Residenzstädte im Alten Reich (1300-1800)

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Mecheln (Mechelen, Malines)

Mecheln (Mechelen, Malines)

(1) M. liegt in etwa mittig zwischen Brüssel und Antwerpen an der Dijle an einer Stelle, an der in römisch-antiker Zeit mehrere überregionale Verkehrswege den Fluss kreuzten. Die Stadt M. gehörte weder zur Grafschaft Flandern noch zum Herzogtum Brabant, sondern zur selbständigen Herrschaft (»heerlijkheid«) M. Seit vermutlich Ende des 10. Jahrhunderts handelte es sich um ein Lehen der Fbf.e von Lüttich, das die Adelsfamilie Berthout als deren Lehnsnehmer im 12./13. Jahrhundert zu verselbständigen wussten. Deren eigentlicher Hauptbesitz, das »Land van Grimbergen« mit ihrem Stammsitz Grimbergen (heute Weiler Borgt in der Gemeinde Grimbergen), ging in einer langwierigen Fehde 1139-1159 an die Grafen von Löwen verloren, woraufhin sich die Berthouts nach M. verlegten (gesicherter Besitz 1196/97). Von dort aus festigten sie ihre Herrschaft (ab 1238/41 als Vögte der Lütticher Fbf.e über vermutlich deren gesamten Besitz, bereits ab ca. 1220 als Stadtherr über M.). Letzter Herr dieser Familie war Floris Berthout (†1331). Immer wieder wurden M. wie auch die Berthout-Familie in die Auseinandersetzungen zwischen den Hzg.en von Brabant und den Lütticher Fbf.en hineingezogen. Neben der Herrschaft M. gab es noch das »Land van M.«, ebenfalls ein Lütticher Lehen, das aber im Herzogtum Brabant aufging, während die Herrschaft M. eine Enklave in Brabant bildete und als solche selbständig blieb, auch wenn phasenweise die Berthouts den Herzog von Brabant als Herrn anerkannten oder M. an den Graf von Hennegau verpfändet wurde (1313-1318). Der Lütticher Fbf. gab 1333 die Herrschaft an den Grafen von Flandern aus, was den Widerstand des brabantischen Hzg.s Johann III. hervorrief, der von der Stadt M. unterstützt wurde und sich faktisch durchsetzen konnte. Nach Johanns III. Tod 1355 beanspruchte der flämische Graf sein Recht über M., was der Lütticher Fbf. akzeptierte und mit dem Vertrag von Ath 1357 anerkannte. Neben M. wurde auch die ebenfalls brabantische Stadt Antwerpen unter die Herrschaft des flämischen Grafen Lodewijk van Male gestellt, dessen Tochter 1369 den burgundischen Herzog Philipp den Kühnen heiratete. Nach Lodewijks Tod 1384 kam M. auf dem Erbweg an dessen Schwiegersohn, den burgundischen Herzog, und ging als selbständiges Gebiet in dessen Herrschaftskomplex ein. In der Titulatur der Herzöge und deren Nachfolger blieb M. als eigenständige Einheit erhalten.

In der kleinen Herrschaft spielte die mit zeitweise ca. 25000 Einwohnern im Spätmittelalter bei weitem größte Stadt M. die zentrale Rolle, hinter den großen flämischen Städten Gent, Brügge und Ypern stand sie aber zurück.

Eine höhere zentrale Bedeutung erhielt M. im burgundisch-niederländischen Herrschaftskomplex zunächst unter Karl dem Kühnen (reg. 1467-1477), der 1473 M. gerade wegen seiner Lage zwischen den großen Territorien als Sitz des nach französischem Vorbild geformten höchsten Gerichts (»Großer Rat«), des »Parlaments von M.«, und der höchsten Rechenkammer seiner Territorien bestimmte, um Rangstreitigkeiten zwischen den großen Ländern zu verhindern. Mit seinem Schlachtentod im Januar 1477 endete deren Existenz und damit die Funktion als Verwaltungshauptstadt der burgundischen Niederlande. Ab 1477 diente M. als Witwensitz der Margarethe von York (†1503), der überlebenden Frau Karls des Kühnen; die Stadt übereignete ihr mehrere Liegenschaften und unterstützte den Umbau des vormaligen Stadthofs des Bf.s von Cambrai (daher »Hof von Cambrai«) zu ihrem Wohnsitz; an ihrem Hof wuchsen die Kinder Maximilians und Marias von Burgund (†1482) heran, Philipp der Schöne und Margarethe von Österreich. In dem 1482-1493/94 andauernden Streit zwischen den Ständen der Niederlande und Maximilian als Erben der Maria von Burgund um die Ausübung der Landesherrschaft erwies sich M. insbesondere während der Brügger Gefangenschaft Februar-Mai 1488 und danach als Parteigänger Maximilians, was sich z.B. darin ausdrückte, dass M. 1490 Endpunkt der von den Taxis im Auftrag Maximilians betriebenen Postenkette von Innsbruck wurde und das Stadtwappen von Kaiser Friedrich III. gebessert wurde (Reichsadler im Herzschild); die gleichzeitige Erhebung zur Grafschaft blieb »tote Urkunde«. Philipp der Schöne schuf als Landesherr (reg. 1493-1506) 1504 erneut den »Großen Rat von M.« als höchstes Gericht (jetzt aber ohne politische Beratungsfunktion) der nunmehr habsburgischen Niederlande. Ab 1507 amtierte Margarethe von Österreich von M. aus (im »Hof von Savoyen« wohnend) als Statthalterin für König Maximilian I. über die habsburgischen Niederlande, bis 1515 ihr Neffe Karl V. (Sohn Philipps des Schönen) die Herrschaft übernahm. Wegen seiner Nachfolge im Königreich Aragon-Kastilien 1517 blieb dies Episode, woraufhin sie erneut als Statthalterin fungierte bis zu ihrem Tod 1530 mit M. als Hauptsitz; 1520 wurde ihr von Kaiser Karl V. die Herrschaft M. als eigenes Territorium übereignet. Nach Tod Margaretes von Österreich verlor M. seine Funktion als Hauptresidenz der Statthalterin, die neue Statthalterin Maria von Ungarn bevorzugte Brüssel, und keine der zentralen Institutionen, mit Ausnahme des Großen Rates, entschied sich zum Verbleib in M.

