
- Paul Anton de Lagarde (links) und sein Schüler Alfred Rahlfs, zwischen ihnen Bände der Septuaginta-Edition
Griechische Übersetzung des Alten Testaments in ältester Fassung
Die Forschungsstelle „Septuaginta“ widmet sich einem der größten und einflussreichsten Werke der Weltliteratur, der griechische Übersetzung des hebräischen Alten Testaments. Der Legende nach haben 72 Priester in 72 Tagen die heiligen Schriften der Juden ins Griechische übersetzt, was dem Werk den Namen „Septuaginta“ („die Siebzig“) eingebracht hat. Tatsächlich aber dauerte die Übersetzung über dreihundert Jahre bis ins erste nachchristliche Jahrhundert hinein. Zur Geschichte des Septuagintatextes gehört, dass er zunächst jüdischen, dann christlichen Bearbeitungen (sog. „Rezensionen“) unterworfen wurde.
Die Aufgabe des Göttinger Unternehmens besteht darin, in einer kritischen Edition die ältest erreichbare, d.h. vorrezensionelle Textfassung dieses einzigartigen Übersetzungswerkes der Antike zu rekonstruieren sowie die späteren Bearbeitungen zu dokumentieren. Ein gigantisches Vorhaben, an dem Wissenschaftler mehrerer Generationen schon seit hundert Jahren arbeiten. Die Zahl der bisher bekannt gewordenen, über alle Welt verstreuten griechischen Septuaginta Handschriften liegt bei rund 2000, die zeitliche Spanne des Materials reicht vom 2. Jahrhundert v. Chr. bis ins 16. Jahrhundert n. Chr.
An dieser einzigartigen Edition sind Forscher aus aller Welt beteiligt, und nicht nur das: Vor dem Hintergrund moderner Konflikte und der schwierigen Verständigung zwischen den Religionen wächst das Interesse an einem Text, der die historischen Wurzeln der aktuellen Entwicklung zeigt. In Deutschland wie vor allem in Kanada und den Vereinigten Staaten ist die internationale Septuagintaforschung wieder am Aufblühen, die Textgrundlage dazu kommt aus der Göttinger Forschungsstelle.

