Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich

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AUFENSTEIN

C. Aufenstein

I.

Burg A. befand sich auf einem hervorspringenden Hügel am Eingang in das Navistal, einem der östlichen Seitentäler des Wipptales, ca. 3 km westlich von Völkermarkt. Sie war im S, O und W durch Steilabfälle vor Angriffen geschützt. Die Burg ist heute bis auf wenige Mauerreste des 14. Jh.s völlig verschwunden. Allerdings ist noch die zweigeschossige Burgkapelle erhalten, die im frühen 14. Jh. außerhalb der ursprünglichen Burganlage über dem Steilabfall des Felsens errichtet und 1330 geweiht worden war.

II.

Burg A. in der Nähe von Matrei diente zur Sicherung der Brennerstraße. Bei der Einnahme der Burg durch den Bgf.en von Tirol, Volkmar von Burgstall, wurde sie schwer beschädigt. Die Tiroler Besitzungen der A.er wurden in der Folge eingezogen und landesfsl. verwaltet. 1342 wurden die Herren von Villanders mit der Burg A. belehnt, aber bereits i.J. 1349 wurde A. an die Herren von Katzenstein verpfändet. Die Burg geriet in der Folge in Verfall. Bereits vor der Mitte des 15. Jh.s wurden Steine der Burg für den Bau der Katharinenkirche, die sich an die nördliche Wand der weiterhin intakten Burgkapelle befindet, verwendet.

III.

Die als Doppelkapelle ausgeführte Burgkapelle stand nur gehobenen Adelsfamilien zu. Sie zeigt daher die Bedeutung der A.er in dieser Zeit an. Das Mauerwerk des von der Fassade her schmucklosen Baues wurde aus Bruchsteinen erbaut. Die Mauerkanten bestehen vorwiegend aus querverlegten länglichen Tuff-Quadern. Deren Stärke beträgt im untersten Geschoß 2 m und nimmt dann nach oben bis auf 1,25 m ab. Der Kapellenraum ist rechteckig angelegt und hat eine Länge von 8 x 5 m. Die Fenster mit leicht spitzbogigen Gewänden ausgeführt und weisen ebenfalls nach außen Tuffeinfassungen auf. Zwei Fenster in den Altarnischen des Obergeschosses haben noch ihre ursprüngliche Verglasung aus Butzenscheiben des 15. Jh.s mit einem Wappenmotiv. Die erst zu Anfang des 20. Jh.s wiederentdeckten Wandgemälde in der Kapelle gehören zu den bedeutendsten frühgotischen Fresken Nordtirols. Sie zeigen im unteren Geschoß der westlichen Wand und auf Teilen der Südwand menschliche Laster und einen Triumph des Todes.

Ebenfalls an der Westwand wurden auch die Reste einer Kreuzigungsgruppe freigelegt. An der Nordwand schließlich findet sich ein großer Christopherus. Im Obergeschoß kamen nach dem Abtrag von Malereien minderer Qualität vom Ende des 16. Jh.s u. a. eine Schutzmantelmadonna sowie die Hl. Ursula zum Vorschein. Alle diese Malereien sind vermutlich erst im zweiten Viertel des 14. Jh.s entstanden, also nach der Übernahme der Burg durch die Herren von Villanders.

(www.burgen-austria.com/Archiv.asp?Artikel=Aufenstein am 22.2.11). – Dehio-Handbuch der Kunstdenkmäler Österreichs, Tirol, bearb. von Gert Ammann, Wien 1980. – Gritsch, Johanna: Die Burg Aufenstein bei Matrei am Brenner, in: Burgen und Schlösser in Österreich 9 (1973) S. 21-23. – Trapp, Oswald: Tiroler Burgenbuch, Bd. 3: Wipptal, Bozen 1974, S. 51-68.