Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich

Return to list

BLÂMONT

A. Blâmont

I.

Die Herren von B. (Blankenberg) sind eine jüngere Linie der Gf.en von → Salm. Bei der Teilung zwischen Heinrich IV. und Friedrich von → Salm.Mitte des 13. Jh.s ging an Friedrich die Kastellanei B. im frz. Sprachgebiet. Sein Sohn Henri nannte sich nur noch nach B. und änderte auch das → Salmer Wappen.

II.

Die Herren von B. haben nach ihrer Abschichtung aus dem → Salmer Gf.enhaus den Gf.entitel nicht mehr selbst geführt. Das entsprach romanischem Brauch. Als Fremdbezeichnung blieb er freilich weiterhin geläufig. Erst Louis von B. hat den Gf.entitel seit 1490 wiederaufgenommen. Der gfl. Rang dürfte eine der Voraussetzungen dafür gewesen sein, daß Ks. Karl IV. Thiébaut I. von B. 1356 zum ksl. Vikar in Lothringen und zeitweiligen Hauptmann des lothringischen Landfriedens ernannte.

Die Familie stellte Äbt.nen der Kanonissenstifte Epinal und Remiremont und im 15. Jh. mit Olry II. einen Elekten von Metz und Bf. von Toul.

III.

Die Gf.en von → Salm (in den Vogesen) führten als Wappen zwei abgekehrte silberne Salme in rotem, mit silbernen wiedergekreuzten Fußspitzkreuzchen besäten Feld. Die Herren von B. wandelten dieses Wappen leicht ab, indem sie die Fußspitzkreuzchen wegließen (erster Siegelbeleg: 1277). Als Helmzier verwendeten sie meist einen mit einer Federkugel bekrönten und von zwei gestürzten Salmen beseiteten Spitzhut. Eine frühe Blasonierung des Wappens findet sich in dem Gedicht »Tournois de Chauvenci« (1285) des Herolds Jacques Bretel, der Henri I. von B. als Turnierkämpfer würdigt.

Ganz oder teilw. sind von den Herren von B. errichtet worden die Burgen → B., Châtillon(-sur-Vezouze) und Deneuvre, die Maison forte in Magnières und der Vogttum in Baccarat. Die Grabdenkmäler von Mitgliedern der Familie in der Stiftskirche St-Sauveur und in der Kollegiatkirche von Deneuvre haben sich nicht erhalten.

IV.

