Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich

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DOHNA

A. Dohna

I.

Namengebend ist die Burg → D. an der Müglitz kurz vor deren Einmündung in die Elbe, 15 km südöstlich von Dresden. Die ursprüngl. Namensform Donin (slaw.: Ort des Don) wandelte sich über Dohnen (15. Jh.) zu Dohna (16. Jh.) (die verbreitete Gepflogenheit, nebeneinander den Ort [korrekt] »Dohna«, dessen Bgf.en aber die »Donins« zu nennen, ist inkonsequent und irreführend). Stammvater des edelfreien Geschlechts ist Heinricus de Rotau, urkundlich erwähnt 1127 und 1135. Um die Erforschung ihrer Abkunft bemühten sich einige Glieder der Familie, bezeichnender Weise als mehrere Linien vor dem Aussterben standen. Man beauftragte den Archiv-Erfahrenen Bartoš Paprocký, der dann in seinem »Diadochos« (1602) neben echten Archivalien im Stile der Zeit einen Ursprungs-Mythos publizierte, in dem er einen erdichteten Spitzenahn Aloisius von Urpach als Schwiegersohn Karls des Großen vorstellte. Diese »Genealogie« des namhaften Historikers fand Glauben, bis der Geh. Archivrat Traugott Märcker im Auftrag der Familie neue Forschungen durchführte (unvollendetes Ms., vor 1874), worauf die Familiengeschichte von Siegmar Gf. zu Dohna, 1876, fußen konnte.

Der Ort, nach dem sich Heinrich von Rotau und seine Söhne nennen (auch Rodewa, Rodowe oder Rothowe geschrieben) ist, wie Helbig gezeigt hat, dem die Forschung überwiegend folgte (LexMA), nicht das zur Diöz. Merseburg gehörige Rötha südlich von Leipzig (so die ältere Forschung), sondern das im Bm. Naumburg gelegene Röda (heute: Großröda) westlich von Altenburg. Neunmal treten die Herren von Rotau/Rodewa in Naumburger Urk.n auf, nur einmal in einer Merseburger (wenn neuerdings in Sachsen für Rötha argumentiert wird, in diesem Ort sei im Unterschied zu Röda ein Herrensitz schon 1127 bezeugt [Kobuch, danach auch Baudisch], so beruht das auf einem Zirkelschluß. Die Urk. von 1127 nennt ja nur eine Person; deren Zuname belegt nichts anderes, als daß es einen Ort des Namens »Rotau« gab, der eben auch als »Röda« identifiziert werden kann). Für Kg. Konrad III. lag es nahe, der Reichsburg → D. einen Bgf.en aus dem Umfeld der königsnahen Naumburger Bf.e zu geben. Und es war die naumburgische Res. Zeitz, wo der Kg. 1143 Heinrich von Röda (de Rodewa), den ältesten Sohn des gen. Heinrich, zum künftigen Bgf. bestimmte. Auch dessen jüngere Brüder erhielten neue Bestimmungen, so Otto im ehem. Herrschaftsgebiet der ausgestorbenen Gf.en von Groitzsch. Vermutl. war er der Gründer der zu dieser Zeit entstehenden Wasserburg Trachenau an der Pleiße, nach der er sich seit 1157 nannte. Dann könnte er viell. auch die nahe Wasserburg Rötha (die jedenfalls nicht vor der Jh.mitte entstanden ist) angelegt und auf sie seinen Herkunfts-Namen übertragen haben. Als alle drei Brüder 1165 auf dem Hoftag Ks. Friedrichs I. in Erfurt auftraten (DD F I, 2, 475; in Unkenntnis dieser Urk. fügt Schwennicke irrig drei gleichnamige Vettern von Röda hinzu) erschien Lambert mit dem Zunamen »von Salheim« (der Name des nicht identifizierten Ortes könnte nach einer ansprechenden Hypothese von Spehr in den Nachbar-Dörfern Saalhausen und Thalheim bei Alt-Oschatz fortleben, wie der Name Lamberts in dem nahen Lampersdorf. Dann hätte der Bf. von Naumburg den Rödaer in dieser seiner Exklave angesetzt, möglicherw. mit einer Schutz-, Rechtsprechungs- und Verwaltungs-Aufgabe für Oschatz, einen wichtigen Außenposten des Bm.s). Nachkommen Ottos und Lamberts sind nicht bekannt.

II.

Schon zur Zeit der Salier amtete vorübergehend ein ksl. Bgf. auf der Burg → D., wie Cosmas von Prag zu 1113 berichtet: Erkembertus praefectus de castro Donin. Der Name »Erkembert« könnte auf das Haus der Edelfreien von Tegkwitz hinweisen (die späteren Bgf.en von Döben [bei Grimma]), Nachbarn und mutmaßlich Verwandten der Herren von Röda. Indes, nur von 1112 bis 1117 war das Land Nisan mit D. in der Hand Ks. Heinrichs V., davor und danach in der des Hzg.s von Böhmen. Dieser gab es um 1143 an Kg. Konrad zurück, der nun eine weiträumig geplante Wieder- und Neueinrichtung von Bgft.en zw. Saale und mittlerer Elbe im Zuge einer Neuordnung des Markengebiets in Angriff nahm. Im Bestreben, die unmittelbare Macht des Reiches in diesem Bereich angesichts der erstarkenden Konkurrenz mgfl. Territorialpolitik wieder intensiver zur Geltung zu bringen, übertrug der Kg. den Bgf.en die Verwaltung des Reichsguts und die Hochgerichtsbarkeit in offenbar großräumigen Landgerichtsbezirken. Auch die Bgf.en von Nürnberg erscheinen, in entspr. Funktion, zur Zeit Konrads (nicht beachtet wird vielfach der wesentl. Unterschied zw. den kgl. Bgf.en und den [damals auch edelfreien] bfl. Amtsträgern gleicher Benennung, deren Amtsbereich in der Regel auf die Bf.sstadt beschränkt war. »Bgf.en« gen. wurden etwa seit dem 13. Jh. in einigen Ländern [z. B. Böhmen] auch landesherrl. Dienstmannen als nichterbl. Burgvögte). Bei einem reichspolit. wichtigen Akt in Zeitz versammelte Konrad III. 1143 die vier Anwärter auf die neuerrichteten Bgft.en D., Meißen, → Leisnig und Altenburg um sich. Schon 1144 tritt uns »Bgf. Heinrich« in einer Kg.s-Urk. neben dem Bgf. von Meißen entgegen. Da es um Orte im Gau Nisan (Elbtalweitung zw. Pirna und Meißen) geht, so kommt nur der Rödaer als der zuständige Bgf. von D. in Frage. In sieben Urk.n zw. 1156 und 1170 erscheint er dann als Bgf. mit wechselndem lat. Titel (praefectus [urbis], castellanus und burgravius), indes stets mit dem Zusatz de Donin. Daneben behalten mehrere, bes. Naumburger (!) Urk.n noch seinen Herkunfts-Namen de Rothowe bei.

Daß der Bgf. nicht immer nach → D. gen. wird, hängt viell. auch damit zusammen, daß sein Amtsbereich mehrere Reichsburgen umfaßt. Seine Zuständigkeit erstreckte sich offenbar auf den gesamten Gau Nisan. Dieser war jedenfalls bis zum Ende der Stauferzeit Reichsgut, was ein Nebeneinander von Kompetenzen und Funktionen der unterschiedenen Reichsorgane, des Mgf.en von Meißen und des Bgf.en von D. mit sich brachte. Der Haupthof des im »Tafelgüter-Verzeichnis« der Zeit Friedrichs I. gen. kgl. »Tafelguts« Nisana lag vermutl. mind. anfänglich in oder bei D. Die anachronistische Vorstellung einer seit 1143/44 bestehenden Landesherrschaft des Mgf.en im ganzen Nisan-Gebiet (Blaschke, Kobuch) kann nicht überzeugen (→ Vorbemerkung zur Lit.). Die in der gen. Kg.s-Urk. von 1144 (DD Ko III, 119) faßbaren Rechte des Mgf.en sind zweifellos nicht als »territoriale Besitzrechte« zu verstehen (Thieme). Hätte der Kg. den ganzen Gau außer der Burg → D. an den Wettiner vergabt, hätte er damit dem System der Bgft.en zuwidergehandelt, das er ja gerade zur Eindämmung des Mgf.en eingerichtet hatte. Offenbar bis zum Ende ihrer Herrschaft erhoben die Bgf.en von D. in der Stadt und in der ganzen Pflege Dresden den »Dritten Pfennig«, also das dem Inhaber der hohen Gerichtsbarkeit ratione burgraviatus zustehende Drittel der Gerichtseinkünfte, wie es noch das Register der Mgf.en 1378 bezeugt. Auch das auf der milit. Schutzpflicht beruhende Burgkorn oder Wachgetreide wurde von den Dörfern des Altgaus Nisan noch bis ins 15. Jh. nach D. geleistet. Auf der Dresdner, mit dem bgfl. Wappen markierten Elbbrücke stand den Bgf.en ein Drittel des Zolls zu wie auch die (vor 1335 verkaufte) Hälfte des »großen Zolls« in Pirna.

