FÜRSTENSPIEGEL
A.
1. Einleitung
Im Zentrum der mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Fürstenspiegelliteratur abendländischer Provenienz steht die Person des Herrschers. Sie trägt paränetischen und didaktischen Charakter, ihr zentrales Thema ist das richtige Verhalten des Fürsten, von hier aus ergeben sich intensive Bezüge zur allgemeinen politischen Philosophie, zur Staats- und Regierungslehre und zur Pädagogik. Die Bezeichnung als »Spiegel« (speculum) findet sich für Fürstenlehren seit dem 12. Jahrhundert, so beim ›Speculum regum‹ Gottfrieds von Viterbo (1180/83). Fürstenspiegel begegnen als selbständige Schriften oder als Teile größerer Werke in vielfältigen Formen, z. B. als umfangreiche Summen, kurze Abhandlungen, Briefe. Eine gewisse Konstanz zeigt sich im grundsätzlichen Aufbau vieler Fürstenspiegel des 13. bis 17. Jahrhunderts. Zwei Schemata wirken vorbildhaft: nach Aegidius Romanus (›De regimine principum‹, siehe unten) die Unterteilung in Ethik (Fürstentugenden), Ökonomik (Familie, Haushalt, Hof) und Politik (Regierung und Verwaltung), nach Pseudothomas (›De eruditione principum‹, Mitte 13. Jahrhundert) die Gliederung in Allgemeines, Beziehung des Fürsten zu Gott und zur Kirche, Herrschertugenden, das Verhalten gegenüber der Umgebung, den Söhnen, den Untertanen, den Feinden. Im einzelnen sind zwar zahlreiche Abweichungen, Änderungen und Auslassungen festzustellen, doch die wichtigsten Themen sind damit dauerhaft benannt. Bestimmend sind außerdem über die Jahrhunderte hinweg die Argumentation und Demonstration mittels biblischer, historischer oder literarischer Exempla. Inhaltlich und formal sind die Übergänge zu anderen Texttypen fließend, beispielsweise zum philosophischen, theologischen oder pädagogischen Traktat, zur Verwaltungsanweisung, zur Denkschrift, zum Politischen → Testament. Auf Grund ihrer oftmals pragmatisch-didaktischen Ausrichtung, ihrer dynastischen Bezüge und ihrer Verwendung von Exempla weisen auch etliche Chroniken eine funktionale Nähe zu den Fürstenspiegeln auf. Im übrigen ist hervorzuheben, daß Einzelheiten der Begriffsbestimmung und die Charakterisierung bestimmter Schriften als Fürstenspiegel seitens der Forschung umstritten sind, so daß die Sekundärliteratur engere wie weitere Definitionsansätze bietet.
Die antike und byzantinische Fürstenspiegelliteratur entfaltet im westlichen Mittelalter geringe Wirkung. Auch die karolingischen Fürstenspiegel beeinflussen den Neubeginn der Gattung im 12. Jahrhundert nur bedingt. Dieser verbindet sich – von der Forschung im einzelnen durchaus kontrovers diskutiert – vor allem mit dem ›Policraticus‹ des Johannes von Salisbury (1159). Die wichtigsten Texte des 13. Jahrhunderts entstehen in Frankreich, insbesondere in der Umgebung des französischen Königshofes: z. B. Helinand von Froidemont für Philipp II. August (um 1200), Aegidius Parisiensis für Ludwig VIII. (1195/1200), Vinzenz von Beauvais für Ludwig IX. den Heiligen (Mitte 13. Jahrhundert). Kulminationspunkt – nun im Zeichen der vermehrten Aristoteles-Rezeption – sind die Schriften ›De regno‹ des Thomas von Aquin (ca. 1265/66) und – rezeptionsgeschichtlich ungleich bedeutender – das ca. 1277/79 entstandene Werk ›De regimine principum‹ seines Schülers Aegidius Romanus, ein im Mittelalter vielgelesener Text, verbreitet in zahllosen Handschriften, im 14. Jahrhundert unter anderem ins Mittelhochdeutsche (›Puch von ordnung der fursten‹, aus dem Umkreis Herzog Albrechts III. von Österreich) und ins Mittelniederdeutsche (Johannes von Brakel, ca. 1350/70) übertragen, im 15. Jahrhundert mehrmals lateinisch gedruckt.
Im Reich nördlich der Alpen treffen wir Fürstenspiegel seit der Zeit um 1300 nicht mit Bezug auf das Königtum, sondern auf der Ebene der Territorien an. Selbst wenn sich die Texte im Einzelfall mit der im Reich herrschenden Dynastie verbinden, wird doch der Landesherr, kaum der König oder Kaiser angesprochen. Noch recht isoliert erscheinen in der Nachfolge des Aegidius die Werke des Engelbert von Admont aus den 1290er Jahren: ›De regimine principum‹ und ›Speculum virtutum‹ – letztere Schrift wendet sich an die Söhne König Albrechts I. Erst im Laufe des 14. Jahrhunderts setzen die einschlägigen Texte in dichterer Folge ein. Jean d'Anneux bestimmt seine Schrift ›De regimine principum‹ (1320/29) für Graf Wilhelm I. von Hennegau. Der Jurist Philipp von Leyden, der seine Schrift ›De cura rei publicae et sorte principantis‹ um 1355 dem Grafen Wilhelm V. von Holland widmet, beschreibt Position und Aufgaben des Fürsten unter Rückgriff auf das Römische Recht. Ungefähr um die gleiche Zeit setzt Levold von Northof an den Anfang seiner ›Chronica comitum de Marka‹ einen einleitenden Fürstenspiegel (siehe unten B.I.; auch die Chronik in ihrer Gesamtheit ließe sich funktional als Fürstenspiegel begreifen). Inhaltlich ist Levold in manchem typisch für viele Texte bis zur Mitte des 15. Jahrhunderts: Er bietet eine allgemeine Tugendlehre des gottesfürchtigen und gerechten Herrschers, ohne dies – wie etwa die französischen Fürstenspiegel des 13. Jahrhunderts – in einen weiteren theoretischen Rahmen zu stellen. Wichtiger ist ihm das praktische Handeln des Fürsten. So beschäftigt er sich mit der Auswahl der Räte, dem Umgang mit den Amtleuten, der Vermeidung von Landesteilungen, der Erhaltung des Friedens, der Abwendung von Verschwendung. Knapp ein Jahrhundert später (vor 1448) finden die Ausführungen Levolds Eingang in einen Fürstenspiegel, der dem Utrechter Bischof Rudolf von Diepholz gewidmet ist und möglicherweise von Gert van der Schuren (gest. um 1500) stammt – ein Hinweis auf die vornehmlich dynastienahe Überlieferung und Rezeption Levolds, denn die genannte Bearbeitung entstand im Umkreis der Herzöge von Kleve, wo seit 1368 Angehörige des märkischen Grafenhauses herrschten, vielleicht aber auch ein Indiz für die ungebrochene Aktualität der Levoldschen Fürstenlehre um die Mitte des 15. Jahrhunderts.
Zu eben dieser Zeit setzt mit Enea Silvio Piccolominis Brieftraktat für Herzog Sigismund von Österreich (1443, siehe unten B. II.) in Mitteleuropa die Reihe der humanistisch geprägten Fürstenspiegel ein. Darin geht es nicht mehr in erster Linie um den praktischen Ratschlag, die politisch-soziale Aktualität oder die christliche Tugendlehre. Vielmehr zeichnen die Humanisten das von diesen Aspekten mehr oder weniger gelöste Idealbild des princeps optimus, das sie vor allem aus antiken Exempla gewinnen. Die moralische Qualität, die virtus und die Größe des fürstlichen Individuums bilden den Mittelpunkt ihrer Schriften. Mit Nachdruck fordern sie den princeps litteratus – historisch gebildet, an den Beispielen der Antike geschult, ein Förderer der Wissenschaften. Folgerichtig schließen die Ausführungen Piccolominis einen umfangreichen, auf die antiken Klassiker bezogenen Lektürekatalog ein. Zu den späteren Vertretern der humanistischen Fürstenlehre gehören im Reich beispielsweise Erasmus von Rotterdam (›Institutio principis christiani‹, 1516, gewidmet dem späteren Karl V., rezeptionsgeschichtlich von besonderer Bedeutung), Jakob Omphalius (1550, teils mit Zügen einer juristischen Abhandlung), Johann Sturm (›De educatione principum‹, 1551) und Konrad Heresbach (›De educandis erudiendisque principum liberis […]‹, 1570). Demgegenüber stellt Jakob Wimpfeling in seiner ›Philippica‹ und ›Agatharchia‹ (beide 1498) – trotz mancher humanistischer Züge – vor allem die geläufigen christlichen Herrscherpflichten dar.
