Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich

Return to list

BARBY UND MÜHLINGEN

C. Rosenburg (Klein-/Groß-)

I.

Ersterwähnung der im (slaw.en) Gau Serimunt jenseits der Saale, wenige Kilometer vor deren Einmündung in die Elbe gegenüber → Barby gelegenen kgl. curtis Rosburch 965, als sie von Ks. Otto I. der Magdeburger Moritzkirche geschenkt wird. 993 erfolgte die Bestätigung des (ebfl.) Besitzes einer civitas Rosburg (UBM Nr. 29 und 109). Die den Mittelpunkt eines Burgwarts bildende, im heutigen Klein-R. auf dem viell. künstlich in einem spornartigen Saalebogen angelegten, ca. 115 m Durchmesser (bei 53-55 m ü. NN) umfassenden Hügel errichtete (Uferrand-) Burg lag wahrscheinlich in unmittelbarer Nähe des Kg.shofs. Ersterwähnung des castrum Roseborg 1269. Der ursprgl. Saalelauf schützte die im SpätMA zu einem dreieckigen Grdr. verformte Rundburg von W und N her. Weinert nimmt an, daß hier zuvor die von mehreren Flußläufen geschützte slawische Kesigesburg/Resigesburch gelegen hatte; umstritten auch die Herleitung des Namens von germ. »reisic« (zum Kampf gerüstet); gängiger ist R. als »eine vom Schilf umgebene Burg«.

In der zweiten Hälfte des 12. Jh.s sind als Inhaber die (anfangs edelfreien) Herren von R. nachweisbar, die in (evtl. verwandtschaftlicher) Verbindung zu den Bgf.en von Magdeburg aus dem Haus → Querfurt standen, welche seit etwa 1136 die Herrschaft R. besaßen. Inwieweit eine Verbindung zwischen ihnen und der Ministerialenfamilie de Rosburch besteht, ist unklar. Vom Verkauf der Bgft. durch Bgf. Burchard V. 1269 blieben – wahrscheinlich mit Anwartschaft Walthers VIII. von → Barby – Burg und Herrschaft R. ausgeschlossen. Mit dem Tod des letzten → Querfurter Bgf.en, Burchard VII., gingen 1306/08 beide als magdeburgisches Lehen an Hermann von → Barby über. Bis 1330 und 1595 bis 1614 Res. einer Seitenlinie. Nach dem Aussterben des Hauses 1659 wurde R. von Administrator August von Sachsen-Weißenfels 1671 an die Herren von Ende, 1681 von diesen an Kurbrandenburg verkauft. Nach 1717 preußischer Amtssitz und Domäne. 1945 wurde die nach 1798 grunderneuerte Anlage fast völlig zerstört, in den 1990er Jahren konserviert.

II.

Noch 1325 wird R. (Rossenburg, Roszenburg, Rosenborg) als civitas bezeichnet; eine Weichbildentwicklung blieb aber aus. Es entstanden zwei getrennte Dörfer, Groß- und Klein-R. Um 1800 hatten sie 950 Einw. mit 127 Hausstellen (1825 ein Rittergut, sechs Vollspänner-, 15 Halbspänner-, 28 Kossätenhöfe, 80 Häuslerstellen). Im 15. Jh. südwestlich gelegenes Hospital. 1494 wurden das Landgericht und der Dingstuhl zu Patzetz nach R. transferiert. 1586 Neubau der im Zentrum von Groß-R. gelegenen Kirche; Vorgängerbau wahrscheinlich aus dem 10. Jh. (evtl. Bestandteil der o.g. curtis). Erweiterungen nach 1763 und 1910, Kirchengestühl aus dem späten 17. Jh. verloren. Geistliche Jurisdiktion: Ebm. Magdeburg; bis 1323 Patronat Kl. Gottesgnaden. Neubau der Schule 1593. Gfl. Fischzucht 1619 nachweisbar.

III.

