Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich

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OSTERODE (AM HARZ) C.7.

I.

Osterrode (1136) [= ostwärts liegende Rodungssiedlung], Hugo de Hosterroth (1143), Osterodense castrum (1153), Osterode (1218); 1. Welf. Burg nordöstl. der Altstadt auf einem nach W vorspringenden Bergsporn, 240 m über NN. - 2. Schloß bei der Jakobi-Kirche am Rande der Neustadt. - Hzm. Braunschweig-Lüneburg, Fsm. Grubenhagen; Hzg.e von Braunschweig-Lüneburg; in der zweiten Hälfte des 16. Jh.s Nebenres. der Hzg.e und Grablege der Linie Grubenhagen. - D, Niedersachsen,Reg.bez. Braunschweig, Landkr. Osterrode/Harz.

II.

Die nordöstl. außerhalb der ma. Stadt gelegene Burg ist erstmals i. J. 1153 als befestigter Platz im Besitz Heinrichs des Löwen urkundl. gen. Sie gelangte über Ks. → Otto IV. an die welf. Hzg.e von Braunschweig-Lüneburg und befand sich seit dem späten 13. Jh. im Besitz der Linie Grubenhagen. Diese Burg ist nicht für längere Zeit als hzgl. Wohnstätte nachweisbar; die Einkünfte der Burg überschrieb Hzg. Albrecht (1419-85) i. J. 1481 seiner Frau Elisabeth von Waldeck als Leibzucht. Nach Albrechts Tod hatte Elisabeth die Burg als Witwensitz inne; vonhier aus nahm sie die Vormundschaft über ihre Söhne wahr. Am Fuß der Burg gründete Elisabeth um 1510 ein Kl. der Franziskaner-Observanten. Wenig später, 1512, wurde die Burg aufgegeben und ist bereits während des 16. Jh.s, noch zu Zeiten des Fsm.s Grubenhagen, verfallen.

Im SO von O. bestand am Rande der Neustadt bei der Jakobikirche seit dem frühen 13. Jh. ein Nonnenkl. nach der Zisterzienserregel. Es wurde ab dem späten 13. Jh. allmähl. in ein Kanonissenstift umgewandelt und diente dann in der Hauptsache zur Versorgung unverheiratet gebliebener Töchter des Adels, weshalb den Insassen die Beibehaltung ihres persönl. Eigentums erlaubt war. In der unmittelbar benachbarten Jakobikirche wurden 1485 Hzg. Albrecht und 1513 seine Frau Elisabeth bestattet.

Im Zusammenhang mit der Einführung der Reformation im Fsm. Grubenhagen i. J. 1540 hob Hzg. Philipp I. (1476-1551) das Stift auf; seit 1560 bauten dann die Hzg.e Ernst und Philipp II. - dieser als noch nicht regierender Hzg., der zumeist auf der Katlenburg residierte - den Gebäudekomplex dieser ehemaligen kirchl. Einrichtung zu einem Schloß um; die Stiftskirche wurde Schloßkirche. Als Philipp II. dann i. J. 1595 selbst an die Regierung gelangte, wechselte er aber von der Katlenburg nicht hierher nach O., sondern nach → Herzberg.

Deutl. ist im Falle O.s für das 16. Jh. der Schritt von der Burg zum Schloß: Die außerhalb und oberhalb der Siedlung gelegene ma. Burg wird aufgelassen und dem Verfall preisgegeben, und innerhalb des Ortes wird ein repräsentativer Schloßbau neu geschaffen. Doch im Unterschied zu → Herzberg treffen wir in O. zwei landesherrl. Grablegen und somit auch die damit verbundene Traditionsbildung über mehrere Generationen hinweg an. Neben der genannten Jakobikirche diente im 16. Jh. auch die aus dem 13. Jh. stammende St. Aegidienkirche als hzgl. Grablege; hier sind die vier letzten Hzg.edes Hauses Grubenhagen bestattet worden: Philipp I. († 1551), Ernst († 1567), Wolfgang († 1595) und Philipp II. († 1596). O. als Begräbnisort ist erkennbar dem Schloß → Herzberg als Residenzsitz zugeordnet.

Unter dem Gesichtspunkt der ortsfesten Herrschaftsbildung ist O. mit dem Schloß von 1561 nur als Nebenres. anzusprechen, im Hinblick auf Repräsentation und Traditionsstiftung ist es mit den beiden Grablegen in St. Jakobi und St. Aegidien als ein - später - zentraler Ort anzusehen.

III.

Von der ma. Burg sind der 33 m hohe Bergfried und Teile der Umfassungsmauer als Ruine erhalten.

Von der Schloßanlage ist nur noch der als Amtsgericht genutzte Südflügel mit gewölbten spätma. Kellerräumen erhalten. Ein stark verwittertes Wappenrelief ist auf 1561 dat.

Sources

Die Quellenlage zur O.r Geschichte ist recht disparat; für eine Erforschung der Res. sind die zahlr. regionalen Urkundenbücher und die Archivalien des HSA Hannover grundlegend.

Aufgebauer 1993. - Aufgebauer 1996. - Max 1-2, 1862-63. - Mithoff 1873. - Ohainski/Udolph 2000. - Osterode. Welfensitz und Bürgerstadt im Wandel der Jahrhunderte, hg. von Jörg Leuschner, Hildesheim u. a. 1993. - Pischke 2000. - Stolberg 1983. - Zimmermann 1911.