(1) Die Stadt U. (in alter Form Traiectum, Trecht, Thret, Utrech, Ultrajectum u.a.) entstand an der Flussgabelung von Vecht und Altem Rhein (ndl. Oude Rijn), der bis ins Frühmittelalter hinein einer der Hauptarme des Rheins zur Nordsee war. Seit Ende des 7. Jahrhunderts war U. ein Zentralort der Christianisierung, Willibrord und Bonifatius sind als Missionare hervorzuheben. Von den 770er Jahren bis 1559 war U. Sitz eines Bf.s (Suffragan des Ebm.s Köln), 1559 erhoben zum Erzbischof (mit den Suffraganen Haarlem, Middelburg, Deventer, Leeuwarden und Groningen); 1580 wurde die öffentliche Ausübung des katholischen Glaubens untersagt, neue Erzbischöfe nicht mehr ernannt.
Zum Schutz vor Normanneneinfällen residierte der Bischof im Zeitraum von ca. 857 bis ca. 925 vornehmlich in Deventer, gelegentlich an anderen Orten. Von den Kg.en und Ks.n im Hochmittelalter, die U. gelegentlich als Pfalz nutzten, mit umfassenden Rechten (u.a. Münze), Grundbesitz und Grafschaften ausgestattet, entstand ein weites, aus zwei Teilen bestehendes bfl.es Territorium, das aus dem Niederstift (Nedersticht, in etwa der heutigen Provinz U. entsprechend) und dem Oberstift (Oversticht, ungefähr die heutigen Provinzen Overijssel und Drente und die Stadt Groningen umfassend) bestand. Im Niederstift war die Stadt U. die Hauptresidenz der Bischöfe, obwohl diese seit der Mitte des 13. Jahrhunderts auch an anderen Orten residierten (so in der Burg Ter Horst in der Nähe von Rhenen und in der Burg Vollenhoven). Zwischen 1459 und 1580 war Wijk bij Duurstede (das frühere Dorestat) die bevorzugte Residenz.
1528 wurde vom U.er Bischof die weltliche Herrschaft an Kaiser Karl V. als formellem Landesherrn der habsburgischen Niederlande übertragen. Als Mittelinstanz war ab 1534 der landesherrliche Statthalter der Grafschaft Holland-Seeland auch für das Stift U. zuständig. Im Stift U. lagen Rechtsprechung und Verwaltung von 1530 bis 1576 in Händen eines Präsidenten und des »Hof van U.«, in gewandelter Form während der Zeit der Republik bis 1811 fortbestehend.
Im Rahmen des Aufstandes übernahmen ab 1581 die Landstände, »Staaten van U.« (mit den »Gedeputeerde Staaten« als geschäftsführenden Mitgliedern) die Souveränität in der nunmehr gebildeten Provinz U.; zusammen mit den anderen Provinzen bildeten sie die Republik der »Sieben Vereinigten Niederlande«. 1580 gingen im Zusammenhang damit und im Rahmen der Institutionalisierung der seit ca. 1530 virulenten und später, ab ca. 1565/70 calvinistischen Reformation die geistlichen Funktionen verloren. Einen Teil dieser übernahm seit 1592 ein Apostolischer Vikar, zunächst im Exil und klandestin, bald aber zunehmend öffentlich und häufiger von U. aus. Zwischen 1584 und 1589 gab es erneut einen eigenen Statthalter in U. (u.a. Adolf Graf von Neuenahr und Moers), als kurzzeitig (1585-1587) auch der Generalgouverneur der Niederlande, der Earl of Leicester, ebenfalls in U. residierte, was die politische Bedeutung U.s erhöhte. Zwischen 1618 und 1641 gab es überdies noch einen Militärbefehlshaber (Gubernator), der als Stellvertreter des Statthalters fungierte. Diese Gubernatoren residierten im Bf.shof, der noch bis 1703 von der Witwe des letzten Gubernators genutzt wurde. Seitdem war es der Wohnsitz von Charlotte Amélie de la Trémoïlle, Prinzessin von Tarente und Witwe Graf Antons I. von Aldenburg (†1680).
Als Bf.sstadt war U. zudem Sitz geistlicher und weltlicher Einrichtungen. Zu nennen sind neben der bfl.en Kanzlei, dem Generalvikar, mehreren Weihbischöfen und dem geistlichen Gericht (Offizialat) auch noch der bischöfliche Lehnshof und die Münze, jeweils mit weiteren Amtstägern und Personal. Einen großen Teil der geistlichen Rechtsprechung hatten die sieben U.er Archidiakone übernommen. Ferner befand sich in U., sicher im letzten Viertel des 12 Jahrhunderts, ein (Land)Komtur der Johanniter und seit 1231 eine Ballei des Deutschen Ordens.
Verfassungs- und verwaltungsgeschichtlich relevant war in den Niederlanden die Organisation des Deichwesens. U. war Versammlungsort von Deichgf.en und Deichgeschworenen, der überregionalen (Hohen-)Deichämter (»Hoogheemraadschap«), an denen die Landesherren und die Stände beteiligt waren.
1636 wurde in U. eine Universität errichtet. 1672/73 wurde U. im sog. »Holländischen Krieg« bzw. »Französisch-Niederländischen Krieg« von den Franzosen besetzt. 1723 spaltete sich das Erzbistum U., das die Verurteilung des Jansenismus, einer innerkatholischen Reformbewegung, durch die Päpste nicht mitmachte, von der katholischen Kirche ab und schuf die Alt-Katholische Kirche der Niederlande. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts setzte ein spürbarer wirtschaftlicher Niedergang ein. 1795 wurde U. wie die ganzen Niederlande vom revolutionären Frankreich besetzt.
