BEDERKESA
I.
1059 sind erstmals edelfreie Angehörige des Geschlechts ohne Herkunftsnamen bezeugt. Bei ihrem ersten urkundlichen Auftreten als de Bederkesa 1159 gehörten sie zur Dienstmannschaft der Ebf.e von Hamburg-Bremen (Regesten der Erzbischöfe Bd. 1 Nr. 543), verfügten aber über eine allodiale Herrschaft mit hoher Gerichtsbarkeit und Regalien (Zoll, Markt, Jagd), was wie ihre Konnubien, Eigenkirchen und eine eigene Ministerialität auf vormalige Edelfreiheit weist (Trüper, Ritter und Knappen, S. 43 f.). Noch lange nach dem Verlust der Edelfreiheit standen sie im Konnubium mit den Gf.en von → Stotel und den Edelherren von Diepholz, von Rhade, von Heimbruch und von Bronckhorst. Der Eintritt in die Ministerialität geschah wohl um einer Beteiligung an der Marschkolonisation und der Stader Vogtei willen.
II.
Die agnatische Verwandtschaft der elbsaalischen, 1249 ausgestorbenen »Bederiche«, der Gf.en von Belzig und von Dornburg, mit denen von B. war 1243 noch bewußt, als Otto von B. die Absicht des Gf.en Bederich III. von Belzig förderte, dem Stader Marienkl. u. a. eine Hl.-Blut-Reliquie zu schenken (Albert von Stade, S. 368; Trüper, Ritter und Knappen, S. 45, 51 und 53). Daraus ergibt sich, daß B. (Bederikes Ah) von Anfang an der Sitz dieses nichtfsl. Hochadels war.
III.
Die B.er konnten ein eigenes Territorium, die Herrschaft B. (dominium, 1339; barunatus B., 1355), aufbauen, das die Börden und Gogerichte Ringstedt und Debstedt mitsamt der Hohen Lieth umfaßte. In der freien Landesgemeinde Lehe besaßen sie Anteile an Gericht und Fähre und bezogen grundherrliche Abgaben. Nach dem Abzug der Edelherren von → Diepholz von der Hohen Lieth kam auch deren Kl.gründung in Midlum (seit 1282 in Altenwalde) unter ihre Kontrolle, die sich noch verstärkte, seit die Nonnen 1334 nach Neuenwalde übergesiedelt waren. Die Ritterkommunität führte 1256 und 1343 Eroberungskriege gegen die Wurster Friesen (Albert von Stade, S. 374; Hucker, Herrschaft, S. 175 und 287 ff.). Die Herrschaft B. ging ab 1381 stückweise in den Besitz der Stadt Bremen über; der Grundbesitz z.T. an die von der Lieth.
IV.
1207/09 spaltet sich die Familie in drei Linien auf, bald waren es neun, was den Neubau einer weiteren Burg nahelegte. So begründete Werner I. von B. um 1300 auf seiner Burg Elmlohe den Familienzweig de Elme (Johan-Roden-bok S. 57), der 1463/73 mit Otto von Elme ausgestarb. Die Gesamtheit dieser parentela der Ritter und Knappen von B. und Elme organisierte sich als Kommunität mit eigenem Siegel. An der Spitze stand ein senior (Trüper, Ritter und Knappen, S. 494 f.).
1499 oder kurz darauf starb Arendt von B., der letzte Angehörige der Familie. Seit dem 13. Jh. überwiegen Verbindungen mit dem Ministerialadel (u. a. von Aumund, von Bliedersdorf, von Borch, von Flögeln, von der Hude, Kuhla, Lappe, von der Lieth, von Line, von Luneberg, Monnick, von Osten, Schucke, von Stelle).
Am Ebf.shof bekleideten die B.er neben anderen Gf.en und Edelfreien das (Ehren-)Amt des Kämmerers (Hucker/Trüper, Bederkesa, S. 140 f.) und nahmen es außerdem als ministerialisches Amt wahr.
