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Lagarde-Haus Göttingen

Das Septuaginta-Unternehmen (1908-2015) der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen war einem der größten und einflussreichsten Werke der Weltliteratur gewidmet, namentlich der griechischen Übersetzung des hebräischen Alten Testaments. Der Legende nach übersetzten im 3. Jahrhundert v. Chr. 72 Gelehrte in 72 Tagen die heiligen Schriften der Juden ins Griechische, was dem Werk den Namen "Septuaginta" ("die Siebzig") eintrug. Tatsächlich aber war die Übersetzung ein langwieriger Prozess, der mehr als dreihundert Jahre währte und erst in neutestamentlicher Zeit zum Abschluss gelangte.

Zur Geschichte des Septuaginta-Textes gehört, dass er zunächst jüdischen, dann christlichen Bearbeitungen (sog. "Rezensionen") unterworfen war. Die Aufgabe des Göttinger Unternehmens bestand darin, in einer kritischen Edition die älteste erreichbare, d.h. vorrezensionelle Textfassung dieses einzigartigen Übersetzungswerkes der Antike zu rekonstruieren und deren Überlieferung möglichst vollständig zu dokumentieren. Dies war ein gewaltiges Vorhaben, an dem Wissenschaftler mehrerer Generationen und Forscher aus aller Welt beteiligt waren.

Während der Laufzeit des Septuaginta-Unternehmens wurden zwei Drittel dieser kritischen Edition publiziert. Das letzte Drittel harrt der editorischen Erschließung, die seit dem 1. Januar 2016 in Verantwortung der ebenfalls an der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen angesiedelten "Forschungskommission zur Edition und Erforschung der Septuaginta" liegt.

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