(2) An und neben der Stelle eines vormaligen römischen Kastells wurden im Hochmittelalter die Kathedrale, die Hl. Kreuzkapelle, das Stift St. Salvator, die bischöfliche Burg und die kaiserliche Pfalz bzw. das Palasgebäude »Lofen« gebaut. Mit der dazugehörigen Bürgersiedlung, zu der eine Pfarrkirche gehörte, und weiterer, vor allem nördlich und südlich gelegener Siedlungskerne mit ihren eigenen Pfarrkirchen, bildeten diese den Ausgangspunkt der hochmittelalterlichen Stadtentwicklung. 1122 wurde beschlossen, den Rhein bei Wijk bij Duurstede abzudämmen, was das Anlegen neuer Kanäle nach U. erforderlich machte. Zugleich bestätigte der Kaiser die Stadtrechte, die der Bischof kurz zuvor verliehen hatte, sowie die Zolltarife. Anschließend wurde die Stadt inkl. der Stifte mit einem Wall und Graben umhegt (im 13. und 14. Jahrhundert als Ziegelmauer ausgeführt), insgesamt eine Fläche von 146 ha umfassend; bis zum 19. Jahrhundert bedurfte es keiner Erweiterungen. Vor den vier Stadttoren entstanden Vorstädte, von denen die im Norden gelegene, de »Bemuurde Weerd«, im 14. Jahrhundert ebenfalls ummauert wurde. Mit dem Bau einer großen Zitadelle in der Stadt im Anschluss an das Westtor, der Vredenburg (1529-1532) versuchte Kaiser Karl V. als neuer Stadtherr die unruhige Stadt zu kontrollieren. 1577, während des Aufstandes gegen König Philipp II., eroberten die Bürger die Zitadelle und rießen sie nieder. Seit den 1530er Jahren begann man, die Stadtmauer mit Bollwerken nach italienischer Art zu modernisieren. Im 17. Jahrhundert wurden die Tore erneuert.
Wahrscheinlich hatte die Stadt um 1300 mehr als 5500 Einwohner, 1400 13000. Ende 15. Jahrhunderts war diese Zahl auf mindestens 20000 angewachsen, womit U. im Spätmittelalter die bevölkerungsreichste Stadt der nördlichen Niederlande war. Bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts stieg die Bevölkerungszahl auf 25-30000 Einwohner an (Herdstättenzahlung 1577). 1670 und 1723 gab es 33500 bzw. 33000 Einwohner, um danach auf 28000 (1750) abzusinken. Die seit 1385 überlieferten Neubürgerlisten oder verwandte Quellen belegen ein Wachstum besonders in den ersten Jahrzehnten des 15. Jahrhunderts und den letzten Jahrzehnten des 16. Jahrhunderts Eine Beeinflussung durch den Hof ist nicht festzustellen. Die Aufnahme von Außenbürgern konnte der Bischof hingegen verhindern.
Das Bürgerrecht konnte ererbt, gekauft oder durch Dienstleistungen (z.B. Straßenfegen) erworben werden. Bürgerrecht und Gilde-/Zunftmitgliedschaft waren eng miteinander verbunden. Jede Gilde überwachte bis 1572 einen Teil der Stadtmauer, weswegen jeder Bürger auch Mitglied einer Zunft zu sein hatte. Bis 1528 war die Zahl der Zünfte auf 21 beschränkt, in jeder Zunft waren mehrere Berufsgruppen zusammengefasst, zudem gab es nicht-gewerbliche, d.h. politische Mitglieder. Die Zunftmitglieder bildeten auch die Stadtmiliz und wählten im Zeitraum 1304-1528 überdies den Stadtrat in gestaffelten Wahlen.
Neben Bürgern und Geistlichen gab es Einwohner, die zu arm waren oder aus anderen Gründen die aus dem Bürgerrecht folgenden Pflichten nicht übernehmen wollten, und Gäste, kurzfristig sich in der Stadt aufhaltende Personen. Hinzu kamen noch die ondersaten, (wortwörtlich »Untertanen«), gemeint sind die Bewohner der 16 buitengerechten, Bezirke, die außerhalb der Maurer, aber innerhalb der Stadtfreiheit und unter der städtischen Gerichtsbarkeit standen. Seit Ende des 14. Jahrhunderts hatten die ondersaten im Prinzip die gleichen Rechte und Pflichten wie die Bürger, nur besaßen sie gewisse eigene (zivil)rechtliche Kompetenzen.
Rechtlich war die Stadt durch die Immunitäten der vielen Kirchen und Klöster gegliedert, zu denen 1567-1811 zwei kleine Zinsbezirke kamen (mit eigener Zuständigkeit für den Immobilientransfer), ferner noch die Bezirke der fünf älteren, vorstädtischen Stifte und der Paulusabtei, und schließlich noch der kleine Bezirk des Burggrafen (castellanus), der bis ins 16. Jahrhundert gewisse Rechte ausübte. Ursprünglich bildeten diese Bezirke eine Art niederer Herrschaft, doch seit der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts versuchte die Stadt deren Kompetenzen an sich zu ziehen. Seit etwa 1340 trat das Stadtgericht konkurrierend auf, die Einwohner der Bezirke konnten ihren Gerichtshof wählen; 1412 hatten die Bezirke so gut wie jede Kompetenz außer dem Pfandrecht zur Kreditsicherung verloren.
1220 hatte der Bischof die letzten (vermeintlichen) gfl.en Rechte vom Gf.en-Vogt (nicht identisch mit dem Bggf.en) abgekauft. Seitdem übte der bischöfliche Schultheiss zusammen mit den 1122 erstmals genannten Schöffen alle Herrschaftsrechte des Bf.s aus. 1196 traten erstmals Räte als Vertreter der Bürger in Erscheinung (1233 iurati), 1267 Älterleute (oudermannen) als Vertreter der Gilden. Die städtische Autonomie wurde durch das Ius de non evocando 1256 festgeschrieben; auch waren die Bürger nicht mehr verpflichtet, dem Bischof Kriegsdienste zu leisten. 1233 und 1260 erhoben die Bürger selbständig Steuern. Die Schöffen rekrutierten sich zu dieser Zeit durch Kooptation, offensichtlich ohne bischöfliche Einmischung. Ab 1300 konnte die Stadt Frieden auferlegen, weitere Rechte wurden stillschweigend ausgeübt oder an sich gezogen, bis die Räte in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts die gesamte Gerichtsbarkeit in ihren Händen hielten; bischöfliche Proteste verhallten ungehört (Ausnahme waren die Jahre 1470-1477 unter Bischof David von Burgund, der von seinem zu dieser Zeit in den burgundischen Niederlanden regierenden Halbbruder Herzog Karl gestützt wurde). Die Autonomie der Stadt wurde vom Kaiser 1381 anerkannt. Eine Veränderung trat 1304 ein (mit einem Vorläufer 1274-1276), als die Gilden Zugriff auf das Stadtregiment erhielten. Statt auf Lebenszeit agierende Schöffen gab es nun eine jährliche Wahl von Zunftmeistern, die, teils gestaffelt, Altermänner, Räte, Schöffen und Bürgermeister wählten. 1528 hob Karl V. als neuer Stadtherr diese Verfassung auf, seitdem ernannte der Landesherr den Stadtrat, ab 1578 der Statthalter auf Vorschlag der Stände; zwischen 1618-1650, 1674-1702 und 1747-1795 auf Vorschlag des Magistrats; Kooptationsverfahren des Magistrats gab es 1650-1674 und 1702-1747. Die Zünfte wurden seit 1528 vom Rat eng kontrolliert, aber auch die Schöffen verloren ihre Autonomie zugunsten des Statthalters und des Schultheißen.
