WINNEBURG-BEILSTEIN
I.
B. (Beylsteyn, 1268; Bielsteyn, 1299; Bilstein 1348) nördlich Zell an der Mosel (Kr. Cochem-Zell), Herrschaft → Winneburg-B. Dicht bebaute Siedlung unter der Burg, nach 1310 zur Res. ausgebaut, die Burg 1689 zerstört. Der Besitzschwerpunkt der Inhaber lag damals bereits in Böhmen, in B. befand sich nur noch die lokale Verwaltung.
II.
B. liegt am rechten Ufer der Mosel, die Siedlung zieht sich in die Täler zweier hier einmündender Bäche hinein. Darüber liegt die gleichnamige, erstmals 1268 urkundlich belegte Burg (heute Burg Metternich gen.). Die Talfläche ist komplett bebaut, die Hänge sind, soweit das die Lage zur Sonne erlaubt, mit Weinstökken bepflanzt, sonst bewaldet. Der Ort blieb – schon aufgrund der geogr. Lage – stets klein (1995: 169 Einw.).
Im Sept. 1316 fügte Kg. Ludwig zu den bereits (seit 1310) bestehenden Rechten der Stadt einen Wochenmarkt hinzu. Wg. der Nähe zu Cochem dürfte dieser aber keine überörtliche Bedeutung gewonnen haben. Außerhalb der Mauern von B. befindet sich ein altes »Zollhaus« bezeichnetes Gebäude. Nach Ausweis der archivalischen Überlieferung besaßen die Herren von → Winneburg-B. Zollrechte allerdings nur in Cochem (als kurtrierisches Lehen), nicht aber in B. selbst. Soweit die Anwohner nicht in landesherrlichen Diensten standen, betrieben sie Landwirtschaft, v.a. Weinbau. Eine gewisse Rolle dürfte noch die Schiffahrt auf der Mosel gespielt haben. Kirchlich gehörte B. zum Landkapitel Kaimt-Zell im Archidiakonat Karden der Erzdiöz. Trier.
Die wesentlichen Schritte der Stadtentwicklung fallen in die Lebenszeit des Johann Herrn zu Braunshorn (gest. 1347). Sie sind v.a. seiner Rolle in der Reichspolitik zu verdanken. Im April 1310 erhielt er von Kg. Heinrich VII., dessen Hofmeister er war, das Recht zur Befestigung und zur Ansiedlung von 40 Bürgern zu den Freiheiten, die andere Städte von Ks.n und Kg.en erhalten hatten; dieses Recht wurde im Sept. 1316 und erneut im Mai 1330 von Kg./Ks. Ludwig bestätigt; 1330 wurde die Anzahl der Bürger in das Belieben des Stadtherrn gestellt. Der Herr von Braunshorn errichtete und dotierte eine Kapelle/Kirche unterhalb der Burg, die 1313 zur Pfarrkirche erhoben wurde. Als Kg. Ludwig im Sept. 1316 die Freiheiten der Stadt bestätigte, fügte er einen Wochenmarkt (am Dienstag) hinzu.
B. lag ursprgl. innerhalb im Gericht Ellenz (gegenüber auf dem linken Moselufer gelegen). Das Gericht zu Ellenz und Poltersdorf war im Dez. 1309 von Kg. Heinrich VII. an Johann Herrn zu Braunshorn verliehen worden. Im Juni 1336 ist von einem – wohl zwischenzeitlich durch den Stadtherrn geschaffenen – Gericht B. die Rede. An der Urk. befindet sich der älteste erhaltene Abdr. des Stadtsiegels, das im Wappen ein aus dem Wappen der Herren von Braunshorn entnommenes Hifthorn zeigt. Im Dez. 1309 hatte der Herr zu B. vom Kg. auch das Recht erhalten, in seiner Befestigung unterhalb der Burg zehn Judenfamilien anzusiedeln. Auch B.er Juden wurden Opfer des Pogroms vom Frühjahr 1349; bereits im Aug. 1349 ist allerdings wieder ein in B. lebender Jude belegt.
Die Masse der Einw. des sehr kleinen Ortes dürfte stets von der Herrschaft abhängig gewesen sein. Von Spannungen ist nichts bekannt.
III.
Aus der Zeit, als B. Res. einer kleinen Herrschaft war, sind die Burg (heute Burg Metternich gen.), Teile der Stadtbefestigung, Amtshaus und Kellerei sowie Kl., ehem. Pfarrkirche und Synagoge erhalten geblieben.
Baumeister und Künstler sind nicht bekannt.
Beherrscht wird B. von der wohl zu Beginn des 13. Jh.s errichteten, 1268 erstmals urkundlich erwähnten, seit Beginn des 14. Jh.s ausgebauten und 1689 zerstörten Burg.
In Teilen erhalten sind Bergfried (um 1200), Teile eines Rundturms, zwei Geschosse vom Palas, die Keller eines weiteren Gebäudes, der Torbau und die Vorburg. Von den Innenräumen und deren Ausstattung ist nichts mehr vorhanden.
Die Burg war mit der Talsiedlung durch eine gemeinsame Befestigung verbunden. Das Recht zur Anlage einer solchen Mauer hatte Kg. Heinrich VII. im April 1310 erteilt; allerdings ist bereits im Dez. 1309 von einer Befestigung (municio) im Tal unter der Burg B. die Rede; im März 1363 war die Stadt komplett ummauert. Zwei von Wohnhäusern überbaute Tore und zwei zur Mosel hin gelegene Türme sind erhalten. In der Stadt befanden sich 1363 eine Mühle und ein Backhaus. Moselabwärts wurde zudem zeitw. eine Schiffsmühle betrieben.
