LEIPZIG C.2.
I.
Libzi (1015), Lipzk (1195), Lipzcig (1350), Leipczigk (1459), Leiptzk (1499), Leiptzigk (1522); Name vermutl. an slaw. lipa oder altsorb. lipc, Linde angelehnt: Lindenort (HONB I, 2001, S. 577f.) - Stadt und Burg - befestigte Anlage zunächst im NW und seit dem 13. Jh. im SW der Stadt - Mgf.en von Meißen/Kfs.en von Sachsen, → Wettiner - seit dem 12. Jh. häufigerAufenthaltsort, in der zweiten Hälfte des 15. Jh.s mit dem Charakter einer Res.
Mgft. Meißen, seit 1423 Kfsm. Sachsen, 1485-1547 Hzm. Sachsen, seit 1547 Kfsm. Sachsen, albertin. Linie - Universität (1409); Oberhofgericht (1483); Landtagsort - D, Sachsen, Reg.bez. L., Kr. L.
II.
L. liegt im nordwestl. Sachsen im fruchtbaren Flachland der L.er Tieflandsbucht am Zusammenfluß von Weißer Elster, Pleiße und Parthe. Am Ort einer slaw. Siedlung wurde in der ersten Hälfte des 10. Jh.s., eine dt. Burg errichtet, die Mittelpunkt eines Burgwards im osterländ. Markengebiet war. Die Burg befand sich im NW des späteren Stadtgebietes auf einem hochwassergeschützten Geländesporn. Der Anlage war im N ein Suburbium vorgelagert. Erstmals Erwähnung findet L. 1015 als urbs Libzi in der Chronik des Thietmar von Merseburg. Für 1017ist eine Kirche erwähnt, bei der es sich um die Peterskirche im S. der heutigen Innenstadt gehandelt haben dürfte. Weitere Siedlungskerne befanden sich im Gebiet um die spätere Thomaskirche, entlang des Brühl und außerhalb des nachmaligen Stadtgebietes um die Jakobskirche, die dem Erfurter Schottenkl. gehörte (1484 vom Rat erworben). In der Mitte des 12. Jh.s entstand westl. der Burg im Bereich um die Nikolaikirche eine Kaufleutesiedlung, die über einen eigenen Markt verfügte. Zw. 1156 und 1170 wurden diese Siedlungen durch Mgf. Otto den Reichen zusammengefaßt, zur Stadt erhoben und mithall.-magdeburg. Recht begabt. L. entwickelte sich in der Folge rasch zu einem bedeutenden Handelsplatz, dazu trug v. a. die Lage der Stadt an der Kreuzung zweier wichtiger Handelsstraßen, der Via regia und der Via imperii, sowie die entschiedene Förderung durch die Wettiner bei. Zu Beginn des 16. Jh. nahm L. eine dominierende Stellung unter den Städten Mitteldeutschlands ein. Von wesentl. Bedeutung war dabei die Neuentdeckung von Erzvorkommen im Mansfelder Land und im Westerzgebirge, von deren Ausbeutung L. in ganz besonderer Weise profitierte.
Die Einwohnerzahl betrug um 1300 etwa 3 000 Personen, lag an der Wende zum 16. Jh. bei 8 000 Personen und stieg bis 1600 auf ca. 15 000. Eine landesherrl. Münze bestand in L. mit Unterbrechungen seit dem 12. Jh.
L. gehörte zur Diöz. → Merseburg und war neben dem Bischofssitz das wichtigste religiöse Zentrum des Bm.s. Im Jahre 1213 gründete Mgf. Dietrich der Bedrängte das Augustiner-Chorherrenstift St. Thomas, dem die Pfarrgerechtigkeit in der Stadt übertragen wurde. Noch in der ersten Hälfte des 13. Jh.s folgten ein Dominikaner- und ein Franziskanerkl. innerhalb der Stadtmauer sowie das Nonnenkl. St. Georg vor der Stadt, in unmittelbarer Nähe der landesherrl. Burg. Daneben gab es noch eine Reihe von Kapellen und zwei Hospitäler.
