Residenzstädte im Alten Reich (1300-1800)

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Ijsselstein

Ijsselstein

(1) Die Stadt IJ. entstand um die gleichnamige Burg; der Name bedeutet soviel wie »Stein an der IJssel«, was Bezug nimmt auf die als »Stein« oder »Steinhaus« bezeichnete Burg. IJ. liegt an der holländischen IJssel, einem Nebenfluss der Lek, ungefähr zwölf Kilometer südwestlich von Utrecht. Die IJssel fließt weiter Richtung Rotterdam und mündet bei IJsselmonde in die Maas. Über die IJssel verfügte die Stadt eine günstige Verbindung mit den holländischen Städten.

IJ. entstand auf einem Strandwall am Ufer der IJssel. Südlich des Orts lag ein 860 erwähntes Gut, Opburen, direkt nördlich vor der späteren Stadt die Siedlung Eiteren (heute Stadtteil IJ.s), die um das Jahr 1000 bestand, und in der vor oder um 1200 eine Kapelle gegründet wurde. Eiteren gehörte zunächst der Abtei Werden bei Essen und kam in die Hände des Utrechter St. Marien-Kapitels. Dieses gab den Ort als Lehen an die eigentlich nordwestlich Utrechts am Fluss Amstel besessenen Herren von Amstel aus, die Lehnsmänner sowohl der Grafen von Holland als auch der Bischöfe von Utrecht waren; 1267 wird als erster der Familie Arnoud van Amstel, zugleich Marschall des Utrechter Bf.s, als Pächter erwähnt, 1277 hingegen als Herr von IJ. Dessen Sohn Gijsbrecht nannte sich 1280 Gijsbrecht van IJ. Die zwischen diesen Mächten wechselnde Loyalität der Herren von Amstel (meist allerdings auf holländischer Seite stehend) bestimmte die politische Geschichte IJ.s bis zum Ende des 16. Jahrhunderts 1354 wurden die Herren von Amstel als Herren von IJ. anerkannt, zum Gebiet der Herrschaft (ndl. »heerlijkheid«) gehörten noch die Herrschaften Benschop und Noord-Polsbroek. Durch Heirat kam die Herrschaft IJ. 1363 an die Adelsfamilie Egmond. Unter Frederik van Egmond (ca. 1440-1521), 1492 von König Maximilian I. zum Graf von Buren erhoben, setzte ab etwa 1512 ein Ausbau zur Residenz ein. Durch eine weitere Heirat 1551 kam IJ. an die Fürsten von Oranien-Nassau. Gerichtlich ließen letztere die formelle Unabhängigkeit der Herrschaft feststellen, die König Philipp II. von Spanien letztlich 1556 bestätigte, so dass sie in finanzieller, administrativer und militärischer Hinsicht von der Grafschaft Holland losgelöst, handeln konnte. Dieses wurde auch von den holländischen Ständen hingenommen, erst nach 1795, als der letzte Herr von IJ. im Zuge der Besetzung der Niederlande von den Franzosen abgesetzt worden war, wurde die Herrschaft und damit die Stadt IJ. an Holland angeschlossen. Hiergegen widersetzte sich die Stadt IJ. noch 1814, doch war dem kein Erfolg beschieden. Im neuen Königreich der Niederlande 1815 wurde IJ. der Provinz Utrecht zugeschlagen.

(2) Die Topographie der Stadt ist bestimmt durch die wohl im 11. Jahrhundert (spätestens um 1200) beginnende Urbarmachung des hinter dem Strandwall befindlichen Moor- bzw. Fehngebiets, das im 10. Jahrhundert als noch nicht kultiviertes Land dem Bischof von Utrecht zugehörte. Parallel zur IJssel wurde ein Graben, der Achtersloot, angelegt, und zwischen diesem und der IJssel mehrere Entwässerungsgräben geschaffen. Zwei dieser Entwässerungsgräben fungierten als künftige Stadtgräben. Im frühen 14. Jahrhundert wurde das zur Verfügung stehende Areal der Stadt durch die Herren von IJ. verdoppelt, doch blieb die neue Siedlungsfläche weitgehend leer. Der Stadtgrundriss ist beherrscht von der aus Benschopperstraat (1325 erwähnt) und Achterstraat bzw. Utrechtsestraat gebildeten, von Südwesten nach Nordosten verlaufenden Hauptachse, an deren Enden sich Tore befanden.

