MANSFELD
I.
Der Chronist Cyriacus Spangenberg schreibt: »Es liegen in der alten Stadt Isleben vier Herrenhäuser […]« (Spangenberg, S. 252) und lokalisiert das heute nicht mehr vorhandene Stadtschloß und mehrere Stadtpalais der → Mansfelder Gf.en. In der Hauptteilung von 1501 wurde u. a. festgelegt, daß die drei Gf.enlinien ihre Stadt E. gemeinsam verwalten. Deren Präsenz in der durch den Bergbau und Handel prosperierenden Mediatstadt des frühen 16. Jh.s manifestiert sich noch heute baulich ablesbar. Die Er- und Einrichtung dieser Palais mit Kanzleien meist in bevorzugter, zentraler Lage am Markt wurden letztlich durch den Stadtbrand von 1498 sowie den von den Gf.en mitverschuldeten Ruin ihrer Hüttenmeister nach 1536 erst ermöglicht. Mit der Sequestration der → Mansfelder Gft. fielen diese Häuser nach und nach an die kursächsischen Zwangsverwalter und wurden dann meist privatisiert. Signifikant vorhanden sind heute:
II./III.
Lutherstadt E., Markt 34: ehem. Stadtsitz der Gf.en von → Mansfeld-Mittelort, heute Mohren-Apotheke und Wohnungen. Am ehem. Holzmarkt nach 1501 erbaut und 1554 erstmals erwähnt; nach Beschädigung bei Stadtbrand 1601 und nach Aussterben der mittelortischen Linie (1602) bis 1612 wiederaufgebaut als Amtsgebäude des kursächsischen Rentmeisters, seit 1664 des kursächsischen Oberaufsehers. Das breitgelagerte, dreigeschossige, traufständige Renaissancehaus mit hohem Satteldach hat meist paarweise gekuppelte, reich profilierte Rechteckfenster und ein kräftiges Rundbogenportal mit breiter kreuzgratgewölbter Tordurchfahrt. Es ist im Inneren von dem barocken Umbau geprägt, v.a. Festsaal mit Stuckdecke (60er Jahre des 17. Jh.s) und bemalten Leinwandtapeten (20er Jahre des 18. Jh.s). Im Hof befindet sich ein langgestreckter, zweigeschossiger Bau; im massiven Erdgeschoß ein (verbauter) zweischiffiger Saal mit vier Rundstützen aus gfl. Zeit; das Fachwerkobergeschoß stammt von 1725. An der Südostecke steht ein turmartiger, zweigeschossiger Anbau (wohl älteren Ursprungs) mit Mansarddach, im Dachgeschoß noch der barocke Saal mit Spiegeldecke, Stuckdekor und Kamin erhalten.
Lutherstadt E., Markt 56: ehem. Stadtsitz und Kanzlei der Gf.en von → Mansfeld-Vorderort. Nach Stadtbrand 1498 als Wohnhaus des patrizischen Hüttenmeisters Thilo Rinck erbaut, diente es seit 1839 als Verwaltungssitz (»Gewerkenhaus«) der → Mansfelder Bergbaugewerkschaften und ist heute ein Hotel. Nach neuerer Forschung war es als sog. Drachstedtsches Haus 1546 der authentische Sterbeort Martin Luthers (nicht das Museum »Luthers Sterbehaus« am Andreaskirchplatz!). Es wurde aber um 1570 als gfl. Renaissancepalais und Kanzlei fast vollständig neu errichtet und 1707 für den kursächsischen Oberaufseher barock überformt. 1839 erfolgten ein Umbau des Innern und um 1900 ausgedehnte Anbauten nach W und S. Das stattliche dreigeschossige Traufenhaus in herausgehobener Lage gegenüber dem Altstädter Rathaus hat ein hohes Satteldach mit drei Gaupenreihen. Im Erdgeschoßraum ist noch aus Zeit der gfl. Kanzlei das Kreuzrippengewölbe auf runden Mittelstützen erhalten.
Lutherstadt E., Markt 58: ehem. Stadtsitz der Gf.en von → Mansfeld-Hinterort, zuletzt Bergamt und Museum. In städtebaulich prägnanter Ecklage nahe dem Altstädter Rathaus und der Andreaskirche. Nach Stadtbrand 1498 um 1500 erbaut, 1589 erneuert, mehrfach restauriert und umgebaut. Seit etwa 1626 in Privatbesitz, später kursächsisch, 1815-1863 preußisches Bergamt, dann Sitz der Bergbaugewerkschaften, ebenfalls mit Erweiterungsbauten nach 1900. Der palastartige zweigeschossige, elfachsige Bau der Spätgotik besitzt historisierende Vorhangbogenfenster und ein kräftig profiliertes kielbogenförmiges Sitznischenportal, inschriftlich 1500, sowie ein hohes Walmdach mit Fledermausgaupen. Im Erdgeschoß befinden sich mehrere gewölbte Räume, repräsentativ abgehoben ist der rechteckige kreuzrippengewölbte »Rittersaal« von 1589 mit zwei rundbogigen Stabwerkportalen und zahlr. z.T. von Rollwerkkartuschen gerahmten Wappen (Sandstein) des Gf.en Ernst VI. (IV.) von → Mansfeld-Hinterort, seiner Gemahlin und ihrer Ahnen.
Sources
Cyriacus Spangenberg, Mansfeldische Chronica. Der vierte Teil. Beschreibung der Graueschafft Mansfeltt von ortt zu ortt, der Schlösser, Stedte, Dorfschafften vnd Closter mitt allen deren Zubehörungen: wie, vnd auch wenn ein iedes zu der Graueschafft Mansfeltt komen, vnd was sich bey vnd ann einem ieden ortt in sonderheitt zugetragen. Dabey auch der Fürwerge vnd Wüstungen, Berge vnd Welde, Wasser vnd Bäche, Mülen vnd Hütten, so darneben gelegen, nicht vergessen wird, hg. von Max Könnecke, Rudolf Leers und Carl Rühlemann, Eisleben 1924.
Literature
Dehio-Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler, Sachsen-Anhalt, Tl. 2: Regierungsbezirke Dessau und Halle, bearb. von Ute Bednarz, Folkhard Cremer, Hans-Joachim Krause u. a., München u. a. 1999, S. 467-468. – Grössler, Hermann: Zwei geschichtlich merkwürdige Häuser in Eisleben, in: Mansfelder Blätter 25 (1911) S. 1-16. – Roch-Lemmer, Irene: Stuckdecken der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts in halleschen Bürgerhäusern, in: Hallesche Blätter 1 (1989) S. 51-59, Eisleben S. 53-55. – Roch-Lemmer, Irene: Die »Mansfeldische Chronica« des Cyriakus Spangenberg als baugeschichtliche Quelle für Burgen und Schlösser des Mansfelder Landes, in: Burgen und Schlösser in Sachsen-Anhalt 13 (2004) S. 133-150. – Stahl, Andreas: Cyriakus Spangenberg als Chronist. Zur Authentizität des Sterbehauses von Martin Luther, in: Reformatoren im Mansfelder Land. Erasmus Sarcerius und Cyriakus Spangenberg, hg. von Stefan Rhein und Günther Wartenberg, Leipzig 2006 (Schriften der Stiftung Luthergedenkstätten in Sachsen-Anhalt, 4) S. 191-216.