Die Ratsverfassung etablierte sich in L. seit der zweiten Hälfte des 13. Jh.s. Im Jahre 1270 wurde erstmals ein Rat erwähnt, von 1292 dat. der älteste Beleg für einen Bürgermeister. Die Hochgerichtsbarkeit erwarb der Rat endgültig 1434.
Die → Wettiner, die ihre Herrschaft über L. gegenüber Ansprüchen des Bf.s von → Merseburg durchzusetzen vermochten, förderten die Stadt von Anbeginn nachhaltig (Stadtbrief um 1165, Schutz der nach L. ziehenden Kaufleute 1263, Einrichtung eines dritten Jahrmarkts 1458). Bedeutendere Auseinandersetzungen zw. Stadtherr und Bürgerschaft sind nur aus dem Beginn des 13. Jh. überliefert, als die L.er Bürger erfolglos gegen ihren Stadtherrn, Mgf. Dietrich den Bedrängten, aufbegehrten. Im SpätMA war die Stadt fest in den wettin. Territorialstaat integriert. Eine Reihe von Landtagen wurdenhier abgehalten. Im Jahre 1409 wurde in L. v. a. auf Betreiben des Mgf. Friedrich IV. eine Universität gegründet.
Bes. in der zweiten Hälfte des 15. Jh.s entwickelte sich L. zur wichtigsten Stadt im wettin. Herrschaftsgebiet. Hier befand sich die landesherrl. Zentralkasse. Im Jahre 1483 wurde in L., wo zuvor bereits ein Hofgericht bestand, das sächs. Oberhofgericht eingerichtet. Die → Wettiner hielten zahlr. Feste in L. ab, so z. B. die Hochzeit Hzg. Georgs des Bärtigen mit Barbara von Sandomierz (1496). Obwohl sich die Landesherren und für einige Zeit auch der Hof regelmäßig in L. aufhielten, wurde die Stadt nie feste Res. Der albertin. Hzg. Georg gab zu Beginn des 16. Jh.s → Dresdenden Vorzug.
III.
Die älteste dt. Burg aus dem 10. Jh. wurde in der ersten Hälfte des 13. Jh.s aufgegeben und an ihrer Stelle ein Franziskanerkl. errichtet. Die Landesherren verlegten ihre Burg in den SW der Stadt, wo sie spätestens 1216 über einen befestigten Platz (castrum) verfügten. Seit dem 15. Jh. ist die Bezeichnung Schloß für die wettin. Burg nachweisbar. Über das genaue Aussehen dieser Burganlage (16. Jh. Pleißenburg), die in die Stadtbefestigung eingebunden war und im letzten Drittel des 15. Jh.s umfassende Ausbautenerfuhr, sind keine näheren Angaben überliefert. Die älteste Stadtansicht (1537) zeigt einen Turm, die nächstfolgende von 1547 darüber hinaus einige im Renaissancestil aufgeführte Gebäude. Im Schmalkaldischen Krieg wurde die Burg ebenso wie große Teile der Stadtbefestigung schwer beschädigt. Der Wiederaufbau bzw. Neubau (bis 1567) erfolgte durch Hieronymus Lotter als dreiflügliger Festungsbau. In der Folgezeit wurde die Anlage zunehmend als Kaserne genutzt, ihre Bedeutung als landesherrl. Res. trat zurück. Ende des 19. Jh. wurde das Gelände an die Stadt veräußert, die Burganlage abgebrochen unddas Neue Rathaus errichtet (1905).
Sources
HONB I, 2001, S. 577f. - Quellen zur Geschichte Leipzigs (Veröffentlichungen aus dem Archiv und der Bibliothek der Stadt Leipzig), hg. von Gustav Wustmann, 2 Bde., Leipzig 1889-95. - CDSR II, 8-10, 1868-94.
Literature
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