Städtische Verfassungsstrukturen bildeten sich im Laufe der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts heraus. 1310 erhielt der Herr von IJ. die Erlaubnis, drei Jahrmärkte von je acht Tagen einzurichten (Frühjahr, Sommer und Winter). 1321 wird ein Tor (»poort«) erwähnt, zehn Jahre später »poorters«, hier als Bürger zu verstehen. Die Herren von IJ. ernannten einen Schultheißen (1328 erstmals erwähnt) und mehrere Schöffen, in deren Händen Rechtsprechung und Verwaltung lagen. 1399 erscheinen zwei Bürgermeister, einer der Stadt und der andere des »gemenen lands«. Die Schöffen standen anfangs hinsichtlich ihrer Bedeutung zurück, entwickelten sich im 15. Jahrhundert aber zu einer machtvollen Gruppe. 1441 wird die Vroedschap erwähnt, der erweiterte Stadtrat. 1453 erscheint ein Drost, dessen Kompetenzen über die des Schultheißen hinausgingen, da er für die gesamte Herrschaft zuständig war und als Schlossvogt auftrat. Die Amtsinhaber waren bis ins 16. Jahrhundert meist adlig, ab 1600 nicht mehr (im 18. Jahrhundert zumeist aus der nicht-adligen Familie De Beaufort, die sich wiederum selbst vertreten ließen) und wurden oft als Statthalter bezeichnet.

Einen Einschnitt stellte die holländisch-utrechter Fehde von 1345/46 dar, nach deren Beendigung Arnold van IJ. Stadt und Burg ausbaute: Er stiftete ein Gasthaus, ließ die Burg ausbauen und verlieh 1348 den Einwohnern der gesamten Herrschaft ein Landrecht. Nach seinem Tod 1363 förderten seine Tochter Guyotte (†1377) und Schwiegersohn Jan van Egmond (†1369) und beider Sohn Arnold II. van Egmond, der zugleich als Deichgraf den Schutz vor Hochwasser vorantrieb, den Ausbau der Stadt. Letzterer legte ab 1391 eine Neustadt an, die beinahe einer Verdoppelung der Siedelfläche gleichkommen wäre, doch blieb der Raum weitgehend leer, jedoch ließ sich das Kloster von Eiteren hier nieder. Unter dessen Sohn Jan II. van Arkel, der auf der Seite der Kabeljauwen stand, geriet IJ. im »Arkelse oorlog«, der großen Fehde zwischen den Grafen von Holland und den Herren von Arkel, mehrmals in die Kämpfe (Zerstörungen 1416, 1418, 1427), ehe dank eines Friedens zwischen dem Bruder Jans II., Willem van Egmond, und Regentin Jakobäa von Bayern, wieder ruhigere Verhältnisse einkehrten. Regentin Jakobäa schenkte Geld zum Wiederaufbau und wurde Mitglied der »Onze Lieve Vrouwe Broederschap« (sie hatte bei der von ihr veranlassten Zerstörung 1418 die geistlichen Einrichtungen verschonen lassen). Willem II. van Egmond öffnete IJ. Herzog Philipp dem Guten von Burgund für dessen Feldzug 1455/56 zur Einnahme des Bm.s Utrecht. Erst nach einer neuerlichen Belagerung IJ.s durch Utrechter Truppen vermochte Frederik van Egmond als neuer Herr IJ.s ab 1469 eine erneute Befestigung der Stadt rechtlich gegen die Nachbarmächte durchzusetzen.