1127 verfügte U. über vier Jahrmärkte, von 1378 bis 1533 gab es nur drei, seit 1533 wieder vier. Bis 1300 wurde U. rege besucht, auch von Kaufleuten aus Hamburg und Lübeck. Durch die Verlagerung des Handels zu anderen Städten sank U. zu einem Regionalmarkt ab. Neben den Jahrmärkten gab es einen Wochenmarkt (samstags), hinzu kamen tägliche Märkte. In der Stadt gab es mehrere Verkaufshallen. Durch die Vielzahl der geistlichen Einrichtungen, zu denen die vermögenden Bürger und Patrizier kamen, und daneben durch den bfl.en Hof war U. ein bedeutender Konsumptionsort. Zwischen 1325 und 1336 fungierten vier U.er Bürger als Hoflieferanten für Wein und Tuche; drei von ihnen gehörten als Angehörige vormaliger Ministerialenfamilien zum Meliorat, und zwei waren zugleich auch Amtsträger des Bf.s. Auch die Bäckerin und der Fischhändler des Hofes gehörten zu angesehenen Familien (spätere Rechnungen nennen zwar Lieferungen, aber nicht die Lieferanten). Zu den Formen der Verflechtung von Gemeinde und Hof gehörten die Konnubia, die zwischen illegitimen Kindern des Bf.s und Adligen, zwischen Hofangehörigen, Kindern von Kanonikern und bürgerlichen Familien geschlossen wurden. Ferner diente ein Teil der städtischen und kirchlichen Elite dem Bischof als Rat oder Amtsträger. Andererseits beteiligten sich der Bischof und seine Amtsträger an Prozessionen oder Schützenfesten oder waren Mitglieder von Bruderschaften. Verbindungen und Netzwerke gab es auch zu den Landständen, zum Kirchenrat und zu den Vorständen der Spitäler und Armenhäuser.
Städtische und kirchliche Eliten beförderten Gewerbe und spezialisierte Handwerke des gehobenen Bedarfs, zu nennen sind Goldschmiede, Bildschnitzer und Goldsticker. Bemerkenswert im Vergleich zu anderen niederländischen Städten ist das Fehlen einer beherrschenden Exportindustrie (nur etwa 10% der Handwerker waren während des Spätmittelalters im Tuchgewerbe tätig). Im 17. Jahrhundert kam die Fabrikation von Pistolen, Musketen (bis 1720) und Fingerhüte (bis 1750) hinzu, seit 1681 noch die von »Velours d’U.«. Daneben hatte die Seidenweberei »Zijdebalen«, gelegen an der Vecht, eine wichtige Bedeutung, von 1681 bis in die 1780er Jahre war es eine der größten Seidenwebereien Europas. Die Textilgewerbe wurden im 17. Jahrhundert von der Stadt gefördert, häufig mit Außerachtlassung des Zunftzwangs. Die Exportgewerbe beruhten oftmals auf Frauen- und Kinderarbeit.
(3) Als Bf.ssitz lässt sich U. als geistliche Stadt begreifen mit einer ganzen Reihe geistlicher Einrichtungen. Am Anfang standen fünf Kapitelkirchen (zwei aus der Zeit um 700, drei aus dem 11. Jh.) und das älteste Benediktinerkloster St. Paulus (11. Jh.); möglicherweise sind diese in Form eines (symbolischen) Kreuzes um die älteren Kapitelskirchen errichtet worden. Innerhalb dieser zu erschließenden Figur ist die älteste Pfarrkirche, die Buurkerk mit der Hl. Maria als Patrozinium, vermutlich um 1000 errichtet worden, von der sich im Laufe des 11./12. Jahrhunderts drei neue Pfarrkirchen abteilten. Außerhalb der älteren Stadt kamen im selben Zeitraum zwei Frauen- und ein Männerkloster hinzu sowie innerhalb der Stadt die (Land-)Kommende der Johanniter (eine der ältesten nördlich der Alpen). Im 13. Jahrhundert gab es schon zwei Beginenhöfe; dazu kamen der Deutsche Orden, zwei weitere Frauenklöster, ein Regularkloster, drei Bettelordenklöster und zwei Hospitäler. An all diesen Stiftungen waren sowohl Kanoniker als zunächst auch Adlige und später noch Bürger beteiligt. Wenn auch Frauen bereits vorher bei den Beginenhäusern eine tragende Rolle spielten, so steigerte sich dies bei den Gründungen, die im Gefolge des Wirkens des vormaligen Domkanonikers und Begründers der Devotio Moderna Geert Grote (†1384) vorgenommen wurden. Innerhalb einer Generation kamen sieben Frauenkonvente hinzu, daneben ein Männerkonvent und ein Kartäuserkloster, wobei der Bischof, einzelne Kanoniker, vor allem aber Bürger aus allen, auch den ärmeren Schichten der Bevölkerung, die Vorhaben unterstützten. Überdies gab es eine ganze Reihe von einzeln lebenden Klausnerinnen in der Stadt. Im 15. Jahrhundert kamen noch drei Klöster hinzu, darunter eines der Observanten Karmeliter. Der Bischof war bei einigen Vorhaben aktiv, wie auch beim politischen Schutz der Beginen, der Devotio Moderna und der Ausbreitung der Windesheimer und der Bursfelder Kongregation. Im 16. Jahrhundert folgten noch zwei Konvikte zur Ausbildung von Geistlichen und 1556 das letzte der dann insgesamt 25 Klöster. Ferner sind noch acht selbständige Kapellen zu erwähnen (fünf außerhalb der Stadtmauer), im bfl.en Palast, einigen Propsthöfen, Kanoniker- und Patrizierhäusern gab es weitere Kapellen.