Im 16. Jahrhundert blieb die Herrschaft M. die kleinste der 17 Provinzen der Habsburgischen Niederlande. 1559 wurde die Stadt Sitz des Ebf.s der neugeschaffenen Kirchenprovinz Flandern-Brabant (der erste Erzbischof bezog den Hof von Savoyen). Ab 1609 befand sich der Große Rat wieder in M. (mit Ausnahme des Jahres 1706 im Spanischen Erbfolgekrieg). Beide Institutionen konnten hinsichtlich ihrer Größe und Bedeutung dem Hof der Statthalterin im frühen 16. Jahrhundert nicht entsprechen, zumal der Große Rat nur für die südlichen, d.h. Spanischen Niederlande zuständig war. Zur Überwachung der Bestimmungen des Westfälischen Friedens wurde die nord- und südniederländisch paritätisch besetzte »Chambre mi-partie« eingesetzt, die 1654-1667 abwechselnd in M. und in Dordrecht saß (ab 1664 nicht mehr praktizierend, 1675 aufgelöst). Ab 1557 fungierte M. als zentrales Arsenal (»militair gasthuis«) für die spanischen Truppen, das erste dieser Art in Europa. Als ebf.er Residenz wurde in M. die Gegenreformation sehr wirkmächtig umgesetzt. Gegen die josephinischen Reformen ab 1782 bildete sich ein großbürgerlich-niederadliger Widerstand, der sich vor allem an der Aufhebung des Großen Rats und des Großen Seminars (zur Priesterausbildung) 1786 festmachte und die Wiedereinrichtung beider Institutionen 1787 erreichte. Die sich formierende politisierte Öffentlichkeit vermochte (nach Brüsseler Vorbild) im Dez. 1789 die österreichischen Amtsträger, vor allem die Garnison, aus M. zu vertreiben (sog. »Brabanter Revolution«), die öffentliche Sicherheit lag nun in Händen der (alten) Schützengesellschaften. Im Dez. 1790 gewann die Österreichische Regierung die Macht wieder zurück, der alte Magistrat wurde wieder eingesetzt, 1791 wurde dem neuen Kaiser Leopold II. gehuldigt. 1792 erfolgte eine erste kurzfristige Besetzung durch französische Revolutionstruppen, die durch Geiselungen eine große Schatzung einzog. 1794 besuchte im Juni der neue Kaiser Franz II. M., im Juli erfolgte die zweite Besetzung durch französische Revolutionstruppen, die im November einen neuen Stadtrat einsetzten. M. machte in der Folge die revolutionären Verfassungs- und Verwaltungsänderungen mit.

(2) Die Siedlung dürfte auf dem höher gelegenen und daher trockenen Südufer der Dijle entstanden sein, während das feuchte Niederungsufer der Nordseite erst im Laufe des Spätmittelalters nach Entwässerungsmaßnahmen bebaut wurde; das Wachstum der Stadt stand im Zusammenhang mit dem Landesausbau der Umgebung. Ungefähr mittig entstand die Romboutskathedrale, die erste Pfarrkirche, die stadtherrliche Burg und das »Gasthaus«. Geprägt wurde die Topographie durch die Dijle und einer parallelen Straße, die von einer nordsüdlich verlaufenen Hauptstraße gequert wurden. Um 1200 entstand die erste Umwallung der Stadt, die sich nördlich und südlich der Dijle erstreckte. Es entstanden mehrere kleinere Straßen, deren Verlauf den oberflächenentwässerenden Bächen entsprach.

Im 13. Jahrhundert bestand die Stadtregierung aus dem Schultheiß als Vertreter des Fbf.s und dem Vogt als Vertreter der Berthouts, denen ein »Ammann« (Gerichtsbote, -vollzieher) und Boten zur Seite standen. 1237 wird erstmals die (sicherlich ältere) Schöffenbank als Gerichtseinrichtung beider Herren fassbar, die Schöffenzahl schwankte zwischen zwölf und 14 (1268 je Herr sieben Schöffen). 1299/1300 werden Geschworene als Vertreter der Gemeinde erwähnt. 1301 erscheint das Kooptationsrecht der Schöffen. 1302 erhielten die Handwerker (konkret Mitglieder der Lakengilde, also vermögende Kaufleute und Tuchproduzenten) gewisse Mitsprachemöglichkeiten, nun werden zwölf Geschworene als Berater der Schöffen erwähnt. Diese Änderungen riefen die militärische Bedrohung durch die Berthouts und den Herzog von Brabant hervor. Da sich die Stadt daraufhin dem Lütticher Fbf. unterstellte, verlieh dieser 1305 außerordentlich weitreichende Kompetenzen der Selbstverwaltung nach Stadt-Lütticher Vorbild: Die am 15. August abtretende Stadtregierung durfte sich die eigenen Nachfolger wählen, nun zwei Bürgermeister und zwölf Schöffen. Auch gab es Rentmeister, die für die Stadtkasse zuständig waren, die Strafverfolgung oblag dem Schultheißen. Bei den Geschworenen erhielten die Handwerker mehr Gewicht, außerdem mussten sie nicht mehr der Lakengilde angehören. Ab 1338 erscheinen Vertreter der Handwerke (nicht nur Weber) als Schöffen und Bürgermeister, 1342 zudem Geschworene der »poorterij« (Bürgerschaft) beim Abhören der Stadtrechnungen. 1350-1360 setzten sich die »vleeshouwer« (Knochenhauer, Viehhändler) als Vertreter der Handwerkerschaft durch. 1361 kam es zu einem Aufstand der Walker, der seitens der Poorterij niedergeworfen wurde, was zum Ausschluss der Weber und Walker vom Geschworenengremium führte. Der Stadtherr setzte hinfort den Schreiber der Lakengilde ein. Nach einem neuerlichen Aufstand 1380 wurde die Verteilung der Posten neuzugeschnitten. Faktisch handelte es sich bei der Stadtregierung um eine Plutokratie, durch die die Vermögenden ihre Interessen gewahrt sahen. Bei den Handwerker-Vertretern war die Konzentration auf einige wenige Familien als Amtsinhaber größer als unter den Poorters. 1436 holten sich die Weber den Zugang zur Stadtregierung zurück, indem sie sich mit einem maßgeblichen Zuschuss an die Stadtkassen einkauften. 1439 schränkte Herzog Philipp der Gute die städtische Autonomie ein, indem er vorschrieb, dass bei der Ratsumsetzung ihm Vorschlagslisten vorzulegen seien, aus der er die neuen Amtsinhaber auswählte, was zu einer weiteren Oligarchisierung führte, da die hzl.en Kommissare, die dieses umzusetzen hatten, auf die führenden Familien Rücksicht nahmen, zudem bestechlich waren. 1450 und 1455 sprach er sich selbst das Recht zu, Urteile der Schöffen zu revidieren. 1467, nach dem Tod Philipps des Guten, kam es zu Unruhen, bei denen u.a. Schiffe mit Getreide für den hzl.en Hof aufgebracht wurden, was zur Einziehung beinahe aller Privilegien und einer extrem hohen Strafsumme (über ein Jahresetat) seitens des neuen Herzog Karls des Kühnen führte. Hinfort gab es sieben Schöffen, rechtliche und finanzielle Kompetenzen fielen an hzl.e Kommissare.

