1621 wurde der Ort Res. der gleichnamigen regierenden Linie und damit begann eine weitere Phase umfangr. Arbeiten am Residenzschloß, die jedoch nicht abgeschlossen wurden. - D, Mecklenburg-Vorpommern, Kr. S. Stadt.
II.
S. liegt am westl. Ufer des S.er Sees. Im Laufe des 12. und 13. Jh.s vollzog sich die Stadtentwicklung auf mehreren der Burg vorgelagerten Erhebungen in der sumpfigen Uferzone des Sees. Ausgangspunkt der 1160 mit Stadtrecht bewidmeten Altstadt wurde der von Heinrich dem Löwen gestiftete und 1171 erstmals geweihte Dom der Bf.e von → S. und der 1284 erwähnte Markt (forum) mit dem 1351 erstmals genannten Rathaus (consistorium).
Vermutl. um 1217 wurde die Kirche St. Nikolai im Gebiet der Schelfe nördl. der Altstadt durch Gf. Heinrich von S. gestiftet. 1238 wurde sie als novella ecclesia (MUB I, 1863, Nr. 346, 350, 486) bezeichnet. Die Schelfe kam 1282 in den Besitz der Bf.e von S. Vor 1266 und im 15. Jh. entstanden östl. des Marktes Neustädte. Die aus einer dt. Kaufmannsiedlung entstandene Stadt besaß im 14. Jh. eine Stadtmauer.
1358 kam S. mit der Verpfändung der Gft. S. an die Hzg.e Albrecht II. und Johann I. von Mecklenburg. Ab 1358 nahmen die Hzg.e hier häufiger Aufenthalt. Im Verlauf des 15. Jh.s löste S. die Hansestadt Wismar als Herrschaftsmittelpunkt ab. Mit der Verlegung der Kanzlei nach S. unter Magnus II. 1493 und der Einrichtung der landesfsl. Kasse begann die Entwicklung zur frühneuzeitl. Res.
Für S. liegen vor 1500 keine Angaben über die Einw. vor. Schätzungen lassen S. mit 1500 bis 1 800 Bewohnern zu den mittleren mecklenburg. Binnenstädten gehörig erscheinen, die weniger als 2 500 Einw. besaßen. Für 1570 können 2 400 bis 3 000 Einw. angenommen werden. Die Einwohnerzahl erreichte vermutl. um 1600 einen Höhepunkt, um danach bis nach 1700 wieder langsam zurückzugehen.
In S. konnte der Hzg. im MA eine bestimmende Stellung als Stadtherr behalten. Die niedere Gerichtsbarkeit wurde vom Rat ausgeübt. Der Stapel wurde von einem landesherrl. Richter, dem Stadtvogt, und zwei Ratsmitgliedern als Beisitzern geleitet. Auf Grund der geringeren Einwohnerzahl waren wirtschaftl. Kraft und polit. Einfluß des Rates und der Bürgerschaft gering.
III.
Die Reste der slaw. Burganlage auf der S.er Schloßinsel konnten 1987 bei Ausgrabungen nachgewiesen werden. Im Laufe des MA entstand eine Anlage auf einem Ring additiv aneinandergefügter Gebäude, die seit dem Beginn des 16. Jh.s zu einem Residenzschloß umgestaltet wurden. Die Bauten besaßen insbesondere unter Hzg. Johann Albrecht I. zw. 1553-68 Bedeutung.
1553-55 wurden ältere Gebäude durch Terrakottadekorationen aufgewertet. Das »Neue Lange Haus« trug als Neubau dem gesteigerten Anspruch der Hofhaltung Johann Albrechts Rechnung. 1560-63 folgte der Bau des »Hauses über der Schloßkirche« durch Johann Baptista Parr mit der Kapelle. Bis 1563 entstand ein neues Küchengebäude, an das sich das »Neue Gebäude zum Vogelherde« anschloß.
Unter Adolf Friedrich I. wurde ab 1617 unter der Leitung des nld. Baumeisters Gheert Evert Piloot das Äußere des »Hauses mit der Schloßkapelle« verändert. Pläne zur Vereinheitlichung des Erscheinungsbildes unter baul. Einbeziehung der Burgfreiheit blieben weitgehend unausgeführt.
