CALENBERG C.7.
I.
Calenberg (1313) (= Kahler Berg); to der Kalenborch (1327); slot Kalenberghe (1350); Calenbarge (1472); Alt-Calenberg (1720); Calenberg (1791) - Burg/Schloß - Hzm. Braunschweig-Lüneburg; Hzg.e von Braunschweig-Lüneburg, Linie C. (-Göttingen). - D, Niedersachsen, Reg.bez. Hannover, Landkr. Hannover, Gem. Pattensen (bei Schulenburg am östl. Leineufer).
II.
Ursprgl. nur als Turmbau auf einer von zwei Armen der mäandrierenden Leine umfaßten Fläche errichtet - eine Niederungsburg bei Schulenburg, die vom Leinehochwasser nicht gefährdet werden konnte - beherrschte der C. die Straße, die durch das Leinetal führte. Die ursprgl. topograph. Situation konnte unter vorbildl. Auswertung der Flurnamen durch Rekonstruktion des ursprgl. Leineverlaufs geklärt werden (Weber 1987). Die -berg-Endung wurde der Befestigung offenbar nur gegeben, weil sie eine der typ. Endungen von Burgnamen war.
C. war eine jener Burgen, mit denen das Hochstift → Hildesheim und die Welfen ihre Grenzen zu sichern trachteten und sich gegenseitig bedrohten. Vergebl. hatte Bf. Siegfried II. 1292 versucht, den Bau, der auf Hildesheimer Boden errichtet worden war, zu verhindern. Als 1379 der → Hildesheimer Bf. gegenüber dem C. eine Burg mit dem iron. herausfordernden Namen Nabershausen erbaute, machte Hzg. Otto der Quade in einer Fehde umgehend deutl., was er von dieser Nachbarschaft hielt. 1380 mußte der Bf. die neue Veste wieder abbrechen.
Der Residenzcharakter der Burg C. war immer nur auf das »feste Haus« bezogen. Seit 1327 begegnende Versuche, im Vorfeld dieser Burg eine Stadt, zumindest ein wicbelde zu gründen, schlugen nicht zuletzt wg. der Hochwassergefahr fehl. Die Pfandherren von Saldern planten eine 1361 erwähnte und noch 1613 genannte »Lauenstadt«, aber diese Siedlung, nur mit ungewöhnl. kleiner Feldflur ausgestattet, blieb unbedeutend.
Im 14. Jh. war C. zumeist verpfändet und erst 1399 von den Welfen wieder eingelöst worden. Damit reagierten die Hzg.e auf die Zerstörung ihrer Burg Lauenrode vor → Hannover (1371) und verlegten die alte lauenrodensche Verwaltung auf den C. Bezeichnenderweise erhielt dann das im Zuge der Residenzverlegung nach → Hannover 1636 neu angelegte Stadtviertel den Namen Calenberger Vorstadt.
Als im Zuge der Landesteilungen 1432 ein neues Hzm. des »Landes zwischen Deister und Leine« geschaffen wurde (was erst nach dem Erwerb der Gft. Everstein und der Herrschaft Homburg 1408/09 mögl. war), begann die große Zeit des C.s. Er ist im Itinerar Hzg. Bernhards in den Jahren 1424-26 der nach Neustadt häufigste Aufenthaltsort. Der Residenzcharakter beruhte jedoch allein darauf, daß die Burg zum Mittelpunkt einer Großvogtei ausgebaut wurde. Von der Burg ging der Name ungefähr um die Mitte des 15. Jh.s auf das 1432 gebildete Hzm. über, das 1495 mit dem Göttinger Hzm. verbundenwurde.
Die Burg, auf der sich Hzg. Wilhelm d. Ä. häufig aufhielt, war 1467 und 1482 Angriffen nicht gewachsen. Auch deswg. ließ Hzg. Erich I. die Burg bis 1512 erhebl. erweitern und ausbauen, den Wassergraben auf bis zu 40 m verbreitern, den Aushub für Verstärkung der bis zu 8 m hohen Wälle nutzen und die Mauern auf eine Höhe von 4 m aufführen, so daß sie in der Hildesheimer Stiftsfehde 1519 einer dreiwöchigen Belagerung mit ihrer Besatzung von 600 Mann standhielt.
Die unter Erich I. begonnenen Ansätze zur Residenzbildung auf dem C. verfolgten weder seine Wwe. Elisabeth noch sein Sohn Erich II. weiter. Als Hzg.in Elisabeth für beide Teile ihrer Herrschaft Hofgerichte installierte, wählte sie für den C.er Teil Pattensen als Standort. Die Vereinigung des Ftm.s C.-Göttingen mit → Wolfenbüttel 1584 besiegelte die Bedeutungslosigkeit der Burg in nunmehriger Randlage. Daß C. in der Kipper- und Wipperzeit 1620-22 Münzstätte wurde, hatte nichts mit dem Residenzcharakter, sondern mit dem Gegenteil zu tun. Die Burg war inzw. so abgelegen, daß manhier im Geheimen Prägungen vornehmen konnte, die im Münzbild mit den Hoyaer Bärentatzen den eigentl. Prägungsort verschleierten.
Nur ein Charakteristikum der Res. verblieb der Burg: Noch für Hzg. Georg, der → Hannover zur Res. machen sollte, war der C. Mittelpunkt der dynast. Memoria seines Hauses, das er mit Glasfenstern, die er als Kriegsbeute gewonnen hatte, schmücken ließ. Die von Tilly 1625 eroberte und danach bis 1633 nach mehreren Belagerungen ausgesetzte Veste war so ruiniert worden, daß, nachdem 1664 neue Gebäude für die Amtsverwaltung geschaffen worden waren, die gesamte Anlage auf Anordnung von Hzg. Ernst August 1690 abgebrochen wurde.
III.
C. war ursprgl. eine Turmburg mit einem Nordflügel als Pallas, dem bis 1350 ein Westflügel angefügt wurde. Der zunächst nur kurze Nordflügel wurde wahrscheinl. in den Jahren 1371 bis 1381, während des Lüneburger Erbfolgekrieges, verlängert. Die Baumaßnahmen Erichs I. bestanden in der Anfügung eines Ostflügels; außerdem erfolgte im Nordflügel, dem eigentl. Schloß, wo auch die Silberkammer lag, der Einbau einer durch beide Geschosse reichenden Schloßkapelle. Der Merian-Stich zeigt eine Dreiflügelanlage, der im SW ein niedriger dicker Turm, offensichtl. ma.Ursprungs, vorgelagert ist. Mittelpunkt der Herrschaft: Erich I. ließ im Saal des Schlosses eine Darstellung der Schlacht bei Regensburg 1504, in der er Kg. → Maximilian das Leben rettete, anbringen. Den Residenzcharakter, der unter Erich I. der C. gewinnen sollte, unterstreicht dies 1639 letztmalig erwähnte Gemälde ebenso wie die (heute auf der → Marienburg befindliche) Altartafel in der vor 1519 errichteten Schloßkapelle, auf deren Mittelteil sich das Herzogspaar als Stifter verewigen ließ.