Der gelehrte Rechtsberater der Stadt, belegt seit 1301, wurde seit Mitte des 15. Jahrhunderts »Pensionär« genannt (vgl. Syndikus oder Justiziar im Deutschen). Zum Personal gehörte auch der »Schöffenknappe«, ein auf dem Rathaus wohnender Diener, eine Art Hausmeister, der bedeutsamer war als man denken möchte. 1433 wurden zwei Pfeifer, später drei angestellt, Uhrwerkmeister, Schulmeister u.v.a. Amtsträger kamen hinzu.

Die Niederlassung des Großen Rats bzw. des Parlaments 1473 in M. führte dazu, dass die hochrangigen Sekretäre die städtischen Ämter (Stadtschreiber) als Pfründen für sich forderten, wogegen die Stadt sich wehrte. 1505 wurde das Amt der städtischen Waisenmeister geschaffen zur Beaufsichtigung der von Eltern/Verwandten ausgesetzten Unterhaltsgüter der Waisenkinder. Eine stärkere Oligarchisierung ist unter den Familien, die die Ämter besetzten, festzustellen (Familien van der Aa, den Broeke, Daele, Heffen, Heelt, De Gorter, Gottignies, Muizen und Schoof), im 16. Jahrhundert noch weiter eingeschränkt. 1556/57 wurde der erste Beiaardier (Glockenspielkünstler) angestellt zum Musizieren auf 18 Glocken.

1572 wurde nach einem kurzfristigen Intermezzo der Stände M. von spanischen Truppen besetzt und geplündert, anschließend wurden die Privilegien eingezogen und die Stadtverfassung geändert: ein Gouverneur und vier Ratsherren ersetzten den bisherigen Rat. 1574/75 wurde der alte Zustand wiederhergestellt. 1578/79 entstand eine Parteiung zwischen den Anhängern der Reformierten und den katholischen Spaniern, was sich in Kämpfen äußerte und zur Einnahme durch die Ständischen und Plünderungen 1580 führte. Im April 1580 wurde eine neue calvinistische Stadtverfassung verabschiedet, die alten Oligarchenfamilien faktisch beiseitegeschoben. 1585 wurde M. wieder von katholischen Truppen besetzt, eine allgemeine Amnestie beruhigte die Lage, woraufhin in mehreren Anläufen ein neues Verfassungsmodell gesucht wurde, bis im Oktober 1585 die spanische Regierung eine endgültige Fassung fand, die mit Anpassungen für die Zeit bis zur Französischen Besetzung 1795 in Kraft blieb. Faktisch lag die Macht in Händen weniger Familien. Gegen die französische Besetzung der Südlichen Niederlande im Österreichischen Erbfolgekrieg unter König Ludwig XV. 1745-1748 regte sich ein derart geringer Widerstand, dass die anschließende österreichische Regierung von allgemeiner Insubordination ausging. Zu einer grundständigen Ratserneuerung kam es im Dezember 1789 im Rahmen der Brabanter Revolution, bei der antikirchliche Reformen Kaiser Josephs II. rückgängig gemacht wurden. In der Folge gab es im Jahrestakt mehrere radikale politische Wechsel, die vom weitaus größten Teil der M.er Bevölkerung jeweils weder begrüßt noch abgelehnt wurden. Erst die Zwangsrekrutierungen 1798 führten zu nennenswerten Widerstand.

Als bürgerliche Organisationen sind die Schützengesellschaften zu werten, deren erste, die Ältere Fußbogengilde, 1311/12 erwähnt wird (1381 ein Königsschießen), der später die Jüngere Fußbogengilde an die Seite gestellt wurde, und die beide später den Hl. Georg als Schutzpatron wählten. Die St. Sebastiansgilde der Handbogenschützen entstand im Laufe des 14. Jahrhunderts, welche von ihr abhängige Gesellschaften in den Dörfern der Herrschaft erhielt. 1471 wurde die erste Rhetorikerkammer gegründet, die »Peone«, mit einem geistlichen Hintergrund und dem St-Annen-Altar in der Romboutskathedrale als Mittelpunkt. »Lisbloem« war der Name der zweiten Kamer, 1479 erstmals erwähnt. 1518 war die Kammer »Boonbloem« aktiv. Ihnen übergeordnet war die Löwener Kammer, zuständig für Brabant und M. Ehzg. Philipp der Schöne ließ 1493 auf einer weiter übergeordneten Ebene eine Kammer für alle Lande dietscher tonghen mit Sitz in M. errichten (»Jesus metter Balsembloeme«), es erschienen nur 18 Rhetoren (1584 eingestellt).

Das M.er Wappen geht zurück auf das der Berthouts: Auf gold drei Pfähle in rot. 1490 wurde es gebessert durch Kaiser Friedrich III.: Darauf ein Herzschild in gold mit einköpfigem Adler in schwarz (in der frühen Neuzeit gelegentlich als Doppeladler dargestellt). Dieses gebesserte Wappen findet sich in 1491 angefertigte Siegelmatrizen. Ersetzt wurde das kaiserliche Wappen in der Brabanter Revolution 1789 durch den Belgischen Löwen und Sint-Rombout.