Der ma. Dom wurde 1171 als roman. Bau auf der höchsten Geländeerhebung im Altstadtbereich begonnen. Der Neubau einer got. Kathedrale begann um 1290 und war im 15. Jh. bis auf den Turm vollendet. Der Dom wurde von den Hzg.en Heinrich V. und Johann Albrecht I. von Mecklenburg zur Grablege ausgebaut. Mit der Bestattung seiner zweiten Gemahlin Helena von der Pfalz 1524 verlegte Heinrich die fsl. Grablege nach S. Ab 1552 wurde die südl. Chorumgangskapelle, die ma. Heilig-Blut-Kapelle, als Grablege genutzt. Johann Albrecht I. errichtete zum Gedenken an seine Verwandten um 1560 hölzerneEpitaphien. 1592/95 stiftete die Wwe. des als Administrator des Bm.s → Ratzeburg in → Schönberg regierenden Hzg.s Christoph für diesen ein Grabdenkmal in der nordöstl. Chorumgangskapelle. Bis Hzg. Adolf Friedrich I. wieder Doberan als Grablege wählte, wo er für sich und seine Gemahlin Anna Maria von Ostfriesland 1634 eine Grabkapelle errichten ließ, wurden alle Angehörigen des S.er Hauses im Dom der Res. begraben. 1560 errichtete Antonius Mors im Auftrag Johann Albrechts I. eine neue Orgel. 1572 entstand eine fsl. Empore. 1585 wurden die den protestant. Gottesdienstbehindernden Chorschranken entfernt.
Entspr. seiner Funktion als Hofkirche erhielt der S.er Dom auch als Begräbnisstätte für Angehörige des landesfsl. Hofes Bedeutung.
Sources
Schwerinische Chronica. Von M. Bernhardo Hederico Rectore der Schulen zu Schwerin trewlich zusammen gezogen, Rostock Gedruckt durch Christoph Reußner Anno MDXCVIII. [1598]. - LHAS, 2.12-1/26, Hofstaatsachen (Acta aulica) Fürstliche Häuser und Schlösser, Schwerin; 2.12-1/26Hofstaatsachen (Acta aulica), Hof- und Rangordnungen; 2.12-4/3 Städtewesen (Acta civitatum), specialia, Schwerin. - MUB.
Literature
Adamiak 1975, S. 283-286, Abb. Nr. 31, 168-177, Textabb. S. 24, 26, 33, 45, 47. - Bartel, Berna/Ende, Horst: Das Schweriner Schloß, Schwerin o. J. - Dehio, Kunstdenkmäler, Mecklenburg-Vorpommern, 2000, S. 521-559. - Handorf, Dirk: Das Schweriner Schloß im Zeitalter Johann Albrechts I., in: Der Johann Albrecht Stil. Terrakotta-Architektur der Renaissance und des Historismus. Publikation zur Ausstellung in der Hofdornitz imSchloß zu Schwerin, 7.6.-24.9.95, Schwerin 1995, S. 49-66. - Jesse 1-2, 1913-20. - Lisch, Friedrich: Geschichte der fürstlichen Residenzschlösser zu Wismar, Schwerin und Gadebusch, in: Jahrbücher des Vereins für Mecklenburgische Geschichte und Altertumskunde 5 (1840) S. 5-19. - Lisch, Friedrich: Geschichte des Schlosses zu Schwerin, in: Jahrbücher des Vereins für Mecklenburgische Geschichte und Altertumskunde 5 (1840) S. 32-60. - Lisch, Friedrich: Das Großherzogliche Schloß zuSchwerin, in: Archiv für Landeskunde in den Großherzogtümern Mecklenburg 7 (1857) S. 609ff. - Schlie, Friedrich: Kunst- und Geschichts-Denkmäler des Großherzogthums Mecklenburg-Schwerin, Bd. 2.: Die Amtsgerichtsbezirke Wismar, Grevesmühlen, Rehna, Gadebusch und Schwerin, Schwerin 1898, S. 521-594. - Stadt und Hof. Schwerin als Residenzstadt im 16. Jahrhundert (Ausstellungskatalog), hg. vom Historischen Museum Schwerin. Mit Beitr. von Thorsten Albrecht u. a., Red.: AntjeSander-Berke, Schwerin 1995 (Schriften zur Stadt- und Regionalgeschichte, 3). - Stuth 2001.