Ab dem zweiten Drittel des 16. Jahrhunderts gewinnt die Reformation bestimmenden Einfluß auf weite Teile der deutschen Fürstenspiegelliteratur. Die Mehrzahl der einschlägigen Werke entsteht nun in den protestantischen Territoren. Zu nennen sind beispielsweise Urban Rieger (›Enchiridion oder Handbüchlein eines christlichen Fürsten‹, 1535, von Georg Spalatin ins Lateinische übertragen), Herzogin Elisabeth von Braunschweig (›Unterrichtung und Ordnung […]‹, 1545) – ein Fürstenspiegel »in einer Grenzlage u. mit Zügen eines Verwaltungslehrbuchs bezw. einer Hofordnung« (Singer, Fürstenspiegel, S. 94) –, Leonhard Werner (›Fürstlicher Trostspiegel‹, 1562) und Friedrich Glaser (›Oculus principis‹, 1596). Die Zahl katholischer Fürstenspiegel bleibt dahinter deutlich zurück, z. B. Wolfgang Seidel (mehrere Schriften, 1540er Jahre), Herzog Wilhelm V. von Bayern (Brief an Erzherzog Ferdinand von Österreich, 1595) und Kurfürst Maximilian von Bayern (›Monita paterna‹ für seinen Sohn Ferdinand Maria, 1639). Dieser konfessionelle Einschlag zeigt sich mindestens bis zur Mitte des 17. Jahrhunderts. Der Fürst ist nicht mehr nur christlicher Herrscher, die »fürstliche Religiosität« gehört zur »Grundsubstanz des Amtsideals« (Müller, Fürstenspiegel, S. 592). Das erweist sich z. B. am sog. ›Politischen Testament‹, das der kursächsische Rat Melchior von Osse 1555/56 verfaßt (siehe unten B.III.): Der Fürst ist die von Gott eingesetzte christliche Obrigkeit, seine Aufgabe besteht darin, das menschlich wesen im irdischen jammertalh zu erhalten, die ware cristliche religion zu schützen und auf dieser Grundlage Gerechtigkeit und Gemeinen Nutzen zu verwirklichen. Zwar zeigen sich darin verstärkt transpersonale Herrschaftsvorstellungen, doch im Kern bringt die weit ausgeführte Fürstenlehre Osses wenig Neues gegenüber den Vorgängern. Erweitert wird sie freilich durch breite, ganz praktische Ausführungen zu Verwaltung, Gerichtsbarkeit und Bildungswesen. Partiell werden so Traditionslinien erkennbar, die von den vorhumanistischen Fürstenspiegeln des 14. und 15. Jahrhunderts zu denjenigen des konfessionellen Zeitalters reichen. Allgemein wirken die Autoren des 16. und 17. Jahrhunderts meistens vergleichsweise konservativ, eine positive Rezeption zeitgenössischer Tendenzen der frühmodernen politischen Theorie Süd- und Westeuropas (Machiavelli, Bodin, Hobbes) findet kaum statt.
Als Verfasser begegnen vereinzelt Fürsten selbst, wobei die Verwandtschaft zur Erziehungsinstruktion augenfällig ist. Die weitaus meisten Fürstenspiegel werden zwischen dem 13. und dem 17. Jahrhundert aber von Geistlichen, Theologen, Juristen und Pädagogen verfaßt, die sich in der Regel primär an einen bestimmten Fürsten wenden. In auffälliger Übereinstimmung begründen im Abstand von zwei Jahrhunderten Levold von Northof und Melchior von Osse ihr Werk aus einer besonderen persönlichen Verbindung und Nähe zur jeweiligen Dynastie. Der tatsächliche Rezipientenkreis der Fürstenspiegel ist allerdings unterschiedlich, nicht nur quantitativ, sondern auch qualitativ; insbesondere muß er nicht immer auf den ursprünglichen fürstlichen Adressaten samt dessen Familie und Hof beschränkt bleiben. Levold von Northof wendet sich z. B. nicht nur an Graf Engelbert von der Mark und dessen Nachfolger, sondern daneben ausdrücklich an Adel und Städte des Territoriums. Trotz weitgehender Identifikation mit dem Grafenhaus vertritt er doch auch Interessen der adligen Vasallen und Amtsträger, mit denen er teilweise verwandtschaftlich verbunden ist. Spätestens unter dem Einfluß der Gelehrtenkultur des Humanismus entstehen auch im Reich Fürstenspiegel, die zwar eine namentliche Adresse oder Widmung tragen, offenbar aber schon nach der Intention ihres Verfassers für eine darüber hinausgehende Verbreitung vorgesehen sind. So erscheinen seit dem späten 15. Jahrhundert viele Fürstenspiegel im Druck (Jakob Wimpfeling, Erasmus von Rotterdam usw.).
B.
I. Aus dem Fürstenspiegel Levolds von Northof (ca. 1358)
Levold von Northof (1279-ca. 1359) studierte in Erfurt und Avignon und erfreute sich spätestens seit 1310 der besonderen Förderung seitens der Grafen von der Mark. Nach der Erhebung Adolfs von der Mark (gest. 1344) zum Lütticher Bischof erhielt er dort 1314 ein Domkanonikat und übernahm fortan vielfältige administrative Aufgaben. Zeitweise war ihm außerdem die Erziehung der Söhne Graf Adolfs II. (gest. 1346) anvertraut, deren ältestem – Graf Engelbert III. (gest. 1391) – er seine 1358 vollendete ›Chronica comitum de Marka‹ widmete. Am Anfang des Werkes steht ein formal geschlossener Fürstenspiegel, der mit der darauf folgenden Chronik inhaltlich und funktional eng verschränkt ist und der im folgenden leicht gekürzt wiedergegeben wird. Am Ende seiner Chronik richtet Levold nochmals Ermahnungen in Art eines Fürstenspiegels an Adolf von der Mark, einen jüngeren Bruder Engelberts III., seit 1357 Bischof von Münster.
Nobili viro, domino suo carissimo, domino Engelberto, comiti de Marka, Levoldus de Northof, canonicus Leodiensis et abbas secularis ecclesie Visetensis Leodiensis dyocesis, terram vestram et subditos cum Dei timore et iusticia fideliter gubernare. Amen.
Christi nomine invocato, ex speciali affeccione, quam ad vos et ad vestrum comitatum de Marka semper habui, ad perpetuam memoriam tam presencium quam eciam futurorum, eorum presertim, qui honoris et status eiusdem comitatus zelatores existunt, de comitibus de Marka, vestris progenitoribus, de eorum origine et ipsorum gestis et successibus […], hoc opusculum duxi conscribendum, ut vos vestrorum progenitorum comitum de Marka vestigiis inherentes discatis in iusticia et in Dei timore vestram terram et vestros subditos debite gubernare.
Ad hoc namque, ut huic compilacioni operam darem, me induxit vestra et ipsorum comitum et comitatus nativa dileccio, quia progenitores mei ab antiquo ipsis familiariter adhesisse dicuntur eisque in dilatacione dominii et defensione terre memorantur non inaniter servivisse. […].
Sed antequam procedam ad ea, que superius sunt narrata, si non dedignetur vestra dominacio, ad informacionem vestram et vestrorum successorum duxi aliqua premittenda.
Olim igitur, karissime domine, dum adhuc in teneriori etatis vestre statu apud me in scolis in Leodio essetis constitutus, ego bone indolis vestre ingenium aptum considerans, preter documenta scolastica nonnumquam studui vobis dicere et imprimere aliqua, que cogitavi vobis posse prodesse, dum ad regimen comitatus de Marka vos venire contingeret.
Verum quia hec non multum, sicut credo, tunc vestre memorie commendastis, idcirco hic aliqua ex predictis vobis duxi ad memoriam revocanda, ut ex ipsis et ex aliis, que hic superaddo, si placet, possitis eligere, que dent vobis materiam cogitandi et quod expediat faciendi.
Et pro ingrato non habeatis, si per simplicitatem meam minus plene vel minus caute in hoc aliqua scribere presumo, que vestre vel aliorum intencionis voto videantur minime convenire, cum hoc faciam bono zelo. Scio enim vobis a Deo datam talem industriam naturalem, quod si mente sollicita velitis attendere, negocia vestra multo levius multoque melius poteritis expedire.
Hiis igitur generaliter prelibatis, primo et ante omnia vos exhortor, ut in omnibus vestris factis Deum semper pre oculis habeatis, iusta iudicia faciatis, ecclesias et presbiteros honoretis eosque non gravetis, sed ab iniuriis defendatis. Item viduas, orphanos, pupillos et pauperes ab iniuriantium et calumpniantium oppressionibus defendatis. [Postea] publicas vias et strata terre vestre pro transeuntibus et venientibus tam incolis quam extraneis secura et libera conservetis. Nec sit vobis aliquis ita carus, quem non puniatis, qui hanc violaverit libertatem, in hiis taliter vos habentes, ut mali vos timeant et boni diligant. Item hereditates vestras et bona, iuridicciones, iura et dominia conservetis et non minuatis, sed pocius augeatis, sicut vestri fecerunt progenitores. Item vestros subditos inter se discordantes ad pacis concordiam revocetis. Item non sitis in terra vestra spoliatorum receptator vel fautor, ne contingat de cetero, quod vobis et patri vestro bone memorie contingebat quandoque, ut pro ipsis vos oporteat spolia persolvere. De aliis namque vestris progenitoribus non audivi, quod spoliatores diligerent et faverent, sed eos pocius odiebant et eos, dum deprehensi fuerant, vivere non sinebant.
Item cum vicinis dominis et cum civitatibus et opidis, quantum in vobis est, amiciciam et concordiam conservetis, non permittentes, ut vestri subditi vel quicumque alii ex vestris municionibus et de terra vestra ipsos dominos et eorum terras atque civitates et opida infestent seu molestent, ne sic de vestris amicis vobis faciant inimicos et in vos consequenter transferant guerram suam, sicut recolo vestris progenitoribus non semel, sed pluries contigisse. Ipsis quoque vestris vicinis civitatibus et opidis ac aliis pertranseuntibus iter tutum faciatis, non permittentes eis inferri molestiam. Hec vobis cum vestris vicinias concordiam stabilem conservabunt, hec vestram famam longe lateque divulgabunt; per hec eritis tam incolis quam extraneis non solum metuendus, sed ab omnibus collaudandus, et sic terra vestra stabit in pace et in requie opulenta.
Item consiliarios habeatis viros maturos, iustos et fideles, Deum timentes, qui in consiliis dandis non querant lucra propria vel suorum. In consiliis autem semper attendatis, quid quisque consulat, utrum bene vel non bene, et eorum dicta tacite examinetis in corde, ut possitis, dum tempus fuerit, respondere et vos ad ea habere prudenter, ut, si dixerint vel consulant, que vera sunt et iusta, illa admittatis. Et si ex eis aliqui sint, qui odio vel favore ducti rogant vel consulant, quod non sit iustum, illius nequaquam admittatis consilia sive preces, sed semper sequamini veritatem et iusticiam.
