Residenzstädte im Alten Reich (1300-1800)

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Wijk bij Duurstede

Wijk bij Duurstede

(1) Etwa 23 km südöstlich Utrechts liegt W. an der Lek bzw. dem Neder-Rijn. W. liegt an einer hydrologisch bedeutsamen Stelle. Bis ins Hochmittelalter floss der Hauptarm des Rheins (ungefähr im Bett des heutigen Kromme Rijn) nach Utrecht, von dort weiter als Oude Rijn über Leiden nach Katwijk, wo er in die Nordsee mündete. Durch einen 1122 gefällten Beschluss wurde der Kromme Rijn durch einen Damm abgeschlossen und der Hauptwasserabfluss über die Lek geführt, einem ursprünglich unbedeutenden Seitenarm des Rheins, der seit der Antike jedoch den zunehmend versandenden Kromme Rijn hinsichtlich der Wassermenge zu überflügeln begann. Die Stelle, an der sich Lek und Kromme Rijn trennten, verschob sich im Laufe der Zeit etwas weiter nach Nordosten, bis sie im 12. Jahrhundert dort lag, wo der Kromme Rijn dann künstlich abgetrennt wurde. Direkt westlich dieser Stelle wurde zu Anfang des 13. Jahrhunderts eine Adelsburg errichtet. Grund für die Abdämmung war die Entwässerung der Niederungsgebiete nördlich W.s (bzw. südlich Utrechts), die für den Landesausbau erschlossen werden sollten. Utrecht konnte mit dem Vaartse Rijn, einem ab 1127 angelegten, nur 13 km langen Kanal, etwa 23 km weiter westlich in Vreeswijk mit der Lek verbunden werden.

W. ist die Nachfolgesiedlung des in römischer Zeit als Grenzkastell, im Frühmittelalter, insbesondere unter den Karolingern, als Handelsemporium, Zollstelle und Münzprägestätte bedeutenden Dorestads. Im 9. Jahrhundert wurde Dorestad mehrmals von Wikingern geplündert, das letzte Mal 863, danach wurde der Ort aufgegeben, verblieb wohl als Wiek (auch Wik), d.h. als ländlich-agrare Siedlung, die im 10. Jahrhundert wieder eine Kirche erhielt. Wenige Hundert Meter südöstlich davon entfernt errichteten im frühen 13. Jahrhundert die Herren Zuylen van Abcoude direkt an der Stelle des Damms eine Burg mit Wohnturm, um die sich eine Siedlung entwickelte, die 1300 Stadtrecht erhielt; bereits 1295 wird eine Fähre über die Lek erwähnt. Die Bezeichnung Duurstede für die Burg erscheint erstmals 1322, dürfte aber älter sein. W. war von 1459 bis 1528/1580 Residenzstadt der Bischöfe von Utrecht. Der auf Druck des burgundischen Hzg.s Philipps des Guten 1455 zum Bischof gewählte illegitime Sohn des Hzg.s, David von Burgund (reg. 1456-1496), verlegte seinen Hauptaufenthaltsort 1459 nach W. 1528 übertrug Bf.selekt Heinrich von Bayern bzw. von der Pfalz (reg. in Utrecht 1524-1529) die weltliche Herrschaft über das Bistum Utrecht an Kaiser Karl V. als Landesherrn der Niederlande, so dass der Bischof (1559 zum Erzbischof erhoben) hinfort allein als geistliches Oberhaupt über die Diözese wirkte. Im Rahmen des in den 1560er Jahren beginnenden Aufstands der niederländischen Stände gegen die Landesherrschaft der spanischen Habsburger und der Durchsetzung der calvinistischen Reformation wurde das Bistum 1580 aufgelöst, die Burg kam in den Besitz der Stände, die sie langsam verfallen ließen.

