Wissens- und Literaturgeschichte der Ernährung

Antrittsvorlesung von WGd-Mitarbeiterin Anna S. Brasch schlägt Brücke von Lexikographie zu Literaturwissenschaft

ZDL

Am kommenden Mittwoch, 14. Mai, findet die öffentliche Antrittsvorlesung von Wortgeschichte digital-Mitarbeiterin Anna S. Brasch statt. Der Vortrag zum Thema Ernährung wird eine Brücke von der Lexikographie in die Literaturwissenschaft schlagen. Veranstaltungsort ist Hörsaal III im Hauptgebäude der Universität Bonn. Der Vortrag beginnt um 16:15 Uhr.

Die Antrittsvorlesung, die im Rahmen des Dies Academicus der Universität Bonn stattfindet, steht unter dem Titel „Autonome Sinneskost und Ich-Ernährung. Literarische Ernährungsentwürfe wissenshistorisch perspektiviert: Ein Vorschlag“. Der Vortrag geht von der Beobachtung aus, dass Ernährung als Wort und Konzept heute omnipräsent ist: Food-Influencer ‚essen alles in‘, propagieren alternative Ernährungsformen wie ‚Clean Eating‘ oder ‚Steinzeitdiät‘ als (vermeintliche) Rückkehr zu einer ‚natürlichen‘ und ‚ursprünglichen‘ Kost, Veganismus verhandelt weitreichende tier- und umweltethische Fragen. Ernährung ist damit ein Grundbegriff spätestens des 21. Jahrhunderts, über den zentrale Fragen unserer Zeit verhandelt werden. Doch welche Bedeutungen verbinden sich sprachhistorisch seit den ersten Nachweisen in Quellen des 15. Jahrhunderts mit dem Abstraktum Ernährung? Welche Konzepte verbinden sich wissensgeschichtlich in Vormoderne und Moderne mit dem Begriff? Und welche Ernährungsentwürfe zeichnen fiktionale Texte von etwa 1600 bis in die Gegenwart? Diesen Fragen spürt der Vortrag nach. Er schlägt damit zugleich eine Brücke von der historischen Semantik in die Literatur und damit von der Linguistik in die Literaturwissenschaft.

Die Antrittsvorlesung ist der Abschluss des Habilitationsverfahrens von Anna S. Brasch. Ihre Habilitationsschrift, die ebenfalls eine Brücke von Linguistik bzw. Lexikographie in die Literaturwissenschaft schlägt, trägt den Titel „Boxen. Literarisierungen eines kulturell verdichteten Symbols in der Moderne und ihre historisch-epistemischen Bedingungen“.