Alle diese Rechte der Bgf.en können nur auf kgl. Verleihung zurückgehen. In der sächsischen Literatur des späten 19. und des 20. Jh.s hat man nicht damit gerechnet, daß die Gründung von Dresden und die Erbauung der Elbbrücke im Auftrag des Ks.s erfolgte. Wäre dies wirklich durch die Wettiner geschehen, wie es meist vorausgesetzt wurde, hätten diese doch die gen. Kompetenzen nicht an ihre Rivalen vergabt (daß ein Teil des Dresdner Brückenzolls den Bgf.en zukam, wird seit Knothe 1863 wiederholt bestritten, und zwar mit dem Argument, es handle sich um die Verwechslung zweier verschiedener Zölle: die D.s hätten nur den Geleitzoll zw. Elbbrücke und Königsbrück innegehabt, nämlich als Herren des böhm. Königsbrück. Diesen Geleitzoll, der bereits an oder auf der Dresdner Brücke erhoben wurde, hatten jedoch schon die Vorbesitzer von Königsbrück inne, von denen es die D.s erst kurz vor 1438 erwarben [siehe Abschn. A. IV.]. Hingegen zeigt der Vertrag von Eger [1459], in dem Böhmen an Sachsen Dohnen, das halbe Schloß und den Zoll zu Dressden zu Lehen gibt, daß dieser zur Burg → D. gehörte, und zwar jedenfalls schon vor 1402, als nämlich Meißen die von Böhmen lehnbaren Anteile an D. annektiert hatte. Diese Lehen hatte Sachsen bis ins beginnende 19. Jh. inne. Wenn der Kg. von Böhmen nun den D.s in Königsbrück den Zoll zu Dressden auf der Prugkhen, wie derselbe von Alters bemelter Herrschaft zustenndig wiederholt bestätigt, so kann dies nicht der an Sachsen verlehnte, zur Burg → D. gehörende Zoll sein).

Im übrigen läßt sich keine Herrschafts-Ausübung der Mgf.en in diesem Raum zw. 1144 und dem Jh.ende in den Quellen nachweisen. Dazu paßt »das fast völlige Fehlen mgfl. Ministerialen im Gau Nisani« im Gegensatz zu »dem Vorhandensein einer zahlr. stiftsmeißnischen und dohnaischen Dienstmannschaft«, wie Schieckel feststellt. Der im Dresdner Burg-Areal ergrabene, den Zugang zur Elbbrücke kontrollierende kastellartige Palasthof mit den fünf Herrschaften anzeigenden Türmen kann nur die Kurie der Bgf.en als Hochrichter der Stadt gewesen sein (Spehr) (siehe Abschn. B. II.). Dies wird auch dadurch belegt, daß dieser Hof später, nachdem die Mgf.en in Dresden Fuß gefaßt haben, gegen deren Sitz innerhalb des Burgbereichs durch Zwinger und Wassergraben gesichert wurde.

Von der auf Reichslehen beruhenden Bgft. zu unterscheiden ist die von den Bgf.en durch Rodung und Besiedlung des östlichen Erzgebirges geschaffene »autogene Adelsherrschaft«. Für diesen Landesausbau verfügten die Bgf.en über strategisch gut plazierte Burgen und eine einsatzfähige Dienstmannschaft, die naturgemäß meist unsichtbar bleibt. Schieckel nennt (bis 1250) ungefähr 20 Familien von Dienst- und Burgmannen. Erst seit die Ministerialen lehnsfähig geworden sind, erscheinen sie öfter in den (immer noch unvollständigen) Quellen. So konnte ich etwa 50 Lehns- und Burgmannen-Geschlechter des Hauses D. erfassen, darunter ehem. Reichsministerialen (eine Vergabung »zu Lehnrecht« an einen Freiberger Institor [Kaufmann, Unternehmer] ist 1279, an einen Ministerialen erstmalig 1287 überliefert). Den erreichten Status der Bgf.en-Herrschaft zeigt (anknüpfend an eine Urk. Ottos [I.] von 1235) eine Urk. von 1300: Bgf. Otto (III.) bezeichnet darin die der Abtei (Alt-)Zelle (heute: Nossen-Altzella) von seinen Vorfahren übertragenen Eigengüter als in »seinem Territorium« gelegen (in nostro dominio, territorio et iudicio sita), nimmt sie in seinen Schutz und Schirm und behält sich die Blutsgerichtsbarkeit darüber vor. Dies erfolgt als »Ausfluß der inzwischen erreichten Landesherrschaft« (Schlesinger, Gerichtsverfassung, zur Stelle). Demgemäß übten die Bgf.en das Münzrecht aus. Die ältesten (mehrfach überlieferten) Brakteaten (Anfang 13. Jh.) zeigen einen sitzenden Dynasten mit Perlendiadem, der in der rechten Hand ein Herrschaftszeichen mit Hirschgeweih (ähnl. dem seit 1235 belegten Wappen), in der linken einen (Reichs-)Adler hält. Darin kommt die doppelte Machtstellung des Bgf.en, eigenständige Adelsherrschaft und vom Kg. verliehene Amtsgewalt, augenfällig zum Ausdruck. Die späteren Gepräge zeigen nur das Wappen. Auf einigen Brakteaten sowie in Urk.n des 13. und 14. Jh.s führen die Bgf.en von D. das Prädikat Dei gratia. Schon im zweiten Viertel des 13. Jh.s gründete Bgf. Otto (I.) im Zittauer Land Stadt und Herrschaft Ostritz, sein Sohn Heinrich (III.) erhielt dazu von Kg. Ottokar II. das Kronlehen → Grafenstein (Grabštejn) (Bez. Reichenberg [Liberec]) (siehe Abschn. B. I.) an der Neiße. Die Inhaber dieser dann von der Bgft. getrennt vererbten Lehen konnten zwar eine »Herrschaft« (dominium) »über Land und Leute« errichten, die mit Hoheitsrechten ausgestattet waren, und sich »von Gottes Gnaden« nennen, aber unter der böhm. Krone keine Landesherrschaft ausbilden.

Erhebliche Rückschläge erfuhr die Ausbildung der Herrschaft der Bgf.en, v.a. in den Perioden der Schwäche des Reiches. Um Unterstützung im Thronstreit zu erlangen, verpfändete Kg. Philipp, offenbar bald nach der Doppelwahl von 1198, an Mgf. Dietrich von Meißen, »die Burg D. mit ihren Pertinenzen«, also das Reichsgut in Nisan. So gingen die Reichsrechte vom Kg. auf den Mgf.en über, während die eigenen Rechte des Bgf.en erhalten blieben. Weil diese Verpfändung 1212 noch bestand, kam eine solche des ebenfalls um Anerkennung werbenden Friedrichs II. an Böhmen nicht zustande. Aufgrund der Pfandherrschaft trat der Mgf. 1206 und 1216 in Dresden als Herr in Erscheinung. Danach waren die Wettiner dort ein halbes Jh. lang nicht mehr präsent, offenbar infolge der Einlösung der Pfandschaft. Erneut wurde den Wettinern Reichsgut verpfändet und zwar wg. der Mitgift der Ks.tochter Margarete das »Pleißenland«. Daraufhin nahm Mgf. Heinrich nach dem Ende der Staufer offenbar auch Reichsrechte in und um Dresden in Anspruch, wobei er in einem heftigen Konflikt die Macht der Bgf.en von D. einzuschränken vermochte. Infolge der lang anhaltenden Krise nach Heinrichs Tod (1288) suchten alle Betroffenen ihren Besitz durch Lehnsnahme abzusichern. So trugen nicht nur die Bgf.en von D. ihre Herrschaft dem Bf. von Meißen zu Lehen auf. Das gleiche taten auch die Wettiner, deren Fsm. innerhalb des Hauses umstritten oder auch vom Kg. als heimgefallene Lehen eingefordert waren. Später ließ sich auch der böhm. Kg. vom Meißner Bf. mit Dresden und D. belehnen. Umfaßt von zwei weit überlegenen Mächten, Böhmen und Meißen, hat das Haus D. sich gezwungen gesehen, durch Lehnsnahme erst den einen, dann den andern der fsl. Nachbarn als Schutzmacht zu gewinnen. Im Laufe des 14. Jh.s konnte ein gewisses Gleichgewicht erzielt werden. Zur Zeit der letzten in der Bgft. amtenden Generation ist eine Hälfte (nach anderer Quelle: zwei Drittel) der Burg → D. von Böhmen, eine Hälfte (bzw. ein Drittel) von der Mgft. Meißen lehnrührig. Wie auch sonst, diente Doppelvasallität dazu, Neutralität zu formalisieren. Bemerkenswert ist, daß es Reichslehen sind, über welche die hegemonialen Mächte nunmehr verfügten und die sie ihrerseits den Bgf.en zu Lehen gaben (später nennt man das »Reichsafterlehen«, etwa bei den Herren von → Schönburg). Allerdings eignete dem Schutzverhältnis ein ambivalenter Charakter, indem jedenfalls der Mgf. die Tendenz hatte, die Lehnherrschaft zur Landesherrschaft zu verdichten.

