SALM
I.
Die Burg A. fand erstmalige Erwähnung im 12. Jh. als Lehen des Bf.s von Utrecht. Sie wurde im 14. Jh. zum Mittelpunkt einer reichsunmittelbaren Herrschaft der Familie von Sulen, die der Siedlung in der Nähe der Burg 1349 Stadtrechte verlieh. 1380 an die Herren von → Gemen, 1402 an Bronkhorst-Batenburg. Seit 1451 entstand die Pfarrkirche St. Pankratius, der Kirchsprengel war mit dem Umfang der Herrschaft A. identisch. Diese gelangte 1641/45 durch Heirat an die Fs.en von → Salm, → Wild- und Rheingrafen. 1803 mit den vormals fs.bf.lich-münsterschen Ämtern Ahaus und Bocholt zum (ab 1806) souveränen Fsm. → Salm vereinigt. 1810 frz., 1814 preußisch. Das Schloß (Wasserburg) → Anholt nach schweren Kriegszerstörungen 1945 wieder hergestellt, bedeutende Kunstsammlungen. – D, Nordrhein-Westfalen, Stadt Isselburg, Kr. Borken.
II.
Von den Herren von Sulen zur Stadt erhoben (1349), entwickelte sich A. als Ansiedlung neben der Burg. Am Ende des 15. Jh.s wurde eine starke Stadtbefestigung mit 3 Toren errichtet, A. hatte in dieser Zeit ca. 900 Einw. Erhebliche Rückschläge in der Entwicklung brachten die schweren kriegerischen Konflikte am Beginn der Frühen Neuzeit (Geldernsche Fehde, Span.-Ndl. Krieg). Eine wirtschaftliche Erholung, beruhend auf den Erwerbszweigen Landwirtschaft und Handwerk, zeichnete sich erst nach dem Übergang an das Fs.enhaus → Salm seit der Mitte des 17. Jh.s ab. Im Zweiten Weltkrieg schwerste Verluste an der historischen Bausubstanz (1945). Wieder errichtet sind das Rathaus (1567) und die im 19. Jh. im neoromanischen Stil neu erbaute katholische Pfarrkirche St. Pankratius.
III.
In der morastigen Landschaft am Lauf der Issel/IJssel entstand ab dem 12. Jh. die Wasserburg A. Als deren Überrest blieb der ‚Dicke Turm‘ (13. Jh.) bestehen. Bereits im SpätMA erweitert, erfolgte um 1700 die Umgestaltung der Anlage zum Schloß, das den Repräsentationsbedürfnissen der Fs.en von → Salm zu genügen hatte. Der maßgebliche Architekt dieses Umbaus dürfte der Mailänder Tommaso Tommasini gewesen sein, der die Pläne für die neue Haupttreppe entwarf (1699). Zur fsl. Ausstattung des Interieurs zählen die aufwendigen Stuckaturen und eine Serie von Wandteppichen, die in einer Brüsseler Werkstatt in Auftrag gegeben wurden (Van der Borght). Von bes. Bedeutung ist die Bibliothek (Werke ab 1470), in die bes. die Juridica und Politica enthaltende Büchersammlung des Fs.en Carl Theodor Otto (1645-1710) einging, der am Wiener Hof eine wichtige Rolle spielte. Abgeschlossen wurde die barocke Umgestaltung des Schlosses 1721 mit der Anlage eines Gartens im frz. Stil. Erhebliche Eingriffe im 19. Jh. Erweiterung des Parks zu einem Landschaftsgarten im englischen Stil: »Anholter Schweiz« (1893).
Sources
Fürstlich Salm-Salm'sches und Fürstlich Salm-Hostmar'sches Gemeinschaftliches Archiv in der Wasserburg Anholt.
Literature
Sechshundert Jahre Stadt Anholt: 1347-1947, Münster 1947. – Tinnefeld, Josef: Die Herrschaft Anholt. Ihre Geschichte und Verwaltung bis zu ihrem Übergang an die Fürsten Salm, Münster 1913. – Salm-Salm, Nikolaus Leopold von: Die Wasserburg Anholt, Bocholt 1966. – Schmitz, L.: Das älteste Stadtrecht von Anholt, in: Westfälische Zeitschrift 59 (1901) S. 227-234.