Paianios' Greek translation of Eutropius' Breviarium: Edition and Linguistic Analysis

Paianios’ griechische Übersetzung von Eutrops Breviarium: Edition und sprachliche Untersuchung

Eutropius verfasste spätestens um 368/9 n. Chr. ein kurzgefasstes lateinisches Geschichtswerk, das Breviarium ab urbe condita, in dem er die über 1000-jährige Geschichte des Römischen Reiches von der Gründung der Stadt (753 v. Chr.) bis zum Tode des Kaisers Jovian (364 n. Chr.) darstellte. Er widmete dieses Werk dem Kaiser Valens, Jovians Nachfolger, der am 9. August 378 in der Schlacht von Adrianopel, im Kampf gegen die terwingischen Goten fallen sollte. Eutrops Breviarium stellt die römische Expansion während der republikanischen und augusteischen Zeit als einen konstanten Prozess von Eroberung und Integration dar. Für ihn ist diese Phase der römischen Geschichte ein Spiegel seiner Gegenwart, in der das römische Reich durch innere Konflikte und äußere Bedrohungen nicht nur in seiner Expansion gehemmt, sondern sogar auf seinem eigenen Territorium gefährdet ist. Eutrops Geschichtswerk erfreute sich weiter Verbreitung und wurde nicht nur von lateinischen Autoren rezipiert, sondern auch und bereits sehr früh von griechischen Autoren wie Sokrates Scholastikos und Sozomenos, den Verfassern von Kirchengeschichten im 5. Jahrhundert.

Begünstigt oder überhaupt erst möglich war dies durch die griechische Übersetzung (Metaphrasis) eines gewissen Paianios. Dieser hatte in den 50er Jahren des 4. Jahrhunderts n. Chr. in Antiocheia am Orontes (heute Antakya) Rhetorik (bei Libanios und Akakios von Caesarea) studiert und danach in Berytos (heute Beirut) die Rechte. Prägend für diese Orte war das Nebeneinander verschiedener Sprachen: Neben den angestammten aramäischen Sprachen war seit dem Hellenismus das Griechische Bildungs- und Verkehrssprache, wozu seit der römischen Expansion im Osten das Lateinische als Sprache der Verwaltung und Rechtspflege trat. Paianios’ um das Jahr 379 n. Chr. verfasste Metaphrasis von Eutrops römischer Geschichte diente somit der Integration römischer Identität im hellenisierten Osten des Reiches. Das Werk ist heute in fünf Handschriften fast vollständig erhalten, während zwei später entstandene griechische Übersetzungen (Kapiton von Lykien, um 500 n. Chr.; Anonymus bei Theophanes Confessor, vor 812 n. Chr.) nur in Fragmenten greifbar sind. An der Metaphrasis lässt sich somit exemplarisch die Interaktion des Griechischen und Lateinischen erforschen zu einer Zeit, als die wechselseitige Übersetzung in Theorie und Praxis nicht nur im täglichen Leben und in der Reichsverwaltung eine große Rolle spielte, sondern auch in der Literatur sowohl christlichen als auch nichtchristlichen Gepräges spielte (man vergleiche den 57. Brief des Hieronymus). Um das Potenzial von Paianios’ Metaphrasis auszuschöpfen, fehlt es allerdings an wichtigen Voraussetzungen: Es gibt keine zuverlässige kritische Edition, keine Übersetzung in eine moderne Sprache und keinen Kommentar zu dem Werk. Das von der DFG geförderte Projekt „Paianios’ griechische Übersetzung von Eutrops Breviarium: Edition und sprachliche Untersuchung“ wird diesem Defizit abhelfen.

Das erste Hauptziel des Projektes ist eine kritische Edition mit deutscher Übersetzung, ausgewählten Anmerkungen und Indizes. Dazu werden die erhaltenen Handschriften in der digitalen Forschungsumgebung des Psalter-Vorhabens (https://septuaginta.uni-goettingen.de/paeanius/) durch semi-diplomatische Transkription, Annotation und Kollation erschlossen. Dieser Teil des Projektes liegt in den Händen des Projektleiters Dr. Jonathan Groß.

Das zweite Hauptziel ist die sprachliche Erschließung der Metaphrasis durch eingehende philologische und translatologische Untersuchungen, die Gegenstand einer monographischen Studie sein werden. Diese Studie, samt einem philologischen Kommentar und einer italienischen Übersetzung, wird von Herrn Alex Savinelli durchgeführt, dessen Anstellung von der DFG finanziert wird. Herr Savinelli führt diese Studie im Rahmen seiner Promotion an der Philosophischen Fakultät der Georg-August-Universität Göttingen durch, die von Herrn Prof. Dr. Heinz-Günther Nesselrath (Klassische Philologie / Gräzistik) und Dr. Jonathan Groß betreut wird. Die Ergebnisse von Herrn Savinellis Studien werden in die kritische Edition einfließen.

Das Editions- und Erschließungsprojekt zu Paianios’ Metaphrasis schließt somit aufgrund innovativer Methoden eine Forschungslücke und liefert damit nicht nur der Klassischen Philologie, sondern auch der Komparatistik und Translatologie einen wichtigen Baustein zu weitergehenden Forschungen.

Ansprechpartner: Dr. Jonathan Groß
Telefon: +49 551-39-37016
E-Mail: jonathan.gross@adwgoe.de