Es gab eine Schützengilde, die St. Georgsgilde (ndl. St. Jorisgilde), die im 15.Jh. ungefähr 200 Mann zählte. Acht Hauptmänner standen an der Spitze der Wehreinheiten (Hafen, Benschop, Koning, »Plaats« [dt. Platz, gemeint Markt], u.a.), mehrmals (1482, 1512) konnten Belagerungen durch Utrechter Truppen abgewiesen werden.

IJ. fungierte vornehmlich als regionaler Markt, auf dem Agrarprodukte umgesetzt wurden, in Besonderheit Flachs, Hanf und Fassreifen. Dem Handel diente eine Ratswaage. Wenige Kaufleute waren im Getreidehandel mit den größeren Zentren aktiv. Als Exportgewerbe sind die Seilmacherei, Leinwandherstellung und Reifschneiderei (für die Fassherstellung) zu nennen, für Hanf war IJ. Bannmarkt. Die wenigen Bierbrauer gehörten zur Oberschicht. Ab 1415 gab es eine Windmühle, für die es einen Mahlzwang in der Herrschaft IJ. gab. Der Torfabbau zu Brennzwecken war bedeutend; auch wenn es keine Zünfte gab, so bildete die Torfpackerei, ausgeübt von (armen) Frauen, ein von der Stadt kontrolliertes Gewerbe. Mit der Zuerkennung der Unabhängigkeit von Holland 1556 erhielt IJ. Möglichkeiten zur wirtschaftlichen Selbstbestimmung, u.a. bei der Steuererhebung sowie als Asylort für anderwärts verfolgte Personen (teils Kriminelle), die sich gegen Bezahlung in der Herrschaft, zumeist der Stadt IJ. niederließen. Im Laufe des 17./18. Jahrhunderts wurde dieses durch einzelne, aus Amsterdamer Regentenfamilien stammende Drosten noch erweitert. Marie Louise von Hessen-Kassel (als Regentin 1711-1731, †1765), überlebende Frau Johann Wilhelm Friso von Nassau-Dietz (†1711), ergriff weitgehende Maßnahmen zur Stadtverschönerung und beförderte die Wohnsitznahme durch vermögende Rentenbezieher aus den holländischen Großstädten, die sich vor den dort höheren Lebenshaltungskosten schützen wollten. Die älteren Gewerbe der Seilmacherei und Fassreifenherstellung wurden zu Manufakturen umorganisiert, so dass die Stadt sich dem wirtschaftlichen Niedergang der Niederlande im 18. Jahrhundert entziehen konnte. Diese Sonderentwicklung wurde durch die »Patrioten«-Herrschaft und die französische Besetzung abrupt beendet.

Angaben zur Einwohnerzahl sind schwierig. Für das 17. Jahrhundert werden ca. 300 Häuser angenommen, um die Mitte des 18. Jahrhunderts unter der Regentin Marie Louise von Hessen-Kassel gab es ca. 2000 Einwohner, eine Zahl, die sich gegen Ende des 18. Jahrhunderts drastisch verringerte.