Im Rahmen der Reformation wurden 1580 alle Klöster aufgehoben, die Kapitel und fünf Frauenklöster wurden als protestantische Einrichtungen weitergeführt, desgleichen das Haupthaus des Deutschen Ordens (»Duitse Huis«).
Es gab eine außerordentlich hohe Anzahl von Bruderschaften. Die älteste, im 13. Jahrhundert gegründete, umfasste Kanoniker, Vikare und die städtische Führungsschicht. Auch die meisten anderen waren in erster Linie von geistlichen Mitgliedern geprägt. Ab 1380 entstanden eine Reihe neuer Bruderschaften an den Pfarrkirchen und den (Bettelordens-)Klöstern, teils gemischt laikal-geistlich, teils Frauen aufnehmend. Es gab mindestens 77 Bruderschaften, dazu kamen 15 Bruderschaften in den »Gasthäusern« (karitative Einrichtungen, Pilgerherbergen) und mindestens acht Gilde- bzw. Zunftbruderschaften, so dass von insgesamt mindestens 100 Bruderschaften auszugehen ist, eher von deutlich mehr; allein am Karmeliterkloster des 15. Jahrhunderts entstanden zehn Bruderschaften. Der Bischof war bei einigen in die Gründung einbezogen, bei einigen war er selbst Mitglied, gelegentlich nahm er an Feierlichkeiten und gemeinsamen Festmählern teil. Alle Bruderschaften wurden 1615 aufgehoben, ihre Besitzungen von der Stadt eingezogen und für das städtische Zuchthaus verwendet sowie ab 1633 für die zu gründende Universität.
Ähnlich bedeutend war die Anzahl der karitativen Stiftungen. Das erste Hospital war am Johanniterkloster vor einem Stadttor, wohl gegen Ende des 12. Jahrhunderts entstanden und in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts förmlich gegründet. Bis 1400 kamen zehn weitere Hospitäler hinzu, im 15. Jahrhundert folgten weitere sieben, im 16. Jahrhundert noch drei, was zusammen 21 derartige Einrichtungen ergibt. Einige wurden von oder unter Beteiligung von Kanonikern gestiftet, andere von Adligen, die meisten jedoch von vermögenden Bürgern. Bei immerhin 15 (eventuell noch mehr) war eine Bruderschaft bei der Verwaltung beteiligt, eine war gänzlich in Händen der Schmiedezunft, die anderen wurden durch eigene Gremien verwaltet. Bei den Armenspeisungen, die bis 1400 mit einer Ausnahme bei den Kapitelkirchen und Klöstern eingerichtet waren, nahmen die Bürger als Trägergruppe deutlich zu, vor allem an den Pfarrkirchen. Bis 1580 entstanden mindestens elf solcher Einrichtungen, die etwa 900, eventuell sogar 1700 Begünstigte versorgten (Angaben für 1570). Der Bischof war hierbei nicht einbezogen, da er wahrscheinlich eigene Armentafeln betrieb. Die Stadt U. finanzierte nur eine einmal jährlich stattfindende Brotausgabe am 4. Juli (Tag des Stadtpatrons Hl. Martin). Nur auf das Melatenhaus und das Katharinenhospital übte die Stadt eine direkte Aufsicht aus, die anderen Einrichtungen agierten nahezu selbständig, lediglich die Rechnung wurde öffentlich abgehört. 1538/39 ließ Kaiser Karl V. alle Armenanstalten visitieren, anschließend aber verstärkte sich die Elitenbildung bei der Verwaltung dieser Anstalten, was Missbrauch und Ineffizienz verstärkte und zu Klagen führte. 1578 wurde deswegen die Diakonie eingerichtet, deren zwölf Diakone für die Reformierten und Waisenkinder zuständig waren. Nach 1628 waren diese ausschließlich für die Mitglieder der Reformierten Kirche zuständig, für die anderen wurde die Stadtalmosenkammer geschaffen, während eines Jahrzehnts auch von Katholiken geleitet. 1674, nach zwei Jahren französischer Besetzung, wurde auch diese Kammer ausschließlich zugunsten reformierter Nutznießer umgeformt, was die sofortige Gründung einer katholischen Almosenkammer zur Folge hatte. Im 18. Jahrhundert folgten weitere Einrichtungen wie die »Diaconie Naaischool« (Nähschule) und ein Alte Männer- und ein Alte Frauenhaus. Für ungefähr ein Viertel der Zünfte gilt, dass sie ihre Mitglieder bei Krankheit oder Tod unterstützten. Um 1800 bestanden noch zwölf Hospitäler (davon drei heute noch, u.a. das Universitätskrankenhaus).
Ein Kennzeichen der Fürsorge waren die »Hofjes« oder Freiwohnungen, oft in einer Reihe entlang einer Straße gebaut. Errichtet wurden sie im 14.-17. Jahrhundert durch Kanoniker oder Bürger, einmal auch durch einen Schuhmacher, um Älteren und Bedürftigen ein Obdach zu bieten, gelegentlich um die Ausgabe von Grundnahrungsmitteln erweitert (1580 200 Wohnungen). Nach der Übereignung der Hospitäler an die Reformierten 1580 dienten neue Hofjes vor allem auch den Katholiken.
Es gab zahlreiche, bis 1580 existierende Vikarien und Altäre, deren genaue Anzahl (wohl mehrere Hundert) nicht anzugeben ist; am Dom gab es 50 Vikarien an 38 Altären, am St. Salvatorkapitel 29 Vikarien, in beiden Kirchen durch Messstiftungen ergänzt. Die Buurkerk zählte als bürgerliche Hauptkirche 40 Altäre mit 69 Vikarien (42 durch Privatpersonen, eine vom Rat, 15 durch Bruderschaften und elf durch Zünfte gestiftet). Im Karmeliterkloster gab es zehn Altäre, der Hochaltar war durch den Bischof gestiftet worden.