1367 (einem Pestjahr) gab es mindestens 10000 Einwohner, wie eine Liste der Almosenspender für einen Schrein für die Romboutsreliquien nahelegt, wohl eher 12000-15000. In der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts gab es einen demographischen Einbruch. Für 1544 werden 25000-30000 Einwohner veranschlagt, Zeichen einer wirtschaftlichen Prosperität (wohl weniger auf die Anwesenheit des Hofs, wie mitunter in der Literatur gemutmaßt wird), als neue Gewerke eingeführt wurden wie der Bronzeguss, v.a. Glocken, ab 1480 auch von Kanonen (dieser v.a. für den burgundisch, dann habsburgischen Hof [Hans Poppenruyter, Bürger M.s seit 1514, welcher 1520 von Karl V. den Titel eines ksl.en Büchsenmeisters erhielt]), Architektur (Familie Keldermans für Profanbauten der höfischen Führungsschicht) mit spezialisierten Baugewerken wie die Steinmetzen, Alabasterverarbeitung sowie Vergoldung von Leder (sog. spanisches Leder, im großen Stil ab 1650) aufblühten, zumal M. im 16. Jahrhundert vom Aufstieg des benachbarten Antwerpen profitierte. Bortenstickerei, Buchmalerei u.a. kamen hinzu. Die Zuwanderung aus Frankreich, Deutschland, Italien und Spanien schlief hingegen um 1500 ein. Die vielen Höfe der Mitglieder der Ratsgremien mit ihren Dienern/Gesinde stellten eine bedeutende Größe in der M.er Gesellschaft dar, hinzu kamen Gesandte und Diplomaten am Hof der Statthalterin, Prozessparteien, Notare usw., die auf Dienstleister (Herbergswesen) angewiesen waren. Ende des 16. Jahrhunderts betrug die Einwohnerzahl wieder ca. 11000, Verarmung setzte ein, zudem war der Antwerpener Hafen 1575 geschlossen worden, Vermögende zogen vor den Ereignissen des Achtzigjährigen Kriegs weg in die ruhigeren nördlichen Niederlande. Während des Zwölfjährigen Friedens 1609-1621 gewann M. wieder an Bedeutung, 1630 zählte die Stadt ca. 21000 Einwohner. In etwa blieb dieses Niveau bis 1675 erhalten, danach sanken die Zahlen auf etwa 15000-16000 zu Mitte des 18. Jahrhunderts, 1796 gab es wieder über 20000 Einwohner.

Wirtschaftlich spielte die Tuchherstellung die wichtigste Rolle. Seit dem frühen 13. Jahrhundert existierend, erlebte sie ab 1270 einen deutlichen Aufschwung. Technische Qualitätsverbesserungen in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts sorgten für einen weiteren Schub (1330er Jahre über 20000 Laken jährlich), doch war der Absatz gebunden an die konjunkturellen Gesamtlagen, die im weiteren Verlauf des 14. Jahrhunderts nicht günstig waren (ab 1380 zwischen 5000-10000 Laken jährlich), u.a. brach England weg, zumal in anderen niederländischen Städten (Binche, Edingen, Geraardsbergen) M.er Tuch nachgemacht wurde. Ab 1435 wurde die »neue Draperie« eingerichtet mit kleineren Laken aus einfacheren Wollen. Etwa ab Mitte des 15. Jahrhunderts ging die Tuchproduktion zurück mit einer Zwischenblüte ca. 1466-1488. Einfuhr der Wolle und Export des Tuchs lag in Händen der Lakengilde, Weber, Walker, Färber u.a. Handwerker hatten keinen Zutritt. Als Luxustuch war das »Bellaert« genannte Tuch gesucht. Leinwandweberei ersetzte in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts das ältere Tuchgewerbe. 1554 wurden die Luxustuche in einer städtischen Ordnung zur Reglementierung der Tuchproduktion nicht mehr erwähnt. Daneben gab es die typischen Sektoren einer jeden (Groß-)Stadt wie Hausbau, Ernährung, Innenausstattung, Dienstleister. Die »Buntwerker« (Fellbearbeiter von Kaninchen, Hasen, Katzen, Lämmern, Füchsen) besaßen 1321 eine eigene Halle, die auch von den Pergamentbereitern benutzt wurde. Aus dem 1465 zerstörten Dinant zogen eine ganze Reihe von Kupferschmieden zu. Kanonen- und Glockengießerei wurden bedeutend, erstere auch als Hoflieferanten. Im frühen 16. Jahrhundert gab es erstaunlich viele Goldschmiede, bei denen sich der zu dieser Zeit anwesende Hof der Statthalterin bediente. Chirurgen bildeten seit 1438 die Hll. Cosmas und Damian-Bruderschaft. Obwohl M. im 17. Jahrhundert weitgehend unbehelligt blieb von direkten Kriegsereignissen, sorgte die anhaltende Bedrohungssituation dafür, dass es kein besonderes Wachstum gab. Als hofnaher Spezialbetrieb ist die kgl.-spanische Kanonengießerei der Familie Cauthals zu nennen (bis etwa 1635). Im 18. Jahrhundert blühte die Tuch- und Lederindustrie mit Export nach ganz Europa wieder auf, nun in größeren Manufakturen mit bis zu 72 Webstühlen. Unter französischer Besetzung ab 1795 fand diese ein Ende.

Daneben blieb die Landwirtschaft bedeutsam. Im Spätmittelalter wurde Weinbau in und um die Stadt betrieben, der Rotwein ging in den Export. Die Handwerkervereinigung war die Hl. Eligius-Bruderschaft der Schmiede von 1254, im 14. Jahrhundert bildeten die Zünfte (»ambachten«) voll ausgebildete Organisationen zur allumfänglichen Regelung von Problemen rund um die gewerbliche Produktion bis hin zur Unterhaltung von Streikkassen.

Zusammen mit Herzog Johann I. von Brabant verliehen die Berthouts 1301 Freimärkte für Fisch, Salz und Hafer (1358 vom Stadtherrn bestätigt), was Händler aus Löwen, Lier und Vilvoorde anlockte, hingegen einen langwierigen Streit mit Brüssel u.a. Nahrung gab. Die Absperrung der Dijle mit einer Kette 1413 erschwerte den Streit. 1718 entstanden um das Stapelrecht Unruhen, die mit Todesurteilen gegen die Aufständischen niedergeworfen wurde. In den 1750er Jahren gab es wieder (diesmal unblutigen) Streit um die Stapelrechte, die 1783 von Kaiser Joseph II. abgeschafft wurden.

