Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich

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DÜSSELDORF C.7.

I.

Dusseldorp (1135/1159); Duseldorp (1189); Thusseldorp, Dussilendorp, Duysseldorp (nach 1288); 1189 Erwerb durch die Gf.en von Berg; 1348 starb die Limburger Linie des Hauses Berg aus, die Gft. fiel an eine Nebenlinie der Mgf.en von Jülich; seit 1380 Hzm.; 1423 Vereinigung mit dem Hzm. Jülich; 1511 starben die Hzg.e aus dem Hause Heimbach in männl. Linie aus und Jülich-Berg fiel an Kleve (→ Kleve und Mark), zunächst jedoch getrenntregiert und verwaltet; 1521 Vereinigung mit Kleve (→ Kleve und Mark); durch das Erlöschen des Herzoghauses kam es 1609 zum Erbfolgestreit, der 1614 durch den Vertrag von Xanten beigelegt wurde; Jülich-Berg mit D. ging an → Pfalz-Neuburg, → Kleve-Mark an → Brandenburg. Die Niederungsburg in D. wurde 1382 als burgh, 1386 als huys, 1392 als castrum und schließl. 1395 als fsl. Hoflager mit Archiv, Kanzlei, Hofgericht, Artillerie und Munition (Düsseldorf, Bd. 1, 1988, S. 197)bezeichnet. Wilhelm I. (1361-1408) entfaltete in D. die ersten Ansätze zu einer Residenzbildung; durch seinen Ausbau der Stadt und der Burg gilt er als zweiter Stadtgründer. Nachdem sich seine Söhne 1397 gegen ihn erhoben hatten, kamen diese Ansätze jedoch zum Erliegen. Ab 1480 kann dann erneut von einer Ausbildung zur Res. gesprochen werden. Von 1511 bis 1716 hatte D. endgültig den Status einer Haupt- und Residenzstadt. - D, Nordrhein-Westfalen, Reg.bez. D., kreisfreie Stadt.

II.

Für D., an der Mündung der Düssel in den Rhein gelegen, stellte dieser Fluß die einzige bedeutende Verkehrsanbindung dar. Der Name läßt auf eine Gründung im 9. Jh. schließen. Die Erhebung zur Stadt erfolgte 1288 nach der Schlacht bei Worringen, die den Sieg der niederrhein. Fs.en über die Vorherrschaft des → Kölner Ebf.s bewirkte. D. umfaßte zunächst nur 3,5 ha und war nur von einem Doppelgraben mit Wall umgeben. Ab 1335 bildete sich eine Vorstadt, die 1384 bzw. 1394 durch Wilhelm I. in das Stadtgebiet einbezogen wurde, so daß das Stadtgebiet auf 22,5 haanwuchs. Zu diesem Zeitpunkt wurde die Stadt durch einen Mauergürtel gesichert. Mit der Erhebung zur Stadt war das Recht auf zwei Jahrmärkte und einen Wochenmarkt verbunden, ebenso die Zollfreiheit der Bürger für die gesamte Gft. Berg. Seit 1303 ist ein Bürgermeister und seit 1358 ein Rat der Stadt nachweisbar. 1570-73 wurde das Rathaus erbaut. In diesem war ebenfalls die Tuchhalle untergebracht. Seit 1358 war D. in den Landständen vertreten. 1324 hatte der Ks. die Verlegung eines Zolls nach D. genehmigt, aber erst 1377 wurde die neue Zollstätte am Rhein eingerichtet. Im gleichen Jahr erhieltD. auch eine Münzstätte. Bis ins 15. Jh. war die Stadt hauptsächl. agrar. geprägt, ledigl. das Tuchgewerbe scheint schon früh von Bedeutung gewesen zu sein, denn bereits um 1380 ist eine Walkmühle nachgewiesen. Eine Marktordnung wurde 1546 erlassen. Mit der Gründung einer Landesschule 1545 ging der Aufbau einer Druckerei einher.