Zum kirchlichen Mittelpunkt des Ortes wurde zunächst die kurz vor März 1311 fertig gestellte, im Mai 1313 durch Johann Herrn von Braunshorn ausreichend dotierte, der Jungfrau Maria und dem Hl. Christoph geweihte Pfarrkirche. Obwohl die letzten Herren von → Winneburg-B. Anhänger der Reformation waren, haben sie am Ort keine konfessionellen Veränderungen durchsetzen können. 1732 wurde die zerfallene Kirche durch einen Neubau ersetzt; dabei wurden Bauteile des 16. Jh.s weiterverwendet. Diese Kirche wurde 1805 profaniert.Pfarrkirche ist seitdem die Kirche des damals aufgehobenen Karmeliterkl.s, das 1636 durch Emmerich von Metternich, Dompropst zu Trier, gegr. worden war. Die heute noch stehenden Kl.gebäude wurden 1692 bezogen. Der Grundstein für die Kirche wurde 1691 gelegt, das Gebäude wohl erst 1738 fertig gestellt.
Im Dez. 1309 war dem Besitzer der Herrschaft die Ansiedlung von zehn Judenfamilien gestattet worden. 1349 sind erstmals in B. ansässige Juden belegt (als Opfer des Pestpogroms). Eine größere Zahl von Familien ist aber wohl erst im 16. Jh. in B. ansässig geworden; den Höhepunkt erreichte die Zahl der Juden am Ort in der ersten Hälfte des 18. Jh.s. Diese Juden lebten dicht beieinander, besaßen eine eigene Synagoge und einen Friedhof.
Mehrere Männer aus den letzten Generationen des Hauses → Winneburg-B. haben an Universitäten studiert. Von Philipp d.J. Frh.n zu Winneburg-B. (gest. 1600) sind mehrere theologische Werke erhalten geblieben, die einen hohen Bildungsstand demonstrieren und den Besitz einer entspr. Bibliothek voraussetzen. Das im Exil aufgenommene Nachlassinventar des Sohnes Wilhelm, des letzten Herrn von → Winneburg-B., nennt auch seine Bibliothek, in der theologische Werke am stärksten vertreten waren.
Innerhalb der Stadt befanden sich Amtshaus und Kellerei (am Markt), das Zehnthaus und mehrere, zu den Burglehen gehörende Häuser. Im 16. Jh. gab es am Ort eine Schule. Die Mehrzahl der dortigen Häuser dürfte von den bürgerlichen Besitzern errichtet und bewohnt worden sein. Außerhalb der Stadtbefestigung am Moselufer befindet sich ein als Zollhaus bezeichnetes Gebäude; urkundliche Belege für den Zoll fehlen bisher.
Sources
Siehe A. Winneburg-Beilstein.
Literature
Dehio-Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler, Rheinland-Pfalz, Saarland, bearb. von Hans Caspary, München u. a. 1972. – Frank, Lorenz/Huyer, Michael: Burgruine Winneburg bei Cochem, Köln 2005 (Rheinische Kunststätten, 492). – Friderichs, Alfons/Gilles, Karl Josef: Beilstein an der Mosel, Köln 1980 (Rheinische Kunststätten, 242). – Friderichs, Alfons: Überbleibsel jüdischer Friedhöfe im Kreis, in: Jahrbuch für den Kreis Cochem-Zell (1989) S. 63-66. – Handbuch der historischen Stätten Deutschlands, Bd. 5: Rheinland-Pfalz und Saarland, hg. von Ludwig Petry, Stuttgart 1965. – Kahlki, Josef: Aus der Schulgeschichte Beilsteins, in: Jahrbuch für den Kreis Cochem-Zell (1989) S. 132. – Pauly, Ferdinand: Siedlung und Pfarrorganisation im alten Erzbistum Trier, Bd. 1: Das Landkapitel Kaimt-Zell, Bonn 1957 (Rheinisches Archiv, 49). – Schommers, Reinhold: Die Beilsteiner Judengemeinde und ihre Synagoge, in: Das Land an der Mosel – Kultur und Struktur, Bad Sobernheim 1995 (Sobernheimer Gespräche, 3), S. 115-130. – Schüler, Heinz: Die kirchlichen Verhältnisse der moselländischen Herrschaft Winneburg-Beilstein im 16. und 17. Jahrhundert, in: Monatshefte für evangelische Kirchengeschichte des Rheinlandes 20/21 (1971/1972) S. 158-187. – Stampfer, Justin: Die Geschichte der Karmeliten in Beilstein, in: Jahrbuch für den Kreis Cochem-Zell (2004) S. 127-129. – Zimmer, Theresia: Gerichts- und Gemeindesiegel der Orte im Kreis (I), in: Jahrbuch für den Kreis Cochem-Zell (1989) S. 54-60, hier S. 56 (Beilstein). – Ziwes, Franz-Josef: Studien zur Geschichte der Juden im mittleren Rheingebiet während des hohen und späten Mittelalters, Hannover 1995 (Forschungen zur Geschichte der Juden, A 1).