Die Ruine des querrechteckigen Torturms aus Back- und Sandstein geht vermutlich auf die zweite Hälfte des 12. Jh.s zurück. Daneben weisen Rudimente der Ringmauer und des Torzwingers in die Zeit vor Umgestaltung der Anlage Mitte des 16. Jh.s. Der quadratische Bergfried wurde 1797 abgebrochen; im Lehnbuch 1494 Erwähnung eines Kirchlehens auf dem Schloß. Ma. Wohnbauten vermutlich an der Stelle der späteren Schloßbauten. Schmitt (2002) bietet auf Grundlage eines Erbbuchs und Inventars aus der Mitte des 17. Jh.s eine Beschreibung der Anlage, die trotz fehlender Anbindung an eine Stadt und eine eigene Linie anhaltende herrschaftlich-repräsentative Funktionen besaß. Ein mit den Wappen der Gfn. von → Barby und → Schwarzburg über dem Portal versehenes neues Haus stammte aus der Ausbauphase um 1600. Nicht erst unter Gf. Jost (1544-1609), der 1595 den Komplex → Mühlingen-R. geerbt hatte, wurden Verwaltungs- (Amt) und Res.funktionen wahrgenommen. Die maßgebliche Umgestaltung zu einem Schloß war seit den 1540er Jahren durch den Bau eines Wohnhauses an der Westseite erfolgt. Weitere Hinweise: Reparatur der Hofstube, Neubau eines Brauhauses, eines Lusthauses, einer Badstube und einer Küche in den 1570er Jahren; 1661 Nachweis von zwei Hofstuben, je eines Kabinetts für den Amt- und den Kornschreiber, einer großen Saalstubenkammer sowie eines Frauenzimmers. Auf einen ausgeprägten Befestigungscharakter im frühen 17. Jh. deutet die Notiz Christians von Anhalt-Bernburg vom Rosenburgischen Festungsbau (Weinert, S. 110) hin.

Neben Schmitt hat Roch-Lemmer (2003) auf das ikonographische Programm dieses 1798 abgebrochenen, stilistisch in einer Reihe mit anderen Schloßbauten der mitteldt. Frührenaissance stehenden Baus aufmerksam gemacht. Hier befanden sich außer dem Stammwappen mit der Werkstatt des Bernburger Baumeisters Andreas Günther in Verbindung gebrachte Sandsteinrelieftafeln. Zu sehen waren drei Brustbilder Ks. Karls V. samt Wappen, zwei kursächsische sowie zwei gfl. (Barbysche) Brustbilder. Dieses »zu den frühesten solcher denkmalartigen Bildnisreihen zählen[de]« Bildprogramm (Roch-Lemmer, S. 156) symbolisierte das Bekenntnis zur Reformation ebenso wie die dynastisch-politische Beziehung zu Sachsen und die Bindung an den Ks.

Sources

Das älteste Lehnbuch der Grafschaft Barby, abgefasst in den Jahren zwischen 1494 und 1507, bearb. und hg. von Jörn Weinert, Halberstadt 2000. – Urkundenbuch des Erzstifts Magdeburg, Tl. 1: 937-1192, bearb. von Friedrich Israel und Walter Möllenberg, Magdeburg 1937 [UBM].

Handbuch der historischen Stätten Deutschlands. Bd. 11: Provinz Sachsen/Anhalt, hg. von Berent Schwineköper, 2. Aufl., Stuttgart 1987. – Roch-Lemmer, Irene: Die Fürstenbildnisse am Wolfgangbau des anhaltischen Schlosses Bernburg, in: Die Fürsten von Anhalt. Herrschaftssymbolik, dynastische Vernunft und politische Konzepte in Spätmittelalter und Früher Neuzeit, hg. von Werner Freitag und Michael Hecht, Halle 2003, S. 144-159. – Schmitt, Reinhard: Zur Baugeschichte des Schlosses (Amtshauses) in Klein-Rosenburg, in: Burgen und Schlösser in Sachsen-Anhalt 11 (2002) S. 155-194. – Wäscher, Hermann: Feudalburgen in den Bezirken Halle und Magdeburg, 2 Bde., Berlin 1962. – Weinert, Jörn: Geschichte des Rosenburger Elbe-Saale-Winkels, Bd. 1: Das Mittelalter, Groß-Rosenburg [1995]. – Wolff, Otto: Chronik von Groß-Rosenburg an der Saale sowie von Klein-Rosenburg und Breitenhagen, 2. Aufl., Barby 1924.