Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich

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NEISSE-GROTTKAU C.7. (Nysa / Grodków)

I.

Seit 1342 als böhm. Lehen schles. Fsm. im Breslauer Bistumsland (→ Breslau). Als Kern des Gebietes ist Ottmachau in päpstl. Schutzurk.n 1155 und 1245 sowie im bfl. Gründungsbuch 1316 ausgewiesen. Seit 1198 im Besitz Bf.s Jaroslaus, eines Sohnes Boleslaus' des Langen, beanspruchten die Bf.e das Land mit Münz-, Gerichts- und Steuerrechten. Thomas II. erhielt 1290 weitgehend uneingeschänkte Landeshoheit über Neisse-Ottmachau. Bolko II. von Münsterberg verzichtete 1333 auf jedwede Rechte im Bischofsland. Vom Brieger Hzg. Boleslaus III.(→ Brieg) kaufte Preczlaus von Pogarell (1341-76) 1344 den Bezirk um die Bergstadt Grottkau dazu und erlangte damit den Herzogstitel. Vom Münsterberger Hzg. (→ Münsterberg) erwarb der geistl. Fs. Burg und Stadt Patschkau mit einem Dorfkranz und erweiterte sein Hochstift im Umkreis von Jauernig und Friedeberg. Die Synodalstatuten von 1475 bestrebten die Loslösung der Breslauer Bischofskirche vom Gnesener Primat (→ Breslau), indem bei der Wahl zum Domkapitel und für Kanonikerpfründen nur noch Einheimische berücksichtigt wurden. Das Ausländerstatut von 1435 undin erneuerter Fassung von 1498 schloß jenseits schles. und mähr. Grenzen Geborene von der Erlangung höherer kirchl. Würden aus. Der Kolowratsche Vertrag von 1504 bedeutete für alle Dignitäten gleichsam das Inkolat (De non admittendis externis). Um die auseinanderklaffenden Landes- und Kultusgrenzen in Übereinstimmung zu bringen, wurde die Abschottung des Kirchenwesens nach O hin bestärkt. Seit dem letzten 1447 vom Metropoliten gesalbten Bf. Peter Nowag distanzierte sich der Kathedralklerus zunehmend von Gnesen, ohne vollends die Exemtion zu erreichen. Ab 1574erfolgte die Bischofsweihe in → Prag, und von 1577 an wurde keine poln. Provinzialsynode von Breslauer Prälaten mehr aufgesucht. - PL, Wojewodschaft Opolskie.

II.

Am Mittellauf der Glatzer Neiße lag der weltl. Sitz des Fbf.s, der immer seltener neben der alten Herzogsburg auf der Breslauer Dominsel residierte (→ Breslau) und nach der Reformation Nysz zu seiner Hauptres. machte. Die Stadt am Fuße der Sudeten wurde vor 1223 von Bf. Lorenz auf grüner Wiese in Anlehnung an ein slaw. Dorf zu fläm. Recht gegr. und wies als Oberhof seit 1290 Recht an das Neisser Land. Das älteste erhaltene schles. Stadtsiegel (1260) führte seit 1294 Johannes den Täufer und Lilien im Wappenfeld. Die niedereGerichtsbarkeit wurde von Preczlaus von Pogarell bestätigt. Von 1348 bis 1357 erfolgte eine Verstärkung der Mauer und der im SO der Stadt gelegenen Burg. Deren Vorstadt und Vorhof zw. Neißer Nordufer und Freiwaldauer Biele wurden in die Befestigung einbezogen. Konrad IV. von Oels (1417-47) amtierte seit 1422 als Oberlandeshauptmann und 1435 Bundeshauptmann des schles. Fürstenbundes und machte den Bischofshof in der Hussitenabwehr 1444 zum milit. Herrschaftsmittelpunkt. Bf. Johannes Roth (1482-1506) baute die städt. Ummauerung erneut aus. Zur Erstausstattung des → Breslauer Bm.s gehörteder Ottmachauer Burgort, neißeaufwärts als bfl. Eigentum über dem Flußlauf auf einem Felshügel angelegt. Thomas I. stattete das Ottmachauer castrum 1263 mit Markt, Gütern und Zubehör aus. Die 1276 erwähnte Pfarre St. Johannes Evangelist, später St. Nikolaus, wurde zum Kollegiatstift erhoben. Ein Kapitel wurde durch Bf. Wenzel 1386 gegr. und von Propst Berthold Fulschussil, Propst an St. Aegidien in → Breslau, um weitere Pfründen vermehrt, während der Hussitenkriege 1435 abgebrochen, 1477 in den Johannesdom nach Neisse übertragen, 1650 dann in die Jakobskircheverlegt, wo seit Bf. Wenzel († 1417) Bischofsgräber lagen. Unter Balthasar von Promnitz wurde ab 1555 eine Neisser Offizin eingerichtet, von 1575 bis 1655 existierte das bfl. Priesterseminar und seit 1623 das jesuit. Gymnasium Carolinum.

III.

Das »schlesische Rom« Neyss wird als einzige Stadt Schlesiens neben → Breslau mit eigener Profilansicht in der Schedelschen Weltchronik (Nürnberg 1493) in Holz geschnitten. Den Bischofshoff zeigt 1594 Georg Hayers Prospekt Nissa Silesiorum Sedes Episcopalis, die mehrtürmige Bischofburg bildet Georg Hoefnagels altkolorierter Kupferstich von 1595 ab. Das 1260 erwähnte bfl. Haus war an zwei Bielearmen zw. Alt- und Neustadt gelegen. Der Fachwerkbau wurde 1459 durch Steingebäudeersetzt, die turmreiche Wasserburg 1526 abermals im Südflügel erneuert. Ein Barockbau mit reichgegliederter Fassade und zwei großzügigen Portalen wurde von 1608 bis 1624 ausgeführt. Das Ottmachauer Oberschloß auf dem 280 m hohen Burgberg wurde um 1485 als Wohnschloß auf trapezförmiger Fläche angelegt. Das langgestreckte Hauptgebäude besaß ein Walmdach, der Wohnbau lag im Ostflügel. Unter Bf. Andreas von Jerin (1585-96) wurde ein mächtiger Vierkantturm hochgezogen, der die Umfassungsmauer bewehrte. In der Gegend von Friedeberg und Jauernig wurde die fürstbfl. Sommerres. Johannisberg errichtet.Im 1488 aufgeführten spätgot. Schloß finden sich über dem Tor im Schloßhof Grabplatte und Wappen des Diözesanbf.s Johannes Thurzó, der seit 1506 Landeshauptmann war.

Sources

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