PLÖN C.7.
I.
Plune (slaw. eisfreies Wasser); Plunie civitas (Adam von Bremen, 1076/86); castrum Plunense bzw. urbs Plunensis (Helmold von Bosau, um 1170); Plöne (1328); Plön (1608); Marktflecken nach 1156, lübsches Stadtrecht ab 1236.
Stadt und Schloß am Durchfluß der Schwentine durch den Großen P.er See in Holstein; slaw. Fürstensitz bis 1139; Nebenres. der Gf.en von Holstein-Schauenburg; zeitweilig Res. der Gf.en von Holstein-P. (etwa 1290-1390); kgl.-dän. Amt (ab 1460); kgl. Anteil Holsteins (ab 1544); zeitw. Witwensitz; Nebenres. im abgeteilten Hzm. Schleswig-Holstein-Sonderburg (ab 1564); Haupt- und Residenzstadt des Hzm.s Schleswig-Holstein-Sonderburg-P. (1623-1761); kgl.-dän. Amtssitz (ab 1761) und Sommerres. (1839-63); Sitz einer kgl.-preuß. Kadettenanstalt (1868-1920), Staatl. Bildungsanstalt (1920-33),Nationalpolit. Erziehungsanstalt (1933-45) und eines Staatl. Internats (1946-2001); Kreisstadt des preuß. Kreises P. (ab 1867) und dessen Rechtsnachfolgern. Slaw. Niederungsburg auf der heutigen Insel Olsburg (bis 1139); Wasserburg Gf. Adolfs II. von Schauenburg (ab 1158); Verlegung des Herrschaftssitzes auf den sog. Bischofsberg (1173 Höhenburg); landesherrl. Schloß an gleicher Stelle (ab 1633/36). - D, Schleswig-Holstein, Kr. P.
II.
Bereits seit dem 10. Jh. ist auf der Insel Olsburg, dem heutigen P.er Stadtgebiet gegenüber, eine slaw. Burg nachweisbar. Heinrich von Badewide zerstörte sie 1139 bei krieger. Auseinandersetzungen im Rahmen der dt. Ostkolonisation. Die fruchtbare Hügel- und Seenlandschaft rund um den Großen Plöner See bot Land-, Fischerei- und Mühlenwirtschaft seit dem MA gute Voraussetzungen. Dabei bestimmte der durch Stauwehre gegenüber der heutigen Situation deutl. angehobene Wasserstand in MA und früher Neuzeit das Bild der P.er Landbrücke. Unter Adolf II. von Schauenburgentwickelte sich am Durchfluß der Schwentine eine aufstrebende Marktsiedlung, der ihre Lage auf einer Landbrücke inmitten der P.er Seenplatte geradezu ideale topograph. Voraussetzungen verschaffte. Seit 1173 im Schatten einer landesherrl. Höhenburg gelegen, kontrollierte P. den Heerweg zw. Trave und Kieler Förde. 1236 wurde P. das lübsche Stadtrecht verliehen. Das ma. Stadtgefüge hat sich auf Grund der naturräuml. beengten Entwicklungsmöglichkeiten weitgehend erhalten. Am flachen Fuß des Schloßbergs liegen Markt und Kirchplatz, zw. den beiden Stadttoren zieht sich der Hauptstraßenzug mitgiebelständigen Häusern über die Landbrücke. Kleine Gassen, sog. Twieten, schaffen Querverbindungen. Eine landesherrl. Gründung stellt die vor den Toren der Stadt ab 1685 auf Initiative Hzg. Johann Adolphs (1634-1704) nach dem Vorbild der Wolfenbütteler Auguststadt mit zweigeschossiger Traufenhausbebauung ins Leben gerufene Handwerkersiedlung »Neustadt« dar. Erst 1847 wird sie auf kgl.-dän. Initiative mit der P.er Altstadt zu einer polit. Gemeinde vereint.
III.
Über die zur slaw. und dt. Niederungsburg gehörigen Einzelbauten auf der heutigen Insel Olsburg ist nichts bekannt. Helmold von Bosau erwähnt als Charakteristika der slaw. Burg ledigl. deren Lage im See und eine als Landverbindung dienende Brücke. Erst die Höhenburg auf dem Bischofsberg wird 1593 erstmals und dann noch einmal 1627 in Kupferstichen abgebildet. Sie zeigt sich als L-förmiger Konglomeratbau, deren Einzelbauten in einem Inventar aus dem Jahre 1622 als Torhaus, Kapelle, Backhaus mit Räumen für Burgmannschaft und Amtsschreiber, sowie ein alter undein neuer Palas bezeichnet werden. Zur landesherrl. Burg gehörte ab 1385 ein Vorwerk, das 1625/26 noch einmal erweitert wurde und in dieser Form bis zu seiner Auflösung i. J. 1765 bestand.
