SALZDERHELDEN C.7.
I.
Castrum Solth (1320) (Burg Salz), castrum Helden (1321) (Burg über dem Abhang), castrum nostrum Salina (1337), borch tom solte tho der helden (1494), Saltderhelden (1576), Saltzderhelden (1783) - Burg/Schloß und Flecken - Hzm. Braunschweig-Lüneburg, Fsm. Grubenhagen, Hzg.e von Braunschweig-Lüneburg-Grubenhagen - Höhenburg über dem südl. Abhang des Großen Heldenberges westl. der Leine, 4 km südöstl. von→ Einbeck; seit Anfang des 14. Jh.s bis Ende des 16. Jh.s neben → Herzberg wichtigste Res. des Fsm.s Grubenhagen. - D, Niedersachsen, Reg.bez. Braunschweig, Landkr. Northeim, Stadtteil von Einbeck.
II.
Die vermutl. von den Gf.en von Dassel, den Gerichtsherren im Sülberggau, errichtete Burganlage befand sich zur Zeit der ersten urkundl. Erwähnung in welf. Besitz. Seit Hzg. Heinrich I. (Mirabilis) (1267-1322) diente sie als Residenzburg des Fsm.s, das aus der welf. Teilung von 1291 hervorgegangen war und das seit dem 16. Jh. als »Fürstentum Grubenhagen« bezeichnet wurde. Die geograph. Zerplitterung des Fsm.s und persönl. Vorlieben einzelner Hzg.e führten dazu, daß neben S. v. a. → Herzberg als Res. genutzt wurde. Gelegentl. ist S. auchvorübergehend verpfändet worden, so von 1329 bis 1335 an den Bf. von → Hildesheim. Hauptres. der Grubenhagener Hzg.e war die Burg insbes. in der zweiten Hälfte des 14. und in der ersten Hälfte des 15. Jh.s. Die Hzg.e Albrecht (um 1339-83), Friedrich (um 1350-1421) und Erich (um 1380-1427) führten selbst den Beinamen »von Salzderhelden«. Erichs Sohn Heinrich III. († 1464) und dessen Sohn Heinrich IV. († 1526) haben ebenfalls lange Zeit in S. residiert und hier eine landesherrl. Münzstätte betrieben: Moneta nova Salis Heldensis bzw. Monetanova to de Solt Helde steht auf den Geprägen.
Der letzte Landesherr des Fsm.s Grubenhagen, Hzg. Philipp II. (1533-96), ließ um 1590 einen durchgreifenden Umbau der Burganlage durchführen; nach dem Anfall des Fsm.s an das Haus → Lüneburg diente S. bis in die zweite Hälfte des 17. Jh.s als zeitweiliger Aufenthaltsort. Letztmalig hat Hzg. Johann Friedrich von Lüneburg (1625-79), Bruder des ersten hannoverschen Kfs.en Ernst August (1629-98), im Juni 1675 auff Unsern Hause Saltzderhelden geurkundet. Wichtige Funktionen eines Residenzortes nahm die nahegelegene Stadt → Einbeck wahr.
III.
S. bildete eine im Rechteck um einen Innenhof angeordnete Vierflügelanlage; im N, O und W umgab ein z. T. noch eindrucksvoll erhaltener Graben das Areal. Die in massiver Bauweise errichtete spätma. Anlage wurde um 1590 durch Hzg. Philipp II. im S, O und N bis auf das Erdgeschoß abgebrochen und in Renaissance-Fachwerk neu errichtet. Im östl., dem Leinetal zugewandten Flügel, dem sog. Fürstenhaus, lagen im Erdgeschoß Marstall, Küche und die Wohnung des Hofmarschalls sowie in der Südostecke das Untergeschoß der zweigeschossigen Kapelle; im erstenObergeschoß befanden sich die hzgl. Wohnräume mit direktem Zugang zum Obergeschoß der Kapelle sowie zwei Sälen. Der nördl. Flügel, »Junkernhaus« gen., enthielt u. a. das Gefängnis, eine sog. Hofstube und einen als »Junkernstube« bezeichneten Saal. Im NW des Burgareals ist der massive rechteckige Bergfried erhalten. Im Westflügel, dessen Kellergewölbe z. T. erhalten und restauriert sind, waren Rüstkammer und Speicher untergebracht. Der südl. Flügel barg einen weiteren Pferdestall, ferner die Schreibstube sowie einen weiteren Speicher.
Die seit dem späten 17. Jh. nicht mehr für Aufenthalte des Hofes genutzte Anlage ist z. T. verfallen, z. T. niedergelegt worden; Teile des Materials wurden an anderer Stelle verwendet, z. B. für das im 18. Jh. errichtete Amtshaus im Flecken S.
Sources
Die Quellenlage zur Geschichte S.s ist recht disparat; für eine Erforschung der Res. sind die zahlr. regionalen Urkundenbücher und die Archivalien des HSA Hannover grundlegend.
Literature
Aufgebauer, Peter: Die Burg Salzderhelden, in: Einbecker Jahrbuch 38 (1987) S. 19-41. - Aufgebauer 1993. - Aufgebauer 1996. - Eckart, Rudolf: Geschichte des Fleckens und der Burg Salzderhelden, Leipzig o. J. [1895] (Geschichte Südhannoverscher Burgen und Klöster, 6). - Feise, Wilhelm: Salzderhelden. Eine Übersicht über die Geschichte des Fleckens und der Burg, Einbeck 1926. - Fiala, Eduard: Münzenund Medaillen der welfischen Lande - Das alte Haus Braunschweig, Linie zu Grubenhagen, Leipzig u. a. 1906-07 (Sammlungen Sr. Königlichenen Hoheit des Herzogs von Cumberland, Herzogs zu Braunschweig und Lüneburg). - Max 1-2, 1862-63. - Mithoff 1873. - Pischke 2000. - Zimmermann, Paul: Das Haus Braunschweig-Grubenhagen. Wolfenbüttel 1911.