Um 1230 revoltierte der nachgeborene Friedrich (gest. 1258) gegen die Erbordnung seines Vaters, Gf. Heinrich III. von → Salm. Es scheint, als habe er zu Lebzeiten des Vaters die gesamte Gft. an sich bringen wollen. Nach dessen Tod 1246 kam es zum Konflikt mit dem Sohn seines frühzeitig verstorbenen Bruders Heinrich, Gf. Heinrich IV. von → Salm. Friedrich mußte sich schließlich mit den Kastellaneien B. und Deneuvre und der Vogtei in Vic-sur-Seille zufrieden geben. Als Gegenleistung für die finanzielle Unterstützung des Bf.s von Metz trug er diesem 1247 Burg und Herrschaft B. zu Lehen auf. Unter seinem Erben und Nachfolger Henri I. (gest. 1331), li grans sires de Blamont, erreichten die Herren von B. den Höhepunkt ihrer Macht und ihres Reichtums. Das regulierte Chorherrenstift St-Sauveur in den Vogesen wurde Hauskl. und Grablege. 1264 nahm es Henri unter seinen bes. Schutz. Er kämpfte auf Seiten des Gf.en von Flandern und seiner Verbündeten im Krieg gegen den Kg. von Frankreich (1297-1304) und wurde mit bedeutenden Geldlehen entschädigt. 1301 stiftete er zusammen mit seiner Familie in Deneuvre eine Kollegiatkirche unter dem Patronat des Hl. Georg. Die Stiftung wurde auch vollzogen im Namen von Hzg. Ferry von Lothringen, des verstorbenen Kg.s Rudolf, des verstorbenen Gf.en Thiébaut von Bar und des verstorbenen Gf.en Guy von Flandern als Dank für die von ihnen empfangenen Wohltaten. Er erweiterte den Besitz im Tal der Meurthe nordwestlich von Deneuvre um lothringische Lehen und Pfandschaften (Azerailles, Flin, Gélacourt, Glonville, Badménil). Ebenfalls als Lehen empfing er vom Hzg. von Lothringen Magnières, wo er bereits eine Maison forte errichtet hatte. Auch die übrigen oben erwähnten Burgbauten und die Befestigung der Burgsiedlung B. gehen auf Henri zurück. Seine Enkel Henri III. und Eymequin II. nahmen eine Teilung vor, doch mit dem Tod von Eymequin in der Schlacht von Crécy 1346 kam die Ausbildung einer jüngeren Linie zu einem frühen Ende. Thiébaut II. von der älteren Linie wußte es zu verhindern, daß über die Heiraten der beiden verbliebenen Schwestern von Eymequin Besitzrechte im Zentrum der Herrschaft auf Dauer an die Gf.en von → Salm und die Herren von Faucogney gelangten. Mit Eymequins Schwester Marguerite kam es über diese Frage zu einer längeren Fehde, die 1378 mit ihrer milit. Niederlage und ihrem Verzicht auf jegliche Ansprüche auf B. endete. Im darauffolgenden Jahr ließen die Söhne von Thiébaut. II., der 1376 gest. war, von der burgundischen Verwandtschaft eine Besitzteilung vornehmen. Wieder war, wie schon ein, zwei Generationen zuvor, die Frage strittig, ob die signourie et baronnie de Blanmont geteilt oder gemeinschaftlich regiert werden sollte. Man verzichtete darauf, allen einen Anteil an B. und Deneuvre zu belassen und begründete dies mit den vorangegangenen Erfahrungen: ihr Vater Thiébaut habe über dem Streit schließlich sein Leben verloren, die Herrschaft B. sei völlig verwüstet worden. Gemeinbesitz führe nur allzuoft zu Haß und Zwietracht. Bei der Teilung wurden die Burgen und Städte → B. und Deneuvre nach lothringischem Gewohnheitsrecht als préciput behandelt und dem Ältesten, Henri IV., zugeschlagen. Ansonsten erfolgte zwischen den vier Brüdern eine Teilung zu gleichen Teilen, bei der die jüngeren Brüder auch Besitzrechte in den Kastellaneien B. und Deneuvre erhielten. Diese erhielten zudem den Besitz in der Woëvre, die großen Lehensrenten in Brabant und der Champagne, die Vogteirechte in Vic-sur-Seille und Neufchâteau und v.a. die durch Heirat erworbenen burgundischen Burgen Vellexon und Oricourt sowie Fougerolles im burgundisch-lothringischen Grenzgebiet. Die burgundischen Herrschaften gingen auf diese Weise der Familie langfristig verloren. Im 15. Jh. einigten sich die Brüder Ferry II., Olry II. und Thiébaut III. auf eine Nutzungsteilung. Nach dem Tod von Thiébaut huldigte Ferry 1474 Hzg. René II. von Lothringen für seine Lehen comme ainsne de lostel et seigneurie von Blâmont. An der Hälfte der Herrschaft hatte weiterhin Olry den Nießbrauch. Die Söhne von Ferry sind früh verstorben. Olry (gest. 1506), der 1495 den Bf.sstuhl von Toul bestiegen hatte, setzte als Letzer seines Geschlechts 1504 testamentarisch den Hzg. von Lothringen als Alleinerben ein.

Olry ließ sich in der Kollegiatkirche von Deneuvre beisetzen. Sie fiel der Revolution zum Opfer. Das ältere Hauskl. St-Sauveur ist bereits in den Religionskriegen 1568/69 völlig zerstört worden.

Sources

Jacques Bretel, Le tournoi de Chauvency, ed. Maurice Delbouille, Lüttich/Paris 1932. – Richer von Senones, Gesta Senoniensis ecclesiae, ed. G. Waitz, in: MGH SS XXV S. 249-345.

Literature

Bernhardt, C.: Deneuvre et Baccarat d'après les documents inédits, Nancy 1895. – Bertin, J.: Le siège du château de Vellexon en 1409, in: Bulletin de la Société d'agriculture, lettres, sciences et arts du département de la Haute-Saône 31 (1900) S. 1-190. – Chatton, Edmond: Histoire de l'abbaye de Saint-Sauveur et de Domêvre, in: Mémoires de la Société d'archéologie lorraine et du Musée historique lorrain, 3e sér., 25 (1897) S. 1-166. – Martimprey de Romecourt, Edmond de: L'abbaye de Haute-Seille, in: Mémoires de la Société d'archéologie lorraine et du Musée historique lorrain, 3e sér., 15 (1887) S. 86-136. – de Martimprey de Romecourt, Edmond: Les sires et comtes de Blâmont. Etude historique, Nancy 1890. – Dedenon, A[lphons-Joseph]: Histoire du Blâmontois, des origines à la Renaissance, Nancy 1931. – Lepage, Henri: Les seigneurs, le château, la châtellenie et le village de Turquestein, in: Mémoires de la Société d'archéologie lorraine et du Musée historique lorrain, 3e série, 14 (1886) S. 109-195. – Tribout de Moremberg, H.: Olry de Blâmont, évêque élu de Metz (1459), in: Les Cahiers lorrains 1967 S. 97-100.