(3) Eine Pfarrkirche mit Marien-Patrozinium dürfte es bereits im 8. Jahrhundert gegeben haben. Im Hochmittelalter unterstand sie der Dekanei Brüssel, dem Erzdiakonat Nord-Brabant und anfangs dem Bistum Cambrai, stand aber im 10. Jahrhundert unter Lütticher Einfluss. Missionarisch tätig war im 7. Jahrhundert der Ire Rombout (auch Rumoldus), an dessen Grab im Lauf des 8. Jahrhunderts ein Kloster entstand (sicher bezeugt 870). Wohl gegen Ende des 10. Jahrhunderts wurde das Kloster in ein Säkularkapitel umgewandelt. Als Heiligentag setzte sich um 1100 der 1. Juli durch. 1134 verkaufte das Domkapitel von Cambrai das Patronatsrecht über die Pfarrkirche an das Romboutskapitel, was 1135 vom Cambraiser Bischof und 1148 vom Papst bestätigt wurde. Der Papst bestimmte überdies die Kirchen der M. benachbarten Dörfer zu Tochterpfarreien der M.er Kirche. Propst und Kapitel von St. Rombout vermochten in der Folge das Pfarrrecht auf die Kapitelskirche zu übertragen (wohl um 1205). Ab 1217 begann der Bau der großen gotischen St. Romboutskathedrale, 1227 wurden die Reliquien übertragen. 1255 wurden weitere (neue) Pfarrkirchen in der größer gewordenen Stadt zugelassen (Nekkerspoel, Muizen und O.L.Vrouw-over-de-Dijle), drei weitere Parochien kamen vor 1300 hinzu (insgesamt sieben), überdies bestanden Kapellen und Oratorien. An der Spitze der Geistlichkeit standen die Kanoniker der St. Rombouts-Abtei, als deren Vögte die Berthouts auftraten. Als Provisoren der Kirchenfabrik agierten ab 1265 ein Schöffe, ein Bürger und ein Kanoniker.

Als weitere geistliche Einrichtungen sind die Kommende des Deutschen Ordens zu Betzenbroek in Muizen (um 1198/1221), später in Pitzemburg, die Viktoriner von Blijdenberg (1247?), die Klöster der Franziskaner (1231, in der Nähe der Kathedrale) und der Augustiner (1242, beim St. Katelijnepoort) zu nennen, jeweils mit Unterstützung der Berthouts gegründet. Im 13. Jahrhundert kamen Beginen und Begarden hinzu. Der Beginenhof vor dem Sint-Kathelijnen-Tor zählte 1289 weit über 100 Frauen. Zu Mitte des 16. Jahrhunderts soll es über 1500 Beginen gegeben haben. 1196/1200 stiftete der Lütticher Fbf. ein O.L.V.-Hospital. 1204 bestand eine Leproserie (Kloster »Ter Zieken«) an der Straße nach Diest, eine Stiftung Wouter Berthouts; später verlegt in die Stadt an die Rogbroekstraat (heute Ziekeliedenstraat). Im Lauf des 13./14 Jahrhunderts kamen zwei Zisterzienser- und zwei Augustinerklöster hinzu, 1304 auch die Karmeliter.

Es gab eine ganze Reihe karitativer Einrichtungen (meist mit einer Kapelle ausgestattet), die erste war eine 1220 gegründete Hl. Geist-Tafel, aus dem frühen 13. Jahrhundert stammt auch das »O.L.-Vrouwgasthuis«. Mit der Aufteilung in mehrere innerstädtische Parochien einhergehend gab es weitere Tafeln zur Verteilung von Naturalien und Geld. Auch die Unterstützungskassen der Zünfte (»Armenbüchsen«) sind zu nennen. Die Ausschüttungen wurden ermöglicht durch Güter und Renten, die seitens reicher Bürger geschenkt worden waren, was deren Memoria diente. Bettlerei muss umfangreich gewesen sein, 1477 wurde sie einfach von der Stadtobrigkeit verboten, nur einer 100jährigen Frau wurde sie zugestanden. Das 1293 gestiftete »Sint-Juliaansgasthuis« zur Unterstützung armer Pilger konnte um 1340 ca. 100 Reisenden Obdach gewähren.

An Bruderschaften sind die des Hl. Eligius (Sint-Eloi) und des Hl. Rumold (Sint-Rombout) als bedeutsam zu nennen. Im 15. Jahrhundert blühte das Bruderschaftswesen weiter auf. Die Verehrung der Hl. Maria der Sieben Schmerzen kannte in den Niederlanden eine große Verbreitung nach dem Tod Maria von Burgunds 1482, auch in M. Schirmherr der M.er Bruderschaft war Petrus Verhoeven (†1512), Beichtvater im Kloster Thabor, der in enger Verbindung mit Michiel Franssens stand, dem Beichtvater Philipps des Schönen. Um die Mitte des 16. Jahrhunderts gab es mindestens 24 Bruderschaften.

An der Sint-Rombouts-Kathedrale gab es eine Schule (Erwähnung des Rektors 1235). 1448 wurde mit päpstlicher Zustimmung die Schule der Stadt unterstellt. 1449 kaufte die Stadt ein Gebäude an zur Unterbringung derselben, später »Grootschool« genannt. Daneben gab es sicher seit 1332/33 »Kleinschulen«, d.h. volkssprachliche Schulen, denen die Stadt 1454 verbot, auf Latein zu unterrichten (mit Ausnahme des christlichen Schuldbekenntnisses). 1444 gab es 16 Schulmeisterinnen und -meister. 1500 wurde von der Stadt eine Schule für arme Jungen ins Leben gerufen unter Leitung des Dr. Jan van Standonck (1443-1504), daher später College Standonck genannt, mit Vorbereitung zum Universitätsbesuch. Unter Margarethe von Österreich entstand ein hohes humanistisch-literarisches Milieu im Umfeld von Hof, Behörden, Kathedralkirche und städtischer Grootschool. Jeroenimus van Busleyden (1470-1517) als Gründer des Collegium Trilingue ist zu nennen sowie Janus Secundus (1511-1535), Sekretär Karls V., weitere gehörten zum Kreis dazu. Auf die bildenden Künste wirkte sich dieser stark aus. 1520 machte Albrecht Dürer auf seiner Niederlande-Reise Station in M. und zeichnete das Portrait eines M.er Goldschmieds. Im Gefolge des Konzils von Trient wurde jede Parochie verpflichtet, eine Gemeindeschule zu unterhalten, doch scheinen die Kleinen Schulen sich der kirchlichen Aufsicht entzogen zu haben.