Item ad officiatos vestros attendere curetis, ne vestros homines et subditos gravent indebite; eorum computaciones personaliter audiatis, ad eas sollicite attendentes. Officiatos, in quantum vitare poteritis, mediante pecunia in officiis non ponatis, pro qua ipsa officia obligetis eisdem, quia eo ipso quodammodo se reddunt suspectos, qui querunt officia pro pecunia obtinere. Nec fuit hoc consuetum ab antiquo officia pro pecunia sic obligare, quod non possent deponi ab officiis, nisi prius pecunia persoluta. Quam dampnosum autem sit vobis et vestris subditis officia pro pecunia obligare, exemplum recipere poteritis ex hiis, que hic narro, videlicet que in terra Leodiensi sepius vidi et expertus sum, quomodo hii, qui lucra immoderata sectantur et captant, querunt et procurant, ut in officiis ponantur mediante pecunia. Et si quando a se ipsis pecuniam tantam. que ad hoc sufficiat, non habeant, a suis amicis, qui libenter lucri volunt esse participes, sub mutuo recipiunt vel sub usura conquirunt; et hoc totum in dominorum et subditorum dampnum redundat, maxime cum ex ipsis officiatis aliquando sint nonnulli, qui lucra exercere usuraria consueverunt, quorum tanto minus conscienciis in officiorum administracione et regimine est credendum. Periculosum enim est ponere administratores officiorum, qui Deum non timent nec habent conscienciam. Nam tales per tyrannidem subditos rodunt et opprimunt, computaciones quoque aggravant et cumulant, ut sic dominis adempta facultate officia redimendi, tanto diucius valeant in officiis remanere. Hec vobis scribo, ut similia inconvenientia vitare possitis, si placet. Dicitur enim in proverbio: ›Felix quem faciunt aliena pericula cautum‹.
Propter quod officiatos, quos experiencia docente fideliter in officiis se habere noveritis, non facile ad eorum amocionem seu mutacionem vos permittatis induci. Et quia plerumque ad bene agendum exempla provocant plus quam verba, licet vos et vestri predecessores, comites de Marka, plures habueritis et adhuc habeatis officiatos merito commendandos, illorum tamen pre ceteris est memoria specialiter recolenda, qui plus ceteris comitatum in castris, municionibus, iurediccionibus et possessionibus dilatasse et provexisse noscuntur, quorum opera usque in hodiernum diem extant et apparent, ut eorum exempla sequentes moderni, qui officia gubernanda suscipiunt, tanto diligencius tantoque fidelius in ipsis officiis se studeant exercere.
Inter ceteros igitur tam vivos quam mortuos officiatos tres sunt, de quibus ad presens mea informata est memoria, quorum adhuc apparent opera, videlicet Ludolphus de Boynen miles, Rutgherus de Altena miles et Gerardus de Plettenbrach, qui adhuc superest. [… (nähere Ausführungen zu Ludolf von Bönen, Rutger von Altena und Gerhard von Plettenberg)].
Castra vero vestra in edificiis integra conservetis, et dum tempus exquirit, prout possibile erit et necesse, munita hominibus et victualibus teneatis. In guerris et actibus bellorum vos semper confortatum et constantem vultu et animo ostendatis, eciam in adversis. Seniorum conversacionem et consilia ne spernatis, attendentes quod de Roboam rege, filio Salomonis, legitur in libro Regum tercio, capitulo XIIo. Hic relicto consilio seniorum secutus est consilium iuvenum, propter quod populus, qui secundum consilium datum per senes obedire volebant, propter consilium datum regi per iuvenes recesserunt ab eo et se regi Ieroboam subdiderunt. Non tedeat vos habere consilia in factis vestris, quia scriptum est libro Sapiencie: ›Omnia facias cum consilio, et post non penitebis‹. Et iterum: ›Qui agunt omnia cum consilio, reguntur sapiencia‹. Hec consilia cum amicis tractanda sunt, quos in vestros consiliarios duxeritis specialiter eligendos, non cum levibus personis vel iuvenibus, qui adulantur et loquuntur vobis blanda et placencia, ut trahant vos ad vana et ad ea aliquando, que non expediunt, et non curant quantum expendatis, quantum detis, vel unde vel qualiter talia persolvatis. Non sic innitamini vestro sensui, ut non velitis audire consilia vestrorum specialium consiliariorum vobis fidelium, de quibus certi estis, quod non vellent vobis consulere, nisi quod ad vestrum pertineret honorem. Scriptum est enim per Salomonem: ›Ne innitaris prudencie tue‹, hoc est pertinacie. In publicis tamen iusticiis propter delicta publica faciendis expedit quandoque, ut domini se inexorabiles et constantes ostendant, maxime dum salva iusticia et honore eius non licet facere, quod rogatur. Nam quandoque rogant illi, qui non vellent, quod fieret hoc, quod rogant.
Dum estis in populo, exhibeatis vos eis affabilem et benignum in salutacionibus et loquelis. Vestris quoque hominibus pauperibus vobis attinentibus, in eorum necessitate conqueri volentibus, audienciam non negetis. Pro servicio vobis impenso vel pro quacumque alia re vobis grata non negligatis hominibus grates reddere leto vultu, ut cognoscant vobis gratum esse, quod fecerunt. Istud non constat vobis nisi verba, quod multum hominibus erit gratum. Audivi aliquando, salva reverencia vestra, quod satis raro istud facere consuevistis. Illis namque, qui in servicio vestro usque in finem vite sue fideliter perseverant, decet vos non solum grates referre, sed eciam eorum successoribus, filiis et nepotibus, ut propter hoc eciam illis tanto favorabilior existatis.
Tempora vestra non inutiliter expendatis, ut diem non vertatis in noctem et noctem in diem, sed horas diei, si placet, taliter distinguatis, ut primo mane vacetis Deo et vobis, missam audiendo et deinde ante prandium consiliis intendendo, post prandium si non habueritis necessaria pertractare, lusibus licitis et solaciis, prout libet et placuerit [et decet], vacando. In expensis faciendis et in curiis tenendis et conviviis necnon in donis tribuendis vos taliter temperetis, ne plus expendatis, quam convenienter et commode persolvere valeatis. Minus enim vituperabile est in hiis excessum non facere, quam semper in debitis remanere. Nam principes et magnates, qui habent terras defendere, non timentur nec quidquam facere possunt, si in bonis deficiant. In donis autem dandis secundum doctrinam sapientis consideranda sunt vobis hec quatuor, videlicet cui detis, quid detis, quare detis, quando detis. Melius est eciam quandoque non dare, quam, quod dandum est, sub mutuo recipere et postea difficulter illud posse solvere. Et si quando ex quacumque causa vos oporteat mutuum contrahere, caveatis vobis a mutuis usurariis, in quantum poteritis, et maxime ab illis periculosis mutuis et dampnosis, pro quibus vos oporteat multitudinem fideiussorum ponere ad commestus, sicut in Colonia fieri est consuetum. Huiusmodi enim debita mutuorum debitores creditorum subiciunt servituti. Scriptum est enim libro Sapiencie: ›Qui accipit mutuum, servus est fenerantis‹.
Ad ea igitur, que superius sunt predicta, alia, que sequuntur, ad debitam et pacificam terre gubernacionem et defensionem inter cetera expediens esse puto, ut ipsius comitatus de Marka unitas indivisibiliter conservetur, videlicet ut castra, iuredicciones et districtus per unum tantummodo et non per plures comites gubernentur. Sic enim pax in terra poterit conservari, sic contra vicinos dominos et alios extraneos invasores tanto forcius poterit defensari, quod fieri non posset, si in se ipsa terra esset divisa. Nam si dividatur, tunc una pars subditorum uni domino, alia pars alteri domino adherebit, et tanto terra ad se defendendum erit debilior contra adversarios extraneos, quando sic esset divisa, que huc usque unita fortiter et viriliter se defendit. Scriptum enim est in evangelio: ›Omne regnum in se divisum desolabitur‹, quod satis patet in nonnullis dominiis ducatuum, comitatuum et aliorum dominiorum, que olim magni fuerunt nominis et potencie, que nunc per particiones diversas in heredes factas ad statum modicum sunt redacta, maxime cum imperiali auctoritate sit sanctitum, ducatus, marcionatus et comitatus dividi non debere. Et sicut videtur in dominiis, que divisa sunt, quod semper decrescunt, sic videtur econtra quod in dominiis, que divisionem non patiuntur, quod continue magis ac magis fortificantur et crescunt. Virtus enim unita viget, divisa frangitur, et secundum philosophum omnis virtus aggregata fortior est se ipsa separata.
Ad vos igitur castrorum castrenses et alios comitatus de Marka milites et armigeros universos necnon opidorum opidanos dirigo nunc sermonem, vos hortando, ut, si volueritis in terra vestra habere tranquillitatem et pacem perpetuam, vobis et vestris filiis ac successoribus necessariam et quam maxime profuturam, hoc agite, ut per unum tantummodo comitem, cui fidelitatem prestetis, comitatus ipse regatur: [… (längere Ausführungen zu den negativen Folgen von Herrschaftsteilungen und ihrer Verhinderung)]. Verumptamen si comes, qui fuerit pro tempore, fratres habeat et sorores, iustum est et debitum, ne paterne hereditatis expertes remaneant, quod fratribus secundum amicorum consilium, prout possibile fuerit et conveniens, de comitatu bona aliqua et redditus assignentur et sorores maritentur, sicut statum eorum decebit, vel aliter provideatur eisdem, prout decens fuerit atque iustum, sic tamen, quod ipsius comitatus castra, opida et municiones, iuridicciones et districtus indivisi maneant et sub unius comitis potestate semper consistant.
Hec predicta scribo, prout secundum sensus mei parvitatem expedire michi videtur, salvo tamen in omnibus aliorum consilio meliori.