Sources
Albertus abbas Stadensis, Chronica, ed. J. M. Lappenberg, in: MGH SS XVI, 1859, S. 271-379. – Gerechtigkeiten der Kirche zu Bederkesa. Nach einem Dokument 1339 mitgeteilt von Wilhelm von Bippen, Bremer Jahrbuch 11 (1880) S. 162-167. – Iohannis Rode archiepiscopi registrum bonorum et iurium ecclesie Bremensis (Johan-Roden-bok), hg. von Richard Cappelle, Bremerhaven 1926. – Pratje, Johann Hinrich: Nachricht von dem Amte Bederkesa und den Kirchspielen desselben, in: Altes und Neues aus den Herzogthümern Bremen und Verden 10 (1778) S. 1-94 und 11 (1779) S. 71-170 [Urk. 1295-1372]. – Regesten der Erzbischöfe von Bremen, 2 Bde. [787-1344], bearb. von O. H. May, G. Möhlmann und J. König, Hannover u. a. 1928-1971 (Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Niedersachsen und Bremen, 11). – Die Regesten der Herren von Bederkesa [1059-1518], in: Hucker Bernd Ulrich/Trüper Hans Georg: Herren von Bederkesa. Stand, Herrschaftsrechte, Wappen, Genealogie und Regesten der erzstift-bremischen Kämmerer- und Burgmannenfamilie, Hannover 1989 (Familienkundliche Kommission für Niedersachsen und Bremen. NF 8), S. 123-291. – Rüther, Ernst: Hadler Chronik. Quellenbuch zur Geschichte des Landes Hadeln, Neuhaus 1932 [Regesten 1203-1482]. – Urkundenbuch zur Geschichte der Stadt Bremerhaven, Bd. 1: Lehe und Vieland im Mittelalter 1072-1500, bearb. von B. U. Hucker und J. Bohmbach, Bremerhaven 1982 (Veröffentlichungen des Stadtarchivs Bremerhaven, 3) [Urk.n 1202-1488]. – Urkundenbuch des Klosters Neuenwalde, bearb. von H[ermann] Rüther, Hannover u. a. 1905 [Urk.n 1280-1399].
Literature
Allmers, Curt: Die Geschichte der bremischen Herrschaft Bederkesa, Bremen 1933, (Veröffentlichungen aus dem Staatsarchiv der Freien Hansestadt Bremen, 10). – Allmers, Curt: Analekten zur Geschichte der bremischen Herrschaft Bederkesa, in: Bremisches Jahrbuch 35 (1935) S. 155-179. – Aust, Hans: Burg Bederkesa. Geschichte eines Hauses und seiner Bewohner, Bederkesa 1984. – Hucker, Bernd Ulrich: Die landesgemeindliche Entwicklung in Landwürden, Kirchspiel Lehe und Kirchspiel Midlum im Mittelalter, in: Oldenburger Jahrbuch 72 (1972) S. 1-22. – Hucker, Bernd Ulrich: Das Problem von Herrschaft und Freiheit in den Landesgemeinden und Adelsherrschaften des Mittelalters im Niederweserraum, päd. Diss. PH Westfalen-Lippe Münster, Münster 1978. – Hucker, Bernd Ulrich/Trüper Hans Georg: Die Herren von Bederkesa. Stand, Herrschaftsrechte, Wappen, Genealogie und Regesten der erzstift-bremischen Kämmerer- und Burgmannenfamilie, Hannover 1989, (Familienkundliche Kommission für Niedersachsen und Bremen. NF 8). – Mindermann, Arend: Adel in der Stadt des Spätmittelalters. Göttingen und Stade 1300 bis 1600, Bielefeld 1996 (Veröffentlichungen des Instituts für Historische Landesforschung der Universität Göttingen, 35). – Pech, August F.: Bederkesa und Elmlohe – zwei Dammsiedlungen im Erzbistum Bremen, Jahrbuch der Männer vom Morgenstern 62 (1983) S. 73-104. – Pratje, Johann Hinrich: Etwas vom Falkenfange im Herzogthum Bremen, in: Altes und Neues 1 (1769) S. 217-228. – Riemer, Dieter: Grafen und Herren im Erzstift Bremen im Spiegel der Geschichte Lehes, phil. Diss. Oldenburg, Hamburg 1995. – Ruete, Hermann: Sieben Jahrhunderte aus der Geschichte Bederkesas, Stade 1877; Wiederabdr. u.d.T. Bederkesa, in: Hannoversche Geschichten und Sagen, hg. von H. Weichelt, Bd. 2, Celle 1878, ND Norden 1895, S. 147-173. – Rüther, H[ermann]: Geschichte des Klosters Neuenwalde, Otterndorf 1950. – Schröder, Hermann: Der Flecken Lehe und die benachbarten Gundherrschaften, Jahrbuch der Männer vom Morgenstern 30 (1940) S. 138-141. – Schulze, Heinz-Joachim.: Neuenwalde, in: Die Frauenklöster in Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Bremen, hg. von Ulrich Faust, St. Ottilien 1984 (Germania Benedictina, 9), S. 429-446. – Trüper, Hans Georg: Ritter und Knappen zwischen Weser und Elbe. Die Ministerialität des Erzstifts Bremen, Stade 2000 (Veröffentlichungen des Landschaftsverbandes der ehemaligen Herzogtümer Bremen und Verden, 12).