Hohe Auszeichnung für die Forschung im Akademieprojekt „Reichshofratsakten“

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Prof. Dr. Wolfgang Sellert (li.) erhält die Auszeichnung vom Generaldirektor des Österreichischen Staatsarchivs, PD Dr. Helmut Wohnout. Foto: BKA/Dunker

Wolfgang Sellert erhält Österreichisches Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst 1. Klasse

GÖTTINGEN. Der Göttinger Rechtshistoriker Prof. em. Dr. Wolfgang Sellert ist am 8. Oktober 2021 mit dem Österreichischen Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst 1. Klasse ausgezeichnet worden. Sellert erhielt die zweithöchste Auszeichnung Österreichs auf den Gebieten der Wissenschaft und Kunst für das von ihm geleitete Forschungsprojekt „Erschließung der Akten des Kaiserlichen Reichshofrats“ der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen. Er wurde geehrt für seine bahnbrechenden Forschungen zur Höchstgerichtsbarkeit des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation und speziell für die Erschließung tausender im Österreichischen Staatsarchiv aufbewahrter Gerichtsakten des Kaiserlichen Reichshofrats.

Mit dem bei der Göttinger Akademie angesiedelten Forschungsprojekt wird eine gewaltige Lücke in der Rechtsgeschichte geschlossen. Von den beiden höchsten Gerichten im Heiligen Römischen Reich, dem Reichskammer-gericht und dem Reichshofrat, war bis 1999 weitgehend nur die Rechtsprechungspraxis des ersteren bekannt, so gut wie unbekannt hingegen war die Arbeit des Reichshofrats. Dabei ist der Aktenbestand des Reichshofrats, der im Wiener Haus-, Hof- und Staatsarchiv lagert, nahezu ebenso umfangreich wie die Prozessakten des Reichskammergerichts. Aus rund 70.000 Akten in deutscher, teils aber auch lateinischer Sprache besteht das Datenmaterial, das die Mitarbeiter der Arbeitsstelle in Wien studieren und extrahieren.

Das Reichshofrats-Projekt dürfte Sellert zufolge zu einem Kurswechsel in der Rechtshistorie des Alten Reichs führen. „Die Judikatur des Reichshofrats, der einst als ‚von durchtriebenen Jesuitenköpfen inspiriertes willfähriges Organ des Kaisers‘ abqualifiziert wurde, war von zentraler Bedeutung für Recht, Verfassung und Politik des heute 18 europäische Staaten umfassenden Heiligen Römischen Reichs“, stellt Sellert klar. Sie stehe der Rechtsprechung des als Symbol der Freiheit und Einheit gelobten und bisher in der Forschung favorisierten Reichskammergerichts nicht nach.

Das Akademieprojekt „Erschließung der Akten des Kaiserlichen Reichshofrats“ ist Teil des von Bund und Ländern geförderten Akademienprogramms, das der Erhaltung, Sicherung und Vergegenwärtigung des kulturellen Erbes dient. Koordiniert wird das Programm von der Union der deutschen Akademien der Wissenschaften.