Das ganze, recht verworrene System von Lehen- und Schutz-Verhältnissen verlor seine sichernde Wirkung, als Böhmen durch den Machtverfall Kg. Wenzels IV., der 1400 auch als Röm.-dt. Kg. abgesetzt wurde, in eine schwere Krise geriet. Mgf. Wilhelm begann sofort, einen Krieg gegen die Bgf.en von D., die sog. »Donasche Fehde« (1400-1402), als Teil eines Kriegs gegen Böhmen. In dieser größten Gefahr zeigte sich das Familienbewußtsein und der Zusammenhalt des Hauses D., indem 17 Geschlechtsvettern aus den seit fünf bzw. vier Generationen abgeteilten Linien sich an der wenig aussichtsreichen Fehde beteiligten. Der Mgf. konnte die Burg → D. 1402 erobern und annektierte die ganze Bgft. Dabei ging es ihm in erster Linie um die Landesherrschaft im Gebiet der Bgf.en; Besitzrechte einzelner Familienmitglieder blieben fallweise beachtet. Böhmen hat ebenso wie der Bf. von Meißen die Annexion nicht anerkannt. Mehrere Generationen hindurch bemühten sich die Bgf.en um die Restitution der Bgft. Die nur in mangelhafter Abschrift erhaltene Urk. Kg. Siegmunds, in der er die Söhne des vertriebenen Bgf.en Jeschko erneut mit Schloß und Bgft. D. belehnt (1420/23), ist allerdings von Ermisch (1922) als Fälschung bezeichnet worden. Die Kg.e von Böhmen blieben aber bemüht, das Restitutions-Begehren der Bgf.en von D. zur Geltung zu bringen. Schlichtungstage wurden angesetzt, ein Gutachten des Magdeburger Schöppenstuhls vorgesehen. Noch Kg. Ludwig zitierte als Lehnsherr den Hzg. von Sachsen in dieser Sache zweimal in formellem Gerichtsverfahren (1522). Der Leipziger Schöppenstuhl, dessen Rat Hzg. Georg einholte, empfahl einen gütlichen Austrag, weil die Rechtmäßigkeit seines Besitzes der Bgft. recht zweifelhaft sei. Als letzter mahnte Kg. (und Ks.) Ferdinand I. die Hzg.e dreimal, sie mögen den Bgf.en »zu ihrem Recht verhelfen« (1527, 1539/40, 1558). Nicht nur an seinem Recht, auch an dem Bgf.en-Titel hat das Haus D. zäh festgehalten. Es hat auch vermocht, seinen Herrenstand (moderner Kunstbegriff: »hoher Adel«) weiterhin zu bewahren. In Böhmen mag dazu beigetragen haben, daß der ältere Stamm des Hauses D. seit der Mitte des 13. Jh.s die Herrschaft → Grafenstein (Grabštejn) an der Neiße (bis 1562) innehatte (siehe Abschn. B. I.). Auf dem Besitz ihrer »Standesherrschaften«, also auf dinglicher Grundlage, beruhte die verfassungsrechtl. Stellung der Bgf.en von D. seit dem 15. Jh. in der Oberlausitz (Königsbrück und später Muskau) sowie seit dem 16. Jh. in Schlesien (Wartenberg). Hingegen gehörten sie seit dem 15. Jh. zum Herrenstand Preußens und damit dann zur Ersten Kurie des Landtags aufgrund ihres Geburtsstands, des Herrenstands des Reiches. Zwei ksl. Obristen (einer davon Protestant) erwirkten die Anerkennung als »des Hl. Röm. Reiches Bgf.en und Gf.en« durch Ks. Ferdinand III. für das Gesamtgeschlecht (18. März 1648).

Der Konsolidierung ihrer Stellung diente den Bgf.en von D. auch der Erwerb geistlicher Ämter. Insgesamt lag die Zahl der Geistlichen, soweit man sehen kann, unter dem Durchschnitt. Aus den ersten (an Personenzahl kleinen) fünf Generationen des Hauses D. sind keine Kleriker bekannt (Schwennicke setzt einen irrig in die 5., siehe Abschn. A. IV.). Ob man einen Bf.sstuhl erstrebt hat, bleibt unbekannt, erreicht hat man diesen (jedenfalls seit die Namen eine Familien-Zugehörigkeit erkennen lassen) nicht. Im Domkapitel der für D. zuständigen Diöz. Meißen überwog die Klientel der Wettiner; so war an die Wahl eines Gliedes des Hauses D. als Rivalen sowohl des Mgf.en als auch des Hochstifts nicht zu denken. Erst seit dem 14. Jh., nach Entspannung des Verhältnisses, erschienen dort Glieder des Hauses im Kapitel, darunter der Scholasticus Otto, Archidiakon der Lausitz. Andere waren Domherren in Breslau, darunter Otto, Protonotar und Kanzler der Hzg.e von Jauer und Breslau, auch im Dienst der böhm. Kg.e Johann und Karl (als Ks. Karl IV.). Heinrich war Abt des Reichskl.s Chemnitz OSB (1405). Von den Töchtern des Hauses sind als Äbt.en zu nennen: Adelheid, Gründungs-Äbt. (1238 gen.) der nach L.-A. Dannenberg (2008) von den Bgf.en gegr. Zisterze Marienthal an der Neiße bei Ostritz, der später ebendort mind. zwei weitere folgten; im 14. Jh.: Catharina in dem vornehmen Clarissen-Kl. Seußlitz, eine andere in Riesa (OSB); im 15. Jh.: Margaretha im bedeutenden »Königin-Kl.« (OCist.) in (Alt-) Brünn (Brno); die Schwestern Dorothea und Elisabeth aus → Grafenstein als Dekanin und Pröpstin im gefürsteten Reichsstift Quedlinburg.

Otto (I.) wirkte, obwohl Inhaber der Bgft., in den Jahren 1225-1232 meist in Böhmen und Mähren als einflußreicher Rat von Kg. Ottokar I. und dessen Söhnen. Bernhard, Mitherr auf Neurode im Glatzer Land, mit Ks. Karl IV. in Italien, als comes gen., war 1369 Statthalter von Lucca (Grab am Hochaltar von San Romano). Otto Heide (III.), der älteste der vier die Bgft. 1385-1402 besitzenden Brüder, war vor 1400 als »Statthalter« amtierender Hofrichter des Röm.-dt. Kg.s Wenzel in Prag. Bgf. Wenzel (II.) (gest. 1419) (Linie → Grafenstein), Herr der Burg Tzschocha (Czocha) am Queis (s. Lauban [Lubań]), Erbauer der »kleinen Burg« (Hrádek) in Kuttenberg (Kutná Hora) (beide erhalten), war Rat und Hofrichter Wenzels als Kg. von Böhmen (u. a. sprach er die Hzg.e von Oppeln in die Acht), Vermittler zw. Polen und dem Deutschen Orden, sowie zw. dem Ebf. von Prag und Jan Hus.

III.

Das Wappen zeigt (erstmals auf einem Siegel 1235, dann bis heute unverän.) in Blau zwei schräggekreuzte (meist 5-endige) silberne Hirschstangen. Das D.-Wappen wurde (offenbar wg. der rechtlich zweifelhaften Erwerbung) nicht wie die Wappen anderer Herrschaften in das Staatswappen von Meißen (bzw. Sachsen) übernommen. Wappen-Darstellungen markieren die Präsenz der Bgf.en in ihrem ma. Herrschaftsbereich: u. a. an der Dresdner Elbbrücke in Stein gehauen (noch Jh.e lang sichtbar, beim Umbau zerstört), auf einem Schlußstein der alten Dreikönigskirche des damaligen Altendresden (heute: Dresden-Neustadt), als Wand-Fresko in der Nikolaikirche in Dippoldiswalde. Die Erbbegräbnis-Kapelle im ehem. Kl. Altzelle mit den dort zu vermutenden Grabmälern ist vernichtet. Erhalten ist ein Grabstein der Bgf.in Adelheid, geb. von → Schönburg (gest. 1342), im Meißner Dom.

Mit dem in der sog. »Donaschen Fehde« (1400-1402) bei Burkhardswalde erschossenen Bgf.en Jan wird ein in der Nähe dieses Ortes gefundenes, stark verwittertes Steinkreuz, viell. ein Sühnekreuz, in Verbindung gebracht (im Museum Weesenstein). Noch nach 80 Jahren sangen die Landleute ein Lied »um D.« und von dem Tod zweier D.-Brüder in dem Krieg mit dem Mgf.en von Meißen (do von dy pawer noch ein lyt syngen umb Donen«. Bericht des Köckeritz, 1482). Offensichtlich hat die Erinnerung an diese »Fehde«, die zum Untergang der Bgft. D. führte, die Menschen dort noch lange bewegt. Zwei Wandgemälde des 16. Jh.s in Gorknitz bei D. (beide nur in Nachzeichnung erhalten) zeigten die Burg → D. sowie den im Volke überlieferten »Adelstanz in Dresden« (erstmals 1482 als Anlaß der »Donaschen Fehde« gen., von späteren Autoren (bis ins 17. Jh.) verändert und ausgeschmückt). Auch in der (nach der Zerstörung von 1402 wiederaufgebauten) Pfarrkirche in D. erinnert noch heute eine gereimte spätgot. Inschrift an die Katastrophe: Im Jahre 1402 ist Dohna samt dem festen slos / zustoeret mit aller macht gros.

IV.

Zweimal haben die D.s eine bes. geschichtliche Wirkung ausgeübt. Einmal ist es die Zeit ihrer Burgen, in der sie als Bgf.en des Reiches den Gau Nisan sichern und verwalten, durch Rodung, Besiedlung und Städtegründung erhebl. Gebiete des östlichen Erzgebirgslands erschließen und eine (stets bedrohte) Landesherrschaft aufbauen. Sie endet jäh mit der Annexion der Bgft. durch Meißen 1402 (siehe Abschn. A. II. und B. I.). Erneut zu politischer Bedeutung gelangte in der Zeit ihrer Schlösser die landsässige aber zum Herrenstand gehörige reformierte preußische Linie, v.a. durch ihren Einfluß auf die »Westanbindung« und Modernisierung Preußens. Insgesamt erscheint die Geschichte der D.s auch darin als Teil der allg. Geschichte, daß sie der europ., insbes. dt. Ostbewegung folgt: z.Z. der salischen Ks. aus dem Altsiedelland nach Röda in das Markengebiet östlich der Saale kommend, dann 1144 im Dienste des Reiches nach D. und Dresden an die Elblinie vorrückend. Im zweiten Viertel des 13. Jh.s, als der Rückhalt am staufischen Kgtm. schwindet, in Anlehnung an die mit den Staufern versippten böhm. Kg.e neue Stützpunkte der Besiedlung an die obere Neiße vorschiebend. Seit Ende des 13. Jh.s über die Reichsgrenze hinaus dem Ruf der einheim. Fs.en nach Schlesien folgend sowie im 15. Jh. der Werbung des Deutschen Ordens nach Preußen.

