Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich

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DURLACH C.7.

I.

Durla (1196, 1234), Durlaich (ca. 1229/30), Durlahe (1233), Durlach (1244), Türlac (1279). Der wohl aus ahd. durri, dürr, wasserarm, leicht versiegend, und lahha, Lache, Sumpf, Pfütze gebildete Ortsname könnte auf zeitw. austrocknendes, »stehendes Wasser in einem Flußbett« hindeuten. - Stadt und Burg im Pfinzgau - Mgft. Baden (-D.) - Das Residenzschloß Karlsburg befand sich am südöstl. Rand der Stadtim sog. »Burgviertel«, das wohl in der zweiten Hälfte des 15. Jh.s in den städt. Mauerring einbezogen wurde. Von 1565 bis 1715 Res. der Pforzheimer Linie der Mgf.en von Baden (seither Linie Baden-D.) - D, Baden-Württemberg, Reg.bez. Karlsruhe, kreisfreie Stadt.

II.

D. (116 m ü. d. M.) liegt in der Rheinebene an der Pfinztalausmündung unmittelbar am Fuß des sich 140 m über das Tal erhebenden Turmberges (früher: Hohenberg). Nahe der auf einem von sumpfigem Gelände umgebenen, flachen Flußschotterkegel angelegten Siedlung verlief die »Bergstraße«, eine alte, bedeutende N-S-Verbindung, die unmittelbar westl. der Vorbergzone des Schwarzwaldes und des Kraichgaus entlangführte. Der Siedlungsplatz gehörte wohl ursprgl. zur Gemarkung des älteren Orts Grötzingen, der das Zentrum eines umfangr., vermutl. aus Königsbesitzstammenden Güterkomplexes des Kl.s → Weißenburg bildete. Grötzingen war eine Pertinenz der auf dem Turmberg errichteten Burg Hohenberg (später Burg Grötzingen gen.), nach der sich um 1100 die edelfreie Familie benannte, welche die Gft. im Pfinzgau innehatte. Gf. Berthold von Hohenberg gründete 1094 südl. der späteren Stadt D. das bald in den Lußhardtforst verlegte Kl. Gottesaue.

Nach den Saliern, den Hohenbergern und den Gf.en von Grötzingen verfügten schließl. die → Staufer über die weißenburg. Besitzungen und Lehen der Grötzinger Gemarkung mit dem ehemaligen Grafenensitz auf dem Turmberg. Dies war die Voraussetzung für die Gründung der Stadt D., die dem → Staufer Heinrich VI. zugeschrieben wird, der sich 1196 in D. aufhielt. Im Tausch gegen die braunschweig. Güter der Welfin Irmgard, die mit Mgf. Hermann V. von Baden († 1243) verh. war, überließ Kg. → Friedrich II. dem Mgf.en 1219 u. a. auch D. als Eigentum. Außerdem gelangten- wahrscheinl. ebenfalls in diesem Zusammenhang - Burg und Dorf Grötzingen sowie die Vogtei über das Kl. Gottesaue in mgfl. Hand. Die Mgf.en bestimmten D., dem für den Ausbau ihrer Herrschaft im Pfinzgau zentrale Bedeutung zukam, zum Mittelpunkt eines mgfl. Amtsbezirks, an dessen Spitze schon 1258 ein mgfl. Vogt bezeugt ist. D. wurde 1274 von → Rudolf von Habsburg in seinem Kampf gegen Mgf. Rudolf I. von Baden († 1288) eingenommen, blieb aber weiterhin in mgfl. Besitz. Das 1279 von Bf. Konrad von → Straßburg zerstörte castellum Türlac unddas 1295 erneut gen. castrum D. werden überwiegend mit der Burg auf dem Turmberg identifiziert. Es ist aber nicht auszuschließen, daß sich die Belege auf die viell. damals schon existierende D.er Tiefburg beziehen. An der Stelle der erst im späten MA sicher bezeugten Tiefburg, die vor der zweiten Hälfte des 15. Jh.s noch östl. außerhalb der Stadtmauer lag, ließ Mgf. Ernst († 1553) zw. 1515 und 1530 ein Jagdschloß errichten, das unter seinem Sohn Mgf. Karl II. († 1577) zum Residenzschloß Karlsburg umgebaut und erweitert wurde. Karl II. verlegte 1565 seine Res. von→ Pforzheim nach D., das bis zu seiner Ablösung durch die Gründung Karlsruhes (1715) die Res. der protestant. D.er Linie der Mgf.en von Baden war.

