Akademie der Wissenschaften zu Göttingen

Septuaginta-Unternehmen

Arbeitsbericht des Septuaginta-Unternehmens für das Jahr 2013

01.01.2014

Das Septuaginta-Unternehmen gilt einem der größten und einflussreichsten Werke der Weltliteratur: der nach der antiken Legende, von der die Septuaginta ihren Namen hat, durch 72 jüdische Gelehrte in 72 Tagen, tatsächlich aber in mehreren Generationen hergestellten griechischen Übersetzung des hebräischen Alten Testaments. Die Aufgabe des 1908 gegründeten Unternehmens besteht in der kritischen Edition der Septuaginta unter Verwertung der gesamten erreichbaren Überlieferung, d.h. der über die ganze Welt verstreuten griechischen Handschriften von den vorchristlichen Fragmenten bis ins 16. Jh. n. Chr., der Tochterübersetzungen (in lateinischer, syrischer, koptischer, äthiopischer und armenischer Sprache) und der Zitate der griechischen und lateinischen Kirchenschriftsteller. Die Göttinger Edition, die das Ziel verfolgt, durch kritische Sichtung der Überlieferung den ältesten erreichbaren Text wiederherzustellen, umfasst in bisher 23 erschienenen Bänden zwei Drittel des Gesamtvorhabens.

Editionen

Das internationale Team der ehrenamtlichen Bandherausgeber setzte seine Editionstätigkeit an den Bänden „Canticum“ (E. Schulz-Flügel, Augsburg),  „Maccabaeorum IV“ (R. Hiebert, Langley/Kanada), „Regnorum I“ (A. Aejmelaeus, Helsinki), „Regnorum III“ (P. A. Torjiano, Madrid) und „Paralipomenon I“ (T. Janz, Rom) fort.

Robert Hanhart (Göttingen) vollendete die Einleitung zu seiner Edition des Buches „Paralipomenon II“ im Manuskript. Die Erstellung einer Druckvorlage der im Winter 2012 abgeschlossenen Edition (Text und Apparat) wurde von den Mitarbeitern der Arbeitsstelle in enger Kooperation mit dem Editor abgeschlossen, die Korrektur ist begonnen worden.

Der Herausgeber des Buches „Ecclesiastes“, Peter Gentry (Louisville/USA), konnte die Ausarbeitung der Einleitung seiner Edition zum Abschluss bringen. Die Umsetzung des Manuskripts in eine camera ready-Vorlage wird für das Jahr 2014 erwartet.

Die Druckvorlage der Neubearbeitung des Bandes „Duodecim prophetae“ (J. Ziegler) durch F. Albrecht (Göttingen) wurde innerhalb der Arbeitsstelle revidiert.

Die Edition des Bandes „Iudices“ wurde zum Ende des Berichtsjahres an José Manuel Cañas Reíllo (Madrid) vergeben.

Digitalisierung/Datenbank der Septuaginta-Handschriften

Aufgrund eines im Laufe des Jahres 2012 zwischen der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen und einem spanischen Programmierer-Team geschlossenen Werkvertrages wurde die Programmierung der Septuaginta-Handschriften-Datenbank während des Berichtsjahres erfolgreich vorangetrieben, so dass bereits erste Versionen der Ein- und der Ausgabemaske vorliegen, deren sachliche Kontrolle innerhalb der Arbeitsstelle vorgenommen wurde. Daher kann mit einem Abschluss des Programmierprozesses innerhalb des nächsten Jahres gerechnet werden.

Kollation der Psalter-Handschriften

Die Mitarbeiter haben im Berichtsjahr die vorgesehene Anzahl von 56 Psalter-Handschriften kollationiert. Damit sind von den ca. 600 Psalter-Handschriften bis zum 12. Jahrhundert, deren Bearbeitung bis zum Laufzeit-Ende des Septuaginta-Unternehmens im Jahre 2015 geplant ist, mittlerweile 490 Handschriften kollationiert. Die enorme Masse des Variantenmaterials soll, verbunden mit der notwendigen Kontrolle des Datenmigrationsprozesses, in eine Kollationsdatenbank überführt werden.

