Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich

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ÜSENBERG

C. Üsenberg – Residenzen

I.

Die namengebende Burg der Ü.er (Husenberch) befand sich unweit nördlich von Breisach. Ihre Ersterwähnung findet sich in der schon erwähnten Fälschung um 1180, die vorgibt, eine päpstliche Besitzbestätigung aus dem Jahre 1139 zu sein. Dort wird die Burg als castrum de Husenberch cum tota augia bezeichnet. Diese Fälschung gilt als Reaktion des Basler Bm.s auf die Bedrängnis durch die Hzg.e von Zähringen. Ihre inhaltliche Glaubwürdigkeit wird in der Forschung allerdings nicht bestritten. Somit wäre die Burg ein Lehen des Bm.s Basel gewesen. In denselben Kontext fällt auch die conventio zwischen Kg. Heinrich VI. und Bf. Heinrich I. von Basel von 1185, die unter anderem die Befestigung Breisachs und des Isteiner Klotzes vorsah. Hier findet eine Wohnstätte der Ü.er in der baslerischen Stadt Breisach Erwähnung, die aus dieser Befestigung ausgenommen wird: […] excepta una mansione Burchardi de Usenberc. Inwiefern sich dieser Beleg auf die Burg beziehen läßt, ist strittig.

Im Jahre 1291 wird die Burg Ü. bereits als Burgstall bezeichnet, das heißt eine abgegangene Burg. Wann die Burg erbaut wurde, ist unbekannt. Die erste Zubenennung des Adelsgeschlechtes nach dem Ü. findet sich 1139, was einen gewissen terminus ante quem für die Errichtung annehmen läßt.

In welchem Zusammenhang ihre Zerstörung erfolgte, kann nicht genau bestimmt werden; möglicherw. wurde sie von Gf. Egen I. von Freiburg im Zuge einer Racheaktion für die Belagerung der Stadt → Freiburg, an der Hesso von Ü. teilgenommen hatte, um 1278 zerstört, denn die Annales Colmarienses Maiores berichten zum Jahre 1278: Item destructum fuit Zeringen noviter edificatum, et turris prope Brisacum, et Coliberc. Dieser Beleg wurde auf die Burg Ü. bezogen, jedoch könnte er auch den zähringischen Donjon in Breisach meinen. Andererseits wird einer Supplik Rudolfs von Ü. an Papst Innozenz IV., die zwischen 1245 und 1248 datiert wird, berichtet pro defensione ecclesie […] natale castrum quod a proavis nostris iure hereditario possedimus est destructum. Auch dieser Beleg könnte auf die Ü. Bezug nehmen. Infolgedessen wurde vermutet, die berichtete Zerstörung sei in den Auseinandersetzungen zwischen Papst Honorius III. und Ks. Friedrich II. um 1225 geschehen. Diese These ist plausibel, da sich der Beleg sehr wahrscheinlich auf keine andere Burg der Herren von Ü. beziehen läßt außer ihre namengebende. Dies schließt einen Wiederaufbau und eine erneute Zerstörung um 1278 nicht aus. Das vermutete Datum der erstmaligen Zerstörung von 1225 allerdings muß spekulativ bleiben, jedoch zumindest vor dem Tod Papst Innozenz' IV. um 1254 als terminus ante quem liegen. Außerdem ist ein Vertrag von 1255 überliefert, in dem Bf. Berthold von Basel den Bürgern von Breisach zusichert, daß keine Burg im Umkreis von einer Meile um Breisach mehr erbaut werde, was als Reaktion auf die Zerstörung der → Üsenberg interpretiert werden kann. Der Berg wurde 1320 von Burkhard III. und Gebhard von Ü. um 60 Mark Silber an den Rat und die Bürger von Breisach verkauft.

