QUEDLINBURG C.4.2.
I.
Res. auf dem sog. Burgberg, einem Felskegel oberhalb der Stadt Q. In einer Urk. der Äbtissin Jutta von Q. (1308-47) nennt sich diese Ebdesche oppe der Borch des Goddeshuses. Im Verlauf der früheren Neuzeit ist im 16. bis 18. Jh. stetig der bis heute erkennbare, eindrucksvolle Schloßcharakter der abteil. Residenzbauten im Stil der Renaissance durch Ausbaumaßnahmen entstanden. - D, Sachsen-Anhalt, Reg.bez. Magdeburg, Kr. Q.
II.
Die noch heute sichtbare roman. Stiftskirche ist die mit späteren Umbaumaßnahmen versehene dreischiffige Basilika, die nach einem Brand um 1070 begonnen und 1129 in Anwesenheit Lothars III. geweiht wurde; schon der Vorgängerbau ist 1021 gleichfalls mit kgl. Beteiligung (Heinrich II.) konsekriert worden. Die ältesten Teile, darunter die Konfessio mit den Grablegen Mathildes und Heinrichs I. sind Gegenstand zahlr. bauhistor. Untersuchungen, die hier nicht im Einzelnen referiert werden können, vgl. dazu etwa Schubert 1990 undLeopold 1991. Die bedeutenden Grabsteine früh- und hochma. Äbtissinnen in der Krypta versinnbildl. deren Herrschaftsverständnis, v. a. derjenige der Tochter Ottos des Großen, Mathilde († 999), dessen Inschrift Q. als metropolis bezeichnet.
III.
Wie in → Gandersheim ist das Kanonissenstift als Res. der Äbtissin anzusehen. Die Unterbringung der reisenden Kg.e jedoch dürfte in dem am Fuß des Berges gelegenen Königshof (St. Wipertus) stattgefunden haben, wie es für die Zeit Ottos III. überliefert ist. Zw. 922 und 1213 sind insgesamt 64 Herrscheraufenthalte in Q. anzunehmen. Von der otton. Anlage haben sich Spuren im Kellergeschoß der späteren Res. erhalten, die in ihrer heutigen Gestalt eines dreiflügeligen Baues um einen nach O offenen Hof weitestgehend dem 16. bis 18. Jh. entstammt. Dierepräsentativen Gemächer, u. a. ein Thronsaal mit Vorraum, befanden sich im Obergeschoß
Bis 1810 war das Stift und die es umgebende Siedlung Westendorf mit der Pfarrkirche St. Wipertus innerhalb des (ehemaligen) Königshofes ein eigener Rechtsbezirk der Äbtissin. Unter deren Einfluß begann am Ende des 10. Jh.s die Stadtwerdung Q.s, die 1134 mit einem Privileg Lothars III. für die Kaufleute insoweit abgeschlossen war, daß diese nun eigenes Recht verliehen bekommen hatten.
Das Benediktinerinnenkl. St. Maria auf dem Münzenberg ist als vom Kanonissenstift abhängiges Institut, vermutl. nach dem Vorbild von St. Maria in → Gandersheim, 986 gegr. worden. Nach der Reformation 1539 wurde es vom Stift eingezogen. Den Äbt.nen von Q. unterstanden darüber hinaus auch die übrigen Kirchen im Stadtgebiet.
Ebenfalls wie in → Gandersheim errichteten die Stiftsvögte, im Falle von Q. die Gf.en von Regenstein (seit 1273), gegen Ende des 13. Jh.s in unmittelbarer Nähe eine eigene Burg, die jedoch schon im beginnenden 14. Jh. von Bf. Albert II. von Halberstadt und den Bürgern der Stadt geschleift wurde.