Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich

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NIDEGGEN C.7.

I.

Nidecke (13. Jh.), Nidegin (14. Jh.), Nidecgen, Nydecghen (15. Jh.), Nidecca (lat.); ca. 26 km südöstl. von → Jülich auf einem 300 m hohen Bergsporn über dem Rurtal, an der Grenze zur Herrschaft Monschau, die 1356 zu Jülich kam, gelegen. 1177 erbten die Gf.en von Jülich das ehem. den Gf.en von Maubach-Nörvenich gehörende Gebiet. Wilhelm II. (1168-1207) verkaufte N. an den → Kölner Ebf. Philipp von Heinsberg und erhielt sieals Lehen zurück. Spätestens 1288 hörte dieses Lehnsverhältnis auf. Die Gf.en wurden 1336 zu Mgf.en und 1356 zu Hzg.en erhoben. 1371-1423 regierten sie auch → Geldern, wo sich zu dieser Zeit auch die Hauptres. befand. 1423 Vereinigung mit → Berg, 1511 mit → Kleve-Mark. Nach dem Erbfolgestreit kam Jülich-Berg 1614 an → Pfalz-Neuburg. Die Höhenburg wurde 1207 erstmals erwähnt. Nach der Zerstörung → Jülichs 1278 wählten die Gf.en N. als Res., 1282 wurde der Leichnam Wilhelms IV. (1219-78) von Aachen in die hiesige Pfarrkirche überführt, die seitherals Grablege diente. Im 13. und 14. Jh. trat in N. der Lehenshof zusammen. Zudem gab es ein Urkundenarchiv von dem 1415 ein Verzeichnis angelegt wurde. Die Erhebung zum Hzg. wurde 1356 im neu errichteten Rittersaal gefeiert. 1393 wurde die Hauptres. nach → Kaster verlegt. Unter Gerhard blühte N. wieder auf, er siedelte den 1444 von ihm gegründeten Hubertus-Orden in der Stiftskirche an. Das Ende der Res. trat 1550 mit der Verlegung des Stiftes nach → Jülich ein. Ein Bgf. ist erstmals 1232 bezeugt. - D, Nordrhein-Westfalen, Reg.bez. Köln, Kr. Düren.

II.

N. lag an keiner wichtigen Straße, daher wurde die Stadt mit Privilegien begünstigt, um neue Bürger, die für die Versorgung der Burg benötigt wurden, anzulocken. Zunächst entstand der befestigte Burgflecken, aus dem sich eine Vorstadt entwickelte, die bis ca. 1340 befestigt wurde. Eine Pfarrkirche, dreischiffige Basilika, existierte spätestens seit 1219, von Wilhelm III. wurde sie dem → Deutschen Orden übertragen, um 1282 ging sie in den Besitz des → Johanniterordens. Die größte Blüte erlebte die Stadt unter Hg. Wilhelm V. (1307-61).1313 wurden der Stadt ausgedehnte Privilegien, wie die Befreiung von Steuern, Beden, Akzisen und Diensten und die Einrichtung einer Stadtgerichtsbarkeit, die sie den Befugnissen der landesherrl. Beamten entzog, verliehen. Zw. Res. und Stadt gab es enge Verbindungen, durch die gleichzeitig als Grablege genutzte Pfarrkirche und das von Wilhelm V. hierher verlegte Kollegiatstift, für das er eine Kirche vor den Toren der Stadt errichten ließ. Der Magistrat der Stadt bestand aus fünf Ratsherren, dem Bürgermeister und zwei Beisitzern. Die Gerichtsbarkeit unterlag dem vom Fs.en ernannten Schultheiß,seinem Vertreter und acht Schöffen. Auch umliegende Dörfer (sog. »kleine Amt«) unterstanden der Stadtgerichtsbarkeit N.s. Zu Auseinandersetzungen zw. Bürgern und landesherrl. Beamten kam es häufiger, da sie den Bürgern der Stadt Abgaben auferlegen und sie der Gerichtsbarkeit des Vogtes unterstellen wollten. N. erhielt um 1550 das Recht, drei Jahrmärkte pro Jahr abzuhalten und Wegezoll zu erheben, dies konnte den Niedergang jedoch nicht aufhalten; in späteren Quellen wurde die Stadt als oppidulum bezeichnet.