Eine Jüdin wird 1406 erwähnt anlässlich ihrer Taufe. Kirchenreformerisch und -kritisch wirkten der Pensionär Mag. Jan de Leeuw und Jan Pupper van Goch (†1475).

Die Reformation setzte nach ersten, scharf unterdrückten Vorläufern in den 1520er Jahren, die nicht zu einer Gemeindebildung führten, 1566/67 ein, ohne auf nennenswerten Widerstand seitens der Stadt zu treffen. Erst mit der Ankunft Herzog Albas setzte eine schwere Verfolgung ein, ein Ratsherr, Philips van der Aa, wurde verbannt (womit diese Familie in M. aufhörte). 1572 kam es nach einem Intermezzo der Ständischen zu einer Wiederbesetzung durch spanische Truppen, die M. plünderten. Bis 1585 wechselten die Verhältnisse, dann setzte sich die katholische Seite durch; wer den spanischen König nicht huldigen wollte, hatte M. innerhalb von sieben Monaten zu verlassen.

1559 wurde im Rahmen der Gegenreformation die Kirchenverfassung geändert, M. wurde Sitz eines neuen Ebm.s für Flandern-Brabant, die Rombouts-Kirche zur Kathedrale erhoben. Der erste Erzbischof Granvelle ließ sich aber meistens vertreten durch den Generalvikar. Nach Ende der fünfjährigen Periode des Calvinismus 1585 setzte eine grundständige Gegenreformation ein, vor allem unter dem ab 1595 amtierenden Erzbischof Matthias Hovius. Es siedelten sich an: Kapuziner (1599), Jesuiten (1611), Oratorianer (1630), Dominikaner-Prediger (1651), Englische Kartäuser (1591-1625), Unbeschuhte Karmeliter (1650), als Frauenklöster: Theresianerinnen bzw. Karmeliterinnen (1616), Maricolen, eine Kongregation der Karmeliterinnen (1676), Reiche Klarissen bzw. Urbanistinnen (1650), Ursulinerinnen (1687) und Apostolinnen (1691). Zahlreiche karitative Einrichtungen kamen hinzu, ebenso Bildungseinrichtungen auch für untere Bevölkerungskreise, teilweise auf Französisch. Erfolg dessen war die Heiligsprechung besonders wirkmächtiger Geistlicher, die Devotion Sint-Rombouts gewann neue Formen, Bruderschaften blühten auf (mit bis zu 14000 Mitgliedern). Der Jansenismus wurde trotz offiziellen (nicht immer scharf durchgesetzten) Verbots rezipiert, forderte auch innerkatholische Gegner heraus. Eine umfangreiche schriftstellerische Tätigkeit mit unterschiedlicher Zielrichtung setzte ein, u.a. Bekämpfung des Aberglaubens, parallel dazu setzte mit dem Barock eine neue Formensprache in Bauwesen und bildender Kunst ein. Ab ca. 1770 begann eine antikirchliche Haltung in Teilen der Ober- und Führungsschicht Einzug zu halten. Kaiser Joseph II. versuchte ab 1782, die religiöse Kultur aufzuheben und strebte eine Auflösung der Klöster an, wogegen sich bürgerlicher Widerstand regte, der in der Gründung der hochbürgerlichen »Société Patriotique« 1786 mündete. Kirchliche Institutionen, selbst die Namensgebung wurden unter der französischen Revolutionsregierung 1794/95 abgeschafft.

(4) M. kennt eine reiche Baugeschichte. Nach 1264 gab es ein Schöffen- bzw. Stadthaus, in das 1473 das Parlament einzog. Die Stadtregierung zog in den Beiaard um, wo bisher die Stadtkasse und die Rentmeister ihren Sitz hatten. Umfangreiche Baumaßnahmen wurden an der Sint-Rombouts-Kathedrale und weiteren Kirchen M.s um 1450 und 1455 begonnen, finanziert durch einen Verkauf von Ablassbriefen. Es gab eine ganze Reihe von Adelshöfen in der Stadt, die einen steten Besitzerwechsel erlebten. Hervorzuheben sind der Hof von Cambrai und der Hof von Savoyen. Als besonderer Bau, der durch die Niederlassung des Parlaments ab 1474 (Anbau ab 1526) bedingt waren, ist der Hof Palermo für den Präsidenten des Parlaments, Jean Carondelet (benannt nach dessen zweiten Sohn, der Erzbischof von Palermo wurde) zu nennen. 1477 kaufte Margarethe von York dem Bischof von Cambrai seinen Stadthof ab und ließ diesen umbauen. 1486 kaufte die Stadt ihr diesen ab und stellte ihn Philipp dem Schönen zur Verfügung. 1497-1503 nutzte Margarethe von York einen Hof des Jeroen Lauweryn in der Voochtstraat. Ab 1503 ließ Jeroen Busleyden den nach ihm benannten Hof Busleyden und Jeroen Lauwereyn den später sog. Hof de Savoie errichten, beide waren Mitglieder des Großen Rats, beides Bauten Antoon I. Keldermans. Es folgten als weitere Keldermans-Bauten die Stadthöfe Duffel (1506), Chièvres (1506), Bergen (erste Hälfte 16. Jh.), Hoogstraten (1512), Nassau (1515), alle für Ratsmitglieder. Hinzu kamen der Hof von Flandern (1520) für das kaiserliche Arsenal und der Sitzungssaal des Großen Rats (1526). Gleichzeitig wurden die Türme der Sint-Rombouts-Kathedrale weiter gebaut. Auf die Bauten der reichen Bürger färbte dies alles ab, einzelne Häuser des 16. Jahrhundert haben sich erhalten (Sint-Katelijnenstraat 23, Holzhaus Haverwerf 21). Subventioniert wurden die Bauten durch die Stadt, der Palast des Großen Rats wurde vom Stadtwerkmeister errichtet. Als Meistersteinmetz wirkten die Mitglieder der Keldermans-Familie (Andries I., Antoon I. [†1512], Antoon II. [†1515] und Rombout II. [†1531], Laureys [†1534], alle nacheinander Stadtwerkmeister), die auch einen umfangreichen Handel mit Natursteinen betrieben, der weit über M. hinausreichte. Der Renaissance schloss sich der letzte der Familie nicht im großen Stil an. Der ab 1609 in M. befindliche Große Rat nutzte das »Nieuwe Paleis«, die vormalige Residenz Margarethe von Österreichs. Die »Chambre mi-partie« saß im Alten Schöffenhaus. Dem Arsenal wurde 1575 der vormalige Hof von Sachsen in der Nähe der Rombouts-Kathedrale zugewiesen. Einen obrigkeitlich verursachten Aufschwung bürgerlichen Bauens gab es ab 1767 zur Vorbereitung des 1000-jährigen Jubiläums der Sint-Rombouts-Verehrung 1775, hölzerne Giebelfassaden mussten durch steinerne ersetzt werden. Die Kontrolle durch den privaten Baumeister Willem Herreyns als städtischem Beauftragten führte zu einer von der Obrigkeit eigentlich ungeplanten Vereinheitlichung. 1784 wurden Straßennamensschilder eingeführt. Auf Befehl Kaiser Josephs II. wurden ab 1782 die Außentore vor den Wallanlagen abgerissen.