Nach der Ersterwähnung D.s 1196 (villa Durla) in einem Schreiben Heinrichs VI. an Cölestin III. wird die wahrscheinl. schon bald nach 1187 gegründete Stadt um 1229/30 in der Chronik Burchards von Ursberg (zu 1196) als oppidum und schließl. 1234 in einer Urk. Ks. → Friedrichs II. als civitas bezeichnet. Neben dem vom mgfl. Stadtherren eingesetzten Schultheißen (seit 1238 gen.) ist seit 1255 ein Schöffengericht bezeugt, während Rat und Bürgermeister erst 1480 faßbar werden (Siegel 1402). D. schloß sich 1525 denaufständ. Bauern an, wobei sich einige D.er Bürger auch an der Plünderung des Kl.s Gottesaue beteiligten. Die Erhebung zur Res. durch Mgf. Karl II., der 1556 die Reformation einführte, brachte der landesherrl. Kleinstadt gewisse städtebaul. Verbesserungen (Instandsetzung der Stadtbefestigungen und Tore, Anlage neuer Wassergräben, Pflasterung der Hauptstraße, Errichtung neuer öffentl. Gebäude und mehrerer aufwendigerer Privatbauten der mgfl. Diener und Beamten im sog. Burgviertel) sowie rechtl. Vorteile, wie insbes. die Entlassung der Bürger aus der Leibeigenschaft (1567). Wirtschaftl. blieb D.aber weiterhin überwiegend agrar. bestimmt. 1571 richtete Mgf. Karl II. in D. eine mgfl. Münze ein (bis 1596, erneut 1734-93). Einen geistigen Mittelpunkt bildete das 1586 von Mgf. Ernst Friedrich († 1604) eröffnete Gymnasium. Die Bemühungen der Mgf.en um eine fsl. Repräsentationsbedürfnissen entspr. Ausgestaltung ihrer D.er Res. und die ständige Anwesenheit des mgfl. Hofes waren aus der Sicht der D.er Bürger nicht zuletzt auch mit vermehrten Belastungen verbunden. Diese führten immer wieder zu Konflikten zw. den Mgf.en und den Bürgern, die den mgfl. Ansprüchen häufiger mit Widerstandbegegneten.

Im Dreißigjährigen Krieg wurde D. wiederholt von verschiedenen Kriegsparteien besetzt. Erst 1651 kehrte der mgfl. Hofstaat aus dem Basler Exil nach D. zurück. Das v. a. unter den Mgf.en Friedrich VI. (1659-77) und Friedrich VII. Magnus (1677-1709) aufblühende Hofleben in der D.er Res. und die Ansätze zu einer barocken Neugestaltung der Stadt (mit Modellhäusern) brachen mit dem Pfälzischen Erbfolgekrieg ab, als sich der mgfl. Hof zum wiederholten Mal nach → Basel flüchtete (1688-98). 1689 brannten die Truppen Ludwigs XIV. D. fast vollständig nieder. Vor dem Umzug des gfl. Hofesund der zentralen Regierungsbehörden in die neue Res. Karlsruhe (1715-18) verzögerten andauernde Kriegswirren und mangelnde Finanzmittel den Wiederaufbau der D.er Res.

III.

Von der 1563 bis 1565 als Residenzschloß errichteten Karlsburg sind heute neben dem ehemaligen südl. Torbau (»Prinzessinnenbau«) nur noch wenige, in Bürgerhäusern des 19. Jh.s integrierte Bauteile erhalten. Die Kernanlage des Renaissanceschlosses bestand aus den um einen Innenhof in Form eines unregelmäßigen Vierecks herum angelegten, dreigeschossigen Gebäuden des stumpfwinklig gebrochenen »Fürstenbaus« im SO, eines schmalen N-Flügels und des einheitl. gestalteten langgestreckten W-Flügels (an der Stelle des späteren barocken »Kavaliersbaus«).Daneben entstanden weitere Einzelgebäude wie die Kanzlei und der »Münzbau«, so daß der vielgliedrige Schloßkomplex insgesamt den Eindruck einer uneinheitl. gewachsenen Anlage bot. Unter Mgf. Ernst Friedrich (1577-1604), der 1588-94 auch das Lustschloß auf dem Areal des 1556 aufgehobenen Kl.s Gottesaue erbauen ließ, wurde in D. ein größerer Schloßgarten außerhalb der Ummauerung angelegt und ein Altar errichtet. Außerdem erhielten die Schloßgebäude eine aufwendige, illusionist. Fassadenbemalung. Als in der Regierungszeit Mgf. Friedrichs VI. (1659-77) eine mächtige Befestigungmit Wall und Graben angelegt wurde, erfuhr der Schloßkomplex eine bedeutende Erweiterung nach S. Hier befanden sich Marstall, Remise, Metzig, Wasch-, Kutschen- und Reithaus. Vor den Befestigungsanlagen sind im Bereich des Schloßgartens auch eine Rennbahn mit einem Tribünenbau und ein Ballhaus bezeugt. Der nach einem Entwurf Domenico Egidio Rossis begonnene Neubau (1698-1702) des 1689 zerstörten Schlosses blieb unvollendet. Von diesem barocken Bauprojekt zeugt der noch ausgeführte »Kavaliersbau« (heute Sitz städt. Institutionen). Nach der Verlegung der Res. diente das Schloß zunächst alsWitwensitz, ab 1833 als Kaserne.

Sources

GLA Karlsruhe, Abt. 136. - StA Karlsruhe, Abt. 5, Durlach. - Regesten der Markgrafen von Baden, 1-4, 1900-15.

Asche, Susanne/Hochstrasser, Olivia: Durlach. Staufergründung, Fürstenresidenz, Bürgerstadt, Karlsruhe 1996 (Veröffentlichungen des Karlsruher Stadtarchivs, 17). - Bachmann, Martin: Die Karlsburg. Spuren der Residenzanlage im Durlacher Stadtgefüge, Karlsruhe 2000 (Materialien zu Bauforschung und Baugeschichte, 11). - Die Kunstdenkmäler des Amtsbezirks Karlsruhe Land, Kreis Karlsruhe, hg. von Emil Lacroix, Peter Hirschfeld undWilhelm Paeseler, Karlsruhe 1937 (Die Kunstdenkmäler Badens, 9,5). - Maurer, Helmut: Durlach, in: Pfalzenrepertorium, 3, 1997, S. 86-94. - Rott 1917. - Staufische Städtegründungen, 1998.