III.

Die Burg wurde zw. 1177 und 1190 mit Genehmigung des → Kölner Ebf.s als Gegengewicht zur 2 km entfernten ksl. Burg Bergstein auf einem Bergsporn über der Ruhr erbaut. Sie manifestierte die Herrschaft über die ererbten Gebiete. Burg Bergstein wurde 1198 niedergelegt. Aus ihren Steinen wurden die oberen Geschosse des Bergfrieds (sog. Jenseitsturm) erbaut. Er ist der älteste Teil der im roman. und spätgot. Stil erbauten Burg. Der Jenseitsturm hatte insgesamt sechs Geschosse. In seinem Untergeschoß befanden sich Verlies und Kapelle. Inden oberen Stockwerken waren Wohnräume. Eine Wehrmauer verband den Bergfried mit dem Torhaus. An der Südseite befindet sich das got. Palais, nach W endet die Ummauerung in den Burgflecken. Nach der Erhebung zur Mgft. wurde der Rittersaal erbaut. 1543 und 1689 wurde die Burg zerstört, 1803 in Privatbesitz verkauft, um 1900 dann dem Kreis Düren geschenkt. 1898 gab es den ersten Versuch zur Sicherung der Ruine. Im Zweiten Weltkrieg wurden Burg und Stadt N. zu ca. 90% zerstört. In den 1950er Jahren begann ein Teilwiederaufbau (Bergfried). Erhalten sind die Reste der Außenwand des Palas, der vonzwei achteckigen Türmen flankiert wird. In der Mitte wird die Fassade von einem rechteckigen Turmausbau unterbrochen. Von den übrigen Teilen der Burganlage sind nur die Grundmauern erhalten. Im Burgflecken wurde die Pfarrkirche wieder aufgebaut. Von den ehem. vier Toren der Stadt sind die beiden ältesten rekonstruiert.    

Der Turnierplatz befand sich zw. den beiden Ringmauern der Burg. Als Grablege nutzten die Gf.en und Hzg.e seit 1282 die Pfarrkirche im Burgflecken. Das Kollegiatstift vor den Toren der Stadt, das auch Sitz des Hubertus-Ordens war, galt in späterer Zeit als Hofkirche.

Eine bes. herrschaftl. Funktion hatte der nach 1336 erbaute Rittersaal. Schon Zeitgenossen zeigten sich von seiner Größe, die mit dem Gürzenich in → Köln und dem Kaisersaal in Aachen vergl. wurde, beeindruckt. Hier fanden die Feierlichkeiten nach der Erhebung zum Hzm. 1356 statt. Das dabei abgehaltene Turnier fand im Saal selber statt. In der oberen Etage des Palas gab es Wohn- und Gästeräume. In diesem Rittersaal manifestierte sich der Residenzcharakter N.s und die Bedeutung des Territoriums.    

Sources

Archiv für die Geschichte des Niederrheins, 1832-70. - Das Staatsarchiv Düsseldorf und seine Bestände, bearb. von Friedrich Wilhelm Oediger, Bd. 1: Landes- und Gerichtsarchive von Jülich-Berg, Kleve-Mark, Moers und Geldern. Bestandsübersichten, Siegburg 1957. - Urkundenbuch für die Geschichte des Niederrheins, 1-4, 1840-58.

Literature

Aschenbroich, Johann F. Martin: Geschichte des Schlosses und der Stadt Nideggen im alten Herzogtum Jülich, 2. Aufl, Düren 1906 (Beiträge zur Geschichte des Herzogtums Jülich, 1). - Bodsch, Ingrid: Nideggen - Burg und Stadt. Zur Geschichte der ehemaligen jülichschen Residenz von den Anfängen bis ins 20. Jahrhundert, Köln 1989. - Corsten 1993. - Looz-Corswarem 1993. - Schnitzler, Hermann: Nideggen:Düsseldorf 1937 (Rheinische Kunststätten, 2,8). - Tichelbäcker, Heinrich: Nideggen - Burg und Vogtei der Kölner Erzbischöfe (1190-1283), in: Jahrbuch des Kreises Düren (1987) S. 78-82.