Post hec autem ad hystoriam de comitibus de Marka et de eorum origine, prout superius in principio sum exorsus, ad quod principalis mea in hoc opere tendit intencio, me converto […].
Levold von Northof, Chronik, S. 1-13.
II. Aus dem Brieftraktat des Enea Silvio Piccolomini für Herzog Sigismund von Österreich (1443)
Enea Silvio Piccolomini (1405-64), der nach seiner Erhebung zum Papst 1458 den Namen Pius II. annahm, studierte in Siena und Florenz. 1442 trat er als Sekretär in den Dienst König Friedrichs III. Seine erste in Briefform gehaltene Fürstenlehre – eine zweite folgte 1450 für Ladislaus Postumus – richtete er 1443 an den sechzehnjährigen Herzog Sigismund (gest. 1496), Vetter und Mündel Friedrichs III. Im folgenden ist gut ein Drittel des Brieftextes wiedergegeben; insbesondere sind die einleitenden Ausführungen zur Anredeform (Singular oder Plural) ausgelassen, die ausführlichen Exempla stark gekürzt. Die Kleinschreibung am Satzanfang folgt der zugrunde gelegten Edition.
Illustrissimo principi ex sanguine cesarum sato domino Sigismundo Austrie etc. duci, Tirolisque comiti, domino suo secundario Eneas Silvius poeta regalisque secretarius salutem plurimam dicit.
In cesaris curiam quam primum migravi, magna me cupido incessit, tibi ut aliquid scriberem. sed veritus sum moderni seculi morem, cui nichil placet nisi quod est sui simillimum. [… (über den Gebrauch von Singular und Plural in der Anrede)].
Nunc quid sit, quod maluerim scribere, absolvendum est. nanque cum in hanc patruelis tui cesaris curiam veni, multa mihi de tua prestanti virtute sunt dicta. alius benignitatem precipuam referebat, alius mirificam honestatem atque modestiam, alius prudentem ultra quam etas ferret te predicabat, alius te liberalem et justi amantissimum affirmabat, alius, quod raro inter hujus etatis principes reperitur, te Latini sermonis observantissimum commemorabat. quibus ex rebus et mirari te simul et amare occepi et tanquam monstrum putabam adolescentem principem tot virtutibus elucescere. non tamen statim credulus fui nec omni voci prebui fidem; accessi alios, percunctatus sum universos, reperi omnes uno ore loquentes. nec ista apud me satis, adhesi lateri tuo, et inter coronas nobilium tanquam explorator ingressus mores tuos, dum adhuc me ignorares, sum speculatus. attendi gestus, sermonem, vultum, nichil non perlustravi, vidi modestum incessum, Latinum incorruptum notavi. famam res ipsa vicit, non potui mihi non credere, sed oculos meos et aures, tuarum virtutum testes, admisi et earum factus sum predicator, quarum antea fueram inquisitor, nec me ista in assentatoris modum referre censeas.
Ante omnia enim tibi suadeo, ut omne genus adulatorum quasi pestem teterrimam fugias, ut nullos homines magis detesteris, quam eos, qui tibi blandiuntur, qui te coram laudant, qui omnia que facis probant, qui ubi negas negant, et ubi affirmas affirmant. ajunt, ajo apud Terentium inquit Gnato et Juvenalis, si dixerit estuo sudat. nam hoc est genus hominum pessimum, quod principes maxime dejicit et precipitat, timendum non solum adolescentie sed etiam senectuti. cur tamen te palam commendaverim, non tacebo. elucent sane in te, quas commendavi, virtutes, sed illas non retuli, ut glorieris, non ut te jactes, superbias vel infleris. solum hec scribo, ut custodias tantum bonum, ut serves et amplifices hunc thesaurum, ut sic te habeas, quod virtutes tue cum etate crescant et fias in dies virtuosior, ne in vitium aliquorum incidas, qui boni fuerunt juvenes et pessimi senes, et ut est in proverbio: bonus pullus, mala gallina. ego enim cupio, ut ex bono adolescente fias vir optimus. quod eo tibi facilius erit, quo melius es nutritus. et sane debes ante omnia genitori tuo, clarissimo principi, grates referre, qui tuum animum excolendum putavit, qui te sub disciplina tenuit et preceptores tradidit eruditos. hec enim amplissima est supellex et hereditas quam principatus melior. opes enim et potentatus et hujus honores seculi bona fortune sunt, fluxa, mutabilia, caduca, que ut fortuna vult huc atque illuc feruntur. […]. at animi bona, que sunt continentia, castitas, fortitudo, justitia, moderatio, intellectus, ingenium, memoria, stabili quodam nexu adherent homini nec aufferri a nobis nisi cum vita possunt. hec vere nostra sunt bona, hec dum luce inter mortales fruimur, vitam prestant suaviorem, postquam migramus ex hoc seculo, spem dant felicitatis eterne. cum ergo has dotes natura tibi concesserit, et parentis cura in te illas auxerit, monitum te esse volo, ut serves bonum, quod est in te. ad quam rem maxime necessarium censeo litterarum studium quo jam initiatus existis. quia tamen jam illas videris quasi aliquid jugum abjecisse, non erit ab re, si te ad eas coner reducere. non enim, ut aliqui arbitrantur, idcirco principes discunt litteras, ut Latinum scientes participare cum alienigenis queant, nam etsi hoc frugi est, alia tamen nobilior ratio est. quoniam enim omnis bene vivendi norma litterarum studio continetur, ideo illas expedit nosse. nec sat est imbibisse principia nisi et ultra progressus fiat. seculi tamen principes nostri plerumque illas ad philosophos relegant aut juris interpretes, tanquam principes non deceat bene vivere.
Oro igitur te, ne his auscultes, quoniam nemo in clarum virum aut famosum principem potest evadere, nisi cum nature dotibus adjunctam habeat doctrinam. omnes sane, qui superioribus seculis claruerunt, principes studiosi litterarum fuerunt. Philippus Macedo Alexandro nato gavisus est, quod eo tempore filium habuisset, quo florebat Aristotiles. nec Alexander hac, qua tu nunc es, etate litteras a se relegavit, sed profectus in Asiam Aristotelem et Calistenem magistros secum duxit, nec audire philosophiam inter armorum strepitus ac tumultus cessavit. […]. recte hi quidem, qui etsi principatum haberent dominarenturque populis, servire tamen litteris voluerunt. sed norant illi Platonis vocem, que dicta divinitus cum a Cicerone tum a Boetio refertur. beatas scilicet fore res publicas, si rectores earum studere sapientie contigisset, que sapientia haud dubium ex philosophie fontibus hauritur. tu tamen fortasse fabulosa reris, que de antiquis sunt scripta, qui et in otio negotium et in negotio otium diligenter referuntur curasse. sed hanc opinionem possunt tibi aufferre nonnulli viventes, qui etsi rei publice presint, et munera regant arduissima, disciplinas tamen non negligunt. Leonellus, marchio Extensis [d. h. Leonello d'Este, Markgraf von Ferrara, gest. 1450] tam eleganter scribit, ut nichil inter ejus et Ciceronis litteras putes distare. [… (weitere Exempla)]. videsne, quia et hoc seculum principes litteratos admittit? inter hos et tu poteris numerari, si quod cepisti studium, fueris prosecutus. nec enim ideo litteratum te dicam, quod Latine pronunties. nam etsi hoc pulcrum est, corvis tamen et picis datur. […]. pulcrius tamen erit et tunc te litteratum vocitabo, cum oratores intelliges, cum philosophos nosces, cum poetas tuapte percurres. hoc tibi fortasse grande videtur et arduum nimis. haud sic est. nolo te noctes diesque libros volvere sed unam dumtaxat cujusque diei horam exposco, quam litteris prebeas.