Im Zusammenhang mit dem Bau des Schlosses 1633-36 ließ Hzg. Joachim Ernst von Schleswig-Holstein-Sonderburg-P. (1596-1671) die ma. Burg auf dem nachmaligen Schloßberg abbrechen und das Gelände terrassieren. An ihrer Stelle errichtete er nach einheitl. Plan eines unbekannten Baumeisters einen dreiflügeligen Schloßbau mit umlaufendem Altan. Das äußere Erscheinungsbild der nur durch Fensterachsen gegliederten Fassaden orientiert sich an der schlichten Spätrenaissancearchitektur der → Habsburger (z. B. El Escorial, Schloß Linz), die umlaufenden Dreiecksgiebel und die Dreiflügelanlagezitieren u. a. Frederiksborg Slot in Dänemark. Die innere Aufteilung verbindet mit ihrem in allen Etagen einheitl. Grdr. ital. Einflüsse (geradläufige Treppenhäuser, hofseitig umlaufende Korridore, ital. Appartementbildung) mit aktuellen Architekturtraktaten Joseph Furttenbachs d. Ä., wie sie z. B. in dessen »Architectura recreationis« (Ulm 1640) erscheinen. Seit dem 17. Jh. ist eine Nutzung des seeseitigen Hanges als Weinberg belegt. Das zugehörige Schloßvorwerk mit seiner additiven Bebauung zeigen vier Supraportengemälde von Dominicus Gottfried Waerdigh aus dem Jahre 1743, einKupferstich von 1749 bildet die nach einem Brand i. J. 1745 von Hzg. Friedrich Carl (1706-61) geschaffene Reitbahn mit barockem Marstall und Reithaus von Johann Gottfried Rosenberg ab. Daran schließt sich der ab 1730 nach Plänen des Hofgärtners Georg Tschierske gestaltete Lustgarten mit seiner 1744-51 errichteten Maison de Plaisance an.
Im Rahmen der Umnutzung zur dän. Sommerres. wurde das Schloß um 1840 spätklassizist. überformt und erhielt seinen weißen Anstrich und ein Schieferdach, die Außenanlagen und der Schloßgarten wurden von Christian Schaumburg landschaftsgärtner. umgestaltet. Historist. Veränderungen erfuhr das ab 1868 als preuß. Kadettenanstalt genutzte Schloß zw. 1895 und 1909. Zahlr. Neubauten wie Kommandeursvilla, Inspektorenhaus, Lazarett, Pförtnerhaus und Schwimmhalle entstanden zw. Schloß und Park. Das hzgl. Lusthaus wurde 1896-1910 von den Söhnen Ks. Wilhelms II. bewohnt und im Rahmen seiner Umnutzungzur Prinzenschule um zwei neubarocke Flügelbauten erweitert. Das P.er Schloßgebiet beherbergte ab 1920 wechselnden Erziehungseinrichtungen in Landesträgerschaft. Alle Gebäude sind in den letzten Jahren von der schleswig-holstein. Landesregierung privatisiert worden.
Sources
Adam von Bremen, Hammaburgensis ecclesiae pontificium, hg. von Bernhard Schmeidler, 3. Aufl., Hannover/Leipzig 1917 (MGH SS rer. Germ. II). - Braun/Hogenberg 1572-1618. - Danckwerth, Casper: Newe Landesbeschreibung der zwey Hertzogthümer Schleswich und Holstein, Husum 1652. - Hansen, Peter: Kurzgefasste zuverläßige Nachricht von den Holstein-Plönischen Landen: wobey zugleich die Geschichte von den beiden berühmten ClösternArensböck und Reinfeld gröstentheils aus ungedruckten Uhrkunden mitgetheilet vorden, Plön 1759 - Helmold von Bosau, Chronica Slavorum, hg. von Heinz Stoob, 4. Aufl., Darmstadt 1983 (Ausgewählte Quellen zur deutschen Geschichte des Mittelalters, 19). - Kinder, Johannes Christian: Urkundenbuch zur Chronik der Stadt Plön, Plön 1882. - Kinder, Johannes Christian: Plön - Beiträge zur Stadtgeschichte, Plön 1904. - Meisner, Daniel: Thesaurus philopoliticus, Frankfurt a. M.1627. - Scholtz, Heinrich: Kurtzgefaßte Nachricht von Ploen in Holstein, Plön vor 1754.
Literature
100 Jahre Erziehung der Jugend auf Schloß Plön 1868-1968, hg. von Heinz Kasdorff und Erwin Schmidt, Plön 1968. - 1000 Jahre Plön. 750 Jahre Lübisches Stadtrecht, hg. von der Stadt Plön, Plön 1986. - Freytag, Hans-Joachim: Die Lage der slawischen und frühen deutschen Burg Plön, in: ZSHG 110 (1985) S. 27-52. - Höppner, Henning/Hunzinger, Silke: Schloß Plön, Prinzenhaus - Schloßgarten: Sehnsucht nach Arkadien, Plön 1999. -Hunzinger, Silke: Schloß Plön: Residenz, Adeliges Armenhaus, Erziehungsanstalt, Plön 1997. - Schulze, Traugott: Geschichte des Plöner Schlosses, Eutin 1957. - Schulze, Traugott/Stolz, Gerd: Die Herzogszeit in Plön 1564-1761, Husum 1983. - Stender, Friedrich/Freytag, Hans-Joachim: Geschichte der Stadt Plön, Plön 1986.