Der Beitrag geht davon aus, dass Sport spätestens in dem Moment auch politisch ist, in dem Athleten für ihre Nation antreten und der Wettkampf damit zu einem Wettkampf zwischen Staaten wird. Vor diesem Hintergrund wird gezeigt, dass sich für den deutschsprachigen Raum zwischen 1933 und 1989/90 eine in besonderem Maße politische Vereinnahmung dieses Kampfsportes beobachten lässt, die gegenüber älteren politischen Ausdeutungen eine andere Qualität erreicht: Boxen lässt sich zu dieser Zeit kaum mehr außerhalb des Politischen denken. Thematisch entstammt der Vortrag dem Habilitationsprojekt von Anna S. Brasch. Die Habilitationsschrift arbeitet in wissensgeschichtlicher Perspektive Lexik, Diskurs und Literatur des Boxens im deutschsprachigen Raum von der Mitte des 18. Jahrhunderts bis in die Gegenwart auf.
Rahmenthema der diesjährigen Jahrestagung der dvs-Kommission Kampfkunst und Kampfsport ist „Unscharfe Grenzen: Kampfkunst und Kampfsport zwischen kultureller Verkörperung, pädagogischer Anwendung und politischer Vereinnahmung“. In zahlreichen Beiträgen wird der Frage nachgegangen, wie gesellschaftliche, kulturelle und soziale Diskurse die Entwicklung und Praxis von Kampfkünsten beeinflussen. Auf der Tagungswebseite ist neben dem Programm auch ein Conference Book mit Abstracts aller geplanten Vorträge verfügbar.