(3) Die Kirchenorganisation nahm ihren Anfang in dem IJ. direkt benachbarten hochmittelalterlichen Kirchdorf Eiteren, das bis 1599 in Händen der Adelsfamilie von IJ. bzw. von Egmond blieb; die dortige, um 1200 sicher belegte St. Marien-Pfarre war auch für das spätere IJ. zuständig. 1307 wurde mit dem Bau einer Kirche in IJ. begonnen, die das St. Nikolaus-Patrozinium erhielt (Weihe 1310). Eventuell wurde sie Ende des 14. Jahrhunderts zu einer Kapitelskirche unter Leitung eines Dekans erhoben. Im 15. Jahrhundert brannte die Kirche ab, 1532-1535 wurde sie im Renaissancestil durch Alessandro Pasqualini wieder errichtet. Zu einem unbekannten Zeitpunkt im 15. Jahrhundert wurde an der IJ.er St. Nikolaus-Kirche eine Bruderschaft gegründet. An der Kirche gab es sieben Vikarien. Die Tochter des letzten Herrn von Amstel, Guyotte (†1377), und ihr Ehemann Jan van Egmond (†1369) ließen um 1350 für die Eltern und Großeltern der Ehefrau ein Grabmal errichten. Beigesetzt wurden in der Kirche auch Arnold van IJ. und dessen Ehefrau Maria van Henegouwen, die Frauen mit Wappen und Hund (als Zeichen der Treue) zu ihren Füßen, die Männer mit einem Löwen (als Zeichen des Muts bzw. der Stärke) anstelle des Hundes. Frederik van Egmond ließ nach dem Tod seiner Frau Aleid van Culemborg 1471 für sie ab 1475 ebenfalls ein großes Grabmal errichten, ebenfalls mit einem Hund zu ihren Füßen.

Auch wenn die aufgehobene Pfarrei in Eiteren zu einer Kapelle gewandelt wurde, so erfreute sich der Ort doch Beliebtheit. Um ein Marienbild, dem Wundertätigkeit zugeschrieben wurde, entwickelte sich eine Wallfahrt mit einer Prozession. An der Kapelle ist 1399 eine Bruderschaft »Onze Lieve Vrouwe« belegt. Bei der Kapelle wurde eine Leproserie errichtet (1648 abgerissen), der 1447 eine Melatenbruder- und -schwesternschaft angegliedert wurde. Im Zuge der Reformation wurden 1577 die Güter eingezogen, die Kapelle 1579 zerstört. 1342 errichteten Gijsbrecht van IJ. und seine Frau in Eiteren zudem noch ein Kloster (im Jahr darauf den Zisterziensern angeschlossen), das 1391 oder 1394 in die Neustadt IJ.s verlegt wurde; gedacht war es zur Unterbringung von Wallfahrern. Es wurde Mutterkloster mehrerer benachbarter Zisterzienserklöster. 1425 galt es als arm. Da das Kloster außerhalb der Stadtmauern lag, wurde es im 15. Jahrhundert mehrfach Opfer der Fehden. 1495 wurde es in die Stadtmauern verlegt (heutige Kloosterstraat). 1537 fielen Kirche und weite Teile der Stadt einem Brand zum Opfer. Unterstützt vom Stadtherrn Floris van Egmond und anderen Herrschaftsträgern der Niederlande (Bf.e von Utrecht und Lüttich u.a.) wurde eine neue Kirche errichtet; 1577 wurde die Ausstattung im Rahmen des Bildersturms von den Protestanten zerstört, das Kloster in ein Gasthaus umgewandelt.

1352 muss es in IJ. ein Spital (»gasthuis«) zur Aufnahme von Kranken und Armen gegeben haben, zu diesem Zeitpunkt werden ihm Güter übereignet; es dürfte von Arnold van IJ. gegründet worden sein, auch wenn dies nicht sicher belegt ist. 1356 wurde es St. Ewoud geweiht. Sein genauer Standort ist unbekannt. Bei der Verlegung des Zisterzienser-Klosters hinter die Stadtmauern 1495 wurde es mit dem Gasthaus vereinigt, wohl auf Grund und Boden des Gasthauses. Belegt ist, dass das Gasthaus als Kreditgeber tätig war. In die Reste des 1577 zerstörten Klosters zog das Gasthaus ein, dessen älteres Gebäude verkauft wurde und wo 1599 die städtische Waage einzog. Die Güter der geistlichen Bruderschaften wurden zur Finanzierung des Gasthauses umgewidmet, bis die Bruderschaften 1615 durch den Stadtherrn Philipp von Nassau-Oranien aufgelöst wurden; das Gasthaus blieb auf private Zuwendungen angewiesen. Die Wohnung des Klosterpriors wurde zum Haus des Stadtschreibers und später zum Amtssitz des Landdrosten.

