Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich

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JÜLICH C.7.

I.

Iuliacum (1. Jh.), Deutung des Namens strittig, basiert wohl auf dem röm. Personennamen Julius; vicus (1. Jh.); antiquum municipium (Einhard); castrum; oppidum (1238); seit karoling. Zeit Sitz eines Gaugf.en des J.- bzw. Rurgaus. Die Gaugf.en waren in J. ebenfalls Bgf.en des → Kölner Efb.s. Schenkungsurk.n des → Kölner Ebf.s belegen, daß sich J. spätestens 927 in seinem Besitz befunden haben muß. Die ursprgl. Linie der Gf.en starb1207 aus und das Erbe fiel an die Linie Heimbach. 1336 wurden sie zu Mgf.en und 1356 zu Hzg.en erhoben. Seit 1346/48 regierte eine Seitenlinie der Heimbacher auch → Berg. 1371-1423 gehörte auch → Geldern zu J. 1423 Starb die in J. regierende jüngere Linie aus und das Erbe fiel an die ältere Linie, die in → Berg regierte. 1511 starb auch diese Linie aus. J.-Berg fiel an → Kleve, seit 1521 wurden die Hzm.er gemeinsam regiert. Dieses Herzogshaus erlosch 1609, es kam zum Erbfolgestreit in dessen Verlauf 1614 J.-Berg an → Pfalz-Neuburg fiel. J. wurdenie im eigentl. Sinne Res., dies lag zum einen an der Tatsache, daß J. seit 1393 immer in Personalunion mit einem anderen Territorium regiert wurde und zum anderen daran, daß sich hier keine Burg befand, die den Landesherrn hätten aufnehmen können. Erst mit dem Baubeginn von Zitadelle und Schloß 1549 und der Verlegung des Stifts von Nideggen legte Wilhelm V. den Grundstock für eine Residenzbildung in J. Aber die schwere Krankheit des Hzg.s führte dazu, daß er bald das Interesse an dem neuen Projekt verlor und zudem waren die Zentralbehörden der vereinigten Hzm.er längst in→ Düsseldorf angesiedelt. - D, Nordrhein-Westfalen, Reg.bez. Köln, Kr. Düren.

II.

J. liegt am Rurübergang der wichtigen Straße von → Köln nach Bavai, der bereits in röm. Zeit genutzt wurde. Hier entstand zunächst eine Benefiziarierstation. Wahrscheinl. um 310 wurde ein Kastell errichtet. In karoling. Zeit wurde J. Sitz des Gaugf.en. Stadt und Umland befanden sich in Besitz des Kölner Ebf.s. Einen Teil, so auch die Pfarrkirche, schenkte er 927/945 teilw. an das St. Ursula-Stift in → Köln. In der Stadt selbst waren die Gaugf.en Bgf.en des Ebf.s, was immer wieder zu Feindseligkeiten und Zerstörungen der Stadtführte. Bes. schwierig wurde die Situation als Wilhelm IV. 1234 J. zur Stadt erhob, obwohl sie Besitz des → Kölner Ebf.s war. Daraufhin zerstörte Ebf. Konrad von Hochstaden 1239 die Stadt. Wilhelm mußte sich 1254 einem Schiedsspruch unterwerfen wonach villa, castrum und Gerichtshoheit dem → Kölner Ebf. zustanden. Aufgrund dieser Situation bildeten die Gf.en in J. keine kirchl. Infrastruktur aus. Hofhaltung hat es zu dieser Zeit jedoch gegeben. Um 1270 erweiterte Wilhelm die Stadt, befestigte sie und versuchte anscheinend eine erneuteStadterhebung. Daraufhin wurde die Stadt nach seinem gewaltsamen Tod 1278 erneut vom Ebf. zerstört. Der darauffolgende Frieden von 1279 untersagte es den Gf.en die Stadt erneut zu befestigen. Dies führte dazu, daß sie sich in → Nideggen eine neue Res. schufen. Die älteste Verwaltung war das 1320 erstmals erwähnte Schöffengericht, 1358 finden sich ein siebenköpfiger Rat und ein Bürgermeister in den Quellen. Von 1300-1419 befand sich eine Münzstätte in J. Seit 1288 existierte ein Hospital. Nach 1288 begann der Bau der ma. Ringveste, von der noch der sog. Hexenturm erhalten ist. EinGymnasium wurde 1571 eingerichtet. 1538 bereits hatte der Landtag die Modernisierung der Befestigungsanlagen beschlossen. Diese wurde nach der Bestallung Alessandro Pasqualinis 1547 begonnen, wobei sich der Stadtbrand des gleichen Jahres (bei dem nur zwei Straßenzüge erhalten blieben) als vorteilhaft erwies, da es Pasqualini nun mögl. war, die Stadt nach einem Idealkonzept der Renaissance wiederaufzubauen. 1610 im Gefolge des Erbfolgestreites wurde die Stadt von ndl. Truppen belagert und besetzt bis 1621 span. Truppen J. eroberten und bis 1660 besetzten. Bis um 1300 gab es in J. nur eineKirche. Das Untergeschoß dieser um 1150 errichteten Pfeilerbasilika existiert noch heute. 1569 wurde das St. Johannes-Stift von → Nideggen nach J. verlegt. Seit dem 13. Jh. war J. ein wichtiger Marktort, dies wird durch das 1271 nachweisbare eigene Getreidemaß und die eigenen Wein- und Biermaße belegt. In J. befanden sich das Hauptgericht und der Sitz des Landdrosten.