(2) Nach dem Untergang Dorestads entstand in W. im 10. Jahrhundert die erste Kirche in diesem Gebiet. In W. verfügten sowohl der Bischof von Utrecht als auch der Kaiser über Grundbesitz (belegt für Otto I.). 1001 schenkte der Kaiser seinen ererbten Grund und Boden an den Erzbischof von Köln, der sie 1016 an die von ihm gegründete Abtei Deutz schenkte; diese erhielt weiteren Grundbesitz und die Adala von Hamaland und ihrem Ehemann Graf Balderick gehörende Kirche. Deutz verkaufte den Grund 1256 an den Grafen von Geldern, der ihn, nunmehr als »W.se Hof« bezeichnet, als Lehen an den Herrn Zuylen van Abcoude ausgab. In dessen Nachbarschaft errichteten sie einen Wohnturm. Gijsbrecht II. van Abcoude verlieh 1300 das Utrechter Stadtrecht, das u.a. einen Jahrmarkt und einen Wochenmarkt vorsah. Eventuell handelt es sich bei der Urkunde für Rhenen (gelegen am Nederrijn, Sitz einer bfl.en Zollstelle) um ein Vorbild; als 1400 bei einem Stadtbrand die Rhenener Urkunde verloren ging, besorgte man sich in W. eine Kopie als Ersatz. 1494 verlieh Bischof David von Burgund zwei weitere Jahrmärkte, darunter einem Pferdemarkt.

Vermutlich bald nach Verleihung des Stadtrechts begann man mit der Befestigung, die zwei Straßenzüge umschloss, die sich von der Burg zum wichtigsten Stadtzugang erstreckten (Achterstraat, Volderstraat), bei dem es sich um das im Norden der Stadt gelegene Veldpoort handelte, wo stadtauswärts der Lageweg begann (heute Zandweg). Gekreuzt wurden die drei Straßen vom Markt, der Maleborduurstraat und der Peperstraat. Vor der Burg lag die Voorstraat, soviel wie Vorderstraat bedeutend, früher Keizerstraat genannt, die zum Markt führt. Eventuell wurde die Achterstraat erst im Zusammenhang mit der Befestigung W.s angelegt. Bereits um 1350 wurde W. um das östliche Umfeld namens »De Ark« oder »Het Ark« zur Lek hin erweitert - Indiz starken Wachstums -, dessen rechtwinklige Baublöcke gezielte Planung nahelegen; zwischen dieser Neustadt, der Muntstraat, und dem älteren Teil, der Volderstraat, gab es bis in das 19. Jahrhundert unbebaute Flächen. Die Ostgrenze der Stadt bildete der Lekdijk, das am östlichen Rand gelegene Leutertor wird 1372 erstmals erwähnt. In Verlängerung der Oeverstraat wurde das Watertor gebaut. Etwa 1440-1450 wurde eine neue Ummauerung angelegt. In Folge der Residenznahme Bischof Davids von Burgund 1459 konnte die Anlage neuer, querender Straßen in der Stadterweiterung »De Ark« entstehen sowie der Bau des Leutertors im Osten der Stadt, wo sich die bischöfliche Zollstelle befand. 1659 wurde das Leutertor umgebaut zur Lohmühle namens »Rijn en Lek« (als Tormühle einzig in seiner Art). Auf einem anderen Turm der Stadtmauer wurde später eine Kornmühle erbaut. Nach 1850 wurden die Stadtmauern abgerissen.

Während des wirtschaftlichen Niedergangs in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts wohnten 1500-2000 Einwohner in der Stadt, W. trug in dieser Zeit so gut wie nichts zur Besteuerung durch die Stände bei. In der zweiten Hälfte dieses Jahrhunderts war die Situation etwas besser. Wohnbebauung konzentrierte sich auf den Markt, Peper-, Oever, Kloosterleuter- und Veldpoortstraat, d.h. auf die der Burg abgewandten Seite, zur Burg hin gab es größere Freiflächen. Die Befunde der statistischen Erhebung von 1815 lassen sich auf das 18. Jahrhundert übertragen. So gab es sechs Bauernhöfe in der Stadt (außerhalb 18), etwa ein Viertel der Bevölkerung war als Tagelöhner tätig oder galt als arm. Innerhalb der Mauern gab es 258 Häuser, außerhalb 67. In gewerblicher Hinsicht fallen die Lohgerber, die Lohmühle, die Kornmühle, zwei Grutmühlen, eine Ölmühle und eine Sägemühle auf.