Unter den Fürsten von Nassau-Oranien dürfte konfessionelle Toleranz geherrscht haben, etwa die Hälfte der Einwohnerschaft blieb katholisch und nutzte eine Schlupfkirche am Hafen, die im 18. Jahrhundert deutlich vergrößert wurde. Unter Marie Louise von Hessen-Kassel ließen sich Herrenhuter nieder, die ein Anwesen außerhalb der Stadt, ’s Heerendijk, bezogen, vormals einem reichen Bürger gehörend. Der Predikant beschuldigte sie der Ketzerei, weswegen sie IJ. bald wieder verließen.

(4) Die Burg, gelegen an der Nordwestseite der Stadt, wird 1297 erstmals erwähnt, 1356 wird zwischen Haupt- und Vorburg (letztere »Hofkamp« genannt) unterschieden. 1417 wurde sie abgerissen, nach 1466 wieder aufgebaut und dürfte nach 1470 wieder bewohnbar gewesen sein. Sie war von einer Mauer mit drei Türmen umgeben, die sie von der Stadt trennte, der Zugang erfolgte von der Ostseite, d.h. auf der der Stadt zugewandten Seite. Nördlich der Burg gab es ein Vorwerk. Nach der letzten Belagerung IJ.s 1511 ließ Frederik van Egmond ab 1512 die Burg u.a. mit einem neuen Turm erweitern, auch die Kirche wurde verschönert und erhielt ebenfalls einen neuen Turm (errichtet durch den in seinen Diensten befindlichen italienischen Architekten Alexander Pasqualini). Nach seinem Tod 1521 setzte Floris van Egmond die Baumaßnahmen fort, eventuell durch den Architekten Rombout Keldermans II. (Beendigung des Wohnturms in der Burg, Treppenturm, welcher bis Ende 18. Jahrhundert als Gefängnis genutzt wurde; nur letzterer blieb 1888 vom Abbruch verschont). Die Burg diente ab etwa 1540 vornehmlich als Wohnsitz des Drosten, nur Marie Louise von Hessen-Kassel hielt sich häufiger hier auf, nachdem 1744 Renovierungsmaßnahmen an der zunehmend baufälligen Burg vorgenommen worden waren. Unter der französischen Besetzung diente sie als Kaserne, ehe sie an Privat verkauft wurde. Als herrschaftliche Einrichtung in der Stadt ist noch die Bannmühle ist zu nennen.

Stadtbildprägend war ferner die St. Nikolaus-Kirche, deren von Alessandro Pasqualini entworfener Renaissance Turm, der erste in diesem Stil in den nördlichen Niederlanden, hervorzuheben ist. Vollendet wurde der Turm 1635.

Nach der Übernahme IJ.s durch Wilhelm von Nassau-Oranien erhielt die Stadt 1557-1568 ein neues repräsentatives Rathaus im Stil des Manierismus am Marktplatz. Zwei steinerne Löwen trugen das IJ.er Wappen. 1756 wurde ein in Stein gehauenes Stadtwappen angebracht. 1599 wurde eine städtische Waage anstelle des vorherigen Gasthauses gebaut. 1779 erhielt die Waage ein neues Gebäude. Auf dem Grundstück des Klosters wurden nach dessen Abriss 1697 repräsentative Bürgerhäuser errichtet.

Es gibt einen Stadtplan von Jacob van Deventer von ca. 1565 sowie einen von 1649 im Städteatlas von Jan Blaeu, auf dem ungefähr 300 Häuser zu erkennen sind. Die Verläßlichkeit desselben ist ungewiss, doch könnte er auf ungefähr 1500 Einwohner verweisen. Aus dem 17. und 18. Jahrhundert gibt es mehrere Bilder, auf denen das Schloss, die Stadtpforten und das Rathaus dargestellt sind, auch Ansichten der gesamten Stadt liegen vor.