III.

Um 310 wurde in J. ein röm. Kastell errichtet, das 881 teilw. zerstört wurde. Bis ins hohe MA bestand diese Anlage und war Sitz der Bgf.en von J. In enger Anlehnung an das Kastell errichteten die Gaugf.en eine eigene Burg, die für den Beginn des 13. Jh.s nachweisbar ist und um 1278 zerstört wurde. Nach dem Stadtbrand von 1547 errichtete der neu berufene Baumeister Alessandro Pasqualini Zitadelle und Schloß, konzipiert für eine Haupt- und Residenzstadt. Der polygonale Grundriss der Befestigung mit pfeilförmigen Bastionen und geraden Wällen, sollteeine Rundumverteidigung ermögl. und auch den modernen Geschützen standhalten. Hauptbauwerk der neuen Stadtanlage war die fast quadrat. Zitadelle. In ihrer Mitte durch zwei Ehrenhöfe mit den Toren verbunden stand die vierflügelige Schloßanlage. Geldmangel verhinderte jedoch, daß die ursprgl. Konzeption für Zitadelle und Stadt gänzl. umgesetzt wurde. Etwa ab 1610 diente das Schloß als Kaserne. 1768 wurde bei einem Brand die Schloßkapelle teilw. zerstört. 1860 wurden die Befestigungen geschliffen. 1944 zerstörte ein Luftangriff Schloß und Zitadelle. 1970 wurde auf den Kellern des Schlosses einGymnasium errichtet. Die Fassaden des Ostflügels und der Schloßkapelle wurden restauriert.

Sources

Archiv für die Geschichte des Niederrheins, 1832-70. - Urkundenbuch für die Geschichte des Niederrheins, 1-4, 1840-58.

Literature

Bers, Günter: Jülich. Geschichte einer rheinischen Stadt, Jülich 1989. - Coenen, Ulrich: Von Juliacum bis Jülich. Die Baugeschichte der Stadt und ihrer Vororte von der Antike bis zur Gegenwart, Aachen 1988. - Corsten 1993. - Eberhardt, Jürgen: Jülich, Idealstadt der Renaissance, Bonn 1978. - Kraus 1987. - Kuhl, Joseph: Geschichte der Stadt Jülich, 4 Bde., Jülich 1891-97. - Land im Mittelpunkt derMächte, 1984. - Neumann, Hartwig: Die Zitadelle Jülich. Ein Führer, Jülich 1972. - Neumann, Hartwig: Stadt und Festung Jülich auf bildliche Darstellungen. Von der Tabula Peutingeriana bis zur Grundkarte der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts, Bonn 1991 (Architectura militaris, 5).