Das älteste erhaltene Siegel stammt von 1512 und zeigt einen punktierten Schild mit einem Balken, beladen mit drei Säulen (das sprechende Bild des Familienwappens van Zuylen aufnehmend) und der Umschrift »SIGILLUM CIVITATIS DE WIIC«.

(3) Ursprünglich lag die erste, im Hochmittelalter errichtete Pfarrkirche außerhalb der späteren Stadt an der Steenstraat, im 11./12. Jahrhundert durch einen Bau aus Tuffstein ersetzt. Nachfolgeeinrichtung dieser ersten Pfarre war die Hl. Kreuzkapelle, wo sich auch der Friedhof befand, der Ende des 16. Jahrhunderts verschwand. Die Kapelle wurde 1586 wegen Baufälligkeit abgerissen. Hauptkirche der Stadt war die im 14. Jahrhundert errichtete Kirche, ebenfalls mit St. Johannes dem Täufer als Patrozinium, auch »Grote Kerk« genannt. Sie wurde im 15./16. Jahrhundert als Bf.skirche mächtig erweitert, die Bischöfe David und Philipp von Burgund fanden hier ihre letzte Ruhestätte. 1399 wurde das Dominikanerinnenkloster im Nordosten der Stadt vom Stadtherrn Willem van Zuylen van Abcoude (†1407) gegründet. Es bestand bis 1604, die Gebäude wurden 1640 abgebrochen, an der Stelle wurde 1826 die neue katholische Kirche gebaut. Kurz darauf (1400) folgte noch das »Sint Ewout en Elisabeth-Gasthuis«, ein Hospital, an der Oeverstraat, dessen Hauptgebäude sich (als eines der wenigen Hospitäler in den Niederlanden) teilweise erhalten hat. Gegründet und ausgestattet wurde es zunächst nur mit dem Ewald-Patrozinium ebenfalls von Willem van Abcoude (der zusammen mit seinem Bruder Zweder 1391 auch das Kartäuserkloster Nieuwlicht bei Utrecht gründete). Zum Gasthaus gehörte eine etwas jüngere Kapelle, die sich im hinteren Teil des Grundstücks befand. Auf der Karte Jacobs van Deventer von 1550 ist noch die Onze-Lieve-Vrouwekapel am Lekdijk verzeichnet. 1695 wurde sie durch das Fährhaus der Lek-Fähre nach Rijswijk ersetzt.

In der Achterstraat gab es eine zu einem unbekannten Zeitpunkt entstandene »schuilkerk«, ein versteckter Gemeinderaum für die Katholiken, die 1826 ihre richtige Kirche erhielten.

Einen Friedhof gab es wohl außerhalb der Stadt an der Hl. Kreuzkapelle an der Steenstraat, ursprünglich die erste Pfarrkirche; Beisetzungen fanden auch in und um die Grote Kerk statt.

1450 erließ der Stadtrat eine Instruktion für den Schulmeister, woraus folgt, dass es spätestens zu diesem Zeitpunkt eine städtische Schule gegeben haben dürfte, über die jedoch nichts weiter bekannt ist.

Juden dürfte es gegen Ende des 18. Jahrhunderts gegeben haben, 1802 wurde in einem Wohnhaus die Synagoge gegründet.

