Akademie der Wissenschaften zu Göttingen

Residenzstädte im Alten Reich (1300–1800)

Abt. II: Gemeinde, Gruppen und soziale Strukturen in Residenzstädten

Die  zweite Abteilung des Handbuchs dient der exemplarischen Vertiefung und vergleichenden Systematisierung aus sozialgeschichtlicher Perspektive. Ziel ist die Analyse der Gemeindeentwicklung in Residenzstädten, sozialgeschichtlich umfassend verstanden im Sinne urbaner Vergemeinschaftungsprozesse, stets auch im Verhältnis zu Herrschaft und Hof. Als Kontext zu beachten sind dabei analoge Prozesse in Orten anderer Prägung (Landstädte ohne Residenzfunktion, Reichsstädte, aber auch nichtstädtische Siedlungen), um Unterschiede und Gemeinsamkeiten herausarbeiten zu können. Inhaltliche Schwerpunkte bilden Stadtwerdungsprozesse, Bevölkerung, Sozialtopographie und innere Urbanisierung, die politische Entwicklung der städtischen Gemeinde und ihrer Vertretung, soziale Gruppen in der Stadt, die Einbindung in zwischenstädtische und territoriale Netzwerke, die Beziehungen zum Stadtherrn, zu dessen lokalen Funktionsträgern und zum Hof. Besonderes Gewicht ist dabei auf die strukturellen und personellen Verflechtungen der beteiligten Akteure zu legen. Umfangreiche Prosopographien können im Rahmen des Handbuchs zwar nicht vorgelegt werden, aber das Verhältnis städtischer und herrschaftlicher Strukturen ist im methodischen Anschluss an die Soziabilitätsanalyse als Geflecht sozialer Interaktionen qualitativ, vergleichend und systematisch zu analysieren.

Aufbau: Die Handbuchabteilung II gliedert sich in vier Bände – zwei regional geordnete Bände mit exemplarischen Analysen zu einzelnen Residenzstädten, zwei systematisch gegliederte Bände (zum einen aus struktureller, zum anderen aus personeller Perspektive):

  • Band II/1: Exemplarische Analysen – Residenzstädte im Norden des Alten Reiches;
  • Band II/2: Exemplarische Analysen – Residenzstädte im Süden des Alten Reiches;
  • Band II/3: Vergemeinschaftungsprozesse in Residenzstädten;
  • Band II/4: Eliten zwischen Stadt und Hof.

Bände II/1 und II/2 (exemplarischer Teil): Die Bände II/1 und II/2 liefern exemplarische Analysen zu jeweils fünfzehn Orten, deren Auswahl sich in Koordination mit Handbuchabteilung III nach typologischen Kriterien richtet und den Forschungsstand wie die geographische Streuung berücksichtigt. Auswahlkriterien sind Größe, Stadtherr (fürstlich, bischöflich usw.), chronologische Einordnung der Stadtwerdung (hoch-/spätmittelalterlich, frühneuzeitlich), Residenztypus (z.B. Haupt-/Nebenresidenz), besondere Interaktionsformen (z.B. Konflikte zwischen Stadtherr und Gemeinde, Wechsel der herrschaftlichen oder dynastischen Zugehörigkeit, Abbruch der Residenzfunktion), landständische Einbindung, wirtschaftliche Struktur, kirchliche Institutionen und geistliche Gemeinschaften, Auswirkungen von Reformation und Konfessionalisierung. Besonderes Augenmerk gilt dabei entsprechend der Gesamtkonzeption des Projekts kleineren Städten.

Bände II/3 und II/4 (systematischer Teil):  Liefern die beiden ersten Bände der Handbuchabteilung II auf diese Weise exemplarische Längsschnitte, bieten die Bände II/3 und II/4 die notwendige systematische Zusammenfassung unter übergreifenden Gesichtspunkten. Im Mittelpunkt stehen der Vergleich zwischen Städten und Städtegruppen auf synchroner und diachroner, regionaler und regionenübergreifender Ebene, die Rolle und die Perspektive von Städten im Rahmen der herrschaftlichen Verdichtungsprozesse, der Territorialisierung und der Entwicklung vormoderner Staatlichkeit und die Einordnung der Ergebnisse in den europäischen Kontext. In der Zusammenschau wird so eine Sozialgeschichte der Residenzstädte des Alten Reiches, eine Geschichte der Beziehungen zwischen städtischen und herrschaftlich-höfisch-staatlichen Strukturen der Vormoderne geschrieben. Am Ende werden eine vertiefte, multiperspektivische und chronologisch differenzierte Definition der stadtgeschichtlichen Kategorie ‚Residenzstadt‘ in ihrer inneren und äußeren Formierung stehen sowie eine weiter aufgefächerte Typologie der damit verbundenen urbanen Phänomene.

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