Die Reformation brachte einen deutlichen Einschnitt, der sich äußerlich als erstes darin ausdrückte, dass der Bau des Doms 1525 stillgelegt wurde. Bis in die 1570er Jahren gab es eine ganze Reihe von kirchlichen bzw. kirchenpolitischen Abweichlern. 1580 wurde die Ausübung des katholischen Gottesdienstes verboten, die calvinistische Lehre gleichsam zur Staatsreligion, nur Reformierte durften öffentliche Ämter ausüben. Phasenweise bestimmte ein streng ausgelegter Calvinismus das städtische Leben, nach 1690 setzten sich größtenteils die Gemäßigten durch, wobei die Stadtregierung nach 1660 verstärkt auf den Kirchenrat einwirkte. Das Verhältnis zwischen beiden blieb schwierig. Eine wichtige kirchenpolitische Rolle fiel der Theologischen Fakultät der Universität zu. Englisch und Französisch sprechende Bevölkerungsteile (eingewanderte Hugenotten) besuchten die Englische bzw. »Waalse« (Wallonische) Kirche. Immerhin verblieb ein Drittel der Einwohnerschaft beim katholischen Glauben, das unter einem in U. residierenden Apostolischen Vikar stand; Gottesdienste wurden klandestin, meist in Privathäusern und in »schuilkerken« (Schlupfkirchen, versteckte Kirchen) abgehalten. Nach 1630 durften Katholiken vermehrt in der Öffentlichkeit auftreten. Ebenfalls versteckt mussten die Lutheraner agieren (um 1650 ca. 8% der Einwohner, 1700 4%), desgleichen die Remonstranten und die Wiedertäufer. Durch den Jansenismus kam es ab 1723 zu einer Spaltung der Katholiken, in deren Folge die Alt-Katholische Kirche entstand, die an der Spitze einen eigenen Erzbischof etablierte, für den eine eigene Domkirche errichtet wurde.
Von 1444 bis 1788 war es Juden verboten, in U. zu wohnen, doch gab es im 18. Jahrhundert im zehn Kilometer nordwestlich U.s gelegenen Maarssen eine jüdische Gemeinde. 1800 gab es eine Synagoge, die Juden machten etwa 1% der Einwohnerschaft aus.
(4) Baulich wurde U. von den Türmen der vielen Kirchen geprägt. An erster Stelle stand der 1382 vollendete, 112 m hohe Domturm, der höchste der Niederlande, der zum Symbol der Stadt wurde. Die kirchliche Prägung wurde durch die Immunitätsbezirke der Kapitel und Klöster verstärkt, die durch Mauern und Tore von der Umgebung getrennt waren. In der Stadtmitte befanden sich die beiden ältesten Kapitel sowie der kaiserliche (seit dem 13. Jahrhundert teilweise als Weinkeller des Domkapitels genutzt) und der bischöfliche Palast. Umgeben wurden sie von Häusern kirchlicher Amtsträger, dem bfl.en Gruthaus sowie von Handelshäusern. Beide Paläste lagen an der ältesten Brücke, die die bürgerliche Siedlung mit der Kathedrale verband. Neben den Bf.sgräbern gab es eine ganze Reihe von bfl.en Portraits, die 1546 den Wappen der Mitglieder des Ordens vom Goldenen Vlies weichen mussten.
Im 16. Jahrhundert wurden einige Institutionen in kirchlichen Gebäuden untergebracht, die durch die Reformation freigeworden waren. Der »Hof van U.« nutzte 1530-1595 das St. Elizabeth-Hospital, ab 1595 die ehemalige St. Paulusabtei, die U.er Stände kamen im ehemaligen Franziskanerkonvent unter (vor 1528 hatten die Stände im Großen Kapitelsaal des U.er Domes getagt). Im 17. Jahrhundert kamen neue Gebäude für die Ständeversammlung, die Münze (eine der produktivsten der Republik, später die Reichsmünze), den Provinzialen Hof (Gericht), den Hoogheemraad (Wasseracht), Hauptwache und verschiedene andere hinzu.
Nach Aufhebung des Ebm.s wurde der bischöfliche Hof - eine größere Anlage mit Nebengebäuden, in den 1580er Jahren noch mit einem Reitplatz für Adolf von Neuenahr-Moers versehen - zunächst Sitz hochrangiger Amtsträger, der Statthalter und später der Militäranführer, noch später wurde er Witwensitz, bis er an Jhr. Johan Daniël d’Ablaing van Giessenberg, Präsident der Stände, verkauft wurde, dessen Erben den Hof ab 1778 teilweise für Theateraufführungen vermieteten. Unter den Franzosen wurde der Hof als Kaserne genutzt, 1803 abgebrochen.
Dezidiert städtisch war die knapp fünf Kilometer lange Stadtmauer mit 51 Türmen und vier, teils doppelten Toren, die im 16. Jahrhundert durch eine Vielzahl von Bollwerken und Bastionen umgeben wurde. An kommunalen Gebäuden sind zu nennen: Verschiedene Markthallen (u.a. für Fleisch, Fisch, Tuche, Schuhe und Pelz/Leder), daneben ein Kran, Waage, Eichhaus, Wechselbank, mehrere Märkte und nicht zuletzt das Schöffenhaus und das Rathaus. Kennzeichnend waren zudem mehrere Dutzend Stadtburgen, im 12./13. Jahrhundert aus Backstein errichtete Wehr- und Wohntürme adliger Familien, wie man sie vom Burgenbau kennt. Ab 1300 wurde ein kleinerer Typ üblich, der einen weniger defensiven Charakter aufwies, nun in erster Linie Kaufmannshäuser. Eine bauliche Besonderheit stellten die 732 »werfkelders« dar, erbaut zwischen dem 12. und dem 15. Jahrhundert Sie waren eine Folge des Bemühens, den Höhenunterschied zwischen Gracht (Graben) und Häusern zu überwinden. Es wurden direkte Verbindungen zwischen Gracht und Hauskeller angelegt, die unter der Straße hindurchführten. So entstand an den insgesamt 5500 m langen innerstädtischen Gräben ein 4100 m messender Hafenkai.