In der Bgft. folgten auf Heinrich (I.) (gen. 1143-1170) Heinrich (II.) (gen. 1180-1224) und Otto (I.) (gen. 1206-1239). Dessen zwei Söhne (ein dritter war Ritter OT) regierten die Bgft. zunächst gemeinsam. Um 1255 übernahm Heinrich (III.) (gen. 1235-1273) die Herrschaften unter der böhm. Krone, Ostritz und dann → Grafenstein, allein und überließ, obgleich der Älteste, die Bgft. ganz Otto (II.) (gen. 1235-1287).

Ottos (II.) Nachkommen bilden den jüngeren Hauptstamm des Gesamthauses D., näml. den die Bgft. regierenden Stamm sowie (a und b) dessen Abkömmlinge in Böhmen. Ottos (II.) einziger bezeugter Sohn war Otto (III.) (gest. 1321) (der bei Schwennicke als »Sohn Ottos« (II.) gen. Archidiakon Otto ist eindeutig als Sohn Ottos (III.) bezeugt). Dessen sieben Söhne führten alle den Namen Otto mit einem Beinamen. Von ihnen hatte nur Otto Heide (I.) männl. Enkel. Er trug diesen Zweitnamen (paganus) nach einer »Heidenfahrt«, wohl einer »Preußenreise« (wie sie u. a. auch sein Bruder und sein zweiter Sohn unternahmen). Als Eigennamen führte ihn dann sein dritter Sohn, Otto Heide (II.) (gest. 1385), der seit 1347 allein regierte. Vier von dessen Söhnen hatten die Bgft. bis zur Eroberung durch den Mgf. (1402) inne, der 5., Friedrich Cruciger, war als Chorherr im Orden der Kreuzherren mit dem roten Stern in Prag nicht an der Bgft. und nicht an der »Donaschen Fehde« beteiligt (auch nicht Stammvater des Astes zu Auerbach [so Schwennicke 120]). Verbreitet ist die unsinnige Behauptung, 1415 sei die »Hauptlinie« der D.s erloschen (noch LexMA, Artikel D.). Es ist ledigl. das Todesjahr des söhnelosen Otto Heide (III.). Hingegen hatte sein Bruder Jeschko (I.) (auch »Jeschke«, Kurzform von Jerislaus, mitunter auch von Johann), Pfandherr der böhm. Burg Königstein, zwei Söhne, die von Friedrich dem Friedfertigen mit Rabenau (1418) sowie von Böhmen mit drei Gütern belehnt wurden. So setzte Jeschko (II.) den Stamm der Inhaber der Bgft nunmehr als böhm. Stamm fort. Sein Sohn Friedrich (I.) (um 1410-1457) faßte endgültig in Böhmen Fuß, erwarb mit Wildenstein (Vlčtejn) und Rostok (Roztoky) wichtige Burgen (heute Ruinen) sowie erheblichen Grundbesitz, wurde Utraquist, einer der Heerführer 1450 gegen Sachsen und Vermittler im innerböhm. Streit. Seine Söhne teilten das Erbe und leiteten so die Ausbildung zweier später in (a) Benatek und (b) (Weißen-)Augezdecz ansässiger Linien ein:

Jeschko (III.) heiratete eine Witigonin, Erbin von Stráž an der Nežárka (Platz), Nichte Kg. Georg Podiebrads. Doch sein Sohn Friedrich (II.) verlegte seinen gesamten Besitz in die Gegend von Jungbunzlau (Mladá Boleslav), um dort ein Schutzherr der »Böhmischen Brüder« zu werden. Er erwarb Kostenblatt (Kostomlaty), Draschitz (Dražice) und Benatek (Benátky nad Jizerou), wo er das Schloß erbaute und zu einem Stützpunkt der Brüder-Unität machte. Von seinen Söhnen war Borziwoy (II.) (gest. 1571) Pate von Luthers Sohn Martin und als ein Anführer des Stände-Aufstands gegen Kg. Ferdinand I. (1546) zu Haft und Konfiskation verurteilt. Mit seinen sieben Söhnen erlosch dieser zuletzt auf Sehuschitz bei Kuttenberg (Žehušice, heute unkenntl. verbaut) angesessene Zweig 1603, der dort eine Reihe von eindrucksvollen Renaissance-Grabmälern (mit tsch. Inschriften) hinterließ. Um Benatek zu retten, hatte Borziwoy es seinem dann katholisch werdenden Bruder Heinrich (gest. 1597) überlassen, der das Schloß zur prachtvollen Res. ausgestaltete und den Innenhof mit erstklassiger ital. Sgraffito-Malerei (1572) schmückte (erhalten). Seine sechs Söhne verkauften das »böhmische Venedig« (Tycho Brahe) 1599 an Ks. Rudolf II. für 230 000 Schock Groschen und erwarben andere Schlösser: Ferdinand (gest. 1610), auf Pirkstein und Ratay, aber als Obersthofmeister und Vertrauensmann des Ks.s in Prag wohnend, vermittelte zwischen den Parteien und setzte sich für Toleranz ein (u. a. für den »Majestätsbrief«). Seine Brüder, darunter ein ksl. Gesandter in Persien, ein päpstl. Kämmerer und Abt von Neuzelle (OCist) starben unvermählt; als letzter verunglückte der ksl. Rat Johann beim Ausbau seines Schlosses Lämberg (Lemberk) bei Gabel (Jablonné) (heute Museum mit Johanns »Fabelsaal«). Damit starb 1620 nicht nur dieser Ast, sondern die ganze Linie aus. Das Erbe dieses katholischen und kaisernahen Astes wurde dann in der Hand der evangelischen Vettern (→ b) konfisziert.

Borziwoy (I.) (gest. 1508) erbte die Burg Okoř (heute Ruine) von Mutterseite und anderen Grundbesitz. Sein Sohn Johann erwarb Augezdecz (heute verschwunden) bei Schlan (Slaný), wo er das feste Haus Weißen-Augezdecz (Bilý Oujezdec) errichtete, das sein Sohn Camillus zum Herrensitz im Sinne der Renaissance ausbaute. Als frühes Denkmal tsch. Literatur berühmt ist die von dem Neffen Friedrich (ca. 1573-1634) verfaßte lebendige und interessante Beschreibung seiner sechs Jahre währenden Reisen (reizvoll illustrierte Hs. von 1608 im Kl. Strahov). Als Konvertit ksl. Rat, resignierte Freiedrich nach dem frühen Tode des Sohnes und der Gemahlin, so daß er den gesamten Besitz an deren Bruder, den später »defenestrierten« Statthalter Martinicz verkaufte (1611). Trotz einer hohen Forderung an die ksl. Kammer starb er völlig verarmt (ob er sich an der Stiftung der katholischen. D.s für die Kirche »Maria de Victoria« in Prag beteiligte, die das D.-Wappen über dem Portal zeigt, muß offen bleiben). Seine beiden jüngeren Brüder waren als Beteiligte an der Erhebung der Stände von 1618 der Konfiskation verfallen (nach geltendem Recht hätte das verwirkte Vermögen an den unschuldigen Erben [Friedrich], fallen müssen, das wurde mißachtet). Weil sie die Konversion standhaft ablehnten, starben sie im sächsischen Exil. Mit Wladislaw erlosch der jüngere Hauptstamm 1642.

Das Konnubium des in D. residierenden Hauptstamms (1) dient bis zum Ende der Bgft. auch der Absicherung seiner prekären Situation, durch Ehen nämlich mit den Häusern der gleichfalls dem wettin. Druck ausgesetzten Gf.en und Herren. Die sehr unvollst. Überlieferung nennt: die Bgf.en von Meißen, von Wettin und von → Leisnig, sowie die Häuser → Gleichen, → Schwarzburg, Hackeborn, → Schönburg, → Waldenburg, Vögte von Weida, Colditz und Lobdeburg sowie die böhm. Herren von Riesenburg (Hrabišice). Der Heiratskreis der vertriebenen Bgf.en von D., der sich fast ganz mit dem böhm. Herrenstand (Namen in historischer Schreibung) deckt, spricht für die vollkommene Integration in diese mächtige und standesbewußte Gruppe. Die lückenhaften Quellen nennen das unstreitig erste Haus der Witigonen (Witkowci), gen. Herren von der Rose, in zwei Linien: Platz (Stráž) und Landstein. Die ebenfalls dynastischen Ronowici in den Stämmen: Berka von Dubá, (Krzineczky) von Ronow (zwei Ehen) und (Miczan) von Klinstein (Klingenstein). Die alten Herrengeschlechter Wartenberg (sechs), → Sternberg (drei), Kolowrat, Hasenburg, Liechtenstein, → Waldstein und Martinicz. Im Herrenstand etabliert seit dem 14. Jh.: → Schwanberg (5), seit dem 15. Jh.: Weitmühl, Lobkowicz (2) und Kragirz (Kraiger) von → Kraigk (ursprüngl. aus Kärnten).

Die Nachkommen Heinrichs (III.) bilden den älteren Hauptstamm, der sich schon in der nächsten Generation wieder teilt (die vielen Fehler bei Schwennicke, bes. Taf. 115, können hier nicht berichtigt werden). Die drei älteren Söhne stiften je eine die Jh.e überdauernde, dabei weiter untergliederte Linie: Jerislaus (Jerrus, Jesko) die Linie zu (a) → Grafenstein mit dem Seitenzweig zu Königsbrück, Heinrich, gen. Falke, die Linie (b) in den Lausitzen, aus der vermutl. der Ast zu Auerbach abzweigt, und Otto (der zweite Sohn) die Linie (c) in Schlesien, aus der dann die preuß. Linie (dritte) hervorgeht.