Eine stilisierte Darstellung M.s findet sich im Hintergrund des Merode-Triptychon von Robert Campin (†1444). Von Jacob van Deventer, welcher 1542-1572 in M. arbeitete, stammt eine ca. 1560 angefertigte Aufsicht auf Stadt und Umland. Die Plünderung M.s durch Truppen Herzog Albas zu Anfang Oktober 1572 ist von Franz Hogenberg als Bild festgehalten worden. Dieser schuf auch ein größeres Panorama aus Nordwesten (Civitates Orbis Terrarum, Köln 1572-1591). Ein Kupferstich aus dem 17. Jahrhundert zeigt die Bastionen, die 1635-1636 um die Stadt angelegt wurden. Einen Überblicksplan über die geistlichen Einrichtungen schuf der M.er Landmesser J. Wijaerts 1624 (Kopie Ende 18. Jh.: Brüssel, AGR, Karten en Plannen, hs. 129). Eine Karte der Herrschaft mit stilisiertem Stadtgrundriss fertigte der Landvermesser P. van Antwerpen 1730 an. M. inmitten seiner weiteren Umgebung zeigt die Kabinettskarte von J.J. François Graf Ferraris von 1770.

(5) Die Lage M.s als Enklave im Herzogtum Brabant wurde von den Brabanter Hzg.en einerseits mit Misstrauen beobachtet. Problematisch war dieses bei Hungersnöten, da oftmals die Getreideausfuhr aus Brabant unterbunden wurde, selbst zu Zeiten, als man mit den burgundischen Hzg.en einen gemeinsamen Landesherrn hatte. Andererseits fungierte M. als Dijle-Hafen für die umliegenden kleineren brabantischen Städte, die Anrainer der Flüsse Schelde, Rupel, Dijle, Demer und Nete waren und zusammen ein regelrechtes Hinterland für M. bildeten. Zudem versuchten die Brabanter Herzöge eine Einbindung M.s in ihr Herrschaftsgebiet zu erreichen, indem sie 1356 M. Freiheit auf dem Antwerpener Stapelmarkt gewährten. Die Bewohner der vormaligen Ländereien der Berthouts genossen im 14. Jahrhundert eine Vorzugsbehandlung auf dem M.er Markt. In der kleinen Herrschaft M. dominierte die Stadt, als andere Siedlungen sind die Dörfer Hever, Muizen, (Neer-)Hombeek, Leest und Heffen sowie Heist-op-den-Berg und mehrere Weiler zu nennen, die einem Stadt-M.er »Meier« unterstanden. Das im zu Brabant gehörenden »Land van M.« liegende größere Dorf Walem (auch Besitz der Berthouts) wurde von M.er Tuchproduzenten als verlängerte Werkbank genutzt. M.er Bürger hatten Grundbesitz, auch in Form von Lehen, zumeist innerhalb der Herrschaft, gelegentlich darüber hinaus in Brabant (Duffel, Stroombeek-Bever, Sint-Katelijne-Waver).

Anders als die großen flämischen Städte vermochte M. trotz des Exports seines Tuchs nach England, Spanien und über die Champagnemessen nur wenige Kaufleute aus der Ferne anzulocken, lediglich (bzw. immerhin) einzelne Italiener und Deutsche werden für das 14./15. Jahrhundert erwähnt. In der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts spielte allein Frankfurt am Main noch eine Rolle als Vermarktungsplatz des M.er Tuchs. Der Achtzigjährige Krieg und die Sperrung des Antwerpener Hafens ab 1585 hatte gravierende Folgen für M.s Handel und Verkehr, die durch die vielen Kriege des 17./18. Jahrhunderts nicht gemindert wurden. Durch den Handel über Land konnte der Warenumschlag ansatzweise ersetzt werden. Erste Pflasterstraßen über Land führten nach Heffen (1617) und Antwerpen-Kontich (1630), weitere kamen hinzu, 1710 war die Straße nach Antwerpen vollendet. Im 18. Jahrhundert setzte die Österreichische Regierung einen Chausseeplan durch, die Straße nach Löwen musste die Stadt M. bezahlen, welche die Kosten durch Mauterhebung nicht einholen konnte, da 1753-1758 der Rupelkanal, der Löwen mit der Rupel verband, in Gebrauch genommen wurde, welcher den Gütertransport ganz auf sich zog.