(4) Der vermutlich von Gijsbrecht I. van Zuylen van Abcoude ca. 1220-1240 errichtete Wohnturm lag südwestlich der Stadt. Seine Nachfolger vergrößerten ihn zu einer stattlichen Anlage mit vier runden Ecktürmen und einer Vorburg. 1449 mussten Burg und Stadt von Jacob van Gaesbeek, Herrn von Zuylen und von Abcoude, nach einem Konflikt mit dem Utrechter Bischof Rudolf von Diepholz (reg. 1423-1455) an ihn abgegeben werden. Nach Jacob van Gaesbeeks Tod 1459 ließ der neue Utrechter Bischof David von Burgund die Burg zu einem Renaissanceschloss mit einem imposanten runden Turm im Baustil der Herzöge von Burgund, dem »Burgundischen Turm« umbauen. Sein Nachfolger Friedrich von Baden (reg. 1496-1517) ließ die Umwallung mit Bastionen erweitern. Dessen Nachfolger, Davids Halbbruder Bischof Philipp von Burgund (reg. 1517-1524), ließ die Umwallung mit weiteren Bastionen verbessern und die Innenausstattung der Burg verschönern. Außerhalb der Umwallung befand sich der »Boomgaard«. Mit der Anlage der sternförmigen Festungsanlage 1577 sind Garten und Toranlage verschwunden. Im 17. Jahrhundert begann das Schloss zu verfallen. Im Rahmen der Verteidigung gegen die Franzosen 1672 wurde die Festung nicht instandgesetzt, nach Beendigung der französischen Besetzung wurde sie als Steinbruch genutzt für die Reparatur der Stadtmauer. 1769 wurden die Wälle zum größten Teil abgetragen (1852/53 als Promenade angelegt in der Form der vormaligen Festungswerke). Der weitere Verfall der Ruine wurde 1883 durch Renovierungsmaßnahmen aufgehalten.

Am Markt befindet sich die Kirche »St. Jan Baptist«, auch als »Grote Kerk« bezeichnet, eine backsteinerne Basilika, die zu Beginn des 15. Jahrhunderts Seitenschiffe erhielt. Bestimmend wirkt der unvollendete, dennoch außerordentlich massige Turm, dessen Gestalt dadurch erklärt wird, dass Bischof David von Burgund eine Kopie des Utrechter Domturmes zu haben wünschte. Errichtet wurde er wohl nach Plänen des Utrechter Dombaumeisters Cornelis de Wael vom Steinmetzmeister Evert van Zutphen. Zugleich wurde das Schiff verlängert. Vermutlich 1504 wurden die Baumaßnahmen eingestellt. 1520 wurden Erweiterungen wieder aufgenommen. Chor und Chorumgang wurden 1579 durch Brand vernichtet.

Aus dem 14. Jahrhundert stammt der »Nederhof« (Markt 14), ein an der Ecke zur Volderstraat gelegener Adelshof, der zur Unterbringung von (auch weiblichen) Gästen des bfl.en Hofs diente. Zum gesamten Hauskomplex gehörten auch die Grundstücke Markt 14a, 15 und 16 sowie eine »Kaatsbaan«, ein Feld für das Kaats genannte Ballspiel (die Bischöfe David und Philipp von Burgund liebten diese Freizeitbeschäftigung). Der rückwärtige Hof ist auch durch einen spätgotischen Eingang (Ende 15. Jh.) von der Volderstraat zu erreichen. Eventuell wohnte der bischöfliche Kanzler in dem Hof. 1540 und 1550 wurde die Liegenschaft an Privatleute verkauft.

Am Marktplatz steht bis heute das Rathaus, erbaut 1660-1662 im sog. »strakke stijl« des holländischen Klassizismus nach Plänen des Utrechter Baumeisters Gijsbert Thönisz. van Vianen; es ersetzte ein Gebäude aus dem frühen 16. Jahrhundert Der neue Bau hat große Ähnlichkeit mit den 1661-1663 gebauten Bürgerhäusern Janskerkhof 15A und 16 in Utrecht, errichtet vom selben Baumeister und von Van Cooten. Im Giebel hat das Rathaus das vom Utrechter Steinmetz Nicolaas van Damast geschlagene Stadtwappen W.s. Im ersten Stock, der Bel-étage, gibt es einen großen Ratssaal mit geschmückter Balkendecke. Ebenfalls am Markt befanden sich Wirtshäuser/Herbergen, so die Häuser »De Engel« (Markt 26) und »In de Roetzak« (Markt 25), deren Keller mit Tonnengewölben auf ein hohes Alter deuten. Das Haus Markt 11 lässt sich dendrochronologisch auf das Jahr 1471 datieren, im 16. Jahrhundert gehörte es einem Kanoniker der W.er Kapitelskirche.