Nach der allmähl. Veräußerung von Ostritz, war die Höhenburg → Grafenstein (siehe C.) Herrensitz und Mittelpunkt der Herrschaft, nach der sich ihre Inhaber mitunter nannten. Sie blieb zur Lausitz hin (als Rechts- und Sprachgebiet) orientiert, auch als 1346 das »böhm. Niederland« vom übrigen Zittauer Land getrennt wurde und unmittelbar unter der Wenzelskrone verblieb (siehe unten zum Konnubium). Von den vier weltlichen Söhnen des Jerislaus stammen vier Äste ab. Heinrich (V.) und seine Nachkommen besaßen fünf Generationen lang den → Grafenstein. Als der letzte des Astes, Johann (VI.) (gest. nach 1441), noch minderjährig war, kam die Burg kurze Zeit in die Hand der hussitischen Taboriten. Doch Wenzel (III.), Enkel von Heinrichs (V.) viertem Bruder Wenzel (I.), vermochte als Agnat Burg und Herrschaft zu sichern und schließlich (1439) gegen das kürzlich erstandene Königsbrück einzutauschen. Der mit ihm beginnende neue Ast → Grafenstein stellte vier Generationen von Besitzern. Die ohne Zustimmung der gesamtbelehnten Agnaten auf Königsbrück erreichte Allodifizierung mit der Folge der Teilung der Herrschaft in zunächst sechs, dann fünf Teile und fünf Herrensitze (1549) leitete den Niedergang ein. Streit der sechs Brüder und die Versorgung ihrer 10 Schwestern führte zu zusätzlicher Belastung. Weil jedoch ein Urteil die angefochtene Allodifizierung wieder aufhob, fielen einzelne Teile wg. mangelnder Gesamtbelehnung der Krone heim. Schließlich erzwang Ks. Ferdinand den Verkauf der Herrschaft wg. Überschuldung (1562). Nach der »patriarchalisch lässigen« Wirtschaft der D.s (Seeliger) bekamen die Untertanen die harte Hand des im Finanzwesen geschulten Nachfolgers zu spüren, des Vizekanzlers der dt. Kanzlei von Böhmen, Dr. iur. Georg Mehl von Strelicz, so daß sie sich wiederholt in offenem Aufruhr erhoben. Carl, der um die Familiengeschichte verdiente Sohn des Verkäufers, erwarb Choteč bei Jičín von seiner Schwester. Mit ihm erlosch 1609 der Mannesstamm der gesamten Linie.

Das Konnubium (soweit feststellbar) der Inhaber der Herrschaft → Grafenstein: fünf Ehen aus dem dt. (in den Lausitzen und in Schlesien ansässigen) Herrenstand, eine aus böhm., dem Herrenstand versippten Adel. – Deren nachgeborene Söhne und Töchter: neun Ehen aus dt., sieben aus böhm. Herrenfamilien (davon sechs mit Besitz auch in den Lausitzen); aus dt. Adel: im 15. Jh. drei Ehen, im 16. Jh. acht Ehen, aus böhm. Adel: im 16. Jh. drei Ehen.

Der Ast Wenzels (I.) teilte sich noch einmal unter seinen Söhnen, Wenzel (II.) (dem Hofrichter, siehe Abschn. A. II.), und Bernhard, Mitherrn auf Tzschocha. Dessen Sohn Hlawacz kaufte → Grafenstein von Johann VI., um es dann mit seinem Vetter Wenzel (III.) gegen Königsbrück zu vertauschen. Diesen von den D.s erweiterten, zur »Herrschaft«, eine von vier oberlausitzischen Standesherrschaften ausgebauten Besitz, hatten dann die Söhne und schließlich der Enkel des Erwerbers, Christoph, inne, der das von der Pulsnitz umflossene feste Haus zum Renaissance-Schloß ausbaute. Von dem Vierflügelbau sind drei barock umgebaute Flügel erhalten (unlängst kam unter bröckelndem Putz des Treppenturms das D.-Wappen und die Jahreszahl 1558 zum Vorschein). Mit Christoph erlosch dieser Zweig 1560. Als Landvogt der Oberlausitz hatte er, obwohl Protestant, 1546 gegen die »Sechsstädte« zum Kg. gehalten. So gab Ferdinand I., nunmehr Ks., das heimgefallene Lehen zu einem günstigen Preis an Caspar D. auf Straupitz. Nicht berücksichtigt wurde die Grafensteiner Linie, weil sie bei ihrer umstrittenen Allodifizierung die Gesamtbelehnung aufgekündigt hatte. Ungewöhnlich hingegen war, daß der Lehnsherr »aus Gnaden« den nicht lehnsberechtigten unehelichen Neffen Christophs »als armen Gesellen« eine beträchtliche Abfindung gab. Zurück zu den Söhnen von Jerislaus auf → Grafenstein: Johann, der zweite, errichtete die große Höhenburg Roimunt (siehe C., Grafenstein, Abschn. III. 2). Mit den Enkeln endet bereits dieser Ast. Fünf Generationen lang blühte der auf Otto Calp, den dritten Sohn von Jerislaus, zurückgehende Ast, der zunächst Güter in Schlesien erwarb. Dessen Söhne ließen sich dann 1352 in der böhm. Gft. Glatz nieder, wo sie und ihre Nachkommen bis zum Erlöschen 1472 im Städtchen Neurode (Nowa Ruda) mit fünf zugehörigen Dörfern ansässig waren.

Heinrich Falkes Söhne, Heinrich und Hans gen. »die Groschen«, begaben sich 1357 aller Ansprüche auf → Grafenstein. Viell. hing dieser Verzicht schon mit dem Erwerb von Pförten (Brody) bei Forst zusammen. Die Besitzgeschichte der Güter in der seit 1364 wieder unter Böhmen stehenden Niederlausitz ist wg. des Quellenmangels bis in die erste Hälfte des 15. Jh.s nicht befriedigend geklärt. Vermutlich Erbe, sicher Besitzer von Pförten war Heinrichs d. G. Sohn Caspar (I.), Rat des Mgf. von Brandenburg und Vogt der Neumark (1393-1411). Gemeinsam mit seinem Bruder Czenko (II.) (Zdenko) erwarb er 1411 Lieberose (der Zusatz »Hr zu Friedland/NL« bei Schwennicke 119 könnte auf eine Verwechslung mit Czenko (I.), Sohn aus → Grafenstein, zurückgehen, der Verweser des böhm. Friedland war). Caspars Söhne gaben Lieberose auf und kauften 1447 Straupitz. Das feste Schloß an einem Spree-Arm blieb vier Generationen im Besitz der Nachkommen. Seit 1502 trugen diese auch sechs Güter nördlich von Crossen (Krosno Odrzańskie) von Brandenburg zu Lehen, die an adlige Afterlehnsmannen ausgetan waren. Mit dem oben erwähnten Kauf von Königsbrück (1562) hatte sich Caspar (IV.) offenbar übernommen; er verkaufte es an seinen Schwager Christoph von Schellendorff (1579). Schon ein Jahr zuvor hatte er wg. hoher Schulden auch Straupitz veräußert. Doch schon sein Sohn Wilhelm kam als Erbe seiner Tante, Gf.in → Schlick, und durch seine Heirat mit der verwitweten zweiten Gemahlin Schellendorffs, einer geb. D. aus Massel, wieder zu Vermögen. So vermochte er die damals etwa 27 000 ha umfassende (Standes-)Herrschaft Muskau zunächst pfandweise, dann käuflich zu erwerben (1597). Ks. Rudolf II. begünstigte den im Kriegsdienst Bewährten, indem er Muskan in Allod umwandelte und weit unter Taxpreis verkaufte. Die D.s bauten das stattliche Renaissance-Schloß der Herren von Biberstein nach Brand erweiternd aus (später verändert), die ma. Wasserburg bauten sie zum »Alten Schloß« um (mit Wappen am Portal erhalten). Auch die als evangelischer Sakralbau wichtige Schloßkirche, später »Deutsche Kirche«, des ital. Architekten Bevilaqua (nach 1945 abgebrochen) ist ihnen zu verdanken. »Unter den Bgf.en zu D. erlebte die Herrschaft Muskan einen Höhepunkt« (Willi A. Boelcke). Schon mit Carl Christoph, dem zweiten Besitzer, erlosch die lausitzische Linie 1625 im Mannesstamm, doch setzte sie Ursula Catharina, später vermählte Gf.in von Callenberg, als Allodialerbin bis 1671 im Weibesstamm fort. Der letzte Abkömmling wird dann der geniale Park-Schöpfer Fs. Pückler sein.

Von der Lausitzer Linie zweigt höchstwahrscheinlich auch der Ast zu Auerbach im Vogtland ab. Czenko (II.), der Mitkäufer von Lieberose, dürfte identisch mit dem Rat (1415) Mgf. Friedrichs von Meißen sein, der diesen auf das Konzil von Konstanz begleitete und von ihm die Herrschaft Auerbach erhielt (1425) (Friedrich Cruciger kann nicht 1398 Herr zu Auerbach sein, da Anna Vögtin von Weida noch 1414 Auerbach als Leibgedinge innehat. Er hat als Geistlicher auch keine Söhne [gegen Schwennicke 120]). Daß Czenko sich nach W orientiert, liegt nicht so fern, ist doch sein mutmaßl. Bruder Heinrich Abt des Kl. Chemnitz und beider Großmutter Adelheidis (viell. aus dem Hause → Waldenburg) dort begr. Czenkos Sohn (nicht Bruder!) Hans erhielt als Sohn einer geb. Schenk von → Landsberg die (folgenlose) Anwartschaft auf Schloß und Stadt Seyda (östlich von Wittenberg) (er war nicht »Herr« des erzgebirgischen »Sayda« [so Schwennicke]). Dessen Neffe Hans (II.) war Herr des vormals Plauenschen Amtes Werdau, das er 1502 an Sachsen verkaufte. Die Urenkel Czenkos, des Erwerbers von Auerbach, veräußerten ihre Anteile daran 1499 bis 1521 und gingen nach Preußen, wo der Letzte erst nach 1529 starb. So geht die Geschichte dieses Astes, die mit einer untypischen Wendung nach W begann, mit einer umgekehrten Wendung zu Ende.