(6) Als Karl der Kühne im Dezember 1473 seine Zentralverwaltung in M. einrichtete, hatte die Stadt das Potenzial, sich zur Verwaltungshauptstadt der Niederen Lande zu entwickeln. Dennoch müssen weitere Forschungen zeigen, ob M. auch während der Herrschaft von Margarete von Österreich im frühen 16. Jahrhundert als Verwaltungshauptstadt der Niederlande anzusehen ist. Schließlich darf die Bedeutung anderer großer Städte wie Brüssel im Herzogtum Brabant oder Gent in der Grafschaft Flandern zu dieser Zeit nicht unterschätzt werden. Sicher ist, dass M. Ende des 15. Jahrhunderts den Witwensitz von Margarete von York war und dass die Stadt zwischen 1507 und 1530 die bevorzugte Residenz Margarete von Österreichs war. Etwas modernisierend kann die Bevorzugung M.s als »Projekt« von Margarethe von York und Margarethe von Österreich verstanden werden. Auch im Laufe der frühen Neuzeit achtete die Stadt auf ein einvernehmliches Verhältnis zum Personal der Rats- und Kircheninstitutionen. Das genaue Ausmaß der Verflechtung zwischen städtischer Gemeinde und höfischer Gesellschaft bleibt weiterer Forschung vorbehalten. Dieses gilt auch für die (nicht kontinuierliche) Anwesenheit der Erzbischöfe ab 1559, die für die Prägung M.s als geistlicher Stadt in der Gegenreformation entscheidend war.

(7) Die städtische Überlieferung befindet sich im »Stadsarchief Mechelen« (SAM), wo sich auch ein Bestand »Grote Raad van Mechelen« befindet (Fonds A.1-A.1.1-0001, mit Dossiers einzelner Ratsherren). Urkunden der Schöffen setzen um die Mitte des 13. Jahrhunderts ein, Register im 14. Jahrhundert. Hervorzuheben ist die Reihe der spätmittelalterlichen Stadtrechnungen, auch gibt es zahlreiche Notariatsarchive. Zudem lassen sich die Überlieferungen der Dörfer und Adelsherrschaften finden, die innerhalb der »heerlijkheid« lagen. In Mecheln befindet sich auch das Archiv des 1962 neu zugeschnittenen Erzbistums Mecheln-Brüssel (Aartsbisschoppelijk Archief te Mechelen, AAM). Für die landesherrliche Seite ist man auf das Allgemeine Reichsarchiv in Brüssel (Archives Générales du Royaume, AGR) und die Archives Départementales du Nord in Lille (ADN) angewiesen.

Doren, Pierre-Joseph van: Inventaire des archives de la ville de Malines, 8 Tl.e, Mecheln 1859-1894 (Tl. 1, 1859: Chartes, Tl. 2, 1862: Chartes - octrois, Tl. 3, 1865: Lettres missives, Tl. 4, 1866: Lettres missives, Tl. 5, 1868: Lettres missives, Tl. 6 [zusammen mit Victor Hermans], 1876: Affaires civiles et ecclésiastiques). - Hermans, Victor: Inventaire des archives de la ville de Malines, Tl. 8, Mecheln 1894. - Hermans, Victor: Inventaire des Lettres Missives. Nouvelle série, Tl. 1, Mecheln 1885. - Joosen, Henry: Inventaris van de Stadsrekeningen van Mechelen (tot 1570), Mecheln 1988 (Studia et Documenta Mechliniensia, 3). - Nijn, Heidi de: Inventaris van het modern archief op het Stadsarchief te Mechelen, Tl. 1, Mecheln 1989 (Studia et Documenta Mechliniensia, 4) [betr. Bestände ab 1790]. - Viaene, Dieter: Inventaris van het notariaatsarchief 1468-1928 (Herwerkte uitgave van de Inventaris der Notariële Protocollen van René De Roo), Mecheln 2008. - Joosen, Henry: De oudste stadsrekening van Mechelen 1311-1312, Mecheln 1982 (Studia et Documenta Mechliniensia, 1).

(8)Meischke, Ruud, Tyghem, Frieda van: Huizen en hoven, gebouwd onder leiding van Anthonis I en Rombout II, in: Keldermans. Een architectonisch netwerk in de Nederlanden, hg. von J.H. Mosselveld, Den Haag, Bergen op Zoom 1987, S. 131-154. - Installé, Henri: Patriciërs en ambachtslui in het stadsbestuur te Mechelen onder Maria-Theresia. De sociale status van burgemeesters en schepenen 1740-1780, Mecheln 1982. - Uytven, Raymond van: De geschiedenis van Mechelen. Van heerlijkheid tot stadsgewest, Tielt 1991. - Historische Stedenatlas van Belgie, Tl. 4: Mechelen, bearb. von Henri Installé und Hans Rombout, Mecheln 1997. - Installé, Henri: Bestuursinstellingen van de heerlijkheid Mechelen, 11de eeuw-1795, in: De gewestelijke en lokale overheidsinstellingen in Brabant en Mechelen tot 1795, hg. von Raymond van Uytven, Claude Bruneel, Herman Coppens und Beatrijs Augustyn, Brüssel 2000 (Algemeen Rijksarchief en Rijksarchief in de provinciën, Studia, 82), S. 835-864. - Eichberger, Dagmar: A Cultural Center in the Southern Netherlands. The Court of Margaret of Austria 1480-1530 in Mechelen, in: Princes and Princely Culture 1450-1650, Bd. 1, hg. von Martin Gosman, Alasdair A. MacDonald und Arjo J. Vanderjagt, Leiden/Boston 2003 (Brill’s Studies in Intellectual History, 118, 1), S. 239-258. - Jonge, Krista de: The principal residences in Mechelen. The Court of Cambrai and the Court of Savoy, in: Women of distinction. Margret of York, Margret of Austria, hg. von Dagmar Eichberger [Ausstellungskatalog], Löwen 2005, S. 57-96. - Prevenier, Walter: Mechelen ca. 1500. A Cosmopolitan Biotope for Social Elites and Non-Conformists, in: Women of distinction. Margret of York, Margret of Austria, hg. von Dagmar Eichberger [Ausstellungskatalog], Löwen 2005, S. 31-42. - Buylaert, Frederik: From periphery to centre and back again. Elite transformations in Mechelen (14th to 16th centuries), in: Urban History 47 (2020), H. 4, S. 610-631.

Yannick De Meulder, Harm von Seggern