Erhalten haben sich mehrere Häuser aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts Auf dem Markplatz stehen zwei natursteinerne Wasserpumpen mit der Jahreszahl 1759 auf dem Stadtwappen, die von einem Löwen getragen wurden. Eine weitere Pumpe befand sich beim St. Ewoud-en-Elisabeth-Gasthuis. Als Besonderheit ist das Bauernhaus Achternstraat 18 zu erwähnen, das dendrochronologisch auf das Jahr 1495 datiert werden kann und das älteste erhalten gebliebene Bauernhaus der Niederlande ist (Gaasbeek u.a. 1991, S. 79f. und 86f.).

W. kennt eine Darstellung in dem Kartenwerk von Jacob van Deventer von ca. 1550 (Utrecht Rijksarchief TA, Inv.-Nr. 483). Eine ca. 1610 von Adriaan Anthonisz van Alkmaar angefertigte Zeichnung der Befestigungswerke zeigt nur Stadtmauern und Festung (Utrecht, Rijksarchief, Inv.-Nr. 2135). 1659 wurde ein Aquarell des um Windmühlenfundament umgebauten Leutertores von Jordanus van Hoorn angefertigt, von dem es nur eine Kopie des 18. Jahrhunderts gibt (Flehite, Collektion Atlas Coenen van ’s-Gravesloot). Es existiert das Fragment einer Karte des Grundbesitzes der Utrechter Kapitelskirche Oud Munster angefertigt von D.V. Groenouw von 1667, das die Burg mit ihren Bastionen und die Stadt mit den Straßenverläufen wiedergibt (Utrecht, Rijksarchief, Oud Munster, Inv.-Nr. 727). Anonym ist eine kolorierte Zeichnung W.s aus Vogelflugsicht von ca. 1670 (Utrecht, Rijksarchief, Inv.-Nr. 486-1). Weiter gibt es eine anonyme Zeichnung von 1715, die W., vom Kromme Rijn aus gesehen, wiedergibt (Utrecht, RA, Inv.-Nr. 494-1). Auf einer Zeichnung des Jahres 1728 von L.P. Serrurier mit einer Ansicht des Vrouwenpoorts und des Waterpoorts ist ein auf dem Lekdijk befindliches und gute Aussicht erlaubendes Tee-Häuschen abgebildet, eine andere Zeichnung zeigt das Veldpoort (Gaasbeek u.a. 1991, S. 41f. und S. 53, Utrecht, RA, TA, Inv.-Nr. 502 und 509). Die Burg ist auf einer Zeichnung Roelant Roghmans aus der Mitte des 17. Jahrhunderts zu sehen (Amsterdam, Collection Rijksmuseum, RPK).

(5) Durch die Lage an der Lek war W. an den überregionalen Verkehr angeschlossen, der Lek-Deich fungierte auch als Landweg. Daneben war der Landweg nach Utrecht bedeutsam. Im 14. Jahrhundert ließ die Stadt W. einen nördlichen Weg zur Siedlung Langbroek (fünf Kilometer nördlich W.s) anlegen, den Wijkerweg. Trotz der Lage an der Lek entstand in W. kein Hafen (der Grund ist unklar, eventuell wollte man den Lekdijk, der als Stadtmauer diente, nicht beschädigen), als Handelsort war W. nicht überregional bedeutend, auch wenn nach Verlegung der Residenz nach W. die bischöfliche Zollstelle von Rhenen zu einem unbekannten Zeitpunkt nach W. verlegt wurde, weswegen die Schiffe an der Anlegestelle am Leutertor festmachen mussten. Von gewisser Bedeutung war allein der Viehmarkt.

In der frühen Neuzeit war W. Mittelpunkt eines ländlichen Gerichtsbezirks, eines »gerechts«.