Illud autem cure tibi esse volo, ut doctus sit, quem audias, et prudens, quem sumas magistrum, nec te vana titulorum ambitio fallat. […]. nanque postquam biennio hunc modum servaveris, nimirum plus te lucri ex lectione corrasisse putabis, quam si provinciam aliquam sis adeptus. ego quidem laudo edes tuas militibus plenas esse. hi enim sunt, qui tutantur patriam et decorum est armorum gloria principem eminere. sed nullum apud te fore virum doctum nec laudo nec probo. sicut enim milites pascis ita et doctrinarum institutores nutrire posses, qui te justi et injusti differentias et limites edocerent virumque redderent ex omni parte perfectum. […]. sume igitur tibi grandis doctrine virum nec parcas expensis, ubi ingens redundat emolimentum. queris fortasse quod emolimentum? edicam paucis, ne litterarum utilitatem contempnas. postquam enim viriles attigeris annos, hoc tibi honoris et commodi erit, ut te in consilio loquente ceteri sileant, cum tu unus plus omnibus sapias. nemo te decipere poterit, nemo dicere audebit hoc equum et hoc iniquum, nisi verum id esse manifeste cognoverit. si quis presumpserit inhonesti aliquid suadere, presto eris rationibus confutare. si affari volueris populum, quo pacto loquendum sit, littere te instituent; si aut laudare aliquem aut vituperare volueris, et Quintilianus et Cicero te docebit; si bellum suscipiendum erit et armis opera danda, Vegetius modum ostendet et Livius et Quintus Curtius et Justinus et Lucius Florus et Suetonius et Salustius Crispus et historicorum cuneus, in quibus et Alexandri magni fortitudinem et Anibalis caliditatem et Fabii versutias et Scipionis prudentiam et Julii Cesaris disciplinam militarem et Sertorii ac Marcelli audaciam et Jugurte sagacitatem et omnium, qui res bellicas gesserunt, artes invenies. nunquam tam multa expereundo videbis quam multa legendo perdisces. [… (Fortsetzung des Lektürekataloges zu verschiedenen Themen: Verwaltung, Familie, Landwirtschaft usw.)]. interveniendum tamen non suadeo, ut conjunctus hominum fugias. nec te solitarium esse volo, nisi cum meditari aliquid volueris et in secessum mentis progredi ad aliquod tempus. imo suadeo, ut sis affabilis, ut communis omnibus, ut te videndum prebeas, ut nunc hos nunc illos alloquaris, ut consilia ingrediaris, ut conciones adeas, ut populo te exhibeas et per te loquaris. scio nanque frugi esse, que homines litteris didicerint, experimento comprobari. […]. cum enim subditi tui nuper ex Athesi [d. h. aus der Etschregion – Tirol] venientes majestati regie supplicaverunt, ut te ad regendam provinciam mitteret, non sum, dixti, adhuc adeo maturus, ut gubernare patriam possim. digna vox, que tuo progreditur ex ore et quam omnis laudatura sit etas. convenit enim, quid ferre recusent et quid valeant humeri, quemlibet meditari, cum aliquid est gerendum, quia cui lecta potenter erit res hic demum recte se habebit. […]. magna peccandi facultas sequitur principatum, […]. multi vitia suadent, pauci virtutes. quid faciet adolescens, cujus etas parum per se roboris habet, et cujus animus a natura proclivis est in libidinem? vix grandevi homines resistere tot blanditiis poterunt, ne dicam adolescentes. sed ajunt aliqui: consilium habebit princeps, majores natu astabunt, quid sit agendum. primo res patrie censebunt. scitum est, sed omnes, qui principem coronant, facere illum sibi amicum student, et non que sunt apta, sed que jocunda putant in consilio dicunt et nititur per se quisque ut carior sit, nec est, qui libera proferat animi verba. et quamvis pars bene consulet, liberum est adolescenti, quos vult sequi. et quia inexpertus est parumque pensi habet, non quod expedit sed quod libet plerunque amplectitur. […]. est autem principatus irritamentum quoddam vitiorum et admodum pauci reperiuntur, qui non aberrent, cum frenis omnibus sunt soluti. a Saul usque ad Sedechiam novem et triginta reges in Juda et Israhel fuerunt, inter quos solum octo boni connumerantur, reliqui vero ignari, imperiti, indocti, impotentes, avari, superbi, iracundi, crudeles, libidinosi, adulatorum et stultitie servi, qui ambitione nescio qua efferata tanquam ad pestem mortalium nati idolis servientes bellis semper indulserunt, pacis atque otii hostes fuerunt. […]. hisce figmentis admonent quemlibet poete, ut, antequam presit et dominetur, vires suas rigide metiatur, ne sub pondere ruat, quoniam onus est non voluptas aliis imperare, si modo id volumus cum ratione efficere et in eum finem regere, propter quem reges sunt instituti. [… (antike und biblische Exempla zu den Gefahren jugendlicher Herrschaftsausübung)]. quorum stultitie contraria est adolescentia tua, que licet quantum in hac etate potest esse prudentie sortita sit spemque maximam de sua sapientia prebeat, non tamen prius ad regendam provinciam mitti voluit, quam et robur etatis et rerum assequeretur experientiam. sciebas nanque tuapte ingenio, quoniam non recturus sed regendus ires, quod sub patruele tuo, cesare nostro sapientissimo, potius quam sub aliis tolerare voluisti, ut interim, dum etas crescit, regiam majestatem secutus intersis consiliis, judicia noscas, res arduas videas, viros sapientes audias dietimque fias rerum experientia doctior. at cum his servandum est, quod supra dixi, ut temporis aliquod spatium concedas litteris, que reliquas virtutes tuas condiant et illustrent, quibus si fueris, ut te spero futurum, rite imbutus, cum ad regendum venies non par aliis, sed omnium principum eris speculum teque vicini omnes suarum litium moderatorem et arbitrum facient. […]. vale jam tandem et me quantum cesar permittit tuum habeto. ex Gretz [d. h. Graz], nonis decembris [d. h. 5. Dezember] anno 1443.
Eneas Silvius Piccolomini, Briefwechsel, Nr. 99, S. 222-236.
III. Aus dem sog. ›Politischen Testament‹ des Melchior von Osse (1555/56)
Melchior von Osse (1506/07-57) studierte in Leipzig Jurisprudenz. Von 1529 bis 1541 war er dort Professor. Den sächsischen (ernestinischen) Herzögen diente er zunächst als Rat und Gesandter, zwischen 1542 und 1545 war er Kanzler Johann Friedrichs des Großmütigen, 1547 wurde er Rat und Oberhofrichter des (albertinischen) Kurfürsten Moritz von Sachsen. Außerdem stand er in hennebergischen Diensten. Das sog. ›Politische Testament‹, das sich an Kurfürst August von Sachsen (gest. 1586) wendet, schrieb Osse 1555/56. Das Werk umfaßt zwei Hauptteile, deren erster allgemein von dem Fürsten als christlicher Obrigkeit handelt und wiederum dreifach gegliedert ist (Religion – Ökonomik – Fürstentugenden/Räte und Amtleute). Den zweiten Hauptteil, der über einen bloßen Fürstenspiegel hinausgeht, bildet eine breite Darstellung der sächsischen Verhältnisse in Bildungswesen, Gerichtsbarkeit und policei. Die folgenden kurzen Auszüge sollen Charakter und Struktur des ersten Hauptteils verdeutlichen. In Kauf genommen ist dafür, daß gerade die detaillierten Ausführungen zu Regierung und Verwaltung weitgehend entfallen.
An herzogk Augustum churfursten zu Sachssen ein unterteniges bedenken Melchiorn von Osse, der rechten doctorn und diser zeit S. Churf. Gn. hofrichtern etc.
»Welchergestalt ein cristliche obrikeit ingemein in irem regement mit gots hulfe ein gotselige, weisliche, vornunftige und rechtmeßige justicien erhalten kan. Dorin auch erwenung beschicht von dem regement, gerichtbarkeit und policei der loblichen chur- und furstentum Sachssen, Duringen und Meichssen, hochermeltem churfursten zustendigk.«
Auf begern S. Churf. Gn. geschriben 1555 mense decembri.
Dem durchlauchtigisten, hochgebornen fursten und hern hern Augusto, herzogen zu Sachssen, des hailigen romischen reichs erzmarschalhn und churfursten, landgrafen in Doringen marggrafen zu Meichssen und burggrafen zu Magdeburg meinem genedigisten hern.
Durchlauchtigister hochgeborner churfurst.
Genedigister herre, E. Churf. Gn. sein mein untertenige ganz willige treue Dinste zuvorn. Genedigister herre, es haben E. Churf. Gn. am dato den 16. augusti dises laufenden 55. jahrs, schriftlich und durch iren gesandten mundlich von mir begert, daß E. Churf. Gn. ich mein unterteniges bedenken anzeigen wolte, wi got dem almechtigen zu ehrn und lobe und E. Churf. Gn. landen und leuten zu wolfart ein gotselige, stracke, rechtmeßige, unparteische justicia in derselbigen churfurstentum, furstentum und landen erhalten, was dem zukegen misbreuchlich eingerissen, abgewant und die langen vorzoglichen proceß abgeschnitten werden mochten, und daß ich hirin nimands ansehen, sondern E. Churf. Gn. mein bedenken wi ich die sachen allenthalben befunde unscheulich vormelden wolte, wi E. Churf. Gn. genediges vortrauen zu mir stunde. Es haben auch E. Churf. Gn. mir zweier unbenanten hern ratschlege mit uberschickt, welcher namen, weil sie sich zu unterschreiben bedenken gehabt, mir unbewust. Nuhen bin ich hochlichen und von herzen erfreuet, daß E. Churf. Gn. in dem großen obligendem laste irer regirung ire gedanken auf dise notwendige sachen wenden, dorauf nach gottes genaden gewislich E. Churf. Gn., derselbigen lande und leute aufnemen, gedei und wolfart ruhet und haftet, dan E. Churf. Gn. wolten doran nicht zweifeln, daß dis, nemlich ein cristliche, rechtmeßige, unparteische justiciam zu erhalten, das rechte heupt und substancialstucke ist, dordurch die ordentlichen obrikeiten in wesen bleiben, langwirig und gluckselig seind, nachdem die pflichtigk ist [!], gut regement auch gericht und gerechtikeit zu erhalten, bose leute zu strafen, die frommen zu schutzen, zu handhaben und zu vortedigen, dan dorum ist die obrikeit von got geordent. Dieweil nuhen die obrikeit solcher ordnung gottes nachgehet, hilft der almechtige got regiren, hof- und haushalten und gibt sein segen und genade, daß alles gotselig und glucklichen von statten gehet; dan es ist sein werk, dordurch seine gotliche majestet das menschlich wesen in disem jammertalh erhelt. Und gleichwi ein solche cristliche obrikeit, so nach dem befelch gottes und ordentlichem rechten weislich und vornunftig regirt, die iren vor bosen leuten, auch vor unrecht schutzt, denselbigen mit allen genaden veterlich und treulich vorstehet, also wird sie auch von got dem hochsten hern mit uberschwenglichen genaden wider des bosen feindes und aller menschen bose liste und unordentlichen gewalt errettet, erhalten und gehandhabt. […].
