Zwei neue Forschungsprojekte

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Zwei neue Langzeitvorhaben für die Niedersächsische Akademie der Wissenschaften zu Göttingen wurden in das Akademienprogramm 2026 aufgenommen. Die GWK hat die Projekte „Westgermanien im Wandel“ und „Sozinianische Briefwechsel und Inedita digital“ bewilligt.

GÖTTINGEN. Die Forschungsvorhaben „Westgermanien im Wandel – Edition und multidisziplinäre Erforschung der nordwest-deutschen Kulturlandschaft während der römischen Kaiserzeit (1.-4. Jh.)“ und „Religion und Naturwissenschaft im Umbruch: Sozinianische Briefwechsel und Inedita digital“ werden in das von Bund und Ländern geförderte Akademienprogramm 2026 aufgenommen. Das bewilligte die Gemeinsame Wissenschaftskonferenz (GWK) am 28. November 2025. „Wir freuen uns sehr über die neuen historischen Großprojekte. Das ist auch eine Anerkennung für uns als außeruniversitäre Forschungseinrichtung und für die hervorragende Grundlagenforschung, die unsere Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler jeden Tag im Stillen leisten“, sagte Prof. Daniel Göske, Präsident der Niedersächsischen Akademie.

Die neuen Vorhaben kurz zusammengefasst:

„Religion und Naturwissenschaft im Umbruch: Sozinianische Briefwechsel und Inedita Digital“

Das Projekt widmet sich der Aufarbeitung und digitalen Erschließung des Sozinianismus, einer transnationalen religiösen Bewegung des 16. und 17. Jahrhunderts, die Toleranz, kritische Reflexion und wissenschaftliche Vernetzung in den Mittelpunkt stellte. Ausgangspunkt sind die Briefe und unveröffentlichten Manuskripte – die sogenannten Inedita – der führenden Sozinianer. Mithilfe innovativer Digital-Humanities-Verfahren werden diese Quellen kritisch ediert, strukturiert und webbasiert nach Open-Access-Prinzipien zugänglich gemacht. Ziel ist es, Forschenden erstmals einen umfassenden Einblick in die Dynamik von Religion, Wissenschaft und Kommunikation dieser Epoche zu ermöglichen. So trägt das Projekt wesentlich dazu bei, die historische Entwicklung pluralistischen Denkens in Europa nachzuvollziehen und die transnationalen Vernetzungen von Gelehrten und Naturforschern sichtbar zu machen.

Das Projekt hat eine Laufzeit von 21 Jahren, und es entsteht in Zusammenarbeit mit der Akademie der Wissenschaften und der Literatur, Mainz mit Arbeitsstellen in Gießen und Emden.

„Westgermanien im Wandel – Edition und multidisziplinäre Erforschung der nordwest-deutschen Kulturlandschaft während der römischen Kaiserzeit (1.-4. Jh.)“

Das Projekt schafft ein neues Fundament unseres Wissens über die Gesellschaften im westgermanischen Raum, die in räumlicher Nähe zum und im wechselseitigen Austausch mit dem Römischen Reich lebten.
Der Nordwesten Deutschlands ist ein Kulturraum, der hervorragend die soziale und wirtschaftliche Entwicklung germanischer Gesellschaften abbildet, die seit der ersten Hälfte des 1. Jahrtausend n. Chr. in Wechselbeziehung mit dem Römischen Reich standen. Die in den vergangenen drei Jahrzehnten erzielten Fortschritte der archäologischen Feldarbeiten haben zahllose neue, aber bislang kaum publizierte Erkenntnisse erbracht. Sie erfordern eine Edition dieser umfangreichen Quellen und eine neue Gesamtsynthese. Untersucht werden die kulturelle Interaktion mit dem grenznahen römischen Imperium und dem dadurch stimulierten gesellschaftlichen Wandel, die Siedlungsformen, die wirtschaftlichen Strukturen (Landwirtschaft, Handel, Rohstoffnutzung und Güterproduktion) und die Umwelt- und Lebensbedingungen.

Das Projekt hat eine Laufzeit von 18 Jahren und entsteht in Zusammenarbeit mit der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften und der Künste mit Arbeitsstellen in Göttingen, Wilhelmshaven und Bochum.

Zum Akademienprogramm

Das gemeinsame Forschungsprogramm der Wissenschaftsakademien – das Akademienprogramm – dient der Erschließung, Sicherung und Erforschung weltweiter kultureller Überlieferungen. Es ist das größte geistes- und sozialwissenschaftliche Langzeitforschungsprogramm Deutschlands und international einzigartig. Mit ihren langfristig angelegten Grundlagenforschungen leisten die Akademien einen unverzichtbaren Beitrag zur Dokumentation und Erforschung des globalen kulturellen Gedächtnisses.

Seit 1979/80 wird das Akademienprogramm von Bund und Ländern gemeinsam finanziert und von der Akademienunion koordiniert. Es umfasst bei einem Finanzvolumen von rund 80 Millionen Euro insgesamt 127 Vorhaben mit rund 192 Arbeitsstellen (Stand: 2025). Diese setzen sich zusammen aus 20 Wörterbüchern, 104 Editionen sowie drei Projekten aus

der sozial- und kulturwissenschaftlichen Grundlagenforschung. In den Vorhaben sind insgesamt ca. 900 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt. Mehr als 100 Hochschullehrerinnen und Hochschullehrer engagieren sich darüber hinaus ehrenamtlich in den Projekten.

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