Akademie der Wissenschaften zu Göttingen

"Wissens-Aggregator Mittelalter und Frühe Neuzeit" – Ministerium fördert innovatives Forschungsprojekt der Deutschen Inschriften und Germania Sacra

Wissens-Aggregator Mittelalter und Frühe Neuzeit (WIAG) – Strukturierung, Standardisierung und Bereitstellung von Forschungsdaten aus Sach- und Schriftquellen des Mittelalters und der Frühen Neuzeit

Eine Gruppe von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus den beiden Langzeitforschungsprojekten Deutsche Inschriften (http://inschriften.adw-goe.de) und Germania Sacra (http://www.germania-sacra.de) an der Göttinger Akademie der Wissenschaften hat einen erfolgreichen Antrag zur Förderung eines gemeinsamen Digital-Humanities-Projektes gestellt. Mit der Ausschreibung „Geistes- und Kulturwissenschaften – digital“ unterstützt das Niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur (MWK) innovative Projekte, die sich auf den Einsatz digitaler Methoden stützen. 

Das Projektziel

Eingebettet in eine domänenspezifische Wissensplattform, bietet WIAG ein Redaktionssystem mit einer technischen Infrastruktur zur Strukturierung, Standardisierung und Bereitstellung von Forschungsdaten. Basierend auf den umfangreichen Datensammlungen der Forschungsprojekte Deutsche Inschriften (DI) und Germania Sacra (GS) wird eine zuverlässige Wissensbasis für die Mittelalter- und Frühneuzeitforschung geschaffen. Das Datenkorpus umfasst für den Forschungsbereich grundlegende Entitäten wie Personen, kirchliche Institutionen, Objekte und Orte sowie typisierende Angaben (Objekttypen, Funktionen wie Ämter, grafische Symbole wie Wappen etc.). Als kollaborative Plattform konzipiert, ist WIAG eine kontinuierlich wachsende Ressource, die um wissenschaftliche Daten von Forschungsprojekten und externen Forscherinnen und Forschern erweitert wird. Mit der Entwicklung von WIAG kann beispielhaft gezeigt werden, wie heterogene und schwer zu organisierende Kollektionen nach wissenschaftlichen Standards aggregiert werden können. Als Kooperationspartner für die Integration von fachspezifischen Daten konnte bereits eine Reihe etablierter Forschungsprojekte gewonnen werden. Die Zielsetzung ist es, Vorteile einer freien und kollaborativ entwickelten Datensammlung mit den Qualitätsstandards kontrollierter Normdatensammlungen zu verbinden.

WIAG bildet ein Datenkorpus, das von wichtigen Normdatenanbietern wie der Deutschen Nationalbibliothek (GND) und offenen Wissenssammlungen wie der Wikidata nur zu einem sehr geringen Prozentsatz abgedeckt wird. Durch die Verwendung von FAIR-Data-Standards wie eindeutigen Identifiern und Standardschnittstellen werden die domänenspezifischen Daten sowohl interdisziplinär als auch international anschlussfähig gemacht. WIAG wird innerhalb der Infrastruktur der Göttinger Akademie der Wissenschaften nachhaltig kuratiert.

Das interdisziplinäre Forschungsprojekt Deutsche Inschriften sammelt und erschließt Inschriften aus dem Mittelalter und der Frühen Neuzeit, die sich auf Objekten wie Grabdenkmälern, kirchlichen Ausstattungsstücken und Hausfassaden finden lassen. Die Germania Sacra hat zur Aufgabe, die Quellen der Kirche des Alten Reiches zu erschließen, das überlieferte Material aufzubereiten und in Handbuchformat zu publizieren. Der Untersuchungszeitraum erstreckt sich vom 3./4. Jahrhundert bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts. Sowohl DI als auch GS haben bereits digitale Ressourcen und Tools entwickelt, die für die Entwicklung von WIAG übernommen werden.

Beteiligte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler

Antragsstellung: Prof. Hedwig Röckelein

Deutsche Inschriften: Mona Dorn M.A., Jürgen Herold M.A., Dr. Katharina Kagerer, Dr. Christine Wulf

Germania Sacra: Bärbel Kröger M.A., Dr. Christian Popp

 

 

Aus der Pressemitteilung des Niedersächsischen Ministeriums für Wissenschaft und Kultur:

"6 Millionen Euro für Geistes- und Kulturwissenschaften im Rahmen der Digitalisierungsoffensive"

Thümler: „Große Potenziale für die Entwicklung neuer wissenschaftlicher Methoden“

8.7.2019

Die Digitalisierung eröffnet den Geistes- und Kulturwissenschaften große Chancen zur Weiterentwicklung. Mit der Ausschreibung „Geistes- und Kulturwissenschaften – digital“ unterstützt das Niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur (MWK) innovative Projekte zu neuen Forschungsmöglichkeiten, die sich durch den Einsatz digitaler Methoden ergeben und die damit verbundenen Veränderungen durchdenken. Im Zuge dieser Ausschreibung „Geistes- und Kulturwissenschaften - digital“ fördert das MWK 13 Forschungsprojekte niedersächsischer Hochschulen und Forschungseinrichtungen mit insgesamt rund 6 Millionen Euro aus dem Niedersächsischen Vorab der VolkswagenStiftung.
„Die Bandbreite an Disziplinen und Forschungsfragen der geförderten Projekte zeigt die herausragende Bedeutung, die die Digitalisierung für die Geistes- und Kulturwissenschaften hat. Die Forschungsvorhaben bergen große Potenziale für die Entwicklung neuer wissenschaftlicher Methoden und ganzer Forschungsbereiche“, sagt der Niedersächsische Minister für Wissenschaft und Kultur, Björn Thümler. „Digitalisierung ist nicht nur eine Frage der technischen Infrastruktur, sie ist vor allem eine Gestaltungsaufgabe für Wissenschaft und Forschung. Die Erforschung der Digitalisierung und ihrer Auswirkungen auf alle Lebensbereiche sowie die Ausbildung von Fachkräften sind dabei zentrale Aufgaben.“
Gefördert werden grundlagen- und anwendungsorientierte Projekte, die eine enge interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen den geistes- und kulturwissenschaftlichen und technischen Disziplinen beinhalten. Die Gesamtförderhöhe pro Projekt liegt bei maximal 500.000 Euro.

https://www.mwk.niedersachsen.de/startseite/aktuelles/presseinformationen/6-millionen-euro-fur-geistes-und-kulturwissenschaften-im-rahmen-der-digitalisierungsoffensive-178609.html

Eine Übersicht mit Kurzbeschreibungen aller geförderten Projekte bietet das Niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur: https://www.mwk.niedersachsen.de/download/145804/Anlage_Kurzdarstellung_der_Projekte.pdf

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