Akademie der Wissenschaften zu Göttingen

Septuaginta-Unternehmen

Arbeitsbericht des Septuaginta-Unternehmens für das Jahr 2014

01.01.2015

Das Septuaginta-Unternehmen gilt einem der größten und einflussreichsten Werke der Weltliteratur: der nach der antiken Legende, von der die Septuaginta ihren Namen hat, durch 72 jüdische Gelehrte in 72 Tagen, tatsächlich aber in mehreren Generationen hergestellten griechischen Übersetzung des hebräischen Alten Testaments. Die Aufgabe des 1908 gegründeten Unternehmens besteht in der kritischen Edition der Septuaginta unter Verwertung der gesamten erreichbaren Überlieferung, d.h. der über die ganze Welt verstreuten griechischen Handschriften von den vorchristlichen Fragmenten bis ins 16. Jh. n. Chr., der Tochterübersetzungen (in lateinischer, syrischer, koptischer, äthiopischer und armenischer Sprache) und der Zitate der griechischen und lateinischen Kirchenschriftsteller. Die Göttinger Edition, die das Ziel verfolgt, durch kritische Sichtung der Überlieferung den ältesten erreichbaren Text wiederherzustellen, umfasst in bisher 24 erschienenen Bänden zwei Drittel des Gesamtvorhabens.

Editionen

Das internationale Team der ehrenamtlichen Bandherausgeber setzte seine Editionstätigkeit an den Bänden „Iudices“ (J. M. Cañas Reíllo, Madrid), „Maccabaeorum liber IV“ (R. Hiebert, Langley/Kanada), „Regnorum liber I“ (A. Aejmelaeus, Helsinki), „Regnorum liber III“ (P. A. Torjiano, Madrid) und „Paralipomenon liber I“ (T. Janz, Rom) fort.

Die von Robert Hanhart (Göttingen) verantwortete Edition des Bandes „Paralipomenon liber II“ ist im Oktober 2014 im Druck erschienen. Satz und Layout des Bandes wurden dabei erstmals vollständig von der Arbeitsstelle übernommen. Die Herausgeberin des Buches „Canticum“, Eva Schulz-Flügel (Augsburg), hat der Arbeitsstelle einen ersten Entwurf von Text, Apparat I und Apparat II ihrer Edition im handschriftlichen Manuskript vorgelegt, mit dessen Umsetzung in den PC die Arbeitsstelle begonnen hat. Derzeit arbeitet Frau Schulz-Flügel an der Einleitung. Mit dem Abschluss der Arbeiten ist im Frühsommer 2015 zu rechnen. Der Herausgeber des Buches „Ecclesiastes“, Peter Gentry (Louisville/USA), reichte der Arbeitsstelle ein Manuskript der Einleitung seiner Edition sowie den nochmals überarbeiteten Editionsteil (mit kritischem Text und zwei Apparaten) ein. Mit der redaktionellen Überarbeitung des Manuskriptes ist im Winter begonnen worden, mit dem Erscheinen des Bandes kann im Herbst 2015 gerechnet werden. Die Endredaktion der Neuauflage des Bandes „Duodecim prophetae“ (J. Ziegler) durch Felix Albrecht (Göttingen) wurde im Berichtsjahr fortgesetzt. Dabei arbeitete Herr Albrecht insbesondere an der Lösung textkritisch komplizierter Stellen.

Digitalisierung/Datenbank der Septuaginta-Handschriften

Aufgrund eines im Laufe des Jahres 2012 zwischen der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen und einem spanischen Programmierer-Team geschlossenen Werkvertrages wurde die Programmierung der Septuaginta-Handschriften-Datenbank während des Berichtsjahres erfolgreich vorangetrieben, sodass zur Gewährleistung von Funktionalität und Stabilität dieser Beta-Version im Laufe des Jahres 2015 eine ausgiebige Testphase durchgeführt werden kann.