Schon Otto, der zweite Sohn des Erwerbers von → Grafenstein, setzte die »Ostbewegung« fort und folgte der Einladung der Hzg.e von Schlesien, ihr noch wenig entwickeltes Land zu besiedeln. Offenbar war er im Lande schon aktiv und ansässig, als Hzg. Konrad II. »Köberlein« ihm 1303 das Städtchen Köben (Chobienia) an der Oder verlieh. Bis 1504 war dann die (im 16. Jh. umgebaute) Burg der Sitz seiner Nachkommen. Zwölf Generationen dieser Linie, seit der Reformation fast alle evangelisch, blieben in Schlesien angesessen. In diesen vier Jh.en besaßen sie eine große Zahl von vorwiegend mittleren und auch kleineren Gütern. In Schlesien waren die wenigen Herren-Geschlechter verfassungsmäßig nicht herausgehoben. Wenn auch das Selbstverständnis durch den Geburtsstand geprägt blieb, kam es zu einer faktischen Annäherung an die Lebenswelt der ritterschaftl. Familien, wie es auch das Heiratsverhalten spiegelt. Bezeichnender Weise hat nur der die Standesherrschaft Wartenberg besitzende Ast ein fast ausschließl. herrenständ. Konnubium. Als vorrangige Sitze heben sich heraus: Guhrau (Góra), wo die D.s das Kirchenpatronat in der Stadt vom 14. Jh. bis 1683 innehatten (die Brüder Nicolaus und Stephan von Guhrau [1289] sind keine D.s [gegen die ältere Literatur]). Kraschen (Chróścina) im Weichbild Guhrau war längere Zeit im Gemeinbesitz mehrerer D.s. Aus diesem Hause ist in der sechsten Generation die nach Preußen gehende Linie entsprossen, die zunächst noch mit Kraschen mitbelehnt wurde. Tschirnau (Czernina) (Schloß verändert bis 1945 erhalten) im Guhrauer Weichbild war von 1432 (nicht 1492) bis 1538 Hauptsitz eines Seitenastes, der zugl. auch »Schloß und Stadt« Herrnstadt (Wąsosz) (verändert erhalten) besaß. Ein anderer Ast saß seit 1515 auf Massel (Masłów), das er verkaufte, um 1593 die »freie Herrschaft« Sulau (Sulów) zu erstehen. In Massel errichteten die D.s eine reich ausgestattete evangelische Kirche, Ort ihrer beachtlichen Grabmäler noch bis 1673. Bemerkenswert ist das (erhaltene) Wand-Grabmal des protestantischen Christoph (gest. 1614) in der Antonius-Basilika in Padua, dem berühmten »Santo«, mit der Bildnis-Büste des Studenten von einem namhaften it. Bildhauer. Noch zu Lebzeiten verkaufte der letzte Besitzer (gest. 1673) Sulau an seinen Schwager. Mit einem aus Böhmen vertriebenen Vetter (gest. 1683) endet dieser Ast.

Der bedeutendste Besitz, den die schlesischen D.s erlangten, war die Standesherrschaft (StH.) Wartenberg (seit 1888: Groß-Wartenberg, vor 1276 und seit 1945: Syców). Abraham (III.) (1561-1615), ein Sohn aus Kraschen, seit ca. 1583 kath., erwarb 1592 W. und 1604/05 die benachbarte Herrschaft Goschütz (Goszcz) (1656 abgetrennt). In Wartenberg errichtete A. ein »fürstlich montiertes« Schloß (mehrfach verändert, 1945 abgebrannt), woraufhin die alte Burg Amtssitz des »Landeshauptmanns« wurde. Abraham war Führer des schlesischen Hilfsheers gegen die Türken (1594 und 1595), Präsident der Böhm. Kammer, ksl. Geheimrat und Vertrauensmann Ks. Rudolfs II., Landvogt der Oberlausitz, Gesandter in Warschau und Moskau (1597), wo er einen Ausgleich zwischen Polen und Rußland vermittelte, sowie in Madrid (Goldenes Vlies). Die Standesherrschaft Wartenberg, entstanden durch Abteilung vom Hzm. Oels (1489), stand unmittelbar unter dem Kg. von Böhmen; so übte Abraham als »Landesherr« die fsl. Rechte über die Ritterschaft und die Untertanen aus. Doch die habsburgischen Zentralbehörden beschränkten zunehmend die Autonomie der schlesischen Fsm.er und Standesherren. Den größtenteils evangelischen Insassen der Standesherren gab der Konvertit Abraham ein Privileg der freien Religionsübung. Die von ihm erlassene »Landesordnung« blieb bis weit in die preußische Zeit hinein maßgebend. Er hat die Standesherrschaft, der neben 50 adligen Vasallen nur etwa zwölf Kammergüter sowie Forsten angehörten, wirtschaftl. entwickelt und erweitert, so daß er ihren Wert von 150 000 Talern Kaufpreis auf 500 000 steigerte. Um die Standesherrschaften dem Hause D. zu erhalten, stiftete er ein Fideikommiß und verfügte für den Fall des Erlöschens der schlesischen Linie die Erbfolge der (protestantischen) preuß. Linie (noch vor der böhm.). Der Fall trat dann 1711 ein.

Als geschichtlich wirksame Gestalt zog Abrahams Sohn, Carl Hannibal (I.) (1588-1633), Gunst und Haß der Parteien auf sich. Nach dem Zusammenbruch der böhm.-schlesischen Erhebung (1620) mit großen Vollmachten ausgestattet, hatte er entscheidenden Anteil daran, die unbedingte Herrschaft des Ks.s durchzusetzen, so als milit. Oberbefehlshaber in Jägerndorf und Ungarn wie als Ober-Kammerpräsident in Schlesien. Die rücksichtslose Besteuerung und dann die rüde Rekatholisierung erbitterten seine Landsleute. Doch darf man nicht wie die Schmähschriften den »Seligmacher« und »Kühmelker« als finsteren religiösen Fanatiker sehen. Seine Motive, auch in der Konfessionsfrage, waren primär politisch. Der evangelische Dichter Martin Opitz war sein vertrauter Sekretär. Vor dem ksl. Restitutionsedikt (1629) unternahm er nichts gegen die Protestanten; am Privileg der freien Religionsübung für seine Untertanen hielt er bis zuletzt fest. Die Belehnung mit den Hzm.ern Oppeln und Ratibor hat er angeblich abgelehnt, von dem stattdessen verschriebenen »Gratiale« wurde nur ein kleiner Teil ausgezahlt, so daß er durch die verauslagten hohen Soldzahlungen in Schulden geriet. Carl Hannibals Bruder Heinrich (ca. 1595-1651) eroberte als ksl. General mehrere Festungen und befreite das Kurfsm. Mainz von den Schweden. Mit einem schlesischen Vetter erwirkte er die »Goldene Bulle« des Ks.s mit der Anerkennung der D.s als Reichs-Bgf.en und Gf.en. (siehe Abschn. A. II). Mit Carl Hannibals gleichnamigem Enkel (II.) starb 1711 der letzte dieses Astes, wie auch der ganzen Linie. Der preußische Feldmarschall und Minister Alexander D.-Schlobitten (1661-1728) verdankte es letztlich dem Eingreifen Ks. Karls VI., daß er 1719 nach längeren Auseinandersetzungen das Erbe der Standesherren antreten konnte. Die Abfindung der Allodial-Erben wurde indes so hoch festgesetzt, daß Alexanders ältester Sohn den Besitz 1734 veräußern mußte. Das war möglich, weil die Fideikommiß-Eigenschaft unter Beibehaltung des Namens Wartenberg auf die als Ersatz in Preußen erworbene Begüterung Prökelwitz (Prakwice) (Kr. Mohrungen [Morąg]) übertragen wurde.

Annähernd 30 D.s sind vom 13. bis 15. Jh. nach Preußen gezogen, um als Kreuzfahrer oder später im Sold-Dienst dem Deutschen Orden zu Hilfe zu kommen. Einer davon wurde im Lande ansässig: Stanislaus (um 1430-1504/05), der als »Hauptmann« einer Söldner-Truppe während des ganzen »Dreizehnjährigen« oder »Stände-Krieges« (1454-1466) seinem zahlungsunfähigen Dienstherrn die Treue gehalten hatte, wurde für seine (und seiner verstorbenen Brüder) Soldrückstände mit einem für preuß. Verhältnisse ungewöhnlich großen Grundbesitz (über 2500 ha) abgefunden. So erhielt er vom Hochmeister zu Lehen das Zinsdorf Deutschendorf (Wilczęta) (bei Preußisch Holland [Pasłęk]) mit hoher Gerichtsbarkeit und Kirchenpatronat sowie zwei Pfandgüter, darunter Carwinden (Karwiny), die später in Lehen umgewandelt wurden. Sein Sohn Peter (1483-1553) tat sich als »Feldoberist« mit Erfolgen im sonst unglückl. »Reiterkrieg« hervor. In Wittenberg durch Luther (wohl 1519) für die Reformation gewonnen, setzte er sich (schon vor dem Hochmeister) für deren Einführung ein. Als »Landrat« wirkte er für den Frieden mit Polen und dafür, daß die selbstbewußten Stände die Umwandlung des Ordens-Staats in ein weltl. Hzm. akzeptierten. Für seine enormen Unkosten entschädigt wurde er mit dem Hauptamt Mohrungen als Pfand (mit der Ordensburg als Dienstsitz) und mit Schlobitten (Słobity) und Lauck (Ławki) als Lehen und weiteren, seinem Altbesitz benachbarten, freilich z.T. wüsten Gütern. Sein und seiner zweiten Gemahlin figürliche Grabmäler in der Kirche zu Mohrungen (erhalten) und sein gemaltes Familien-Epitaph (heute im Museum Mohrungen) sind die letzten ihrer Art der D.s in Preußen, weil seine Enkel als Reformierte dann solche Bildwerke im Kirchenraum ablehnten.

