Gründung

Das Frühneuhochdeutsche Wörterbuch wurde 1977 von den Germanisten Robert R. Anderson, Ulrich Goebel und Oskar Reichmann gegründet. Ziel war die Schließung der lexikographischen Lücke zwischen dem Mittelhochdeutschen und dem Neuhochdeutschen. Die Begründer waren damals der Hoffnung, das gesetzte Ziel innerhalb von 15 Jahren in einem dreibändigen Werk erreichen zu können. Die Zusammenstellung des Korpus und dessen Exzerption ließen aber bald erkennen, dass dies weder hinsichtlich des Umfanges noch hinsichtlich der Bearbeitungszeit möglich sein würde.

Projektleitung und Projektstruktur

Einige Quellen in der alten Heidelberger FWB-Arbeitsstelle

Die Leitung des Projektes war seit seiner Begründung an den Lehrstuhl für Germanistische Sprachwissenschaft unter besonderer Berücksichtigung der Sprachgeschichte (Inhaber bis 2005: Prof. Dr. Oskar Reichmann) an der Universität Heidelberg gebunden.

Da sich sehr schnell zeigte, dass der Text eines inzwischen auf dreizehn Bände berechneten Wörterbuches nicht von einer einzigen Person verfasst werden kann, versuchte Oskar Reichmann die bereits in der Barockzeit verfolgte Idee zu realisieren, das gesamte Alphabet in eine bestimmte Anzahl von Strecken zu unterteilen und jede dieser Strecken an einen oder mehrere freie Mitarbeiter zur Bearbeitung zu übergeben. Dies führte zu dem Ergebnis, dass bis 2012 insgesamt sieben Bände des Werkes erstellt werden konnten. Alle diese Arbeiten wurden von Heidelberg aus koordiniert.

Seit dem 1. Januar 2013 wird das Frühneuhochdeutsche Wörterbuch als Forschungsprojekt der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen fortgeführt. In der ersten Hälfte des Jahres 2013 wurde eine Arbeitsstelle eingerichtet, deren Mitarbeiter(innen) das Vorhaben bis zum Jahr 2027 vollenden werden. 

Lexikographische Konzeption und Quellenkorpus

FWB-Exzerpte

Die lexikographische Konzeption des Wörterbuches und die Zusammenstellung des Quellenkorpus erfolgten im Jahre 1977 durch Oskar Reichmann. Nach rein privatwissenschaftlichen Anfängen förderte die Deutsche Forschungsgemeinschaft in den 90er-Jahren den Großteil der Zentralexzerption des Quellenkorpus. Diese erfolgte aufgrund bewusster wissenschaftlicher und arbeitstechnischer Überlegungen nach der klassischen Verzettelungsmethode. Die Universität Heidelberg unterstützte die Ausarbeitung der ersten Lieferungen. Alle Förderungen liefen im Jahre 1994 (Universität) bzw. 1998 (DFG) aus; eine weitere Unterstützung durch Drittmittelgeber konnte trotz des kontinuierlichen Erscheinens des Werkes seit dem Jahre 1986 zunächst nicht erreicht werden. Der Enthusiasmus einzelner Bearbeiter blieb dennoch ungebremst. Beflügelt wurde dieser zeitweilig durch die Förderung des Instituts für deutsche Sprache in Mannheim, mit dessen Hilfe zwei Bände erarbeitet werden konnten. Der Verlag Walter de Gruyter übernahm in reibungsloser Zusammenarbeit mit den Herausgebern und Bearbeitern die Publikation des Werkes.

Im Wandel der Technik

Manuskript der ersten Lieferung

Die ersten Lieferungen wurden noch mit der Hand auf Papier geschrieben und gingen als Typoskript an den Verlag. Eine elektronische Speicherung der Daten des ersten Bandes wurde durch Überspielen auf ein Magnetband vorgenommen – es ist heute nicht mehr lesbar.

Seit Ende der 1980er-Jahre kam es auch zum Einsatz des Computers bei der Texterfassung, sodass den Verlag seit diesem Zeitpunkt Disketten erreichten. Und natürlich nutzten die Herausgeber des Frühneuhochdeutschen Wörterbuches auch weiterhin, im Rahmen ihrer Möglichkeiten, den technischen Fortschritt. So wurde nicht nur die Datenübermittlung den jeweils neuen Standards angepasst (CD-ROM, E-Mail) , sondern auch für die Datenerfassung, also den eigentlichen redaktionellen Prozess, kamen bald elektronische Redaktionssysteme zum Einsatz.

Heute arbeitet die Forschungsstelle Frühneuhochdeutsches Wörterbuch mit einem auf ihre Bedürfnisse angepassten Redaktionssystem, das zunächst ein auf die Buchherstellung optimiertes Datenformat erzeugt, das die Basis für die Satz-PDFs des gedruckten Wörterbuchs bildet. Auf der Basis des so entstandenen typographisch ausgezeichneten Satz-XMLs entsteht dann in zahlreichen komplexen Konvertierungsschritten eine semantisch hochangereicherte XML-Fassung der Wörterbuchdaten, die die Grundlage für die Online-Version des Frühneuhochdeutschen Wörterbuchs bildet. Dass bei der Aufkonvertierung der Druckdaten das Hauptaugenmerk darauf liegt, die im Text des Wörterbuches verborgenen Informationsschätze (Informationsprogramm, Verweise, Vernetzungen usw.) besser zugänglich zu machen, als das Buch dies kann, gehört zu den primären Zielen der Forschungsgruppe für die Online-Version.

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