Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich

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SCHLESWIG, BF.E VON

I.

Bf.e von S. ab 948; im 10./11. Jh. Amtsdaten teilw. unsicher und Res. ungewiß; vermutl. Anfang des 11. Jh.s Aufgabe der Siedlung mit Bischofskirche und Neuanlage auf dem gegenüberliegenden Nordufer der Schlei; ab dem 12. Jh. in S. nachweisbar; ab 1551 Fbm.

II.

Grundbesitz im Hzm. → S. in Streulage mit mehreren Schwerpunkten: Süder- und Nordergosharde mit Zentren um die Bischofsburgen Schwabstedt und Treia an der Treene, nördl. und südl. der Schlei (Füsing, Burg Stubbe) und auf Alsen, 1523 insgesamt 805 Bauern (Bf. 416, Kapitel 386).

Nach ersten gesicherten Res.en auf den Burgen Alt-Gottorf (bis 1161) und → Gottorf (bis 1268) bei S. wird nach Besitztausch mit dem S.er Hzg. vermutl. ab 1268 die bfl. Burg im Kirchdorf Schwabstedt an der Treene errichtet. Der Bau der Bischofskirche in S. wurde nach baugeschichtl. Kenntnisstand um 1120 begonnen und um 1500 abgeschlossen. Er diente für die meisten Bf.e als Grablege.

Trotz erhebl., rechtl. allerdings unklarer Güterausstattung um 1170 unter Kg. Waldemar I. und Privilegierung unter Kg. Knud VI. 1187 wird die ältere Forschungsmeinung, das Bm. habe sich damit »auf dem Weg zur Bildung eines selbständigen geistlichen Fürstentums« befunden, heute abgelehnt (Boockmann 1967, S. 163f.). Der Bischofsbesitz wurde im Immunitätsprivileg von 1187 auch für alle zukünftigen Erwerbungen von allen kgl. Diensten und der Gerichtsherrschaft befreit. Das Domkapitel erhielt 1261 ein inhaltl. dem bfl. gleichlautendesPrivileg.

In große Unruhe geriet das Bm. unter Bf. Waldemar (1178/88-1208), Königssohn, in Paris ausgebildet, Prokurator des Hzm.s → S. (1182-87) und zweimal auf den → Bremer Erzsitz berufen (1192-93, 1207-17), der selbst Thronansprüche stellte, sich gegen die Königsmacht wandte und rund 15 Jahre lang inhaftiert war (1193-1206), bevor er, vom Papst mehrfach gebannt und wieder absolviert, 1236 im Zisterzienserkl. Lokkum starb.

Die Lage der Zentren von Bm. und Hzm. in der Stadt S. und die nahezu gleiche Erstreckung von Hzm. und Bischofssprengel führte seit Mitte des 13. Jh.s dazu, daß die Bf.e in die Machtkämpfe zw. → S.er Hzg. und dän. Königsmacht hineingezogen wurden, die sich bis zum Frieden von Vordingborg 1435 hinzogen. Bf. Nikolaus (1255-65) mußte für seine königstreue Haltung die Bischofsburg → Gottorf bei S. an den Hzg. abtreten, die seitdem Res. der → S.er Hzg.e war. Die Bf.e wohnten von dieser Zeit an im abgelegenen Schwabstedt, das verschiedentl. in hzgl. Abhängigkeitgeriet.

Ihre dem Hzg. nebengeordnete Stellung büßte das Bm. in der ersten Hälfte des 14. Jh.s wieder ein. Als in der »Constitutio Valdemariana« von 1326 die kgl. Vasallen im Hzm. dem Hzg. unterstellt wurden und der Hzg. Lehnsherr und Landesherr auch der S.er Bf.e wurde, blieb dem Bf. nur die weltl. Gerichtsherrschaft für seine Hintersassen erhalten. Die hzgl. Oberhoheit führte 1330 zur päpstl. Reservation bei der Besetzung des Bischofsamtes. Mit dem Zugriff der Gf.en von → Holstein unter Gerhard von Schauenburg († 1340) auf den S.er Herzogssitz begann die Reihe dt. Kleriker in derLeitung des Bm.s. Bis auf den aus → Hessen stammenden Dr. Johannes Skondelev (1375-1421), der der Krone die Treue hielt, waren Bischofssitz wie Domkapitel fortan weitgehend vom holstein. Adel beherrscht.