1520 erhielt das Schöffenhaus einen neuen Giebel nach einem Entwurf des Dombaumeisters, der den Hl. Martin (Stadtpatron), den Kaiser mit den Kurfürsten, den Bischof und dessen Lehnsmannen (u.a. den Grafen von Holland und den Herzog von Brabant), die Stadt und mindestens sieben Zünfte zeigte. Auf Anordnung Kaiser Karls V. wurde an dessen Stelle ein größeres Stadthaus errichtet, der ältere Giebel wurde abgebrochen und durch einen Renaissanceprunkgiebel ersetzt, den ersten eines öffentlichen Gebäudes der nördlichen Niederlande. Bemerkenswerterweise ließ Karl V. den Hl. Martin aus dem Stadtwappen entfernen, wodurch ein weiß-rotes Feld übrigblieb. An öffentlich sichtbaren Stellen wie den Stadttoren wurde das Wappen durch kaiserliche Symbole ersetzt. Andere Einrichtungen behielten ihre Zeichen wie das Kapitel vom Altmünster das Wappen ihres vormaligen Propsts, des Papsts Hadrian VI. In der protestantischen Zeit schufen Hunderte von Trauertafeln mit ihren heraldischen Zeichen in den Reformierten Kirchen gleichsam einen Memorialraum der U.er Führungsschichten. Besonders im 17. Jahrhundert erhielten einige Zünfte ihre eigenen Kammern in vormaligen Klöstern, in einer von ihnen trat 1766 die Familie Mozart auf.
Für den Einzug eines neuen Bf.s gab es einen festen Weg, auf welchem der Bischof in der Buurkerk seinen Harnisch ablegte und weiter in den Dom schritt, wo er seinen Eid ablegte und den Bf.sstuhl bestieg. Im Dorf Zeist, acht Kilometer östlich U.s, läutete er die Glocke als Zeichen der Akzeptanz durch das Land.
Als Bf.sstadt gab es eine ganze Reihe von Prozessionen, von denen fünf der Domgeistlichkeit durch die Teilnahme der anderen Kapitel, des Adels und der Stadtregierung einen besonderen Rang beanspruchten. Daneben gab es eine Vielzahl von Bittprozessionen und feste städtische Prozessionen, so die zur Verehrung der Hl. Maria Magdalena. Es bestand ein Zusammenhang zwischen den Prozessionen und den Jahrmärkten sowie der Ratserneuerung. Gelegentlich nahmen auch der Bischof und Hofangehörige teil. Für die Stadt bedeutsam war der Aufzug der neugewählten Schöffen, der sich von der Buurkerk zum Bf.shof erstreckte, wo sie ihren Eid ablegten und ein Festmahl einnahmen. Zünfte und Bruderschaften spielten keine Rolle bei den Prozessionen. Kaiser Karl V. griff ordnend ein, um seinen Amtsträgern eine sichtbare Stellung einnehmen zu lassen. 1530 legte er eine neue Folge fest, bei der nach der Geistlichkeit der landesherrliche Statthalter, die Mitglieder des Hofs, Adlige, Amtsträger des Hofs und erst danach der Schultheiß und die Bürgermeister kamen. 1580 wurden alle Prozessionen aufgehoben (Ausnahme: während der Besetzung durch die Franzosen 1673/74).
(5) Für die Zentralität U.s war die Frage der An- oder Abwesenheit des Landesherrn und seines Hofs nach 1400 nicht mehr besonders ausschlaggebend. Wichtiger waren die vielen geistlichen Einrichtungen und die enge Verbundenheit zwischen der städtischen Führungsschicht und dem regionalen Adel. In wirtschaftlicher Hinsicht besaß U. eine Zentralität für den Raum zwischen Holland im Westen, der Zuiderzee im Norden, den großen Flüssen im Süden und der Betuwe im Osten bzw. Südosten. Bis ins 13. Jahrhundert besaß U. eine Marktfunktion im überregionalen Handel zwischen Brügge und Köln, die zunehmend auf die Region verengt wurde. Seit dem 13. Jahrhundert waren Lombarden in U. ansässig. Später war U. als Markt für den Handel mit Renten bedeutend. Im Konflikt zwischen Flandern und den wendischen Hansestädten wurde das Brügger Hansekontor 1453-1457 nach U. verlegt. 1473/74 fanden in U. die Friedensverhandlungen zwischen der Hanse und dem englischen König statt. Ungleich bedeutender war der 1713 geschlossene »Friede von U.«, mit dem der Spanische Erbfolgekrieg und andere Konflikte beigelegt wurden; für zwei Jahre war U. Bühne der europäischen Politik.
In politischer Hinsicht war U. die mit weitem Abstand wichtigste Stadt im Niederstift (»Nedersticht«) mit ausschlaggebender Stimme in der Ständeversammlung und bei der Finanzverwaltung. In den Städtebünden des Niederstifts hatte U. ebenfalls großen Anteil, während die kleinen Städte sich den an sie gerichteten Ansprüchen nur durch Nichtmitgliedschaft entziehen konnten. In religiöser Hinsicht war diese Stellung noch deutlicher, zumal die Funktion über die Landesgrenzen weit hinausreichte. Die reichen Kapitelskirchen zogen zahlreiche Geistliche und Gelehrte an, welche im 14.-16. Jahrhundert enge Beziehungen zur Kirchenspitze in Rom und Avignon unterhielten. Im 17. Jahrhundert übernahm die Universität die Rolle des gelehrten Zentrums.
Die habsburgische Zeit ab 1528 bedeutete einen Bruch für die politische Rolle der Stadt. Nach 1580 besaß sie in ungefähr wieder die alte Stellung wie früher, wobei es nun einen regen Austausch zwischen den führenden Familien gab, die sowohl in der Stadt als auch im Umland ihre Interessen hatten.
