ALTENBURG C.2.
I.
Altenburg (976); Aldenburch (1150); Altenburg (1165); Aldemburch (1181); civitate Aldinburc (um 1200); Aldenburch (1291); Aldenburg (1350); Aldynburg (1378) - Ortsname geht auf ahd., mhd. alt/ald, schon lange bestehend zurück und bedeutet »Siedlung an/mit der alten Burg« - Zentrum des stauf. Reichslandes Pleißen, wobei die Bezeichnungpagus Plisni zeitgl. mit dem Ortsnamen überliefert ist und Plisn-/Pleißen (land) zum Flußnamen Pleißa auf alteurop. *pel-/*ple(i), gießen, schütten, fließen zurück gehen kann, oder den Altsorb. Ortsnamen Plisъna in der Bedeutung von »Siedlung am Fluß Plisa« meinen kann (HONB I, 2001, S. 14). A. liegt westl. der Pleiße am Übergang des A.er Lößhügellandes zur Leipziger Tieflandsbucht - Schloß auf steil ins Tal ragendem Porphyrfelsen auf vermutl. slaw. Burgwall - seit 1140 Sitz des Archidiakons -Ende 14. Jh. Nebenres., 1411-25 Hauptres. Mgf. Wilhelms II., 1428-ca. 1450 Hauptres. Hzg. Friedrichs II., ab ca. 1450 Aufenthaltsort der Prinzen, 1464-86 Witwensitz Kfs.in Margarethas von Österreich - 1485 A. Teil des Kfsm.s Sachsen-Wittenberg, nach 1547-1918 wechselnde Zugehörigkeit zu verschiedenen thüring.-ernestin. Fsm.ern und Sitz des Amtmannes, 1920-52 Thüringen, 1952-90 Kreisstadt im Bezirk Leipzig, seit 1990 Große Kreisstadt, Freistaat Thüringen. - D, Thüringen, Landkr. A.er Land.
II.
Begünstigt durch die fruchtbaren Lößböden wurde das spätere Stadtgebiet bereits in slaw. Zeit besiedelt und auf dem Schloßberg eine Burg mit vermutl. Mittelpunktsfunktion für den Gau errichtet. 976 schenkte Ks. Otto II. die Burg A. zusammen mit neun Dörfern dem Bm. Zeitz, was aber nicht herrschaftsintegrierend war. A. stand unter dem Einfluß des Bm.s → Meißen. Zwei wichtige Handelswege durchkreuzten das Gebiet. Von N über → Magdeburg und → Leipzig führte ein Straßenzug nach Zwickau und dort weiter nach Eger bzw. → Nürnberg. DiePeter-und-Pauls-Straße von Goslar bzw. → Halberstadt zog nah an A. vorbei weiter über das Erzgebirge nach → Prag.
Im Schutze der Burg legte möglicherw. Ks. Lothar III. um die Bartholomäikirche und den Brühl im Zuge des Straßenkreuzes eine Marktsiedlung als Suburbium an, während Ks. Friedrich Barabarossa sie planmäßig zur Stadt erweiterte und um 1165 in A. eine Münzstätte einrichtete. Vor 1192 erfolgte eine großzügige Stadtausdehnung und die Anlage des novum forum. In zwei Etappen wurden das Suburbium und die Siedlung um die Nikolaikirche zusammengefaßt. Auch bestimmte Ks. Friedrich Barbarossa A. als Zentrum des Reichsterritoriums Pleißenland und setzte einenLandrichter ein. Zw. 1165 und 1172 erfolgte im Konsens mit dem Reich die Stiftung eines Augustiner-Chorherrenstiftes auf dem Berge (Bergerkl.) sowie ein Haus des → Deutschen Ordens (1214, Ks. → Friedrich II.). In der zweiten Hälfte des 13. Jh.s erfolgte noch die Gründung eines Franziskaner- und Magdalenerinnenkl.s. Das erst 1256 verbürgte Stadtrecht für A. hat sicher schon vorher bestanden, denn bereits 1237 ist das ius civile bezeugt. Neben Getreide, Hopfen und Wolle wurde v. a. mit Honig gehandelt. Von A. aus wurde der Landesausbau im 12. Jh. inRichtung Erzgebirge forciert.