Um Peters Söhne im Lande zu halten, wurde ihnen die Aufgabe des Landesausbaus auf 260 »wüsten und öden« Huben mit der Verleihung des Gutes Reichertswalde (Markowo) (bei Mohrungen) aufgetragen (1561). Dies geschah auch auf Empfehlung des Kg.s von Polen, in dessen Diensten zwei der Brüder standen. Einer von ihnen erlangte als Feldhauptmann Grundbesitz mit drei Burgen in Livland. Auch in Dänemark stiegen zwei Brüder D. jung zum General auf. Friedrich wurde mit dem Renaissance-Schloß (ehem. Kl.) Gisselfeld belehnt. Als das Lehen schon 1564 heimfiel, verehrte Kg. Friedrich II. jedem der überlebenden Brüder 1000 Taler. Christoph (1539-1584), studierte in Königsberg und drei Jahre in Wittenberg, dort 1559/60 Rektor, mit 30 Jahren Oberbefehlshaber der dänischen Armee, dann Diplomat und (als Ausländer!) Reichsrat, erhielt Kl. Helnekirke (Schonen) und zwei weitere Lehen; doch fiel der Besitz des Unvermählten dem Lehnsherrn heim. Dafür ließ der Kg. das eindrucksvolle, von der Familie gestiftete, von Willem van den Blocke geschaffene figürliche Grabmal Ch.s im Chor des Doms von Odense aufstellen (erhalten). In Preußen verblieb nach zeitweiligem Dienst im ksl. Heer und am Hofe Maximilians II. nur der humanistisch gebildete Älteste, Achatius (I.) (1533-1601), Rat und Oberster Kämmerer des Hzg.s, zugl. Verwalter der Güter für die Brüder. So baute er auch ansehnliche feste Häuser in Reichertswalde, Carwinden und Schlobitten, wo er zuletzt selbst wohnte und auch die Kirche errichtete. In Mohrungen bewohnte er das hzgl. Schloß, ließ indes dann das »D.sche Schlößchen« erbauen (1719 nach Brand erneuert, 1986 nach Kriegsschäden hergestellt, heute Museum). Um in Königsberg auch außerhalb des Schlosses standesgemäß residieren zu können, erwarb er das repräsentative Stadt-Palais des vormaligen Günstlings Scalich(ius). Einen zweiten Stadthof erwarb er offenbar schon im Blick auf seine Erben.

Eine für das Haus D. entscheidende Weichenstellung bedeutet die religiös motivierte Hinwendung zum reformierten Bekenntnis, die zuerst Fabian (1550-1621), der Jüngste der Brüder, 1574 in Genf vollzog. Dieser gegen die Konfession des Landesherrn und der Landes-Verfassung getroffenen Entscheidung schlossen sich später seine sechs Neffen, Söhne des Achatius, an, die ihn auch politisch nachhaltig unterstützten. Fabians geschichtliche Bedeutung liegt weniger in seinen augenfälligen Feldzügen (u. a. im »Kölnischen Krieg« und gegen die katholische »Liga« in Frankreich) oder seinem Einsatz für das »Landrettungswerk« (Landwehr) in der Pfalz und in Preußen. Wichtiger war sein Bemühen als Vertrauensmann des pfälzischen Regenten für die defensive »Union« der protestantischen. Fs.en, v.a. aber das entscheidende Wirken des preußischen Staatsmanns (zuletzt Oberbgf.) für die von innen und außen bedrohte Nachfolge der brandenburgischen Kfs.en. im Hzm. Preußen. Fabians »Selbstbiographie« ist eine unschätzbare historische Quelle. Während zwei Neffen in Spitzenstellungen Preußens die Landesherrschaft. gegen die Obstruktion der Landstände stützten, dienten die jüngeren der Politik für den Gesamt-Protestantismus in Europa. Bei Abraham (1579-1631) kommt ein milit. Einsatz hinzu: unter Moritz von Oranien, als General-Quartiermeister bei der Belagerung von Jülich, und als Festungsbauer. In Brandenburg war er als führender Diplomat und Geheimer Rat tätig sowie entscheidend für den Übertritt des Kfs.en Johann Sigismund zur reformierten Konfession. Ein neuer Quellenfund deutet auf ihn als Verfasser der »Confessio Sigismundi«. Künstl. begabt, verfaßte er lat. gelehrte Schriften, dt. und frz. lyrische Gedichte sowie ein satirisches Epos auf den Reichstag von 1613, komponierte für die Laute und baute als Liebhaber-Architekt das frühbarocke Schloß Schlobitten (1622), »ein Juwel des Schloßbaus« (Carl von Lorck). Christoph (II.) (1583-1637), Verfasser einer (in Auszügen erhaltenen) Autobiographie, dt., ital. und lat. Gedichte sowie theologischer u. a. gelehrter Schriften, wurde Mitglied der »Fruchtbringenden Gesellschaft«, der »evangelischen-patriotischen Sprachakademie« (Klaus Conermann). Als Diplomat und Rat der »Union« sowie der Pfalz hat er »die ausgreifende Politik des Pfgf.en und ihre europ. Dimensionen verkörpert« (Volker Press). Als Oberstkämmerer des »Winterkönigs« nach dem Zusammenbruch des protestantischen Kgtm.s in Böhmen auf der Flucht, wurde Christoph schließlich von seinem Schwager, Prinz Friedrich Heinrich von Oranien, zum Statthalter des (südfrz.) Fsm.s Orange (Oranien) ernannt, wo er das marode Staatswesen wie auch das »Collège« erfolgreich reorganisierte. Seine Wwe. Ursula (1594-1657), Schwester der Prinzessin Amalia, führte, auf Bitten der Repräsentanten des Fsm.s zur Statthalterin ernannt, noch elf Jahre die gedeihliche Regierung ihres Gemahls fort. Ihr folgte beider Sohn Friedrich (1621-1688), ndl. General, dem dann Ludwig XIV. das Fsm. gewaltsam entriß (1660). »Die Zeit der D.s ist die Blüteperiode der Oranien-Verwaltung im Fsm.« (Nicolas Japikse).

Das Wirken der beiden auf Christoph folgenden Generationen fällt überwiegend in die Zeit nach 1650, gleichwohl gehören sie zu den interessantesten des Hauses D. So mag ein kurzer Ausblick die Bedeutung dieser Gestalten und ihrer »Res.en« andeuten. Friedrichs (frz.) Mémoiren sind eine »Quelle von hoher kulturgesch. Bedeutung« (Otto Hintze). Nach neuester Forschung haben der von Friedrich und seinen Sohn Alexander errichtete Bau dem Schloß in Coppet bei Genf, dem späteren Musenhof der Mme de Staël, ihre bis heute erhaltene Gestalt gegeben. In den Niederlanden aufgewachsen und ausgebildet, verlassen in der »statthalterlosen Zeit« Friedrichs Brüder als Verwandte der Oranier das Land. Christian Albrecht (1621-1677) konnte als brandenburgischer Generalfeldzeugmeister, Geheimer Rat und Statthalter des Fsm.s Halberstadt »Geist und Zucht der oran. Heeresreform in der brandenburgischen Armee verbreiten« (Gerhard Oestreich). Sein Stadt-Palais war das später sog. Kronprinzen-Palais »Unter den Linden« (verändert erhalten), seine Res. als Statthalter war Schloß Gröningen; privat baute er nach eigenem Entwurf das »petit palais« Schönhausen (heute Berlin-Niederschönhausen) (erweitert erhalten). Seine Söhne waren bis zu ihrem Soldatentode (1686) als Erben ihrer Mutterschwester, der letzten Gf.in von → Brederode, kurzzeitig Inhaber der souveränen Herrschaften Vianen und Ameide (bei Utrecht). Christoph Delphicus (1628-1668) war in Schweden Oberkammerherr der Kg.in Christine, dann Feldmarschall und Friedens-Bevollmächtigter. In Carwinden baute er an neuer Stelle das Schloß, das sein Sohn weiter ausgestaltete. Die Nachkommen erbten in Schweden u. a. Tidö, das Schloß der beiden Reichskanzler Oxenstierna (erhalten). Friedrichs (s.o.) in Coppet von Pierre Bayle unterrichteter Sohn Alexander (1661-1728) erzog als Oberhofmeister und Gouverneur den preuß. Kronprinzen Friedrich Wilhelm (I.) zu Selbstdisziplin, Pflichttreue und Sparsamkeit (1694-1704). Als preußischer Minister und Feldmarschall leistete er erhebliches in der Behörden- sowie Heeres-Reform. Neben anderen Bauten schuf er in Schlobitten durch großzügige Erweiterung und qualitätvolle Innenausstattung des Schlosses seines Großonkels Abraham sowie durch den Bau einer weiträumig geschlossenen Hofanlage ein im alten Preußen einmaliges Gesamtkunstwerk (Schloß nach 1945 Brandruine, nur ein Hofgebäude sowie das abseits liegende Vorwerk [1718] erhalten). Seinem Bruder Christoph (1665-1733), Verfasser historisch interessanter (frz.) Mémoiren, General und Minister, wird das von Jean de Bodt meisterlich entworfene Schloß in Schlodien (Gładysze) (seit 1986 Brandruine) verdankt. Ihre Vettern haben Lauck (nicht erhalten) Reichertswalde (nach 1975 verfallend) und Carwinden (1945 zerstört, abseits liegende Schloßkapelle [1623] Ruine) zu barocken Schlössern ausgebaut.