Kollation der Psalter-Handschriften

Die Mitarbeiter haben im Berichtsjahr die vorgesehene Anzahl von 46 Psalter-Handschriften kollationiert und 35 revidiert. Die enorme Masse des Variantenmaterials soll, verbunden mit der notwendigen Kontrolle des Datenmigrationsprozesses, zu Beginn des im Sommer 2014 vom Kommissionsvorsitzenden im Rahmen des Forschungsprogramms der deutschen Akademien der Wissenschaften (Akademienprogramm) beantragten Neuprojekts „Die editio critica maior des Septuaginta-Psalters“ in eine Kollationsdatenbank überführt werden.

Handschriftenverzeichnis

Im Herbst 2014 konnte mit dem Byzantinisten und ausgewiesenen Handschriftenexperten Dr. Rudolf Stefec (Wien, Österreich) ein Werkvertrag über die Erarbeitung des ersten Faszikels („Adrianopel bis Augsburg“) des neukonzipierten Handschriftenverzeichnisses (Suppl. vol. II: Die Überlieferung vom IX. bis XVI. Jahrhundert) geschlossen werden. Herr Dr. Stefec wird bei der Bearbeitung von Herrn Dr. Reinhart Ceulemans (Leuven, Belgien) unterstützt. Mit einem Erscheinen dieses Faszikels ist im Frühjahr 2016 zu rechnen.

Katalogisierung der Bibliotheksbestände des Septuaginta-Unternehmens im OPAC der Georg-August-Universität Göttingen

Seit Sommer 2013 sind die Bibliotheksbestände des Septuaginta-Unternehmens im OPAC der Universität katalogisiert worden. Die Bibliothek des Unternehmens bleibt dabei allerdings eine reine Präsenzbibliothek: Auf Anfrage besteht jedoch die Möglichkeit zur ‚Vor-Ort‘-Benutzung, die bereits einige Male in Anspruch genommen wurde. Ein aktualisierter Zettelkasten (numerisch und alphabetisch) konnte im Berichtsjahr fertiggestellt werden. Maßgeblich unterstützt wurde und wird die Arbeitsstelle dabei von der wiss. Bibliothekarin der Vereinigten Theologischen Seminare, Frau Janiszewski.

Kontakte

Folgende Gastforscher weilten während des Berichtsjahrs zur Fortführung ihrer Editionen, Monographien und Einzelstudien sowie zu Bibliotheksrecherchen in der Göttinger Arbeitsstelle: Prof. Dr. Eva Schulz-Flügel (Augsburg) im Februar und Juni, Prof. Dr. José Manuel Cañas Reíllo (Madrid, Spanien) im April und November, Prof. Dr. Anneli Aejmelaeus (Helsinki, Finnland) im Mai, Prof. Dr. Luciano Bossina (Padua, Italien) im Juli, Prof. Dr. Peter J. Gentry (Louisville, USA) im Juli, Prof. Dr. Robert J.V. Hiebert (Langley, Kanada), Dr. Alison Salvesen (Oxford, GB) und Prof. Dr. Gesa Dane (FU Berlin) ebenfalls im Juli, Dr. Timothy Janz (Rom, Italien) im Oktober.

Herr Dr. Ceulemans hielt einen Vortrag in Paris (am 4. April über „Autour du texte grec du livre de Judith“ auf der Réunion annuelle du groupe de recherche La Bible d’Alexandrie), Herr Albrecht referierte am 26. Juli auf der Tagung „Die Septuaginta: Orte und Intentionen“ in Wuppertal zum Thema „Die alexandrinische Überlieferung und die Rezension des Hesych von Alexandrien in den Prophetenbüchern der Septuaginta“.

Vom 21. bis 25. Juli 2014 veranstaltete die Arbeitsstelle unter Leitung von Frau Dr. Alison Salvesen (University Research Lecturer in Oriental Studies, Oxford/GB) die 5. Internationale Septuaginta Summer School zum Thema „Preparing the Way of the Lord: Greek Isaiah from Judaism to Christianity“, an der 14 Studierende und Promovierende aus Südafrika, den Niederlanden, Russland, Großbritannien, Frankreich, Italien, Finnland und Deutschland teilnahmen.

Publikationen

  • Paralipomenon liber II, edidit Robert Hanhart, Septuaginta. Vetus Testamentum Graecum. Auctoritate Academiae Scientiarum Gottingensis editum. Vol. VII,2, Göttingen, 1. Auflage 2014.

 

R.G. Kratz

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