Die Burg selber war zunächst außerhalb der Stadt gelegen und über eine Brücke erreichbar. Erst durch die Erweiterungen des Stadtgebietes wurde sie in die Stadt integriert. D. war stark vom Gf.en abhängig, da die Stadt zunächst über keine eigenen Einnahmen verfügte. Dies änderte sich erst 1437 durch Gerhard II. (1437-75), der der Stadt die Brauabgabe, das Werftgeld und die Akzise verlieh. 1303 wurde in der Pfarrkirche ein Kanonikerstift eingerichtet (St. Lambertus), das später auch Grablege der Hzg.e wurde. Die got. Hallenkirche wurde durch ihre Reliquien zu einem wichtigen Wallfahrtsort.Durch eine Explosion 1634 wurde die Kirche stark zerstört und erhielt danach die heute noch erhaltene barocke Form. 1382 entstand in der Neustadt eine zweite Pfarrkirche. Ab dem Ende des 15. Jh.s erlebte D. einen Aufschwung, der durch die zunehmende Hauptstadt- und Residenzfunktion bedingt war. Wilhelm der Reiche (1539-92) ließ die Stadt im Renaissancestil umgestalten und fortifikator. Umbauten vornehmen. Johann Wilhelm II. (1690-1716) war der letzte Hzg., der D. als Res. nutzte.

III.

Der erste Wohnsitz der Gf.en von Berg in D. war das Löwenhaus. Seit wann es eine Burg gab ist unklar, archäolog. sind die Anfänge in das letzte Drittel des 14. Jh.s zu datieren. Es handelte sich zunächst um einen Rechteckbau direkt am Rhein, der bis zur ersten Hälfte des 15. Jh.s zu einer Dreiflügelanlage erweitert wurde. Bereits 1399 werden zwei Kapellen gen. 1510 zerstörte ein Brand große Teile des Gebäudes, erst nach der Vereinigung mit Kleve (→ Kleve und Mark) ging man an den Wiederaufbau. 1549 erfolgte die Berufung Alessandro Pasqualinis zumhzgl. Baumeister. Er wandelte die Burg im Stil der Renaissance um. So entstand z. B. ein repräsentativer Festsaal im Südflügel. Außerhalb des Schlosses wurde um 1545 die Katsbahn errichtet. 1559 erfolgte der Bau eines neuen Kanzleigebäudes an das sich auch das Rathaus anschloß, so daß der um 1556 entstandene Garten nun in einem Innenhof lag. Damit das Schloß zur Stadtseite hin mehr Platz hätte, ließ Hzg. Wilhelm einige dort stehende Bürgerhäuser abreißen. Ein neuer Marstall und das Artilleriehaus wurden um 1560 errichtet. 1634 zerstörte die Explosion des Pulverturms Teile des Schlossesund der Stadt. Nach einem Brand i. J. 1872 blieb nur der Schloßturm erhalten.

Sources

Archiv für die Geschichte des Niederrheins, 1832-70. - Gülich- und bergische Rechts-, Lehen-, Gerichtschreiber-, Brüchten-, Policey- und Reformationsordnung des durchleuchtigsten Fürsten und Herrn, Düsseldorf 1696. - Urkundenbuch für die Geschichte des Niederrheins, 1-4, 1840-58. - Urkundenbuch des Stifts St. Lambertus/St. Marien in Düsseldorf, 1988.

Literature

Düsseldorf. Geschichte von den Anfängen bis ins 20. Jahrhundert, 4 Bde., hg. von Hugo Weidenhaupt unter Mitarb. von Manfred Fey und Günther Glebe, Düsseldorf 1988-90. - Fimpeler-Philippen, Anette/ Schürmann, Sonja: Das Schloß in Düsseldorf, Düsseldorf 1999. - Küffner, Hatto/Spohr, Edmund: Burg und Schloß Düsseldorf. Baugeschichte einerResidenz, Jülich 1999 (Jülicher Forschungen, 6). - Land im Mittelpunkt der Mächte, 1984. - Lau, Friedrich: Geschichte der Stadt Düsseldorf. Von den Anfängen bis 1915, Düsseldorf 1921. - Looz-Corswarem 1993. - Spohr, Edmund: Düsseldorf, Stadt und Festung, Düsseldorf 1978.