Blumenbach-Edition jetzt online

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Langzeitprojekt wurde nach 15 Jahren erfolgreich abgeschlossen: Neues Portal präsentiert Werke und Sammlungen des Göttinger Naturforschers Johann Friedrich Blumenbach

GÖTTINGEN. Johann Friedrich Blumenbach (1752-1840) war ein Göttinger Naturforscher in der Epoche der Spätaufklärung und der Romantik, von dem auch Johann Wolfgang von Goethe sowie die Brüder Wilhelm und Alexander von Humboldt gelernt haben. Im Gegensatz zu seinen berühmten Schülern ist der zu Lebzeiten international angesehene Gelehrte aber heute nur noch Spezialisten bekannt. Das liegt auch daran, dass sein wissenschaftliches Werk kaum zugänglich ist. Das Forschungsprojekt „Johann Friedrich Blumenbach – Online“ der Niedersächsischen Akademie der Wissenschaften zu Göttingen hat 15 Jahre lang Blumenbachs Werk und seine naturhistorische Sammlung erschlossen und virtuell zusammengeführt: Der Forschung steht ab sofort eine digitale Edition der Publikationen und der Sammlungsobjekte Blumenbachs unter https://blumenbach-online.de/ zur Verfügung. Das Projekt war Teil des von Bund und Ländern geförderten Akademienprogramms, das der Erforschung, Sicherung und Vergegenwärtigung des kulturellen Erbes dient. Koordiniert wird das Programm von der Union der deutschen Akademien der Wissenschaften.

Die Verlinkung von Blumenbachs Texten mit Abbildungen, Rotationsanimationen und Beschreibungen der von ihm gesammelten Objekte stellt eine Besonderheit der Edition dar. Sie wird damit der Arbeitsweise des Gelehrten gerecht, die wesentlich auf der Untersuchung von Objekten beruhte und nicht mehr, wie damals üblich, auf den Schriften anderer Naturforscher. Blumenbach gilt daher als Schlüsselfigur für die Entstehung der modernen empirischen Naturwissenschaften. Seine Schriften und seine naturkundliche Sammlung sind herausragende Zeugnisse der Naturkunde vor Darwin und zeigen zugleich die europäische Dimension der Gelehrtenrepublik im kolonialen Zeitalter.

Die gesammelten Objekte stammen von allen Kontinenten und sind daher auch eine Quelle der Geschichte der Entdeckungen und des Kolonialismus. Unter den zahlreichen Stücken befanden sich 274 menschliche Schädel, die bis heute fast komplett am Anatomischen Zentrum der Göttinger Universitätsmedizin erhalten geblieben sind. Ihre Herkunft wurde von Blumenbach sorgsam dokumentiert und liefert damit wertvolles Material für die Provenienzforschung.

Blumenbachs Name wird in öffentlichen Debatten um sogenannte Menschenrassen immer wieder genannt. Tatsächlich hat er sich seit seiner Doktorarbeit auch mit der Variationsbreite innerhalb der Spezies Mensch beschäftigt. Dabei kam er zu dem Ergebnis, dass es zwischen den menschlichen Varietäten keine klaren Abgrenzungen, sondern fließende Übergänge gibt. Vor allem aber führe die Vielfalt des Phänotyps nicht zu intellektuellen Unterschieden zwischen verschiedenen menschlichen Populationen. Blumenbach publizierte Belege für die Gleichwertigkeit aller Menschen und wurde damit zum Begründer des wissenschaftlichen Antirassismus. Seine Schriften wurden denn auch von den Abolitionisten, den Gegnern der Sklaverei, häufig zitiert. Viele seiner Schüler popularisierten seine Ideen, darunter auch Alexander von Humboldt, der später offen gegen die Ungleichbehandlung von Menschen unterschiedlicher Hautfarbe zu Felde zog, während Blumenbach stets ein Mann der leisen Töne blieb. Vor diesem Hintergrund wurde das Forschungsprojekt auch zur Anlaufstelle internationaler Forscher, die sich mit dem Thema Rassismus beschäftigen.

Johann Friedrich Blumenbach – Online war das erste rein digitale Projekt an der Niedersächsischen Akademie der Wissenschaften zu Göttingen und hat damit eine Pionierrolle gespielt. Das Projekt musste eigene Werkzeuge und Plattformen entwickeln, um Werk und Sammlung angemessen edieren zu können. Um die langfristige Verfügbarkeit der Forschungsergebnisse zu gewährleisten, wurde die Zusammenarbeit mit der Verbundzentrale des Gemeinsamen Verbundkatalogs (VZG), einem staatlichen IT-Dienstleister der sieben Bundesländer Bremen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein und der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, vereinbart.

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