Die Entstehung der Kirnburg, von der heute noch Ruinen sichtbar sind, ist bereits aufgrund schriftlicher Quellen im 12. Jahrhundert anzunehmen. Sie wurde vermutlich im Dreißigjährigen Krieg zerstört. Als Vorgängeranlage wurde die Burg auf dem nahen Gewann Kastenbuck in Erwägung gezogen, jedoch können auch beide Anlagen parallel zueinander bestanden haben. In der Ersterwähnung der Kirnburg im Rotulus Sanpetrinus – dem Urk.n- und Besitzverzeichnis des Kl.s St. Peter im Schwarzwald – zum Jahre 1203, macht Abt Bertold seinen Anspruch auf Besitz in contiguo declivio castri Chŏrnberc deutlich. Wenige Jahre später, 1219, ist die Kirnburg im Besitz Rudolfs von Ü. greifbar und fungiert als Actumort: in castro nostro curinberc in prima porta superiori. Als Bauherr wurde Burkhard II. von Ü. in Erwägung gezogen. Nach der Teilung der Herrschaft war die Kirnburg Schwerpunkt der Niederen Herrschaft; nach dem Ableben der Ü.er erhielt sie die Bezeichnung »Herrschaft Kirnburg und Kenzingen«. Um die Mitte des 14. Jh.s wurde sie zum habsburgischen Lehen.

Eine Identität der Kirnburg und der Burg Kenzingen wurde bereits in der älteren Forschung verneint. Die Burg in Kenzingen war wohl im Besitz der gleichnamigen Herren, die möglicherweise vor den Herren von Ü. die Vogtei über die Andlauer Besitzungen im Breisgau inne hatten.

Die Burg Höhingen bei Achkarren, die nach der Herrschaftsteilung zu der so genannten Oberen Herrschaft gehörte, wurde als Ersatz für die zerstörte Burg auf dem Ü. ins Gespräch gebracht. Eine Nachricht in Johann Daniel Schöpflins »Historia Zuringo-Badensis« scheint dies zu bestätigen. Indirekt ist sie erstmals in einer Urk. des Jahres 1259 zu fassen, in der ein miles Ruͤtherus de Hohingen in einer Urk. Hessos IV. als Zeuge auftritt. Ältestes archäologisches Fundmaterial wird ebenso in das 13. Jh. datiert. Im Jahr 1306 ist von einem Ruolande, unserem lieben diener, un unsern Pfleger ze Höhingen, in einer Urk. Hessos IV. und Burkhards III. die Rede. Sie muß also zwischen 1259 und 1306 in den Besitz der Ü.er gelangt sein. Als vesti ist die Burg erst 1336 belegt, wo sie als Pfandschaft des Vormundes Johanns und Hessos V., Heinrich von Hachberg, für Endingen und → Freiburg fungiert. Probleme bereiteten der Forschung die Tatsache, daß der Burgname Höhingen für diese Zeit sehr ungewöhnlich ist, jedoch, wie beschrieben, vor der Mitte des 13. Jh.s keine Burg greifbar ist. Vermutet wird, daß die Burg ihren Namen sekundär von einer ebendortigen Wüstung übernommen hat, welche allerdings nicht näher lokalisiert ist.

Die Burg auf dem Michaelsberg bei → Riegel wurde erstmals um 1180 als Actumort Hzg. Bertholds IV. von Zähringen erwähnt. Sie fand sich im Besitz der Zähringer bzw. in Händen ihrer Ministerialen von Roggenbach. Seit 1238 sind die Herren von Ü. als Burgherren belegt. Wie sie in deren Besitz gelangte, ist unklar. Im folgenden entwickelte sich die Burg → Riegel zu einem wichtigen Herrschaftspunkt der Oberen Herrschaft der Herren von Ü. Johann von Ü. verkaufte die Burg Riegel 1356 an Johann Snewlin im Hof. Heute steht eine spätma. Kapelle auf dem Michaelsberg, die nach archäologischen Untersuchungen als mögliche Burgkapelle diskutiert wird.

Die Burg in Eichstetten, um 1130 erstmals als castrum Eistat erwähnt, war die namengebende Burg des mit den Ü.ern mutmaßlich verwandten Geschlechtes. 1315 verkaufte Ulrich von Eichstetten diese Burg samt allen Rechten in Eichstetten an Burkhart III. und Gebhard von Ü. Ein Jahr zuvor hatten sich die Ü.er der Stadt → Freiburg verpflichtet, keinen wehrhaften Bau mehr in Eichstetten zu errichten. Daher wäre sogar nach zwei Burgen in Eichstetten zu suchen. Im Jahre 1359 wird ein burgstal ebendort erwähnt. Nach der Niederlage der Linie der Oberen Herrschaft von Ü. im so genannten Kaiserstühler Krieg 1322 mußte diese das Dorf Eichstetten von den → Freiburger Gf.en zu Lehen nehmen. Es liegt nahe, daß eine Burg in diesem Zusammenhang zerstört wurde.