Uberantworte derwegen E. Churf. Gn. als meinem genedigisten hern dise meine arbeit zu disem neuen sechs und funfzigisten jahr ganz unterteniglich mit herzlichem wunsch, daß solch nau und vil lange fulgende jahre durch gottes genade E. Churf. Gn., derselbigen hochloblichsten gemahel, meiner genedigsten frauen, E. Churf. Gn. jungen herschaft und iren land und leuten gluckseligk sein [moge] und vorhoff, weil in disem meinen bedenken von notwendigen sachen meldung beschicht, E. Churf. Gn. werden dasselbige zu irer gelegenheit genedigist zu vorlesen unbeschwert sein und diese meine treue wolmeinliche arbeit, nachdem ich di E. Churf. Gn. zu gehorsam, und auf derselbigen genedigisten befelch auf mich genommen und in vorfertigung derselbigen auf nichts anders dan auf got und die warheit gesehen, wider boser leut calumniren und falsche deutung genedigist schutzen, die auch, wi ich zum untertenigsten bitte, zu genedigistem gefallen von mir annemen und vormerken und mich als einen alten sechsischen diner, der deme hochloblichen hause zu Sachssen von jugend auf bis in mein alter und nuhen vier chur und fursten zu Sachssen, dreien bis in ir grube, gedinet und E. Churf. Gn. als den funftem nachmals nach meinem vormogen mit besten treuen fleiß gerne dinen wolte, nuhemals in meinem alter und meine zweene sohne, Michel Friderichen und Melchiorn, die mir der almechtige got in solchen mein dinsten genediglich gegeben, die ich auch mit seiner hulf zu seinem lob, zu gotselikeit, zucht und lahr gern wolte aufzihen, unterweisen und halten lassen, ir genedigist lassen befolen sein, wi ich des ein untertenigste unzweifliche gute hoffnung zu E. Churf. Gn. habe. Will auch also, wan der almechtige got nach seinem genedigen veterlichen willen mich von disem jammertal nimt, kegen E. Churf. Gn., als meinem genedigistem liben hern, derselbigen reten und untertenigen treuen landschaft mit disem meinem wolgemeintem gestalten bedenken mein testament gemacht haben. Der barmherzige got, des gute kein ende noch zcylh [!] hat, erhalte E. Churf. Gn., derselbigen regement, land und leute langwir[i]glich, in gutem gotseligen, fridlichen glucklichen wesen und fure dieselbigen durch dise zeitliche, betrigliche, falsche arglistige welt, also daß die der ewigen wolfart nicht vorlustig sondern in ewikeit teilhaftig werden, amen. Geben zu Frauenfelss [d. h. Frauenfels] an des hailigen nauen jahrstage im anfange des sechs und funfzigisten jahr[s] [d. h. 1. Januar 1556].
E. Churf. Gn. unterteniger Melchior von Osse, doctor.
Von gotseliger, weislichen, vornunftigen und rechtmeßigen regirung und justicien.
Das ist bei allen weisen leuten a[h]n streit, daß ein ide obrikeit ir tugend und geschicklikeit durch zweierlei wege beweisen und scheinbar machen kan. Erstlich in zeit des krigs durch manliche taten, gute witzige anschlege und beschutz irer lande und untertanen, zum andern durch ordnung und erhaltung guter gotseligen rechtmeßigen regirung, gerichtbarkeit und policei in zeit des frides. Dan mit disen beiden eine ide obrikeit not halben gezirt und vorsehen sein soll, auf daß di zu aller zeit des krigs und frides die iren wol regiren, schutzen, handhaben und vorteidigen konne. […].
I. Und erstlich stehet einer iden obrikeit (so justiciam halten will) hochst amt dorauf, gottes ehr und die rechtschaffene ware cristliche religion mit hochstem trauen fleiß zu liben, zu pflanzen, zu erhalten, zu schutzen und zu handhaben und dise vorsehung zu tuen, dormit das gotliche wort in rechtem cristlichen vorstande zu buß, zur besserung, erhaltung zucht und disciplin und allem guten gebraucht und jo nicht zu leichtfertigkeit, zu frechem, rohen, freihen, wilden wesen, auch nicht zum schanddeckel aber mantel menschlicher bosheit, hoffart aber eigennotzikeit misbraucht werde, dan der obrikeit in dem grosse vorantwortung obleit. Es wird auch leichtfertikeit, rohe[r] und wilder wandel bei dem volk so gemein, daß man schir keiner sunde und schande mehr acht, auch wenig warheit, trau, glaubens und erbarkeit bein leuten diser zeit zu befinden. Do solte gut sein, daß die weltliche obrikeit ir schwert wetzte, laster und untugend der gebur nach mit ernst strafte, auch unter ehrlosen und redlichen leuten, wi bei den alten breuchlich gewest, unterschid halten liß, dormit die leut ehr und tugend belont, das kegenspil gestraft und gescheut vormerkten und also das eine zu liben, das ander zu hassen und sich der alten teutschen erbarkeit widerum zu fleißigen anfingen. […].
II. Zum andern wi ein cristliche obrikeit, so ein gute justiciam halten will, sich auch vor ir person derselbigen gemeß halten soll, ist es an dem, daß dis wol der schwerste teil der justicien ist, dan es gehet in menschlichem wesen also zu, daß fast ein itzlicher am wenigsten erkennen kan, was im in seinem wesen und wandel gebricht, zu tuen und zu meiden geburt, daß auch Aristoteles der weise man schleust, daß keiner in sein eigen sachen gerecht sein konne. Und ist gewislich wahr, daß ausserhalb der genadenreichen hulfe gotes keiner in sein sachen unordentlicher begier kan ane sein, die cristen aber haben den trost, daß die gewaltige hand gottes unvorkurzt ist – und kan auch disfals genade und sein hailigen geist geben, (will den auch, wi Christus selbst trostlich zusagt, keinem menschen vorsagen, der dorum bit) – daß ein fromme cristliche obrikeit sich selbst auch rechtmeßiglich regire und beim rechten zil bleibe, wi man des exempla hat in Ezechia, Josua, David und vilen andern gotforchtigen konigen und fursten in der schrift. […].
Dornach ist ein ander weisheit und klugheit, die einem itzlichen hern und regenten als einem hausvater vonnoten, daß ein her wol und ordentlich wisse, hof und haus zu halten, das seine recht, ehrlich und notzlich auszuteilen und zu distribuiren, welchs die philosophi prudenciam yconomicam nennen. Nuhen gehort aber in ein gute wolbestalte haushaltung, wi Aristoteles weislich dorvan redet, dreierlei regement: Erstlich, daß dorinn sei man und weib und der man dem weib wol vorstehe, das heist er regimen conjugale; das ander, daß do seind eltern und kinder und daß sieselbigen wol erzogen werden, das nent er regimen paternale; zum dritten, daß in solcher haushaltung auch sind hern und dinern aber gesinde und der her gebite und schaffe, das gesinde aber willigen gehorsam leiste. In disem teil werden auch begriffen konigliche aber furstliche heuser, notzung, kammer und anders, so zur aufenthaltung des lebens von noten, und diß nent Aristoteles regimen dominativum. Und diese drei regement, ob si wol in eins itzlichen sonderlichen mannes haushaltung vonnoten, so sind die doch in grosser hern und obrikeiten haus- und hofhaltung zum allernotigisten. […].
III. Fulgt nuhen das dritteil dises meins bedenkens, dorinn angezeigt wird, wi sich ein fromme cristliche obrikeit kegen iren reten, heupt- und amtleuten und andern befelchhabern in der regirung, auch iren landstenden und untertanen semtlich und sonderlich und kegen menniglich zu vorhalten hat und soll alhir gesagt werden de prudencia regnativa. […].
Wurin des hern tugendhaftiger wandel, so vil sein person anlangt, stehet, ist oben im andern teil dises bedenkens angezeigt. Was vor tugende er aber in der regirung beweisen soll, dorvan ist itzo zu reden. Dorzu haben die alten weisen leut dise tugende vor notwendigk geacht, daß ein her vorstendig, gerecht, glaubhaftig, sitsam, gutigk, bestendigk, zu rechter zeit und mit rechter maß milde und großmutig sei, und haben es die alten dorvor gehalten, daß ane solche tugende land und leute bequemlich nicht mogen regirt werden. […].
Ich sage aber, daß einem keiser, konige, fursten und andern oberhern zu cristlicher regirung vor allen dingen dise tugend vonnoten ist:
I. Nemlich die furcht gottes und daß ein obrikeit wol zu herzen fasse, teglich ja stundlich zu gemute fure, daß si iren gewalt von got hat – dem si um ir handlung und regirung rechenschaft geben muß – und demnach all ir wesen, handlung und regirung nach gottes willen und befelch und [nach] dem gesetze der gerechtikeit richte. […].
II. Zum andern ist einem hern zu cristlicher gluckseliger regirung vonnoten, daß er vor sich selbst ein vorstendiger man sei und alle gelegenheit seiner lande und regirung erkunde, dormit er, was ides fals zu tuen, selbst wissen moge und nicht allewege mit fremden augen sehen und leiden dorfe, daß er wi ein ber aber ander unvornunftig tir von andern und denen geleitet und regirt werde, die allein, was vor si und nicht was dem hern aber gemeinem notz zutreglich ist, bedenken und suchen; dorum auch Plato nicht unweislich gesagt hat, daß die lande gluckselig zu achten, die von vorstendigen hern aber doch ihe von solchen hern, so weisheit zu lernen begerten und sich dorin fleißig ubten, regirt wurden. […].
III. Zum dritten ist einem hern so wol als einem itzlichen zu rechtem brauch seins guten vorstands vonnoten, daß er so vil imer moglich alle unordentliche neigung, bose begir; bewegung des gemuts und die ganze sinlikeit der vornunft unterwerfe und solchen bosen neigungen nicht statt gebe sondern dieselbige mit gottes hulfe durch die vornunft regire und im zaum halte. Dan do solchen unordentlichen neigungen und affecten statt gegeben und dieselbigen zum werke kommen, ist aller vorstand und weisheit dozumal brechenhaftig und ist die justicia albereit vorjagt und im elende und setzt sich an ire statt der bose feind mit eingebung unordentlichs gewalts, unrechtmeßiger beschwerung und alles ubels. […].
IV. Demnach und zum vierten ist einer iden obrikeit zu raten, daß si auf zeit, wan si mit solchen unordentlichen affecten als zorn, widerwill, rachsal, schwerer ungnade und abgonst kegen di iren beladen ist, nichts in irer regirung schlisse, schaffe, befele, weniger in werk setze; […].