(6) Am Anfang der städtischen Entwicklung standen der Bischof und die älteren geistlichen Einrichtungen mit ihrem großen Landbesitz und zahlreichen herrschaftlichen Rechten. Mit Einsetzen des Wachstums der bürgerlichen Stadt im 12. Jahrhundert begann die bischöfliche Macht zu erodieren, zugleich verlor die Stadt ihre Bedeutung für den Fernhandel. Als Landesherr blieb der Bischof in der Stadt, mit der er verhandelte, ohne sie wirklich zu beherrschen. Oft residierte der Bischof in anderen Orten, ab 1459 vornehmlich in Wijk bij Duurstede; als Residenzstadt im engen Sinn lässt sich U. nur bis zu diesem Zeitpunkt bezeichnen. Wegen der Funktion als Hauptstadt des Fbm.s und der Diözese lässt sich U. als Amtsstadt bzw. als geistliche Stadt verstehen, die von den zahlreichen (geistlichen) Amtsträgern, die in der Stadt anwesend waren, geprägt wurde.
Die Autonomie U.s stützte sich bis 1528 auf die Gilden (Zünfte) und die zahlreichen geistlichen Einrichtungen. Die fünf Stiftskapitel beanspruchten für sich, die Geistlichkeit des gesamten Territoriums zu repräsentieren. Zusammen mit dem Komtur des Deutschen Ordens und dem Johanniterorden und den vielen anderen Klöstern vermittelten sie U. im Spätmittelalter den Charakter einer geistlichen Stadt. Die kirchlich-elitäre Prägung blieb in der frühen Neuzeit erhalten, wie sie sich in der »Nadere Reformatie« (so auch im Deutschen, gemeint ist die vertiefte Reformation in Anlehnung an den Puritanismus) des 17. Jahrhunderts und dem Entstehen der Alt-Katholiken zu Beginn des 18. Jahrhunderts äußerte. Auch die Anwesenheit der Adelsfamilien aus dem näheren und ferneren Umland, die seit alters in U. Stadthöfe besaßen und konnubial mit der aus früheren bfl.en Ministerialenfamilien hervorgegangenen und deswegen adlig konnotierten bürgerlichen Führungsschicht verbunden war, verlieh U. ein besonderes Gepräge.
Die ab 1528 regierenden Landesherren (Ks. Karl V., König Philipp II.) hatten einen vergleichsweise direkten Zugriff auf die Stadt, äußere Kennzeichen sind die Entfernung bfl.er Herrschaftszeichen, die Errichtung eines neuen Rathauses, der Bau der Vredeburg als Zwingburg direkt vor der Stadt sowie die Änderung des Wappens und des Siegels. Als neue weltliche Behörde ist der »Hof von U.« als höhere Gerichtsinstanz zu nennen, dessen Personal, Präsident und Räte, Beziehungen zur städtischen Führungsschicht erhielten. Mit der Aufhebung des (1559 geschaffenen) Ebm.s 1580 verlor der bischöfliche Hof bzw. Palast sukzessive an Bedeutung.
Nach 1576 war U. faktisch wieder eine sich selbst regierende Stadt, deren jedoch mit Ausnahme von 1589-1618, 1650-1674 und 1702-1747 auch vom Statthalter (mit)kontrollierten Führungsschicht aus einer kleinen, ausgewählten, jedoch nicht festen Gruppe Patrizier und Aristokraten bestand, die zugleich als Mitglieder der Landstände die Landesherrschaft innehatten. Diese nannten große Stadthöfe, Burgen und Landhäuser ihr eigen und führten eine entsprechende Lebensweise.
(7) Die archivalische Überlieferung findet sich hauptsächliche in »Het Utrechts Archief«, namentlich in den Beständen »Stadarchief I« en »II«, »Bewaarde Archieven I« en »II«, die Archive der fünf Stifte, das Archiv der Stände, der Finanzämter und -einrichtungen und das Archiv der Bischöfe. Ein Großteil der städtischen Überlieferung bis 1580, u.a. die Reihe der Rechnungen und Urkunden, sind digitalisiert und über die Website von »Het Utrechts Archief« zugänglich.
Erläuternde und kritisch würdigende Übersichten der Editionen und von Studien gibt es in: Geschiedenis van de provincie Utrecht, hg. von Cornelis Dekker u.a., 3 Bde., Utrecht 1997. - »Een paradijs vol weelde«. Geschiedenis van de stad Utrecht, hg. von Renger de Bruin u.a., Utrecht 2000. - Übesicht über die auf landesherrlicher Seite entstandenen Quellen: Gent, Michel J. van, Le Bailly, Marie-Charlotte: Gids voor de landsheerlijke archieven van Gelre, Holland, Zeeland en het Sticht. Bestuurlijke, economische en sociale geschiedenis vóór 1500, Den Haag 2003 (ING onderzoeksgids).
Vita Radbodi. Het leven van Radbod, hg. und übers. von Peter Nissen und Vincent Hunnik, Nijmegen 2004. - Catalogus episcoporum Ultrajectinorum. Lijst van de Utrechtse bisschoppen 695-1378, hg. und übers. von J.T.J. Jamar und C.A. van Kalveen, Utrecht 2005. - »Mi quam een schoon geluit in mijn oren«. Het werk van Suster Bertken, hg. von José van Aelst, Fons van Buuren und Annemieke Tan, Hilversum 2007. - De kroniek van Henrica van Erp, abdis van Vrouwenklooster, hg. und übersetzt von Anne Doedens und Henk Looijesteijn, Hilversum 2010. - Amoureuze en pikante geschiedenis van het congres en de stad Utrecht. Augustinus Freschots verhaal achter de Vrede van Utrecht, übers. von Roland Fagel, Hilversum 2013. - De oudste lijst van leenmannen van de bisschop van Utrecht 1379, hg. von B. de Keijzer, Hilversum 2015.
Digitale edities: http://resources.huygens.knaw.nl/retroboeken/beke/#page=0&accessor=toc&view=homePane - https://hetutrechtsarchief.nl/onderzoek/resultaten/archieven/zoekr?mivast=39&mizig=210&miadt=39&miaet=1&micode=Hss_Van_Buchel_Monumenta&minr=38112748&miview=inv2&milang=nl - http://www.utrechtsekronieken.nl/ - http://www.broerendebruijn.nl/index.html.