(6) Mit der Aufhebung des Ebm.s Utrecht und damit einhergehend dem Verlust des Ebf.ssitzes verlor W. den wichtigsten Impulsgeber für die soziale, wirtschaftliche und kulturelle Entwicklung. W. verblieb als Nahmarkt ein Versorgungszentrum für die direkte Umgebung. Die Ausmaße, die W. mit der Stadterweiterung um 1350 erreicht hatte, wurden bis ins 19. Jahrhundert nicht überschritten. Im Gefolge Bischof Davids von Burgund hielten sich zeitweise auch berühmte Gelehrte in W. auf, so der Humanist Rudolf Agricola (1443-1485) und der Mediziner Wessel Gansfort (ca. 1420-1489), Leibarzt des Bf.s.

(7) Das Gemeentearchief Wijk bij Duurstede, laufend von 1300-1800, ist aufgegangen im Regionaal Archief Zuid-Utrecht in Wijk bij Duurstede, und dort verzeichnet unter »Toegang 001 Stadsbestuur Wijk bij Duurstede«. U.a. gibt es einen Bestand Stadtrechnungen, so zum Zeitraum 1655-1665. Im Rijksarchief Utrecht befinden sich die Bestände des Kapitel Oud Munster sowie der Hoogheemraadschap Lekdijk-Bovendam 1468-1978.

Druck des Stadtrechts: Oorkondenboek van het Sticht Utrecht tot 1301, Tl. 5, hg. von F. Kettner, Den Haag 1959, S. 435f., Nr. 2954. Danach auch in Bemmel, Ad van, Eerden-Vonk, Ria van der: De stadsrechten, 2016 (unter 8), S. 90f. - Verzeichnet in: Cox, Joost C.M.: Repertorium van de stadsrechten in Nederland, Oisterwijk 2012, s.v. Wijk bij Duurstede (im Internet www.universiteitleiden.nl/binaries/content/assets/geesteswetenschappen/institute-for-history/repertorium-stadsrechten.pdf [letzter Zugriff 17.2.21]. - Mittelniederländische Übersetzung von 1377 in Utrecht, Het Utrechts Archief, Bisschoppen van Utrecht, oud inv. Nr. 109a (nieuw 5075), fol. 2v-3r, hg. von Kaj van Vliet in: 2016 (unter 8), S. 91f.

(8)Cortenraede, L.J.J.P.: Wijk bij Duurstede in de ban van haar regenten, in: Jaarboek Oud-Utrecht 1983, S. 61-81. -Verhulst, Adriaan E.: Art. »Dorestad, I: Geschichte«, in: LexMA 3 (1986) Sp. 1264-1265. - Meischke, R.: De gotische bouwtraditie, Amersfoort 1988, S. 90 und S. 160. - Gaasbeek, Fred, Kooiman, Marinus, Olde Meierink, Ben: Wijk bij Duurstede. Geschiedenis en architectuur. Schlussredaktion Roland Blijdenstein, Zeist 1991 (Monumenten Inventarisatie Provincie Utrecht). - Wijk bij Duurstede 700 jaar stad. Ruimtelijke structuur en bouwgeschiedenis, red. von Ria van der Eerden-Vonk, J. Hauer und G.W.J. van Omme, Hilversum 2000. - De Wijkse toren. Geschiedenis van de toren van de Grote Kerk in Wijk bij Duurstede 1486-2008, red. von P.C. van der Eerden und Ria van der Eerden-Vonk, Hilversum 2008. - Bemmel, Ad van: Vijf eeuwen oud Poortboek van de stad Wijk is (nog) in Utrecht, in: Het Kromme-Rijngebied. 48 (2014) H. 1, S. 13-21. - Bemmel, Ad van, Eerden-Vonk, Ria van der: De stadsrechten van Rhenen, Wijk bij Duurstede en Vianen, o.O. 2016 (Oud Rhenen, 35, Sonderheft; Het Kromme-Rijngebied, 50, Sonderheft; In het land van Brederode, Jaarboek 2016). - Doesburg, Jan van: De bouwgeschiedenis van kasteel Duurstede (gem. Wijk bij Duurstede). Nieuw licht op een oud onderzoek, Amersfoort 2019 (Rapportage Archeologische Monumentenzorg, 255).

Harm von Seggern