Polit. Konsolidierung, geistl. Neubelebung und wirtschaftl. Sanierung setzten erst mit Bf. Nicolaus Wulf (1429-74) ein, Berater des Hzg.s Adolf VIII. wie später des Kg.s Christian I. Er mehrte den Güterbesitz und richtete in S. wie im Kollegiatkapitel Hadersleben Lektorate zur theolog. Weiterbildung ein. Die feste Zugehörigkeit des Bf.s zu den Landständen bedeutete auch die Eingliederung in das Land. Höhepunkt der Ständemacht bildete die Erhebung Kg. Christians I. von Dänemark zum Hzg. von S. und Gf.en von → Holstein 1460 in Ripen unter der Federführung von Bf. NicolausWulf und Archidiakon Cord Cordes.

Die Reihe der kathol. Bf.e endete mit dem klugen und redl. Dr. jur. Gottschalk von Ahlefeld (1507-41), Kanzler des Kg.s, der die fortschreitende Reformation aber nicht aufhalten konnte.

Mit der Teilung des Hzm.s in kgl. und hzgl. Anteile 1544 wurde jeder Fs. in seinem Anteil summus episcopus, so daß Hzg. Friedrich von Gottorf nach dem Tod des ersten evangel. Bf.s Dr. Tilemann von Hussen 1551 erster Fbf. von S. wurde, 1556 gefolgt von seinem Bruder Hzg. Adolf; als Weihbf. für die geistl. Pflichten amtierte 1563-98 der Gottorfer Superindendent Dr. Paul von Eitzen. 1586 zog Kg. Friedrich II. das Bm. ein, und nach dem Tod des vom Kg. als Bf. eingesetzten Hzg.s Ulrich (1602-24) endete die S.er Bischofsreihe. Die Bischofsgüter verblieben beim Kg., fielen1658/60 an den Hzg. und wurden 1702 den benachbarten Amtsbezirken einverleibt.

Sources

Hansen, Reimer/Jessen, Willers: Quellen zur Geschichte des Bistums Schleswig, Kiel 1904 (Quellensammlung der Gesellschaft für Schleswig-Holsteinische Geschichte, 6). - Weitere Quellenangaben in der Literatur.

Literature

Boockmann, Andrea: Geistliche und weltliche Gerichtsbarkeit im mittelalterlichen Bistum Schleswig, Neumünster 1967 (Quellen und Forschungen zur Geschichte Schleswig-Holsteins, 52). - Ellger 1966. - Hoffmann, Erich: Spätmittelalter und Reformation, Neumünster 1990 (Geschichte Schleswig-Holsteins, 4,2). - Radtke, Christian: Das Bistum Schleswig, in: Bischöfe 1198 bis 1448, 2001, S. 81-83, 391f., 495f., 690-698. - Radtke,Christian: Die Bischöfe von Schleswig, in: Bischöfe 1448 bis 1648, 1996, pass. - Radtke, Christian: Bistum Schleswig, in: Die Bistümer des Heiligen Römischen Reiches. Von ihren Anfängen bis zur Säkularisation. Ein historisches Lexikon, hg. von Erwin Gatz, Clemens Brodkorb und Helmut Flachenecker, Freiburg i. Br. 2003, S. 662-669. - Reumann, Klauspeter: Die Auseinandersetzungen zwischen Landesherrschaftund Bistum im Herzogtum Schleswig im Jahre 1399, in: 850 Jahre St. Petri-Dom zu Schleswig, hg. von Christian Radtke und Walter Körber, Schleswig 1984, S. 207-220. - Skovgaard, Johanne: Slesvigs delte bispedømme, København 1949. - Windmann 1954.