Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich

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STEINFURT

C. Steinfurt

I.

Die 1129 erstmalig erwähnte Wasserburg Stenvorde war Namen gebend für das Geschlecht der Edelherren von S. und gilt heute noch als die größte ma. Wasserburg Westfalens. Die Anlage wurde 1164 von den benachbarten Herren von Ascheberg zerstört und mit Unterstützung des mit den Geschlecht S. verwandten Kölner Ebf. Reinald von Dassel wieder aufgebaut.

II.

Der ehem. Res.ort S. (heute: Burgsteinfurt, Kr. S., Regierungsbez. Münster, Nordrhein-Westfalen) besteht aus zwei Stadtteilen mit jeweils drei Bauernschaften: Burgsteinfurt (Hollich, Sellen, Veltrup) und Borghorst (Dumte, Wilmsberg, Ostendorf). Die 1322 als oppidum bezeichnete Stadt hatte zu diesem Zeitpunkt ungefähr 400 Einw. (1396: 800 Einw.). 1347 erhielt S. münsterische Stadtrechte. Ab 1396 erfolgte die Errichtung einer Stadtmauer als starke kreisförmige Befestigung mit vier Stadttoren (Kirchpforte, Rottpforte, Steinpforte, Wasserpforte).

Eine bes. Bedeutung für S. hatte die Ansiedlung des Johanniterordens (1244), deren Niederlassung Sitz der Ballei Westfalen wurde. Die Johanniterkommende wurde direkt neben der Großen Kirche zu S. gegr., die sich außerhalb der Stadtbefestigung befand.

Im Res.ort befand sich mit der Hohen Schule (Gymnasium illustre Arnoldinum) die älteste Hochschule Westfalens. Zunächst 1588 von Gf. Arnold IV. von → Bentheim in → Schüttorf (Gft. → Bentheim) eingerichtet, wurde die Hohe Schule allerdings bereits 1591, wohl aufgrund von Streitigkeiten zwischen dem Gf.en und der Stadt, nach S. verlegt.

III.

Am südöstlichen Rand der Stadt befindet sich das Wasserschloß S., eine auf zwei künstlich aufgeschütteten Inseln angelegte zweiteilige Anlage mit Gräfte. Der als Oberburg bezeichnete älteste Teil umfaßt das Wohngebäude, auf dem Areal der Unterburg (Vorburg) befinden sich die Wirtschaftsgebäude. Im Zuge des Wiederaufbaus nach ihrer Zerstörung 1164 entstanden die äußere Ringmauer, der Torturm, der Bergfried (sog. Buddenturm, abgetragen 1773-1793) und der quadratische Wohnturm mit dem großen Rittersaal. Die im 12. Jh. errichtete Schloßkapelle wurde im 13. Jh. aufgestockt. Beide Kapellen sind durch eine Öffnung miteinander verbunden und wurden bis zum 14. Jh. doppelstöckig genutzt. Bemerkenswert ist das aus Baumberger Sandstein geschaffene Gebäude der Gf.in Walburg mit einer reich verzierten Auslucht (1559) des Bildhauers Johann Brabender (gen. Beldensnyder) aus Münster. Den Renaissanceturm ließ Gf. Arnold IV. 1596 errichten (Renovierung 1882). Schloß S. wird heute noch von den Fs.en von Bentheim-S. priv. bewohnt.

Bentheim, Oskar zu: Graf Arnold IV. von Bentheim und die Gründung der Hohen Schule zu Steinfurt, in: 400 Jahr Arnoldinum. FS hg. von Kreisheimatbund Steinfurt, Greven 1988 (Schriftenreihe des Kreisheimatbundes Steinfurt, 6), S. 31-40. – Berger, Eva: Dem Frieden die Zukunft. Sozialgeschichtliche Beiträge aus dem Kreis Steinfurt: Der Dreißigjährige Krieg und die Hoffnung auf Frieden, Steinfurt 1998. – Castelle, Friedrich: Unsere Stat to Stenvorde. Eine Jahrtausend-Chronik zur 600-Jahrfeier der Stadt Burgsteinfurt, Burgsteinfurt 1947. – Döhmann, Karl Georg: Beiträge zur Geschichte der Stadt und Graffschaft Steinfurt, Bd. 2: Topographie und Altertümer von Steinfurt, Burgsteinfurt 1910. – Hemann, Friedrich-Wilhelm: Art.: »Steinfurt«, in: LexMa VIII, 1997, Sp. 99. – Historischer Stadtführer Steinfurt, hg. von Thomas Hoeren, Steinfurt 2005. – Köckeritz, Wolfgang: Die Wasserburg Steinfurt, das Schloß der Fürsten zu Bentheim und Steinfurt in Westfalen, Berlin 1976 (zugl. Diss, TU Berlin). – Eine Reise durch die Geschichte. 650 Jahre Stadtrechte, 1347-1997, hg. von Heimatverein Burgsteinfurt, Horb am Neckar 1997. – Schindling, Anton: Bildung und Konfession in der Zeit Graf Arnolds IV. von Bentheim, in: Symposion 400 Jahre Hohe Schule Steinfurt, 18.-19.09.1988, Schloß Burgsteinfurt, hg. von Stadt Steinfurt u. a., Steinfurt 1991 (Steinfurter Schriften, 17), S. 5-17. – Warnecke, Hans Jürgen: Von der Lateinschule zur Gymnasium Illustre, in: 400 Jahr Arnoldinum. FS hg. von Kreisheimatbund Steinfurt, Greven 1988 (Schriftenreihe des Kreisheimatbundes Steinfurt, 6), S. 41-49.