(5) Wegen seiner die großen Stadtwirtschaften ergänzenden Funktion stand IJ. in enger Verbindung mit den führenden Großstädten der Region wie Utrecht und Amsterdam, mit letzterer gab es eine tägliche Schiffsverbindung. Über eine Mitgliedschaften in Städtebünden und eine Beteiligung an Ständeversammlungen ist nichts bekannt.

(6) IJ. lässt sich als Residenzstadt für die Herren von IJ., hervorgegangen aus der Ministerialenfamilie von Amstel, im 14. Jahrhundert verstehen. Ob IJ. auch für die Grafen von Buren aus dem Haus Egmond im frühen 16. Jahrhundert als eine solche fungierte, bedarf genauerer Prüfung, jedenfalls betrieben sie einen auffallend repräsentativen Ausbau der Stadt, wie sie ihn auch in Buren an den Tag legten; IJ. dürfte wohl nicht als Hauptsitz der Familie vorgesehen gewesen sein. Die Stadt IJ. ist mit dem direkt vor ihren Mauern liegenden Dorf Eiteren zu betrachten, auch dieses wurde von den Herren von IJ. - kirchlich - gefördert. Wirtschaftlich gewann IJ. in erster Linie als Ort ergänzender und zuliefernder Produktion für die großen Städte Utrecht und Amsterdam an Bedeutung, sowie im 17./18. Jahrhundert als Asylort für Verfolgte bzw. als Wohnort für Rentenbezieher, letztlich als ökonomische, phasenweise (unter Marie Louise von Hessen-Kassel) lukrative Nische zu werten, die auf dem 1555 festgeschriebenen Status als einer unabhängigen Herrschaft zwischen der Grafschaft Holland und dem Niederstift Utrecht zurückzuführen ist. Die Verflechtung zwischen Stadtgemeinde und Hofgesellschaft bleibt zu untersuchen, unter den Herren von Egmond und Fürsten von Oranien dürfte es sie kaum gegeben haben.

(7) Archivalien zur Geschichte IJsselsteins finden sich in Den Haag, Koninklijk Huisarchief, Archief van de stadhouders en Friese stadhouders. Überdies gibt es die Überlieferung in IJsselstein, Regionaal Archief Rijnstreek, Stadsarchief IJsselstein. Ferner sind die Bestände zu berücksichtigen in Utrecht, Het Utrechts Archief, im Einzelnen: 1. Acten van Indemniteit IJsselstein, 2. Doop-, trouw- en begraafboken (DTB) IJsselstein, 3. Familiearchief De Beaufort, 4. Notarissen IJsselstein.

(8)Giesen-Geurts, Brigitte, Mimpen, Renate, Vernooij, Alfons: IJsselstein. Geschiedenis en architectuur, Zeist 1989 (Monumenten-inventarisatie provincie Utrecht). - Vergouw, Martijn, Siccama, Peter: Eyteren bij Ijsselstein, Nieuwegein 1993. - Hermans, Taco, Noordam, Charles: Art. »Ijsselstein«, in: Kastelen en ridderhofsteden in Utrecht, hg. von Ben Olde Meierink u.a., Utrecht 1995, S. 506-511. - Fafianie, A.M. (Ton): »In Goeds ere ende des goeden sinte Ewalds«. Geschiedenis van het Ewoudsgasthuis, Stichting Historische Kring IJsselstein, Nr. 84, April 1998. - Amstel, Theodor Adriaan Arnold Maria van: De heren van Amstel 1105-1378. Hun opkomst in het Nedersticht van Utrecht in de twaalfde en dertiende eeuw en hun vestiging in het hertogdom Brabant na 1296, Hilversum 1999 (Middeleeuwse Studies en Bronnen, 61). - Bruijn, Martin W.J. de: IJsselstein de vesting, IJsselstein 2005. - Vogelzang, Fred: Van boevenoord tot belastingparadijs. Het leven in IJsselstein in de achttiende eeuw, IJsselstein 2010.

Fred Vogelzang