Die Burg in Weisweil war Straßburger Besitz und wird erstmals 1349 im Zusammenhang mit den Herren von Ü. greifbar, als Friedrich, Inhaber der Niederen Herrschaft, sie seiner Gemahlin Susanna mit Erlaubnis des Straßburger Bf.s Bertold von Straßburg als Morgengabe übergab. Im Jahre 1356 wurde die Burg von Bf. Johannes von Straßburg an Simund von Lichtenberg, seinen Bruder, verliehen. Zu Lebzeiten Friedrichs von Ü. allerdings hatte dieser dem Mgf.en Heinrich von Hachberg wohl bereits die gesamte Niedere Herrschaft mit der Burg, ohne Erlaubnis des Straßburger Bf.s, übergeben, und so war es zu einer doppelten Vergabe gekommen. Daher kam es gegen Ende des 14. Jh.s zu einem Rechtsstreit zwischen Mgf. Hesso von Hachberg und dem Lichtenberger. Durch einen Schiedsspruch konnte 1405 der Streit schließlich durch eine Entscheidung Kg. Ruprechts beigelegt werden, die strittigen Güter wurden geteilt. Die Koliburg in Endingen war Sitz der Familie Koler, die das Schultheißenamt von Endingen innehatte, welches vom Kl. Andlau zu Lehen ging. Das Verhältnis der Koler zu den Ü.ern ist unklar; möglicherweise hatten sie jedoch das Schultheißenamt als Afterlehen inne. Hierfür spricht der Umstand, daß in späterer Zeit, seit dem 14. Jh., die Endinger Schultheißen Lehensnehmer der Ü.er waren. Eine ursprgl. Bindung dieses Amts und Lehens an die Koliburg ist nicht belegt. Lediglich der Name Koliburg, der sich von dem Namen der Familie Koler abgeleitet haben mag, gibt hierfür ein vages Indiz. Der älteste Beleg für die Burg ist zugleich der ihrer Zerstörung: die »Annales Colmasiensy maiores« berichten, wie bereits zitiert, zum Jahre 1278: Item destructum fuit Zeringen noviter edificatum, et turris prope Brisacum, et Coliberc. Dies steht im Kontext mit der bereits zitierten Fehde Graf Egens I. von Freiburg gegen Kg. Rudolf von Habsburg. Daher werden in der Forschung die Truppen Egens oder der Stadt Freiburg für die Zerstörung verantwortlich gemacht. Danach muß sie jedoch wiederaufgebaut worden sein, da sie im Kaiserstühler Krieg 1321 endgültig zerstört wurde.

III.

Rudolf II. v. Ü. wurde in Kl. Wonnental bestattet. Inwiefern das Kl. zur Grablege der ganzen Familien wurde, läßt sich nicht belegen. Dieses Kl. wurde von Rudolf II. wohl im Zuge des Stadtgründungsprozesses Kenzingens eingerichtet. Es wurden vermutlich zwei Dominikanerinnenkonvente, einer aus Nidingen und ein anderer aus Altenkenzingen, beide Orte heute wüst, zusammengelegt. In seiner Frühgeschichte ist die Ordenszugehörigkeit des Kl.s nicht eindeutig greifbar und changiert zwischen dem Dominikaner- und Zisterzienserorden. Ab 1248 scheint es endgültig dem Zisterzienserorden zugehörig.

Sources

Breisach, GLA H 17 (1782). Der Rotulus Sanpetrinus nach dem Original im Großherzoglichen General-Landesarchiv zu Karlsruhe, hg. von Friedrich von Weech, in: Freiburger Diözesan-Archiv 15 (1882) S. 133-184. – Monuments de l'histoire de l'ancien évêché de Bâle, hg. von Joseph Trouillat, 5 Bde., Porrentruy 1852-1867 – Quellensammlung zur badischen Landesgeschichte, hg. von Franz J. Mone, 4 Bde., Karlsruhe 1848-1867. – Schöpflin, Johann Daniel: Historia Zaringo-Badensis, Bd. 1, Karlsruhe 1763. – Urkunden zur Geschichte der Herrschaft Üsenberg, hg. von Heinrich Maurer, in: Zeitschrift der Gesellschaft für Beförderung der Geschichts-, Altertums- und Volkskunde von Freiburg, dem Breisgau und den angrenzenden Landschaften 5 (1879-1882) S. 193-326.

Literature

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