Bei der Vermählung des → Wettiners Albrecht des Entarteten mit Margarethe, Tochter Ks. → Friedrichs II., 1254/55 kam A. zunächst pfandweise in den Besitz der Familie, dauerhaft nach der Schlacht bei Lucka 1307 gegen Kg. → Albrecht I. Die im kgl. Auftrag agierenden Bgf.en von A. haben den Prozeß der Stadtwerdung maßgebl. beschleunigt, verloren jedoch ihr Amt 1329, als Ks. → Ludwig der Bayer den → Wettinern die Bgft. übertrug. A. entwickelte sich zu einer landesherrl. Stadt mit vorrangig zünftig organisierter Bürgerschaft. Auseinandersetzungenführte seit dem 13. Jh. der Rat um Grundrechte mit dem Bergerkl. Differenzen zw. Rat und Bürgern sind aus dem 15. Jh. überliefert.
III.
Die aus sal. und stauf. Zeit stammenden Wohn- und Repräsentationsgebäude befanden sich vermutl. am westl. Ende des Plateaus um den heutigen kleinen Schloßhof. Zw. Hauptburg und Palas zog sich ein breiter und tiefer Graben hin. Der Zugang erfolgte über eine Brükke. Von der hochma. Burg hat sich nur ein mauerstarker Rundturm (Flasche) im N erhalten. Von diesem Komplex ist räuml. zu trennen der im Tafelgüterverzeichnis des Röm. Kg.s aufgeführte Wirtschaftshof. Dessen Lage ist umstritten und befand sich sicher außerhalb des Burgberges. Ab dem beginnenden15. Jh. ist A. fest eingebunden in die Reiseherrschaft der Wettiner, wobei seit der zweiten Hälfte des 13. Jh.s A. öfter Ausstellungsort von Urk.n war. Mgf. Wilhelm II. wählte A. zu seiner Hauptres., wie nach ihm um die Mitte des 15. Jh.s Kfs. Friedrich II. Sein Vorgänger, Kfs. Friedrich I., ließ 1428 ein Inventar seiner Silberkammer anlegen. Zeitweilig befand sich die Kanzlei und das Kammermeisteramt in A. Zur Pfalzanlage gehörte eine dem hl. Georg geweihte Kapelle, die 1413 durch Mgf. Wilhelm II. von Meißen in ein Kollegiatstift mit 14 Pfründen umgewandelt wurde. Konzipiert als landesherrl.Bm. und ausgestattet mit zahlr. Reliquien wurde das Kollegiatstift aber nie Grabstätte der gesamten Familie. Der spätgot. Chor aus der Zeit um 1400 brannt 1444 ab und wurde anschl. als Schloßkirche mit Maßwerkrippennetzgewölbe aufgebaut. Eine steinerne Grabtumba erinnert an den Gründer des Kollegiatstiftes. An fsl. Begräbnissen ist bes. das der Margarethe von Österreich zu nennen, die 1486 auf ihrem Witwensitz in A. verstarb. Die Bronzeplatte fertigte Peter Vischer d. Ä. in → Nürnberg. Erhalten haben sich von der ursprgl. Ausstattung noch ein mit Baldachinen versehenes geschnitztesChorgestühl aus der Zeit um 1500 sowie spärl. Reste der ital. beeinflußten Ausmalung des Kirchenschiffes. 1645-48 erfolgten barocke Umbauten durch Christoph Richter aus A. und 90 Jahre später erhielt die Schloßkirche eine Orgel von Heinrich Gottfried Trost.