Das Konnubium der preußischen D.s ist nicht nur durch eine soziale, sondern auch eine politische Wahl gekennzeichnet. Die ersten sieben Generationen (bis zur Mitte des 18. Jh.s) heirateten mit einer späten Ausnahme nicht in die zahlr. einheim. Familien ein, die ja meist von den Aufständischen des Jahres 1454 abstammten. Sie wählten ihre Ehepartner bis zur Mitte des 17. Jh.s aus dem in Preußen erst nach 1466 ansässig gewordenen Adel, dessen Loyalität zum Deutschen Orden und zu den Hzg.en nicht in Zweifel stand. Nicht in Frage kam eine Beschränkung auf den Herrenstand, von dem in Preußen nur noch fünf andere Familien ansässig waren. Von diesen gab es Allianzen mit → Heideck, Truchsessen zu → Waldburg (zwei Ehen) und Eulenburg; aus der Reichsritterschaft: Greusing (Greysing), → Königsegg und Truchsessen zu Wetzhausen; aus dem schwedischen Frh.enstand: Gyllenstierna (Güldenstern). Die anderen »dt.« (im Unterschied zu »preußischen«) Familien gehörten fast ausnahmslos zu den »großen«, durch Grundbesitz und hohe Ämter ausgezeichneten: Zehmen, Tippelskirch, Zedtwitz, Wernsdorff, Rautter (zwei Ehen), Schlieben, Kreytzen (Creutz) (drei), Borcke (zwei), Dönhoff, Eppingen. Infolge der Dienste im Reich und dann in weiten Teilen Europas ist der Heiratskreis nach der Ehe Christophs (II.) mit Ursula Gf.in zu → Solms-Braunfels (1620) bis zur Mitte des 18. Jh. durch den dt. und dann den europ. hohen Adel (nach damaligem Begriff) bestimmt: → Solms (→ Braunfels, → Hohensolms, → Wildenfels) (sechs Ehen), → Limburg-Bronckhorst, → Brederode (zwei), Montbrun-Ferrassières, Oxenstierna (zwei), → Lippe (→ Detmold) (fünf), Bylandt-Rheydt (zwei), Pfalz-Zweibrücken, Clancarty, Lewenhaupt, Wied (Neuwied) (zwei), → Isenburg (→ Birstein), → Sayn-Wittgenstein-Berleburg, → Waldeck-Pyrmont, Soop af Limingo, Holstein-Sonderburg-Beck (vier), Sture (Natt och Dag), Douglas, sowie bezeichnender Weise elf Ehen innerhalb der Familie D. Der Gemahl ist mehrfach der regierende Gf. (→ Hohensolms, → Bronckhorst, → Detmold, Neuwied) bzw. der Chef des Hauses Holstein-Beck. Hinzuzuzählen sind Ehen mit »neueren Reichsgf.en«: Friesen, Dönhoff (zwei), → Schwerin (zwei), Golowkin. Daneben gibt es in diesem Zeitraum nur eine Ehe mit französ., eine mit ndl. Adel und eine mit dt. »Uradel«.

Sources

UB Hochstift Merseburg I, 97. UB Hochstift Naumburg I, 133, 175, 190, 230, 236, 260, 264, 273, 279. MGH Diplomata, D Ko III 86; D Ko III 119; D F I, 2, 475. Huillard-Bréholles, Alphonse: Historia diplomatica Friderici Secundi, Bd. I, Tl. 1, Paris 1852, S. 219. – Codex Diplomaticus Saxoniae Regiae (CDS) I A 2, 262; 293; 295; 298; 305; 355; 364; 372; 479; 504. – CDS I B, 2, 361. CDS II 1, 67; 74. CDS II 5, 23; 90. CDS II. 19. – Codex diplomaticus Lusatiae superioris, Sammlung der Urkunden für das Markgrafthum Oberlausitz, Bd. 1, hg. von Gustav Köhler, Görlitz 1851. – UB, in: Dohna, Die Donin's, I, S. 273-343; II, S. 217-372 (siehe unter L.) Diplomatarium Vallis S. Mariae monasterii sanctimonalium ordinis cist. Die Urkunden des Königlichen Jungfrauenstifts und Klosters Cistercienser-Ordens zu St. Marienthal in der kgl. sächs. Oberlausitz nach den sämtlichen Originalen des Archivs in ausführlichen Regesten, hg. von Richard Doehler, in: Neues Lausitzisches Magazin 78 (1902) S. 1-138. – Registrum Dominorum Marchionum Missnensium: Verzeichnis der den Landgrafen in Thüringen und Markgrafen zu Meissen jährlich in den wettinischen Landen zustehenden Einkünfte, 1378, hg. von Hans Beschorner, Leipzig u. a. 1933 (Aus den Schriften der Sächsischen Kommission für Geschichte, 37), LXVI c. Cosmas von Prag, Chronica Boemorum III, c. 39; 47, MGH, SSrG, NS 2, 211. – Annalista Saxo, MGH SS 6, 684. – ›Canonicus Wissegradensis‹, Forts. des Cosmas MGH SS 9, 144. – Coronica principum Misnensium, hg. von Ludwig Schmidt, in: Dresdner Gesch.bll. 28, 1919, 203-206. – Annales Veterocellenses, MGH SS XVI, 46. – Anhang in: Ermisch (siehe unter L.)

Literature

Die historische Literatur in Sachsen war seit dem späteren 19. Jh. nachhaltig geprägt von dem sächsischen Staat und der Regierung seiner Dynastie, die man beide schon im hohen MA in fast flächendeckender Landesherrschaft angelegt sah. Noch 1989 heißt es: die Wettiner seien mit »Sachsen-Thüringen […] zu einer Einheit zusammengewachsen«, ihre »geschichtliche Aufgabe« sei es gewesen, diesen Raum »aus feudaler Zersplitterung zu politischer Einheit zu bringen«, ihre »Grundhaltung« sei »die Orientierung auf den Fortschritt« gewesen (so der angesehene sächsische Historiker Karlheinz BLASCHKE in: 900 Jahre Haus Wettin, Regensburg 1989, S. 15 f.). Solche Auffassungen haben dazu beigetragen, daß die traditionelle Sicht z.T. über die Zeit der DDR und darüber hinaus durchgehalten werden konnte. Das Wirken des ma. Kgtm.s und seiner Amtsträger im mitteldt. O wurde demgemäß oft nicht richtig wahrgenommen. Nach 1945 mußten die wichtigsten sächsisch-thüringischen Historiker ihr Land verlassen; deshalb konnten Schlesinger, Patze und Helbig wie auch Quirin oder Schieckel in ihrer Heimat kaum rezipiert werden. So verdient die auf Schlesinger fußende sowie archäolog. Ergebnisse einbeziehende Forschung von Reinhard Spehr unbedingt Beachtung, seine weiterführenden Überlegungen verdienen auf jeden Fall Prüfung; die Auseinandersetzung mit ihm sollte jedenfalls nur mit wissenschaftlichen Mitteln geführt werden. Zur Zeit überwindet die neuere sächsische Forschung weitgehend die einengende Sicht. Literatur in Auswahl: Dohna, Lothar Graf zu/Dohna, Alexander Fürst zu (†): Die Dohnas und ihre Häuser [in Vorbereitung]. – (Immer noch grundlegend, wenn auch z.T. fehlerhaft:) Dohna, Siegmar Graf zu [mit Traugott Märcker]: Die Donin's. Aufzeichnungen über die erloschenen Linien der Familie Dohna, als Ms. gedr. Berlin 1876. – Dohna, Siegmar Graf zu: Die Dohna's. Aufzeichnungen über die Vergangenheit der Familie Dohna, Bd. I-IV, als Ms. gedr. Berlin 1877-1886 (mit Beiheft 1-12), Nachtrags-Hefte 1-11 (als Ms.) Berlin oder o.O. 1893-1903 (darin auch Qucken.) – (Im einzelnen:) Baudisch, Susanne: Lokaler Adel in Nordwestsachsen, Köln u. a. 1999, (Geschichte und Politik in Sachsen, 10). – Billig, Gerhard/Müller, Heinz: Burgen. Zeugen sächsischer Geschichte, Neustadt an der Aisch 1998. – Die Burgen und vorgeschichtlichen Wohnstätten der Sächsischen Schweiz, hg. von Alfred Meiche, Dresden 1907, ND Sebnitz 2000. – Dannenberg, Lars-Arne/Günther Maike: Dresdens Ersterwähnung zu 1206 und kein Ende. Vom Wert der Urkunde, in: NASG 77 (2006) S. 175-191. – Ermisch, Hubert: Die Dohnasche Fehde, in: NASG 22 (1901) S. 225-290). – Europäische Stammtafeln, hg. von Detlev Schwennicke, NF, Bd. 19: Zwischen Weser und Oder, Frankfurt am Main 2000, Taf. 115-141 (viele einzelne Fehler). – Geschichte der Stadt Dresden, Bd. 1, hg. von Karlheinz Blaschke, Stuttgart 2005 (darin bes. Thieme und Oelsner). – Handbuch der historischen Stätten, Bd. 8: Sachsen, hg. von Walter Schlesinger, Stuttgart 1965; Bd. 16: Böhmen und Mähren, hg. von Joachim Bahlcke, Winfried Eberhard und Miloslav Polívka, Stuttgart 1998; Bd. 15: Schlesien, hg. von Hugo Weczerka, Stuttgart 1977; Bd. 13: Ost- und Westpreußen, hg. von Erich Weise, 1966 (Art. »Schlobitten« fehlerreich). – Helbig, Herbert: Der wettinische Ständestaat, Köln 1955, 2. 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