CHALON-SUR-SAÔNE C.7.
I.
Cabilonnum (Ende 1. Jh. nach Chr.), Cavellonus. - F, Dep. Saône-et-Loire.
II.
Erste Siedlungsspuren reichen zurück bis in die kelt. Zeit. Unter den Römern wurde die an der Saône gelegene Stadt einer der wichtigsten Flußhäfen des röm. Gallien. In C. kreuzten sich auch die von Autun, Lyon, → Besançon und Langres ausgehenden Straßen. Ab der Mitte des 5. Jh. ist die Stadt als Bischofssitz belegt. Res. im eigentl. Sinne war sie im Verlauf ihrer gesamten Geschichte allerdings nachweisl. nur unter dem merowing. Kg. Guntram (561-92), nach dessen Tod sie diese Funktion wieder weitgehend verlor. Über C.s Geschichte in karoling.Zeit ist wenig bekannt. Die Stadt und die gleichnamige Gft. C. wurden ab dem 8. Jh. von Gf.en beherrscht, deren Würde ab der Mitte des 9. Jh.s erbl. wurde. Bei der Reichsteilung von 843 blieb die Stadt unter der Herrschaft des westfränk. Kgs. Karls des Kahlen. Nachdem zu Beginn des 12. Jh.s Gf. Geoffrey III. wg. seines Aufbruchs zum Kreuzzug seine Rechte an seinen Onkel Savary verkauft hatte, der wiederum die seigneurie über das châtelet, die gfl. Befestigungsanlage von C., an Hzg. Hugo II. von Burgund veräußerte, trat dem gfl. Einfluß in derStadt zunehmend der hzgl.-burgund. an die Seite. Mit dem Beginn des 12. Jh.s wird auch der Einfluß der Bf.e, die seit 855 aufgrund eines Privilegs Ludwigs des Dicken von den Kanonikern gewählt wurden, in den Quellen stärker faßbar. Ihnen stand die Jurisdiktion in einem als »le Cloître« bezeichneten Viertel im östl. Teil C.s und in gewissen Vorstädten außerhalb der Mauern (Sainte Croix, La Massonière) zu. 1221 wurde im Rahmen einer arbitrage der Rechtsbereich der Bischofsstadt gegenüber dem der anderen Gewalten nochmals genau abgegrenzt. 1237 schließl. gelangteHzg. Hugo IV. von Burgund in den Besitz der vollen Grafenrechte und ließ sich künftig durch einen bailli und den - allerdings weniger bedeutenden - châtelain in seinem Teil der Stadt vertreten. 1256 gewährte Hugo IV. den Bürgern ein Privileg, das die jährl. Wahl von acht prud'hommes vorsah, die ihrerseits vier échévins bestimmten, denen die Regulierung von Handel und Handwerk, die Wahrnehmung von Polizeirechten und in bestimmten Fällen die Jurisdiktion in erster Instanz zustanden. Mit demausgehenden 13. Jh. gewann die seit dem 10. Jh. bestehende Messe von C. an überregionaler Bedeutung, auf der u. a. mit Pelzen und Textilien gehandelt wurde. Ab der zweiten Hälfte des 14. Jh.s wurde durch die Pest und durch die Folgeerscheinungen des Hundertjährigen Krieges der wirtschaftl. Aufstieg der Stadt allerdings stark gebremst. Zu Neuerungen in der Verwaltung der dem Hzg. unterstehenden Teile der Stadt kam es wieder zu Beginn des 15. Jh.s: 1422 verlängerte Hzg. Philipp der Gute das Mandat der Schöffen auf drei Jahre und übertrug ihnen - in Zeiten die Region stark in Mitleidenschaftziehender burgund.-frz. Kriege - zusätzl. Aufgaben der Stadtverteidigung. Seit diesem Zeitpunkt wählten die Schöffen auch einen capitaine de la ville, welcher dem Hzg. und dem Bf. gegenüber zum Treueid verpflichtet war. Schon seit 1256 hatten sich die Bürger kontinuierl. darum bemüht, ihren Spielraum gegenüber dem Bf. auszuweiten, aber ihre Jurisdiktionsrechte und Kompetenzen hinsichtl. Polizei und Stadtverteidigung, die sie außerhalb der Bischofsstadt ausübten, wurden erst 1495 für ganz C. anerkannt - fast zwei Jahrzehnte, nachdem die Stadt nach dem Tod des letztenBurgunderhzg.s 1477 wieder an Frankreich gekommen war.
III.
Schon in röm. Zeit war C. befestigt gewesen. Das castrum war im ganzen MA durch hohe Mauern und mehrere Wehrtürme stark befestigt. Auch die vorgelagerten faubourgs waren seit der Mitte des 14. Jh.s angesichts der durch den Hundertjährigen Krieg bewirkten Unsicherheit befestigt worden, zunächst aber wohl nur mit Holzpalisaden, die erst im 15. Jh. durch Mauern ersetzt wurden. Zentrum der Stadt war das in ihrem SW gelegene châtelet mit dem Gefängnis und den Gerichtsgebäuden.
Sources
Archives Municipales de Chalon-sur-Saône, Fonds de la ville de Chalon-sur-Saône.
Literature
Bazin, Jean Louis: Les comtes héréditaires de Chalon-sur-Saône, in: Mémoires de la Société d' histoire et archéologie de Chalon-sur Saône 12 (1911) S. 1-171. - Bazin, Jean Louis: Histoire de évêques de Châlon-sur-Saône, in: Mémoires de la Société d'histoire et d'archéo- logie de Châlon 14 (1914) S. 1-190; 18 (1918) S. 1-380. - Dubois, Henri: Les foires de Chalon et le commerce dans la vallée de la Saône à la fin du Moyen Age (vers1280-vers 1430), Paris 1976. - Dubois, Henri: Chalon des évêques et des comtes, unveröff. Ms. [dem Verfasser ist für die Überlassung des unveröffentlichten Manuskripts zu danken]. - Fouque, Victor: Histoire de Chalon-sur-Saône, Chalon 1845 (ND Marseille 1975). - Leclerc 1958. - Perry 1659. - Pretet, René: Histoire de Chalon-sur-Saône, Roanne 1981.