Im sog. Bruderkrieg (1446-51) wurde die Res. stark in Mitleidenschaft gezogen. Ab 1449 bezogen die Räte die Burganlage und umfängl. Sanierungen erfolgten, wobei vorrangig die Verteidigungsanlagen verstärkt wurden. Daneben erfolgte eine neue Eindeckung sowie das Täfeln der Kammern der Kfs.in. Fast alle Räume erhielten neue Öfen. Die Glasfenster bezog man aus Zwickau. Mobiliar in größeren Mengen wurde angekauft. 1518 erfolgte unter Kfs. Friedrich dem Weisen von Sachsen die Anlage eines Renaissanceschlosses mit vier miteinander verbundenen Flügeln und Zugang zur Schloßkirche, wozuwahrscheinl. weite Teile der westl. Plateaubebauung abgetragen wurden. Süd-, West- (Corps de logis) und Nordflügel umgrenzen den kleinen Schloßhof und an den Nordflügel schließt sich der Festsaalflügel an, der weit in den Zwingerbereich hineinragt.
Am Südflügel sind noch Teile des alten Wendelsteins sichtbar sowie Teile der Arkadengalerie. Barocke Umbauten veränderten den mächtigen Sandsteinquaderbau mit den gedoppelten Fenstern. Ein weiteres Stockwerk wurde aufgesetzt. Über die ursprgl. Raumfolge haben wir keine Informationen. Der Johann-Sebastian-Bach-Saal im dritten Obergeschoß geht auf Veränderungen in den Jahren 1605-09 unter der Leitung von Friedrich Wilhelm von Stange zurück. Er soll mit goldgewirkten Tapeten ausgestaltet gewesen sein. Dieser Teil der hufeisenförmigen Anlage gehört zu den ältesten und diente v. a. zuWohnzwecken. Hier soll sich auch die Silberkammer befunden haben. Vier Räume im ersten Geschoß waren der Hzg.in im 18. Jh. vorbehalten. Dem Schlafgemach folgte das Zimmer der Hofmeisterin. Sechs Räume im zweiten Obergeschoß, die sich unmittelbar an den Kirchsaal anschlossen, standen dem Hzg. zur Verfügung. Der Bau des Westflügels erfolgte 1706-12 durch Johann Heinrich Gengenbach und ist mit wertvollen Stuckdecken und Deckenmalereien versehen. Der dreigeschossige Schloßflügel umfaßt elf Fensterachsen und wurde ab 1724 durch Gottfried Samuel Vater erweitert, der auch den rechtwinkligangrenzenden Nordflügel erbaute. Der schlichtere Bau verfügt ebenfalls über drei Stockwerke hofseitig und elf Fensterachsen. Über dem Festsaal befanden sich die Gemächer der Prinzen. Bereits im 15. Jh. wurden die Prinzen in A. erzogen, wobei die von ihnen bewohnten Räume sich nicht mehr nachweisen lassen. Bis 1734 folgte noch der dreizehnachsige Festsaalflügel. Der über zwei Etagen gehende Festsaal besticht durch die Verwendung unterschiedl. Marmorsteine und Stuckverzierungen. An den Festsaalflügel schloß sich der Marstall an, der im 16. Jh. errichtet wurde und gegenwärtig nach dem Brand von1987 wieder aufgebaut wird. Nur zum Schloßinnenhof sind die Fassaden reich strukturiert, zur Stadtseite dominiert Schlichtheit.
Zur Res. gehörte sehr früh ein Tiergehege, welches erstmalig 1289 erwähnt wurde. 1464 errichtete man für die Kfs.in Margarethe einen neuen Tiergarten für Affen, Bären und Luchse.
Stoff zu über 40 Bühnenstücken und literar. Verarbeitungen fand der Raub der Prinzen Ernst und Albrecht 1455 aus dem Schloß in A. durch Kunz von Kauffungen, der sich im Bruderkrieg auf Seiten von Kfs. Friedrich II. befand und von diesem Geld für seine Beteiligung forderte. Nachdem der Landesherr dies ablehnte, entführte er die beiden Kinder und wollte sie nach → Böhmen schaffen, was aber vereitelt wurde. Kunz wurde daraufhin in → Freiberg öffentl. enthauptet und in A. die Wiederankunft der Prinzen gefeiert.
Sources
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Literature
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