Tagung "Deutschland und Europa - Selbst- und Fremdbilder" am 20.10.2018 in Göttingen

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Aktuelles Désirée Schauz

Wissenschaftlicher Internationalismus und deutschsprachige Wissenschaftskulturen im „Zeitalter der Extreme“

 

Die Kommission „Die Göttinger Akademie und die NS-Zeit“ veranstaltet am 15. und 16. November 2018 einen Workshop, der die Geschichte dieses Spannungsverhältnisses von internationaler Wissenschaftskooperation und nationalem Wettbewerb vom Ersten Weltkrieg bis in die 1960er Jahre zum Gegenstand hat. Die Beiträge des Workshops behandeln das Thema aus unterschiedlichen disziplinären wie institutionellen Perspektiven.

Interessierte können an dem Workshop als Gäste teilnehmen. Da es nur eine begrenzte Zahl von Plätzen für Gäste gibt, bitten wir um eine verbindliche Anmeldung bis zum 1. November bei Frau Charlotte Prauß (charlotte.prau@stud.uni-goettingen.de)

 

Thema des Workshops

Das „Zeitalter der Extreme“ stellte den wissenschaftlichen Internationalismus vor besondere Herausforderungen. Einerseits erreichte er mit dem Ausbau eines weltumspannenden Kongresswesens, ersten multinationalen Forschungskooperationen, international agierenden Stiftungen und der Gründung transnationaler Wissenschaftsorganisationen eine neue Dimension. Andererseits entwickelte sich im Zuge des sich zuspitzenden Nationalismus eine besonders spannungsreiche Wechselbeziehung zwischen internationaler Vernetzung und nationaler Konkurrenz. Die beiden Weltkriege und die Systemkonkurrenz im Zuge des Ost-West-Konfliktes setzten für die Wissenschaft politische Rahmenbedingungen, die über Inklusion oder Exklusion auf der internationalen Ebene mitentschieden.

Die ereignisgeschichtlichen Zäsuren prägten dabei Deutschland und Österreich in besonderer Weise. Wissenschaftlerinnen beider Länder waren nach dem Ersten Weltkrieg innerhalb der internationalen scientific community zunächst isoliert und sahen sich mehrheitlich als Opfer einer Blockadepolitik. Nicht nur der Ausschluss aus den internationalen Wissenschaftsvereinigungen, sondern auch die Kritik an der Dominanz der deutschsprachigen Wissenschaftskultur hatten Konsequenzen für die Forschungspolitik, das Publikationswesen und die auswärtige Kulturpolitik beider Länder. Während sich die wissenschaftlichen Außenbeziehungen Anfang der 1930er Jahre langsam wieder intensivierten, folgte im Zuge des Nationalsozialismus erneut eine Phase der Isolation, in der die Inszenierung der internationalen Vernetzung der deutschen Wissenschaft politisch umso wichtiger wurde. Nach 1945 dann mussten österreichische wie deutsche Wissenschaftlerinnen viele der während des Zweiten Weltkrieges abgebrochenen internationalen Kontakte wieder mühsam aufbauen. Insbesondere das Verhältnis zu den vertriebenen und ins Ausland emigrierten Wissenschaftlerinnen erwies sich als entscheidend und zugleich herausfordernd für die wissenschaftlichen Außenbeziehungen. Darüber hinaus steckten der heraufziehende Ost-West-Konflikt sowie der Beginn der europäischen Integration den politischen Handlungsrahmen für den wissenschaftlichen Internationalismus neu ab.

 

Programm

Donnerstag, den 15. November 2018

 

Einführung (13:00 – 14:15 Uhr)

Begrüßung und Einführung

Dirk Schumann (Universität Göttingen)
Désirée Schauz (Akademie der Wissenschaften zu Göttingen)

Kompetitive Zusammenarbeit, kooperativer Wettbewerb: Verschränkte Handlungsmodi im wissenschaftlichen Internationalismus

Kärin Nickelsen (LMU München)

 

International agierende Organisationen (14:45 – 16:15 Uhr)

Chair: Frank Rexroth (Universität Göttingen)

Der amerikanische Faktor: US-amerikanische Stiftungen und sozialwissenschaftlicher Internationalismus im extremen Zeitalter

Helke Rausch (Universität Freiburg)

 

Die Gründung der Europäischen Rektorenkonferenz als Verteidigungszentrale nationaler Hochschulwesen

Lars Lehmann (HU Berlin)

 

Internationale Kontakte in den Geisteswissenschaften (16:45 – 18:15 Uhr)

Chair: Eva Schumann (Universität Göttingen)

„Leistungen der deutschen Wissenschaft im Auslande“ – Zur Reisetätigkeit deutscher Wissenschaftler 1933 bis 1945

Andrea Albrecht (Universität Heidelberg) und Ralf Klausnitzer (HU Berlin)

Deutsch-französische Beziehungen in der Geschichtswissenschaft, 1918-1970er Jahre

Peter Schöttler (FU Berlin)

 

Abendvortrag (18:30–20:00 Uhr. Alfred-Hessel-Saal, Historisches Gebäude der SUB)
„Science is by definition international“: Zur Genese eines Weltsystems der Wissenschaft
Rudolf Stichweh (Universität Bonn)

 

 

Freitag, den 16. November 2018

 

Internationale Beziehungen in der Mathematik und in den Naturwissenschaften (9:00 – 11:45 Uhr)

Chair: Norbert Schappacher (Université de Strasbourg)

Die Internationalisierung der deutschen Mathematik nach dem Zweiten Weltkrieg

Antina Scholz (Bergische Universität Wuppertal)

Otto Neugebauers Internationalismus als Schriftleiter des Zentralblatts für Mathematik und als Historiker der babylonischen Astronomie

Reinhard Siegmund-Schultze (University of Agder/Kristiansand)

Zur Etablierung der Immunologie in der BRD als eigenständiges Fachgebiet im Zuge der Reintegration der deutschen Wissenschaft in die internationale Scientific Community nach dem Zweiten Weltkrieg

Annette Hinz-Wessels (Charité Berlin)

 

Akademien und Internationalismus (11:45 – 12:30 Uhr, 13:30 – 15:00 Uhr)

Chair: Rainer Godel (Wissenschaftsforschung und Akademiegeschichte, Leopoldina/Halle)

Positionen der Heidelberger Akademie der Wissenschaften zur Frage von Krieg und internationalen Beziehungen, 1914-1918

Wolfgang Eckart (Universität Heidelberg)

Die Göttinger Akademie im Ersten Weltkrieg

Martin Gierl (Lichtenberg-Kolleg der Universität Göttingen)

Die Wiener Akademie im Kalten Krieg

Johannes Feichtinger (Österreichische Akademie der Wissenschaften in Wien)

 

Kommentare und Abschlussdiskussion (15:30 – 17:00 Uhr)

Abschlusskommentar

Carola Sachse (Universität Wien)

Abschlusskommentar

Wolfgang Schieder (Universität zu Köln)

 

 

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