V. Zum funften ist zu einem guten rechtschaffenen regement auch dis vonnoten, daß ein her aber obrikeit menniglich guten glauben halte. Solchs ist ein hoch groß kleinod an hern und untertanen. Und nachdem an solchen ortern vil anlaufens und bittens ist, kan ein obrikeit bei menniglich sich dordurch angeneme machen, daß si alle ire zusage, vorpflichtungen und vortrostungen, so bei irem guten willen stehen, anfenglich wol bedenke, sich dorin nicht ubereile und wan si schleust und sich vorpflicht, demselbigen nachkomme und sich nimands dorvan bereden lasse. […].
VI. Zum sechsten ist eines frommen cristlichen oberhern, der sein gemut dohin gesetzt, nimands zu vorunrechten, unmeidliche notdorft, wider nimands, wes stands der sei, einige beschwerliche schaffung zu tuen aber zu befelen, es werde dan der angegebene erst beschiden und notdorftiglich durch den hern selbst aber unpartheiische befelchhabere gehort und der zugemessenen sachen uberweist und im grunde schuldigk befunden aber, daß der erforderte auf vorgehenden vorbeschid, ausserhalb unmeidlicher ehehaft, aus starrigem ungehorsam aussen blibe und sich selbst schuldig machte. Dan wan man des inne wird, daß ein herre uf bloß angeben, ungehort des angegebenen antwort und desselbigen unuberwundenschaft, befilcht und den angegebenen in straf aber andere beschwerung nemen lest, do ist in eins solchen hern lande nimands vor unbilligen beschwerungen sicher, do hat sich keiner seiner unschuld zu getrosten, do mussen endlich die untertanen, wi redlich si auch sind und handlen, in steter furcht unrechtlicher beschwerung und bedrengnus leben. […].
VII. Zum sibenden dint auch hirzu, nemlich untertenige libe der untertanen kegen iren hern und obrikeit zu vorursachen und zu erhalten, wan die untertanen merken, daß si von irer obrikeit billichen schutz und schirm haben, nicht allein vor den untaten und vorbrechungen boser mistetiger leute – welche ein ide obrikeit nach rechte zu strafen schuldig, in betracht, daß got das kegenspil hertiglich zu rechen pflegt und die hailige schrift bezeuget, daß sein gotliche almacht oftmals um nichtstrafe willen eins vorbrechers vil tausend man hat lassen zuboden gehen – auch nicht allein vor dem gewalt der morder und strassenreuber – welche an vil ortern des reichs nach ergangenen innerlichen krigen treffentlich uberhand nemen und an vil ortern gar wenig darkegen gehandelt wird, das doch die obrikeit vor got zu tuen schuldig – sondern auch vor unordentlichem gewalt, drangsal und vorunrechtung der heupt- amt- und anderer befelchsleute, dinere und officianten, die bisweilen ane der hern befelch, wissen und willen die armen untertanen merklich beschweren und ubel halten, bisweilen auch ganz mutwilliger weise; welche beschwerung und vorunrechtung dester mehr zu beklagen, den armen untertanen auch ane zweifel dester wirsser [d. h. schlimmer] tut, daß si von dene herfleust, von welchen an irer hern statt schutz, schirm und vorteidigung der untertanen herruren solte, welchs auch die romischen keiser in iren geordenten rechte vor die hochste unbillikeit achten. Was auch an vil ortern des reichs von etzlichen von adel armen leuten vor beschwerungen obligen mit unmeßigen bussen, neuerlichen fronen, unrechtmeßigen gefengnussen – will geschweigen, daß etliche auch wol selbst hand an die armen leute legen, die schlahen und ubel handeln – das ist leider mehr am tage dan gut ist; dorum ist ein cristliche fromme obrikeit auch notwendig einsehen zu tuen schuldig. Frome gotfurchtige von adel wissen sich hirin selbst aller gebur zu weissen und zu bedenken, daß si auch ein got und hern im himmel haben, der nach iren handlungen fragen wird. So gehet es auch bisweilen in stedten ganz beschwerlich zu, do man nach gonst aber abgonst die burgere mehrmals in burglichen sachen in beschwerliche gefengnus wirft, und darf ir keiner klagen, dan welcher klagt, wird gemarkt und hat kein gute zeit mehr an dem orte. […].
VIII. Uberdis alles macht die person des hern nicht allein bei untertanen sondern bei menniglich ganz angeneme, do der her in seinem wesen, wandel und regirung gutig und sanftmutig ist. Dan aber ist ein her gutig, wi Cicero sagt, wan er sein gemute also gewehnet, daß er nimandes freventlich feind aber gehaß wird, und ob gleich solchs aus billigen sachen furfelt, daß er sich doch des durch ungeberde nicht vormerken lest sondern solchen zufall hoflich vorbirget, und dis ist ein angeneme tugent und ein groß stuck der meßikeit und ist ein solche tugend, die sonderlich grosse hern angehort. […].
IX. Zum neunten ist zu merken, daß unter anderm vornemlich zwei laster seind, die grossen hern und reichen leuten vil zu schaffen geben. Eins ist geitz, das ander ist unnotze vortulikeit et ita avaricia et prodigalitas, welche laster beide vil leute in bose sachen furen; auch alle untugende, so bei einem menschen seind, entblossen und an tag brengen. […].
X. Noch mehr konigliche und furstliche regementstugende sind uberig, welche keinswegs mit stilschweigen zu ubergehen, weil die einem itzlichen regenten hoch vonnoten. […].
Wann nuhen der almechtige got ein keisertum, konigreich, furstentum, land aber herschaft mit einem solchen tugendhaftigen herren wi obstet aber der sich solcher tugenden fleißiget, begenadet, das ist ein grosse woltat, dorum got hochlichen zu danken. Dan do stehen alle sachen wol, und ist ein solcher her des ganzen volks gluck und wolfart, wi die schrift sagt, dan einen solchen hern rumt und preiset man billig ein cristliche gerechte obrikait, […].
Wan aber nuhen gleich ein her ein gotforchtiger, weiser, vorstendiger, frommer man ist und der sich um sein regement mit fleiss annimpt, so ist ime dennost unmoglich alle sachen selbst zu vorrichten, dan solchs ist in solchen regementen einer aber auch mehr und wenigen personen zu tuen nicht moglich, dorum erfordert die notdorft, daß im ein herre geholfen ordene nach gelegenheit seiner hof- und landregirung: hofmeister, rete, canzler, vortraute gehaimde schreibere und secretarien, heupt- und amtleute, schossere, centgrafen, kastener, gleitsleute, kegenschreibere, auch in steten und in dorfern rats- aber burgemeistere und ratsmanne, richtere, schultheissen und dergleichen bestetige, welche alle an des hern statt die leut horen, entscheiden, schutzen, handhaben, mißtetige strafen, gute ordnung machen und vorteidigen. Und andere befelchhabere und dinere mehr muß ein her haben als auf bergwerke, wu die got einem land geben, zu notdorft irer wildbanen, holznotzungen und anderer sachen mehr, welche alle alhir nicht konnen erzelt werden. Dan solcher befelchhabere gar aber zum teil, wie nuhen ein itzlich regement solchs erfodert, kan ein her aber obrikeit nicht entraten, wie auch der almechtige got, do er die regirung des judischen volks Mosi befole, demselbigen kluge, weise und aus dem ganzen volke auserlesene leute zuordente, mit welcher rat und hulfe er dem regement vorsein konte. Dan also sagte got zu Mose: »Ordene richter, befelchhabere und unterobrikeiten uber das volk in allen pforten aber amtern, die das volk nach recht und billikeit entscheiden und keinem teil unbilligen beifalh geben aber nachamen«. Und ist einem hern hirin grosse vorsichtikeit vonnoten, daß er seine amte und befelch mit frommen, gotfurchtigen, vorstendigen und solchen leuten bestelle, welche iren befelch vorrichten konnen und gemeinen notz lib haben, und also das volk durch ire vorwaltung vorsorget sei, recht und billikeit bekomme und nicht vorunrechtet werde, und insonderheit, daß ein herre die gerichte mit gewissenhaftigen frommen, gotforchtigen, gelarten, geubten und vorstendigen leuten besetze und dorin auf der personen vorstand, geschicklichlikeit und lahr mehr acht habe dan auf ir herkompen, stand, ansehen und habende forderung. […].
Wan nuhen ein fromme, cristliche obrikeit mit einem geordenten hofrate vorsehen, so ist erstlich zu raten, daß ein her, so vil immerdar anderer gescheft halben moglich, selbst bei beratschlagung der hendel sei, sonderlich dere, doran etwas gelegen. Dan wan solche hendel dem hern gleich summarie vorgetragen werden, so kan er die doch so grundlich und volkomlich nicht einnemen als wan er eins itzlichen bedenken und sein ursachen selbst hort. […].
Es ist auch vor den hern, daß er in sein sachen seiner rete und weiser leut rat brauche, ine fulge und mit irem rat handele und also in die Fußstappen trete der alten weisen regenten, die ane vorgehenden rat im regement nichts schafften nach ausgehen lissen; also tat unter andern Antonius Pius, welcher wider in krigs- nach fridlichen zeiten nichts schaffte nach ausgehen liss, das er nicht zuvorn mit tapfern, weisen leuten beratschlagt hette, und pflegte zu sagen: »Es ist billiger, daß ich so vil weiser leut mainung fulge dan daß so vil und so weise, treffentliche leut meinem als eins einigen menschen willen nachamen solten.« […].