Für Darstellungen und Bilder: Meyere, Jos de: Utrecht op schilderijen. Zes eeuwen topografische voorstellingen van de stad Utrecht, Utrecht 1988. - Donkersloot-de Vrij, Marijke: Kaarten van Utrecht. Topografische en thematische kartografie van de stad uit vijf eeuwen, Utrecht 1989. - Wilmer, C.C.S.: De getekende stad. Utrecht in oude tekeningen 1550-1900, Utrecht 2005. - Kam, René de, Kipp, Frans, Claessen, Daan: De Utrechtse Domtoren. Trots van de stad, Utrecht 2014.
(8) Siehe auch das Jaarboek Oud-Utrecht. - Pollmann, Judith: Religious choice in the Dutch Republic. The Reformation of Arnoldus Buchelius (1565-1641), Manchester 1999. - Vliet, Kaj van: In kringen van kanunniken. Munsters en kapittels in het bisdom Utrecht 695-1227, Zutphen 2002. - Groningen, Catharina van: De wooncultuur op de Stichtse lustwarande van de zeventiende tot de twintigste eeuw, 4 Bd.e, Diss. Utrecht 2003. - Rommes, Ronald, Spek, Joost van der: Met hand en hart. Zeven eeuwen smedengilde en St. Eloyengasthuis in Utrecht 1304-2004, Utrecht 2004. - Klück, Bart, Hemmes, Agnes, Kam, René de: Het Utrechtse antwoord. De bastions van Karel V, Utrecht 2004. - Giebels, Henk, Slits, Frans: Georgius Macropedius 1487-1558. Leven en werken van een Brabantse humanist, Tilburg 2005. - Care for the Here and the Hereafter: Memoria, Art and Ritual in the Middle Ages, hg. von Truus van Bueren, Turnhout 2005. - Engen, Hildo van: De derde orde van Sint-Franciscus in het middeleeuwse bisdom Utrecht. Een bijdrage tot de institutionele geschiedenis van de Moderne Devotie, Hilversum 2006. - Engen, John van: Sisters and Brothers of the Common Life. The Devotia Moderna and the World of the Later Middle Ages, Philadelphia 2008. - Goudriaan, Koen: Die Frühgeschichte des Hospitalwesens in den Grafschaften Holland und Seeland und im Niederstift Utrecht, in: Institutions de l’assistance sociale en Lotharingie médiévale. Actes des 13es Journées Lotharingiennes, 12-15 octobre 2004, hg. von Michel Pauly, Luxemburg 2008 (Publications de la Section Historique de l’Institut Grand-Ducal de Luxembourg, Section historique, 121; Publications du Centre Luxembourgeois de Documentation et d’Études Médiévales, 19), S. 197-256. - Bogaers, Llewellyn: Aards, betrokken en zelfbewust. De verwevenheid van cultuur en religie in katholiek Utrecht, 1300-1600, 2 Bd.e, Utrecht 2008. -Bruin, Renger de: Utrechter Patrizier und Bürger als Gutsbesitzer. Ein Aristokratisierungsprozess 1600-1850, in: Städtische Siedlungen und ihr Umland. Siedlungsforschung, hg. von Johannes Renes und Winfried Schenk, Bonn 2009 (Archäologie - Geschichte - Geographie), S. 87-126. - Slokker, Nico: Ruggengraat van de stad. De betekenis van gilden in Utrecht 1528-1818, Amsterdam 2010. - Mol, Johannes A.: Vechten, bidden en verplegen. 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Utrecht 2014. - Performances of Peace - Utrecht 1713, hg. von Renger E. de Bruin, Cornelis van der Haven, Lotte Jensen und David Onnekink, Leiden 2015. - Vliet, Kaj van: Het Utrechtse paltskomplex van keizer en bischop, in: Verortete Herrschaft. Königspfalzen, Adelsburgen und Herrschaftsbildung in Niederlothringen, hg. von Lieven Jens u.a., Gütersloh 2014 (Schriften der Heresbach-Stiftung, 16), S. 133-152. - Middeleeuwse borduurkunst uit de Nederlanden, hg. von Micha Leeflang und Kees van Schooten, Zwolle 2015. - Goudriaan, Koen: The Regular Observance of Women Converts of St Augustine, in: Piety in practice and print. Essays on the late medieval religious landscape, hg. von Anna Dlabačová und Ad Tervoort, Hilversum 2016 (Studies in Dutch religious history, 4), S. 135-175. - Broeyer, F.G.M.: Het verleden van Utrecht als remonstrantse stad 1610-1618: Maurits zwaard, Utrecht 2018. - De moderne devotie. Spiritualiteit en cultuur vanaf de late Middeleeuwen, hg. von Anna Dlabačová und Rijcklof Hofman, Zwolle 2018. - Perkament in stukken. Teruggevonden middeleeuwse handschriftfragmenten, hg. von Bart Jaski, Marco Mostert und Kaj van Vliet, Hilversum 2018. - Hoven van Genderen, Bram van den: Breken om te bouwen. Kerken of bolwerken tijdens de Opstand, in: Jaarboek Oud-Utrecht 2018, S. 66-119 - Smithuis, Justine: Urban politics and the role of guilds in the city of Utrecht (1250-1450), Ph.D. thesis Leiden University 2019: https://openaccess.leidenuniv.nl/handle/1887/68326. - Jehoel, Gaila: Het culturele netwerk van Jan van Scorel. Schilder, kanunnik, ondernemer en kosmopoliet, Diss., Hilversum 2020. - Kam, René de: De ommuurde stad. Geschiedenis van een stadsverdediging, Amsterdam 2020. - IJsselstijn, Marcel van: De Oudegracht in Utrecht. Enkele nieuwe inzichten en hypothesen over de ruimtelijke ontwikkeling van de middeleeuwse haven, in: Het landschap beschreven. Historisch-geografische opstellen voor Hans Renes, hg. von Jaap Evert Abrahamse u.a., Hilversum 2021, S. 195-204. - Bart Ibelings und Kaj van Vliet: Het Utrechtse tolrecht, Tl. 1: Ontstaan en functioneren van de bisschoppelijke tollen in Utrecht en elders in het Nedersticht, in: Jaarboek Oud-Utrecht 2021, S. 134-167.