Handschriftenverzeichnis

Die Erarbeitung des Bandes „Die Psalterhandschriften vom IX. Jh. an“ (Suppl. vol. I,3) wurde im Berichtsjahr im Rahmen von Revisionen einzelner Handschriftenbeschreibungen fortgeführt.

Digitalisierung der „Mitteilungen des Septuaginta-Unternehmens“ (MSU)

Da die meisten der seit 1909 erschienenen Bände der MSU mittlerweile zum größten Teil vergriffen sind, wurde die Reihe nun im Septuaginta-Unternehmen vollständig digitalisiert. Dank dem Entgegenkommen der Autoren und Erben konnten bereits über 20 Bände auf dem ‚res doctae‘-Dokumentenserver der Akademie als kostenloser PDF-Download zur Verfügung gestellt und somit diese wichtige Ressource der Öffentlichkeit wieder zugänglich gemacht werden.

Kontakte

Folgende Gastforscher weilten während des Berichtsjahrs zur Fortführung ihrer Editionen, Monographien und Einzelstudien sowie zu Bibliotheksrecherchen in der Göttinger Arbeitsstelle: Prof. Dr. Anneli Aejmelaeus (Helsinki, Finnland) im Februar und März, Nesina Grütter (Kiel) im April, Dr. Georgi Parpulov (Oxford, GB) ebenfalls im April und im September, Prof. Dr. Peter J. Gentry (Louisville, USA) im Mai und Juli, Dr. Timothy Janz (Rom, Italien) im Juli, Prof. Dr. Anna Kharanauli (Tbilisi, Georgien) im August, ebenfalls im August Prof. Dr. Benjamin Wright III (Bethlehem, USA), Dr. Pietro Versace (Rom, Italien) im September, Prof. Dr. Eva Schulz-Flügel (Augsburg) im Oktober und Dr. José Manuel Cañas Reíllo (Madrid, Spanien) im November.

Vom 5.-6. März nahmen Herr Dr. Neuschäfer, Herr Dr. Ceulemans sowie die Herren Albrecht und Schäfer an dem internationalen Symposium „Griechische Handschriften in der Bayrischen Staatsbibliothek“ in München teil und vom 1.-3. August, ebenfalls in München, an dem 15. Kongress der IOSCS (International Organization for Septuagint and Cognate Studies). Darüber hinaus hielt Herr Dr. Ceulemans Vorträge in Paris (am 31. Mai über „La Bible d’Alexandrie au miroir de l’entreprise éditoriale de Göttingen“ auf der Réunion annuelle du groupe de recherche La Bible d’Alexandrie) und München (am 3. August über „Theodoret and the Antiochene Text of the Psalms“ beim 15. Kongress der IOSCS). Herr Albrecht referierte am 18. Juni bei dem „First International Meeting on the Psalms of Solomon“ in Strasbourg zum Thema „Towards a New Critical Edition. Insights from Editing the Psalms of Solomon“ und hielt am 23. November auf der SBL in Baltimore einen Vortrag mit dem Titel „Verbum Domini – The Septuagint Minor Prophets, Their Text and Transmission“.

Vom 12.-16. August 2013 veranstaltete die Arbeitsstelle unter Leitung von Herrn Prof. Dr. Benjamin G. Wright III (Lehigh University Bethlehem, Pennsylvania/USA) die 4. internationale Septuaginta Summer School zum Thema „Scribal Processes in Greek and Hebrew – The Case of Ben Sira“, an der 14 Studierende und Promovierende aus Südafrika, Israel, Belgien, Simbabwe, den USA, Italien, der Schweiz, Kanada und Deutschland teilnahmen.

Publikationen

R. G. Kratz  

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