Wan aber nuhen gleich das hofregement nach aller notdorft bestalt ist auch, wi sichs geburt und hoch vonnoten, das regular im schwancke gehet und den leuten recht beschihet, so erfordert die justicia nach eins, daß die land- heupt- und amtmanschaften auch andere befelche ufm lande mit solchen leuten bestalt werden, die denen untertanen die billikeit mitteilen, an des hern statt schutzen und handhaben konnen und nimands vorunrechten; und do die hern wusten, wi es an vil ortern des reichs, in amten und befelchen ufm lande zugehet, so worden dieselbigen gewislich fleißiger bestalt werden – es were dan keine sorge mehr uf gemeinen notz. […]
Dis sei nuhen gesagt de prudencia regnativa, und ist also bisher gehandelt de quatuor speciebus prudenciæ nempe militari, singulari seu particulari, œconomica et regnativa; de quinta specie, nempe prudencia politica will ich hernach sagen, wan ich von der policei meins liben vaterlandes handeln werde.
Alhir will ich nuhen disem meinem untertenigen, treuen, wolmeinlichen bedenken – so ich ingemein von allen cristlichen obrikeiten und regementen, was derhalben meins einfalts doch uf anderer weislicher ermessung vornemlich zu betrachten sein solte, geschriben – ein ende machen. Und ob ich wol nicht zweifel, daß mein geringer vorstand disen hohen wichtigen sachen in vil dingen zu wenig gewest, so habe ich doch meine gut meinung nach meinem besten vorstande treulich und anders nicht dan wi mich got, die hailige schrift, auch das recht gelernt, aufgezeigent in hoffnung, es solle mit der zeit durch baß vorstendigere vorbessert und zum wenigisten mein guter wille im besten vormarkt werden. Und wiwol mir unvorburgen, was vil gelarte leut und philosophi mehr dan in einer sprach von disen dingen, sonderlich was die haidnische wolgeordente regement anlangt, geschriben, welchem nach dise dingk weiter hetten konnen ausgefurt werden, so habe ich doch solchs vorsetzlich ubergangen und allein das, was meins erachtens einer cristlichen obrikeit und regement zu wissen not, zum einfeltigisten gemeldet. Und wunsche aus grunde meins herzen, bit auch demutiglich, die hochste unbegreifliche heilige dreifaltikeit wolle hern, dinere und untertanen mit irer genade erleuchten, daß die auf allen teilen das tuen, handeln und volbringen, was ine aus gottes und des rechten gebot geburt, alles, was dorkegen eingewurzelt, abschaffen und fallen lassen und also als cristliche obrikeiten und untertanen ein itzlicher in seinem amte, befelch, beruf und stande irem hochsten hern in hailikeit und gerechtikeit die zeit ires lebens dinen und nach disem zeitlichen, elenden, vorgenglichen leben des ewigen reichs teilhaftig werden. Amen.
Fulgt nuhen ein exempel eins guten regements und der stucke, so dorzu gehorigk, nemlich von der regierung, justicien und policei der loblichen chur- und furstentum Saxen, Doringen und Meichssen, meins liben vaterlandes, dem durchlauchtigisten churfursten hertzogk Augusto zu Sachssen usw., meinem genedigisten hern zustendigk, welchergestalt solche lande vor vil andern von got gesegenet, was vor misbreuche auch denselbigen, sonderlich der justicien halben, lenge der zeit und bosheit der leut halben zugewachsen und wi die in anderung und besserung zu brengen. […]
Melchior von Osse, Schriften, S. 269-271, 274-276, 292, 295f., 298, 325, 327-331, 334, 336, 339-341, 347, 353, 355-357, 370f., 374 und 379f.
C.
Sources
Fürstenspiegel des 13. bis 16. Jahrhunderts sind mit Angaben zu Handschriften, Drucken und Editionen verzeichnet bei Berges, Fürstenspiegel, und Singer, Fürstenspiegel (bei letzterem auch eine Übersicht zu Fürstenspiegeln seit dem 17. Jahrhundert). Frühneuzeitliche Fürstenspiegel sind in Textauszügen präsentiert in: Fürstenspiegel der frühen Neuzeit, hg. von Hans-Otto Mühleisen, Theo Stammen und Michael Philipp, Frankfurt am Main u. a. 1997 (Bibliothek des deutschen Staatsdenkens, 6). Darüber hinaus seien als Beispiele für weitere, insbesondere bei Berges und Singer (noch) nicht berücksichtigte Editionen genannt: Bartl, Annemarie (Bearb.): Der Tugent Regel. Ein anonymer deutscher Fürstenspiegel des 15. Jahrhunderts. Untersuchung und Edition, in: Beiträge zur Geschichte der deutschen Sprache und Literatur 111 (1989) S. 411-445. – Bosbach, Franz (Bearb.): Princeps in compendio, in: Das Herrscherbild im 17. Jahrhundert, hg. von Konrad Repgen, Münster 1991 (Schriftenreihe der Vereinigung zur Erforschung der neueren Geschichte, 19), S. 79-114. – Brinkhus, Gerd (Bearb.): Eine bayerische Fürstenspiegelkompilation des 15. Jahrhunderts. Untersuchungen und Textausgabe, Zürich u. a. 1978 (Münchener Texte und Untersuchungen zur deutschen Literatur des Mittelalters, 66). – Erasmus von Rotterdam: Institutio principis christiani, bearb. von O[tto] Herding, in: Opera omnia Desiderii Erasmi Roterodami, Bd. 4/1, Amsterdam 1974, S. 95-219. – Menzel, Michael (Bearb.): Die »Katherina divina« des Johann von Vippach. Ein Fürstenspiegel des 14. Jahrhunderts, Köln u. a. 1989 (Mitteldeutsche Forschungen, 99). – Ubl, Karl (Bearb.): Die Schriften des Alexander von Roes und des Engelbert von Admont, Bd. 2: Engelbert von Admont: Speculum virtutum, Hannover 2004 (Monumenta Germaniae Historica. Staatsschriften des späteren Mittelalters, 1/2). Benutzte Quellenausgaben: Eneas Silvius Piccolomini, Briefwechsel, Abt. 1: Briefe aus der Laienzeit (1431-1445), Bd. 1: Privatbriefe, bearb. von Rudolf Wolkan, Wien 1909 (Fontes rerum Austriacarum. Abt. 2: Diplomataria et acta, 56). – Levold von Northof, Die Chronik der Grafen von der Mark, bearb. von Fritz Zschaeck, Berlin 1929 (MGH SS rer. Germ. NS VI). – Melchior von Osse: Schriften, bearb. von Oswald Artur Hecker, Leipzig u. a. 1922 (Schriften der Sächsischen Kommission für Geschichte).
Literature
Ahl, Ingmar: Humanistische Politik zwischen Reformation und Gegenreformation. Der Fürstenspiegel des Jakob Omphalius, Stuttgart 2004 (Frankfurter historische Abhandlungen, 44). – Anton, Hans Hubert u. a.: Art. »Fürstenspiegel«, in: Lexikon des Mittelalters IV, 1989, Sp. 1040-1058. – Anton, Hans Hubert: Petrarca und die Tradition der Herrscher- und Fürstenspiegel, in: »Das Wichtigste ist der Mensch«. Festschrift für Klaus Gerteis zum 60. Geburtstag, hg. von Angela Giebmeyer und Helga Schnabel-Schüle, Mainz 2000 (Trierer Historische Forschungen, 41), S. 229-251. – Berges, Wilhelm: Die Fürstenspiegel des hohen und späten Mittelalters, Stuttgart 1938 (Schriften des Reichsinstituts für ältere deutsche Geschichtskunde [Monumenta Germaniae Historica], 2). – Müller, Rainer A.: Die deutschen Fürstenspiegel des 17. Jahrhunderts. Regierungslehren und politische Pädagogik, in: Historische Zeitschrift 240 (1985) S. 571-597. – Müller, Rainer A.: De Christiani Principis Officio – Religion und katholische Konfession in ausgewählten Fürstenspiegeln der Frühen Neuzeit, in: Die katholische Konfessionalisierung. Wissenschaftliches Symposion der Gesellschaft zur Herausgabe des Corpus Catholicorum und des Vereins für Reformationsgeschichte 1993, hg. von Wolfgang Reinhard und Heinz Schilling, Münster 1995, S. 332–347. – Müller, Rainer A.: Historia als Regentenhilfe. Geschichte als Bildungsfach in deutschen Fürstenspiegeln des konfessionellen Zeitalters, in: Les princes et l'histoire du XIVe au XVIIIe siècle. Actes du colloque organisé par l'Université de Versailles-Saint Quentin et l'Institut Historique Allemand, Paris/Versailles, 13-16 mars 1996, hg. von Chantal Grell, Werner Paravicini und Jürgen Voss, Bonn 1998 (Pariser Historische Studien, 47), S. 359-371. – Müller, Rainer A.: Der (deutsche) Fürstenhof als Thema der Fürstenspiegelliteratur der Renaissance, 1450-1570, in: Der Innsbrucker Hof: Residenz und höfische Gesellschaft in Tirol vom 15. bis 19. Jahrhundert, hg. von Heinz Noflatscher, Wien 2005, S. 33-51. – Singer, Bruno: Die Fürstenspiegel in Deutschland im Zeitalter des Humanismus und der Reformation. Bibliographische Grundlagen und ausgewählte Interpretationen: Jakob Wimpfeling, Wolfgang Seidel, Johann Sturm, Urban Rieger, München 1981 (Humanistische Bibliothek. Reihe 1: Abhandlungen, 34). – Speculum principum, hg. von Angela De Benedictis, Frankfurt am Main 1999 (Ius commune. Veröffentlichungen des Max-Planck-Instituts für Europäische Rechtsgeschichte. Sonderhefte, 117). – Politische Tugendlehre und Regierungskunst. Studien zum Fürstenspiegel der Frühen Neuzeit, hg. von Hans-Otto Mühleisen und Theo Stammen, Tübingen 1997 (Studia Augustana, 2). – Ubl, Karl: Engelbert von Admont. Ein Gelehrter im Spannungsfeld von Aristotelismus und christlicher Überlieferung, Wien u. a. 2000 (Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung, Ergänzungsbände, 37).